Berlin - Hauptbahnhof, Humboldthafen & Umfeld

  • Das weiter oben sollte keine Lobeshymne auf den linken Senat in Berlin sein, nicht missverstehen. Berlin hat das Pech einer ambitionsarmen und selbstzufriedenen Regierungstradition, zumindest seit den 1980er Jahren. Dieses Schicksal teilt es mit Bremen, wo die allerdings die Gesamtlage nochmals deutlich trister erscheint. Die trotz aller Probleme und Peinlichkeiten unbestreitbar positive Gesamtentwicklung der Stadt in den letzten 10, 15 Jahren ist somit eher trotz als wegen der Regierenden eingetreten.


    Auch die Mietpreisbremse sehe ich in der Summe kritisch, wenngleich ich die tlw. sehr schrille Kritik von konservativer Seite etwas übertrieben finde bzw. schlicht nicht einschätzen kann, wozu das Mietmoratorium wirklich führen wird. Dass eine solche Maßnahme natürlich auf schärfste Kritik der Gegenseite stoßen muss, ist klar und naturgegeben und noch kein zwingender Beweis für die schadhafte Wirkung. Trotzdem bin ich geneigt, Dir in der Summe eher zuzustimmen, künstliche Preisgrenzen dürften bei einem so dynamischen Markt eher entwicklungs- und investitionshemmend wirken und somit ggf. sogar einen gegenteiligen Effekt erzielen, wobei klar gesagt werden muss, dass Neubauten von der Regelung ausgenommen sind. Am härtesten dürfte es ironischerweise Besitzer einzelner Häuser treffen, die evtl. geplante Sanierungen wohl zurückstellen werden müssen.


    Man muss aber auch sagen, dass Berlin beeindruckend viel Wohnraum in Fertigstellung hat oder kürzlich fertiggestellt hat, so dass sich mit dem wieder abflauenden Zuzug zumindest vorübergehend so oder so eine gewisse Beruhigung auf dem Markt einstellen dürfte.

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    Ich finde die von Mantikor kreierten Bezeichnungen für dieses städtebauliche Desaster wirklich sehr originell. Fast kann man wieder über das Elend lachen. Ob irgendeiner der beteiligten Architekten wohl ein schlechtes Gewissen hat? Ich finde, man sollte in Zukunft solche Bilder jedesmal zeigen wenn eine Bürgerbefragung zu einem Wiederaufbauprojekt ansteht, als abschreckendes Beispiel.

  • Weil wir hier im Strang über den Wahnsinn der von den Linken (R-R-G) in Berlin beschlossenen Mietpreisbremse sprachen, eine aktuelle, heutige Meldung aus dem immoflash hierzu:


    https://www.immoflash.at/20191…arkt-einbruch/14505/?ac=0


    Und das 30 Jahre nach der Revolution! Der Mensch vergißt (zu) schnell...wird schon einen Grund haben, dass die Revolution nicht von den Berlinern sondern von den Sachsen ausging.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








  • Exilwiener!
    Bitte keine Politisierung! Ich mag den Begriff "Linkspopulist" nicht. Was soll R-R-G bedeuten? Ich bitte Dich Deinen Beitrag zu editieren.

  • Exilwiener!
    Bitte keine Politisierung! Ich mag den Begriff "Linkspopulist" nicht. Was soll R-R-G bedeuten? Ich bitte Dich Deinen Beitrag zu editieren.

    Sorry, dachte das ist mittlerweile in Deutschland das läufige "Jargon". Wenn schon Tageszeitungen das Adjunkt "-populisten" verwenden, dann dachte ich, dass das in einem Forum auch möglich ist.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








  • Exilwiener, das sind Schlagworte um politische Gegner/Opposition zu diskreditieren. Das weißt Du ganz genau ;) Vor 6 Jahren kannte ich diesen Begriff noch gar nicht. Ich frag mich, was das hier bringen soll?

  • RRG steht für den Berliner Senat, Rot, rot, grün

    inzwischen nur noch R2G genannt, klingt netter - wie ein Druide aus Star Wars :D


    Aber so langsam entfernen wir uns hier vom Hauptbahnhof - wenn ich daran denke daß der unter Denkmalschutz stehende ehemalige Lehrter Stadtbahnhof für 80mio restauriert wurde um ein paar Jahre später abgerissen zu werden, hat man in der Tat den Eindruck, Berlin hätte zu viel Geld.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Lehrter Stadtbahnhof... und anfangs versprach die Bahn, den historischen Namen Lehrter Bahnhof wieder aufzugreifen. Aber dann kam Mehdorn, der selbstgerechte Manager von Schröders Gnaden, der danach Air Berlin ruinierte und anschließend beim BER versagte (oder umgekehrt)

  • Zumal genug Platz gewesen wäre, dieses "Einkaufszentrum mit gelegentlichen Schienenverkehr" dort zu bauen, wo der Lehrter Stadtbahnhof überhaupt nicht gestört hätte. Auch wenn der alte Lehrter Stadtbahnhof stillgelegt wäre, hier hätte man viel draus machen können. Und wenn ich es recht bedenke - der alte Lehrter Stadtbahnhof stand doch rechts (stadtauswärts) vom heutigem Hauptbahnhof ? Um so unsinniger war der Abriss des selbigen, da er ja überhaupt keinen Bauvorhaben im Weg gestanden wäre.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Lehrter Stadtbahnhof... und anfangs versprach die Bahn, den historischen Namen Lehrter Bahnhof wieder aufzugreifen. Aber dann kam Mehdorn, der selbstgerechte Manager von Schröders Gnaden, der danach Air Berlin ruinierte und anschließend beim BER versagte (oder umgekehrt)

    Mit Herrn Mehdorn hatte das rein gar nichts zu tun. Es gibt Regeln für die Benennung von Bahnhöfen. Der Bahnhof einer Großstadt, der die Funktion Hauptbahnhof erfüllt, muss auch "Hauptbahnhof" heißen. Und zur Benennung "Hauptbahnhof" gibt es keinen weiteren Namenszusatz. Der Zusatz "Lehrter Bahnhof" war ein rein politischer Kompromiss, der in der Praxis bedeutungslos blieb. Ja, auf den Schildern an den S-Bahngleisen, aber nur dort, steht der Zusatz "Lehrter Bahnhof". Anzeigen in den S-Bahnzügen, Anzeigen auf anderen S-Bahnhöfen, Bahnhofsdurchsagen und Netzpläne verwenden ausschließlich den Namen "Hauptbahnhof". Denn hier geht es um die schnelle Orientierung. Die meisten Reisenden sind keine Berliner Heimatforscher.


    Viele Reisende schätzen es auch, dass es am Hauptbahnhof und an anderen Bahnhöfen Einkaufsmöglichkeiten und gastronomische Angebote gibt. Das hat etwas mit Service zu tun. Und ebenso ist die Benennung "Hauptbahnhof" dem Servicegedanken geschuldet.

  • Es gab früher die Kopfbahnhöfe (wobei die Gleise zum Lehrter Bahnhof unter der Stadtbahn hindurchgingen, dadurch auch die Bezeichnung des S-Bahnhofs als "Lehrter Stadtbahnhof) und es gab die Stadtbahn, die als langer großer Hauptbahnhof galt mit den Fernbahnhöfen Zoologischer Garten, Friedrichstraße und Schlesischer Bahnhof, die auf den Fahrkarten und den Zuglaufschildern unter dem Begriff "Berlin Stadtbahn" zusammengefasst waren. Das haben einst alle verstanden und nicht nur "Berliner Heimatforscher".

  • @Oberbaumbrücke
    Die "Berliner Stadtbahn" ist eine Bahnstrecke und kein Bahnhof. "Berlin Stadtbahn" war früher eine Tarifbezeichnung und ebenfalls kein Bahnhof. Mit Eröffnung des Hauptbahnhofs wurde sie im DB-Fernverkehr durch die Tarifbezeichnung "Berlin" (ohne Zusatz eines konkreten Bahnhofs) abgelöst. Gemeint ist damit die tarifliche Gleichbehandlung und Zusammenfassung aller Bahnhöfe innerhalb und auf der Ringbahn. Im Nahverkehr entspricht dem der Tarifbereich A von Berlin im Rahmen des VBB.


    Berlin hatte in früheren Zeiten einfach keinen Hauptbahnhof. In London, Paris, Budapest, Moskau und Petersburg ist das heute noch so. Das Rückgrat des Bahnverkehrs bilden in diesen Metropolen jeweils mehrere große Kopfbahnhöfe. Infolge von Kriegszerstörung und Teilung waren in Berlin die großen Kopfbahnhöfe weggefallen. Westberlin wie Ostberlin waren für Jahrzehnte bezüglich der Bahninfrastruktur ins Hintertreffen geraten. Der Lehrter Stadtbahnhof wurde übrigens 1987 restauriert. Damals war die Wiedervereinigung der Stadt und die daraus folgende Verkehrsplanung noch nicht abzusehen. Mit der Wiedervereinigung von Berlin und Deutschland musste der Schienenverkehr der Hauptstadt neu geordnet werden. Es wäre unsinnig gewesen, die früheren Kopfbahnhöfe zu rekonstruieren. Ein Hauptbahnhof bietet nämlich für die Reisenden große Vorteile durch die vielen Umsteigemöglichkeiten.


    Der Berliner Hauptbahnhof steht genau an der richtigen Stelle im Netz. Er konnte nur als Turmbahnhof mit Durchgangsgleisen auf zwei Ebenen errichtet werden. Anders ließ sich die Streckenführung im Bahnhofsvorfeld nicht realisieren. Dieser Hauptbahnhof ist nicht der Lehrter Bahnhof und heißt deshalb auch nicht so. Architektonisch knüpft der Hauptbahnhof an die Tradition der großen Bahnhöfe des 19. Jahrhunderts an, und zwar insofern, als auch hier die Inszenierung von Mobilität im Mittelpunkt des architektonischen Konzeptes steht.


    Ich verstehe nicht, welches Problem du mit dem Hauptbahnhof hast. Es war unumgänglich, große Teile des Fernverkehrs von der überlasteten Stadtbahn herunterzunehmen und in den Tunnel zu verlegen. Wir können doch froh sein, dass Berlin heute diesen leistungsfähigen Großbahnhof hat. Gegenüber der "guten alten Zeit" hat sich sowieso vieles im Bahnverkehr verbessert: keine Dampflokomitiven mehr, keine quietschenden Scheibenbremsen, stattdessen leise Wagen mit weitgehend barrierefreien Einstiegen, viel bessere Fahrgastinformationssysteme als früher, ein Verkehrsverbund, der den Wechsel zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln vereinfacht und das Zusammenwirken dieser Verkehrsmittel im Rahmen des Regionalverkehrs verbessert. Übrigens wurde auch früher, bis zum Zweiten Weltkrieg, die Schienenverkehrsinfrastruktur in Berlin ständig ausgebaut und modernisiert.

  • Ich habe an keiner Stelle gefordert, dass die Kopfbahnhöfe zurückkehren und ich habe nur darauf hingewiesen, dass die Fernbahnhöfe auf der Stadtbahn gleichberechtigt waren, auch wenn Du es damit abtust, dass "Berlin Stadtbahn" nur eine Tarifbezeichnung gewesen sei. Dann erkläre mir bitte, warum an den Zuglaufschildern als Ziel "Berlin Stadtbahn" angegeben war.
    Ich habe auch nirgendwo geschrieben, dass ich möchte, dass weiterhin alle Fernzüge über die Stadtbahn hereinkommen, denn die ehemaligen Kopfbahnhöfe werden, das ist mir bewusst, im Großen und Ganzen durch den Tunnel ersetzt bzw. mit den Bahnhöfen "Gesundbrunnen", "Potsdamer Platz" und "Südkreuz".
    Wie hoch ist eigentlich der Anteil der "Umsteiger", also der Reisenden, die Berlin nicht als Endziel haben?
    Und auch der "Zwang" in einem Fernzug bis zum "Hauptbahnhof" mitfahren zu müssen, um dann drei oder vier S-Bahnstationen zurückfahren zu müssen, wenn man in die westlichen Bezirke möchte, oder eine Station vorfahren zu müssen, wenn man eigentlich zum Bahnhof Friedrichstraße möchte, erschließt sich mir auch nicht. Der Ärger der Berliner, dass der Bahnhof Zoo zur Regionalstation degradiert wurde, dürfte wohl bekannt sein.
    Über das Konzept "Einkaufscenter mit Gleisanschluss" kann man natürlich auch geteilter Meinung sein, wobei ich mir im Falle Berlin "Hauptbahnhof" natürlich klar darüber bin, dass das Umfeld in dieser Hinsicht Servicewüste ist und bleiben wird.
    In Köln, Hamburg, München, Stuttgart, um mal vier Beispiele von wirklichen Großstädten zu geben liegen die Hauptbahnhöfe auch wirklich im Mittelpunkt mit entsprechendem Umfeld. Berlin Hauptbahnhof hingegen ist genauso wenig damit ausgestattet wie der zeitweilige Berlin Hauptbahnhof in Friedrichshain.

  • @Oberbaumbrücke
    Man hat die Fernverkehrshalte rund um den Hauptbahnhof dahingehend systematisiert, dass es in jeder Himmelsrichtung noch einen Fernbahnhof gibt: Gesundbrunnen, Ostbahnhof, Südkreuz und Spandau. Für die feinere Erschließung des Stadtgebiets ist der Nahverkehr zuständig. Aufgabe des Fernverkehrs ist es, zwischen weit auseinander liegenden Zentren Verbindungen mit guten Fahrtzeiten zu schaffen. Nehmen wir die westliche Richtung: Da hatten die Planer vor allem die Fahrtzeit zwischen Berlin Hbf und Hannover sowie Zielen weiter im Westen im Blick. Neben dem Bau von Schnellfahrstrecken übers Land ist es dazu wichtig, möglichst wenige Verkehrshalte einzuplanen und den ICE auf den Gleisen der Großstädte zu beschleunigen. Sinnvollerweise hält der ICE nicht im Bahnhof Zoo, sondern nur noch in Spandau und dann erst wieder in Wolfsburg.


    Deiner Äußerung entnehme ich eine Geringschätzung des Nahverkehrs. Das ist vollkommen unberechtigt. Die meisten Menschen sind im Nahverkehr unterwegs, nicht im Fernverkehr. Es ist der Nahverkehr, der die Regionen flächendeckend erschließt. Die Bahnhöfe Zoo und Friedrichstraße sind wichtige Verkehrsknotenpunkte und überhaupt nicht "degradiert". Das siehst du ganz falsch.


    Umsteigebeziehungen gibt es in Berlin und speziell am Hauptbahnhof unendlich viele. Dabei ist es unerheblich, ob der Umstieg zwischen gleichartigen Verkehrsmitteln oder zwischen verschiedenartigen Verkehrsmitteln erfolgt. Nur ein Beispiel: Wenn Potsdamer den Fernverkehr nutzen wollen, müssen sie in Berlin Hbf umsteigen.


    Reisende, die Berlin nicht als Ziel haben, gibt es natürlich massig. Von Leipzig nach Hamburg fährt man mit dem ICE durch Berlin durch bzw. muss in Berlin Hbf umsteigen. (Die Fahrzeit ist mit oder ohne Umstieg gleich.) Von Güstrow nach Dresden muss man je nach Verbindung in Berlin umsteigen oder auch erst hinter Berlin. Es gibt Leute, die wollen von Eberswalde nach Dortmund oder von Rostock nach Nürnberg usw. Berlin ist doch nicht das Ende der Welt, und die Menschen in anderen Orten haben auch Mobilitätsbedürfnisse.


    Die Ansiedlung von Einzelhandel in Bahnhofsgebäuden hängt von wirtschaftlichen Interessen ab. Das direkte Bahnhofsumfeld spielt dabei praktisch keine Rolle. Auch in den Bahnhöfen Zoo und Friedrichstraße gibt es viele Geschäfte. Ich finde das sehr praktisch und kaufe oft in Bahnhöfen ein. Ich weiß nicht, was dich daran stört.


    Das städtebauliche Umfeld des Hauptbahnhofs ist immer noch enttäuschend, der Bahnhof selbst erfüllt seine Funktion aber doch sehr gut.

  • Verkaufsmöglichkeiten gab es auch schon an den alten Centralbahnhöfen, da gab es die Mitropa, da gab es das Blumengeschäft da gab es den Souvenierladen - man hat also alles gekriegt was man so als Reisender wollte. Wo zu es auf einmal zig Fresstempel verschiedener Nationen, Boutiquen und Supermärkte in einem Bahnhof gibt, will mir nicht einleuchten.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Ich mag ja ganz allgemein Bahnhöfe. Man kann Züge beobachten und Menschen. Vieles hat sich im Laufe der Zeiten verändert, aber es sind doch immer noch Bahnhöfe. Und der Berliner Hauptbahnhof ist nicht der schlechteste unter ihnen. Hier kann man auch am Sonntag einkaufen, und das breite gastronomische Angebot ist doch eine gute Sache. Für jeden Geschmack ist was dabei. Bahnhöfe sind ja auch Aufenthaltsorte. Sie sind offen für jedermann.


    Der Hauptbahnhof liegt schon ziemlich günstig in der Stadt. Vom Ausgang Europaplatz kann man bequem zum Museum Hamburger Bahnhof laufen. Bis zum Naturkundemuseum ist es dann auch nicht mehr weit. Vom Washingtonplatz ist der Pariser Platz gut zu Fuß zu erreichen, vorbei an den Sehenswürdigkeiten Kanzleramt, Reichstag und Brandenburger Tor. Aber eine Fahrt mit der U55 macht natürlich auch Spaß.

  • @Rastrelli ich weiß nicht ob Du bereits mal ehrwürdige Kopfbahnhöfe wie zum Beispiel Dresden, Leipzig, Zürich usw. erlebt hast? Freilich hast Du da auch so Deine Einkaufsmöglichkeiten im Rahmen - aber das sind keine Glas/Stahl gewordenen Einkaufzentren - dieses Glasding was sich da Hauptbahnhof nennt, könnt ich mir vielleicht noch als Gewächshaus im Botanischen Garten vorstellen, aber als Bahnhof ist der ähnlich grausig wie das Südkreuz.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.