Berlin - Hauptbahnhof, Humboldthafen, Europacity

  • Selbst wenn die Stockwerke absolut gleich gestaltet werden, muss es doch nicht so aussehen.

    Hier eine 4-Minuten Skizze. Der gleiche Kasten in zwei Ausführungen. Beide billigst gekritzelt und trotzdem sieht man den Unterschied.

    Da hast Du Recht Franka, den Punkt muss ich bei meiner Argumentation streichen. Die Bilder von Johan aus Stockholm zeigen ja auch häufig, mit welch gleichen Fensterformaten man sogar sonst völlig leere Fassaden recht annehmbar bestücken kann. Ist es aber dann auch aus der Luft gegriffen, da eine Eintönigkeit bei den Neubauten festzumachen? Irgendworan müsste das sich dann sonst festmachen lassen müssen.

  • Ja, was denn? Es würde mich wirklich interessieren - zumindest für dieses Baugebiet, wo es eigentlich keinen Altbaubestand gab bzw mehr gibt, an den man anknüpfen könnte.

    Natürlich ist es Heimdall unbenommen zu antworten, jedoch würde ich auch gerne bereits eine Antwort geben.

    Ich hätte es als sehr wohltuend empfunden, wenn man sich in Berlin überlegt hätte, welche europäischen Stadtmodelle sehr gut funktionieren und sich zusätzlich damit beschäftigt hätte, was Berlin so Besonderes hat, und wofür es bereits feine Entwicklungsansätze gäbe, worauf man seinen Ruf aufbauen kann. Eine Vision, wenn man so will, entwickeln, wo man mit einer solchen Entwicklung hin will, als verbindenden Rahmen.

    Und nun kommt eine spezifischere Vorlage dafür, die jetzt vielleicht eher hier zu Uns passt, es hätte aber natürlich auch andere Wege gegeben mit ähnlichen qualitätvollen Ergebnissen. Also, ich hätte mir Paris angeschaut, die Stadt ist mit Berlin eng verknüpft, ist touristisch eine der wichtigsten in Europa, strahlt international für Frankreich aus, und ist eine würdige Hauptstadt, deren spezifische Anforderungen also mit diesem Stadtmodell passen. Nun zum nächsten Puzzlestein, was hat Berlin so im Kern. Ich habe da Spree-Athen im Kopf, klassizistische Bauten, wie das internationale Wahrzeichen Berlins, das Brandenburger Tor. Auch eventuell die sozialistische Geschichte mit stalinistischem Klassizismus. Und dann vernehme ich sanfte Andeutungen, die Berlin als einen lokalen Schwerpunkt einer neuklassischen Bauweise auslobt und eine gewisse Eigenständigkeit abzeichnet. Da setzt sich für mich ein Bild zusammen, das ich genau in so einem Baugebiet entwickelt hätte.

    Ich wäre in die Vollen gegangen, hätte wie ein Haussmann mutig Straßen gezogen und Plätze orientiert, Wasserwege geformt, Architektur, welche noch stärker als die bisherigen neuklassischen Bauten den Formenschatz aufgreift und fortentwickelt, der Idee hingibt, eine Stadtkomposition zu erzeugen. Was wäre einer Europacity würdiger als den europäischen Mythos einer Europa und die Demokratie formenden Antike stilistisch wiederaufzugreifen?

    Solche Visionen, solche (sehr langfristigen) Ziele, solche verbindenen Ideen fehlen nicht nur diesem Viertel, es mangelt ganz grundsätzlich daran, wenn heute Quartiere und Städte entwickelt werden. Es gibt nur Minimalkonsens a la bezahlbarer Wohnraum mit grünem Anstrich und einzelnen avantgardistischen Leuchttürmen, mit denen man sich einredet internationale Bedeutung einzufangen.

  • Ja, was denn?

    Also, ich habe nicht die Muße, die gezeigten 08/15-Gebäude inhaltlich auseinander zu nehmen. "Majorhantines" hat das ja schon ausgiebig getan. Ich hätte auf andere Dinge abgezielt: Völliges Unvermögen einer Fassadengliederung (vor allem hinsichtlich der vertikalen Achsen), Verzicht auf klassische Fassadenelemente (Risalit, Erker, Giebel usw.usf.), Verzicht auf Fassadenschmuck usw.usf.


    Das Argument der fehlenden Altbauten zieht nicht, denn 1. gibt es in dem Areal erhaltene Altbauten (siehe hier), an die man hätte anknüpfen können, 2. interessiert es "Modernisten" auch nicht, ob irgenein modernistischer Bestand vorhanden wäre, in den sie sich einpassen wollen. Notfalls wird von ihnen der Glasklotz auch neben den Barockbau oder in den Fachwerkbestand gesetzt.


    Ich brösele jetzt auch nicht nochmals auf, was man an solchen Bauten besser machen könnte, sondern poste einfach mal ein paar Beispiele aus der Historie, die zeigen, wie man es anders machen kann, wenn man mal auf ein paar Euro mehr an Rendite und den dritten SUV zu verzichten bereit ist. Und ich poste nicht mal die Beispiele, die mir am meisten gefallen täten (z.B. so), sondern sogar nur Beispiele der Bau-Moderne, also der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, die gar nicht zu meinen Favoriten gehört. Nur als Anregung, was zu anderen, gar nicht so lange vergangenen Zeiten möglich war und eigentlich heute auch möglich sein sollte.



    Celebrated author's harmonious relationship with Art Deco building
    Changde Apartments, a striking Art Deco building, will always be associated with celebrated author E
    www.shine.cn


    DSC_0914
    An art deco apartment building on the Grand Concourse
    www.flickr.com


    https://spacing.ca/toronto/wp-content/uploads/sites/4/2014/01/ForestHillManor1.jpg


    https://thumbs.cityrealty.com/assets/smart/0x0/webp/8/86/86f42923ab7c7f2c1022b0cc78ca6008a0b1217f/river-house-435-east-52nd-street-00.jpg


    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/11/Campo_Marzio_-_Piazza_Augusto_Imperatore_1000135.JPG


  • Der Cube ist als einzelner Blickpunkt äußerst gut gelungen. Bisher war ja der HB selbst der Star der Gegend, aber der Cube, mit seinen spektakulären Spiegelungen (er wirkt oft wie eine Computervisualisierung) hat ihm schnell den Rang abgelaufen.
    Der Rest der Europacity is mittelmäßig bis schlecht, vor allem aber laaaangweilig.

    Schade zu sehen, dass das schlanke Hochhaus auf der Nordseite des HBs wohl nicht mehr eingeplant ist. Hätte, freilich nur wenn der Entwurf gelungen wäre, einen weiteren interessanten Blickpunkt geboten.

  • Ist es aber dann auch aus der Luft gegriffen, da eine Eintönigkeit bei den Neubauten festzumachen?

    Nein, natürlich nicht. Das Argument ist ja richtig und ich beobachte das ja genauso.

    Ich frage mich nur, warum alle gestalterischen Grundsätze nichts gelten, wenn wirtschaftlich entschieden wird, auch maximal wirtschaftlich.


    Denn im Minimalismus können die gängigen Designprinzipien wie - Einheiten bilden, harmonische Abstände schaffen, angenehme Gliederungen und Unterteilungen zu gestalten, genauso angewendet werden.


    Eintönig und langweilig wirkt diese Architektur nur deswegen, weil z.B. diese Strichcode-Elemente für das Auge nicht scanbar ist. oder der Mensch kann an der Fassade nichts priorisieren oder einfangen und beginnt sich sofort zu langweilen.


    Mir ist es ein Rätsel wie die ehemalige Senatsbausenatorin dies durchwinken konnte. Aber das könnte man sich für ganz Deutschland fragen.


    Ich wäre in die Vollen gegangen, hätte wie ein Haussmann mutig Straßen gezogen und Plätze orientiert, Wasserwege geformt, Architektur, welche noch stärker als die bisherigen neuklassischen Bauten den Formenschatz aufgreift und fortentwickelt, der Idee hingibt, eine Stadtkomposition zu erzeugen.

    Ein ganz toller Beitrag.

    Beauty matters!

  • Ein Problem bei der Europacity besteht ja leider schon in ihrem Namen: Europacity, das hört sich abgedroschen an, da erwartet man fast nichts Gutes. Aber das trifft so pauschal hier nicht zu. Ich bin ja vermutlich einer der härtesten Kritiker einiger der Neubauten in der Europacity, aber ich finde auch, dass man bei weitem nicht alle Neubauten dort über einen Kamm scheren sollte. Das verbietet sich schon durch die teilweise sehr unterschiedlichen beteiligten Architekturbüros, von Kleihues + Kleihues über Max Dudler, Volker Staab, bis hin zu RobertNeun mit ihrem Betonklotz. Gerade Kleihues + Kleihues bauen durchaus klassisch in unserem Sinne:



    Hier haben wir doch eigentlich alles, was wir so fordern: klassisch gegliederte, ruhig rhythmisierte Fassade, wertiger Naturstein, abgesetzte Sockelzone.

    Völliges Unvermögen einer Fassadengliederung (vor allem hinsichtlich der vertikalen Achsen), Verzicht auf klassische Fassadenelemente (Risalit, Erker, Giebel usw.usf.), Verzicht auf Fassadenschmuck usw.usf

    In Berlin gibt es zahlreiche hier allgemein gelobte Neubauten, die auch ohne Erker, Giebel und Fensterverdachungen sehr gut aussehen, beispielsweise von Patzschke, Nöfer, Höhne, Treese, Bonnani, Kocher. Viele dieser Bauten beziehen sich eher auf gelungene Gestaltungen der Weimarer Zeit als auf die Neo-Stile des Historismus.

    Erich Mendelsohn, 1928:



    Neubau in der Europacity:



    Nun zum nächsten Puzzlestein, was hat Berlin so im Kern. Ich habe da Spree-Athen im Kopf, klassizistische Bauten, wie das internationale Wahrzeichen Berlins, das Brandenburger Tor.

    Auch die Architektur der Weimarer Zeit und die Industriebauten von Hans Hertlein und anderen sind Gesichter der Berliner Bauidentität. Ich finde es nicht weniger berechtigt, sich auf deren Qualitäten zu beziehen.


    Ich wäre in die Vollen gegangen, hätte wie ein Haussmann mutig Straßen gezogen und Plätze orientiert, Wasserwege geformt, Architektur, welche noch stärker als die bisherigen neuklassischen Bauten den Formenschatz aufgreift und fortentwickelt, der Idee hingibt, eine Stadtkomposition zu erzeugen. Was wäre einer Europacity würdiger als den europäischen Mythos einer Europa und die Demokratie formenden Antike stilistisch wiederaufzugreifen?

    Die Straßenführung und die Platzanlagen in der Europacity sind eigentlich konventionell-europäisch bzw gründerzeitlich, mit Haupt- und Nebenstraßen und geschlossener Blockstruktur. Einen Wasserweg gibt es auch. Der Otto-Weidt-Platz wird, wenn er denn einmal fertig ist, vermutlich ganz nett werden.


    (c) OpenStreetmap Contributors



    Auch beim Dudler-Block sieht man durchaus konventionelle Hausbreiten, abgesetzte Sockelzonen und qualitativ hochwertige Fassadenmaterialien. In einer typisch gründerzeitlichen Stadt waren ja bei weitem nicht alle Häuser gleich breit, das hing auch entscheidend von der Funktion ab: beispielsweise Kaufhaus- und Verwaltungsbauten nahmen nicht selten einen ganzen Block ein.



    Der Rest der Europacity is mittelmäßig bis schlecht, vor allem aber laaaangweilig.

    Ich finde so eine Argumentation problematisch. Was wollen wir denn stattdessen? Modernismus-Schnickschnack à la Kopenhagen? Auch das Haussmann-Paris mag vielen langweilig erscheinen ("alle Straßen gleich, soweit das Auge reicht"), dennoch sind Architektur und urbane Qualitäten hervorragend.

    Wir sollten auch nicht vergessen, dass selbst die relativ solide gebaute Architektur der Europacity noch von einer anderen Seite unter Beschuss gerät: angeblich nicht klimagerecht genug. Würde man sie heute noch mal planen, wäre das Ergebnis wahrscheinlich irgendwelche begrünten Holzfassaden, die noch weniger ästhetische und klassische Qualitäten in unserem Sinne zeigen. Bei der Molkenmarkt-Planung kann man derzeit ja erleben, wie diese Diskussionen laufen und wie sich die Prioritäten verschieben.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Der Cube ist als einzelner Blickpunkt äußerst gut gelungen. Bisher war ja der HB selbst der Star der Gegend, aber der Cube, mit seinen spektakulären Spiegelungen (er wirkt oft wie eine Computervisualisierung) hat ihm schnell den Rang abgelaufen.

    Ein Blickfang mag der Cube sein - ich empfinde das Ding aber als kalt, abweisend, völlig ohne Verbindung zum Umfeld und maximal unmenschlich. Ich würde mich da in der Nähe nie für einen Café hinsetzen…

  • Auch die Architektur der Weimarer Zeit und die Industriebauten von Hans Hertlein und anderen sind Gesichter der Berliner Bauidentität. Ich finde es nicht weniger berechtigt, sich auf deren Qualitäten zu beziehen.

    Berechtigt, ja, aber ich bin mir unsicher, ob nicht meine Botschaft da etwas untergegangen ist: Wenn man sich höchst erfolgreiche Metropolen anschaut, jene deren Beliebtheit sich auch teilweise mit der Bausubstanz begründen lässt, dann haben sie einen baulichen Markenkern. Amsterdam z.B. oder Paris, Wien, aber auch kleinere Städte mit gutem Erhaltungsgrad und damit einer verbreiteten Epoche tun sich hervor. Dagegen ist es eher nicht so einfach mit seinen Bauwerken herauszustechen, wenn man viele konkurrierende Bauidentitäten kultiviert. Das merkt man auch daran, wofür Städte gefeiert werden, wenn das Profil bruchstückhafter, nicht so verbindend ist: Häufig wird eine Zeit herausgegriffen und zusammengebunden: New York, frühe 20. Jhd Wolkenkratzer, Barcelona Jugendstil, usw.

    Daher sage ich, gerade auch bei der Frage nach der Gestaltung eines zentralen, sehr repräsentativen Viertels, lieber ein klares Profil und verbindendes Konzept, als Konkurrenz der Identitäten. Solche (ohne Wertung) Neben(bau)identitäten können ohne Probleme auch bestehen, siehe Paris mit dem Art déco Stil, ohne dass man sie überall einfließen lässt.

    Das Schöne wäre ja sogar, so etwas wäre höchste Neuschöpfung, ich kenne kein Neubauviertel dieser Zeit, das solch einen Anspruch, wie ich in meinem ausführlicheren Beitrag formuliert hatte, auch nur versucht hätte. Besonders im Sinne eines Zusammenklangs sowohl innerhalb des Viertels, als auch zur bestehenden Stadt.

    Die Straßenführung und die Platzanlagen in der Europacity sind eigentlich konventionell-europäisch bzw gründerzeitlich, mit Haupt- und Nebenstraßen und geschlossener Blockstruktur. Einen Wasserweg gibt es auch. Der Otto-Weidt-Platz wird, wenn er denn einmal fertig ist, vermutlich ganz nett werden.

    Die "Stadtautobahn" B96, die hier wild ihre Haken schlägt, die Nebenstraßen mit ihren Ringschlüssen und die Platzierung des Plätze ist alles andere als im historischen Sinne konventionell. Muss es ja auch nicht, aber man kann dann auch nicht damit Vergleiche mit Paris entgegnen. Es ist ein moderner Grundriss, mit wenig Ambition auf Repräsentanz und Blickachsen. Das spiegelt sich auch bei der Einbindung des Gewässers wieder, ich sehe dort keinerlei Anspruch besondere Blickpunkte zu schaffen.


    Und damit ich nicht nur herummäkele, einige realistische Ansätze, wie man so ein Viertel zu gestalten hat, wenn mit dem vorliegenden Grundriss trotzdem Wirkung erzeugt werden soll: Am Ende jeder Blickachse ein Gebäude das möglichst den offenen Raum am Ende füllt, und etwas mehr Gestaltungswillen zeigt. Das ist wichtig, man muss die Blicke der Menschen führen im Raum. Abknickende Hauptstraßen möglichst mit Plätzen kaschieren, sodass nicht so ein stümperhafter Eindruck entsteht. Allgemein, Plätze sind Repräsentationsorte, man möchte eine Adresse am Platz des Viertels haben, es bildet sich ein Panorama, da muss der Anspruch auch höher sein an die Gestaltung, idealerweise, die Architektur eines Platzes im Verbund entwickeln. Lieber dann weniger Plätze, die dann aber derart reizvoll sind als Anziehungspunkt, statt dass man leere proforma Quartiersplätze rumstehen hat.


  • Erstens: Die Gebäude zeigen die typischen Krankheiten der Moderne. Sie sind gleichförmig, setzten auf Wiederholung der Fassadenteile und vor allem fehlt Ihnen. SCHÖNHEIT, das wohl größte Problem, das die Moderne mit sich herumträgt.

    Zweitens: Was man beim Solitär, und darauf bezieht sich ja Deine Argumentation, noch mit großer Skepsis durchgehen lässt, wirkt in der Summe, die der Straßen- und Stadtraum bietet, ja ganz anders. Vier, Fünf Gebäude hintereinander hinterlassen eine Ästhetikwüste, da schaut man weder lange noch gerne hin. Oder kannst Du Dir vorstellen, dass Du Dich mal so ne´ halbe Stunde auf eine Bank setzt und Deine Blick lustvoll schweifen lässt?


    Also, Franka hat doch den Unterschied mit einfachen Mitteln sehr gut herausgearbeitet. Ich will mal dazu einen Vergleich zwischen einer historischen Baureihe in Bremen und dem von Snork eingestellten Bild von oben wagen. Auch wenn die gebäudetypen unterschiedlich sind, zeigen sich doch große unterschiede:


    Hier noch mal das Foto von oben, der gelbe Postwagen bietet die einzige Überraschung und Abwechslung:


    DSC04713.jpeg


    Und dann die historische Baureihe aus Bremen-Schwachhausen:



    Wir sehen in diesem Ausschnitt (links und rechts geht es noch weiter), dass innerhalb eines Baustils jedes Haus anders gestaltet worden ist. Diesen Abwechslungsreichtum, gepaart mit SCHÖNHEIT kann ich in den Berliner Beispielen nicht erkennen. Es ist der ewig gleiche langweilige und gleichförmige Scheiß, den wir seit der Nachkriegszeit, insbesondere seit den 1960er-Jahren, vorgeführt bekommen. In der heutigen Architektenschaft herrscht ein großes Unvermögen.

  • Provokativ hier mal die Speerplanung des gleichen Areals:

    Orange - Bestand

    Gelb - Neubauplanung


  • Ein Problem bei der Europacity besteht ja leider schon in ihrem Namen: Europacity

    Unbedingte Zustimmung!


    Denglish-Namenskreationen (- Hafencity! - Dockland!) wirken auf mich so, als ob Politiker bzw. Manager, die selber kaum einen Satz Englisch unfallfrei über die Lippen bekommen, krampfhaft internationale Strahlkraft unter Beweis stellen wollen. Städte hingegen, in denen man ein gelassenes Selbstvertrauen pflegt, bleiben im eigenen sprachlichen Kontext. Kopenhagen hat keinen "Airport", sondern "Köbenhavns Lufthavn". Und Oslo nennt seine Hafencity einfach so, wie das Quartier immer schon hieß: Aker Brygge.

  • Insgesamt finde ich die MediaSpree noch deutlich fieser und hässlicher als die EuropaCity. MediaSpree wirkt wie ein Hyperkommerz-Ufo, das in der Stadt gelandet ist.
    Beide Viertel haben aber insgesamt viel zu viele dröge, tote Ecken. Die auch mit fortschreitender Fertigstellung und Belebung kaum gewinnen.


    Hier haben wir doch eigentlich alles, was wir so fordern: klassisch gegliederte, ruhig rhythmisierte Fassade, wertiger Naturstein, abgesetzte Sockelzone.


    DSC04714.jpeg

    Nee. Das ist noch nicht einmal der Minimalkonsens unserer Vorstellungen, meines Erachtens.

    Was wir doch im Grunde eigentlich wollen: Gebäude mit Liebe zur Gestaltung und zum Stadtleben. <3 Davon erkenne ich hier nichts.

    Welche Elemente es dafür braucht, das ist sicher individuell. Ich würde sagen: mehr natürliche und sich abwechselnde Materialien, Detailtiefe die sich beim nähern erhöht, ein lebendiges Dach, Kleinteiligkeit, Handwerklichkeit.

  • Ja, was denn? Es würde mich wirklich interessieren - zumindest für dieses Baugebiet, wo es eigentlich keinen Altbaubestand gab bzw mehr gibt, an den man anknüpfen könnte.

    Es fängt halt schon viel früher als mit der Fassade an: Am Anfang steht eine ordentliche städtebauliche Planung, ein Gesamtkonzept einer europäischen Stadt (was freilich dann auch in enge Rahmen gegossen werden muss wie Gestaltungssatzungen etc). Engere Straßen, Plätze, Dominanten/Point de Vues, (überwiegende) Kleinteiligkeit, Dreiteilung/Vierteilung der Fassade, zumindest zu den Straßen hin: Sockelzone, Hauptgeschosse, evtl Mezzanin und Dachzone, unterschiedliche Höhenordnungen etc etc. Da gibt es doch von Sitte oder Krier et al doch mittlerweile mehr als genug Traktate, und teilweise auch real existierende Vorbilder, die Beispielhaft zeigen, wie man gute Stadtviertel baut.

    Das es dort nichts gibt/nichts gab, woran man hätte anknüpfen können, ist kein Argument.


    Beispielhaft sei mal Mount Pleasant in London genannt, ein (ehemaliger) Standort der britischen Post mit viel Freifläche, der bebaut werden sollte.

    Hier ein kurzer Artikel von Francis Terry:

    Francis Terry and Associates | Mount Pleasant: Fortress or Circus?
    London's population is now on track to exceed nine million. The main route, therefore, that we are taking to providing new homes is by maximising density on a…
    ftanda.co.uk


    Und hier dazu noch viel spannender, eine umfassende Fallstudie wie man sich der Gestaltung von Brachflächen annähern kann:

    Mount Pleasant Circus and Fleet Valley Gardens - A case study of how streets are more popular, more prosperous and a better investment

    by Nicholas Boys Smith, Paul Murrain, David Taylor and Francis Terry

    (genehmigt wurde freilich ein ganz anderer Schrott)

  • Es fängt halt schon viel früher als mit der Fassade an: Am Anfang steht eine ordentliche städtebauliche Planung, ein Gesamtkonzept einer europäischen Stadt (was freilich dann auch in enge Rahmen gegossen werden muss wie Gestaltungssatzungen etc). Engere Straßen...

    Also wer engere Straßen will, müsste sich auch für weniger MIV einsetzen. Ansonsten würde ehrlicherweise die Quadratur des Kreises verlangt.

  • Unbedingte Zustimmung!


    Denglish-Namenskreationen (- Hafencity! - Dockland!) wirken auf mich so, als ob Politiker bzw. Manager, die selber kaum einen Satz Englisch unfallfrei über die Lippen bekommen, krampfhaft internationale Strahlkraft unter Beweis stellen wollen. Städte hingegen, in denen man ein gelassenes Selbstvertrauen pflegt, bleiben im eigenen sprachlichen Kontext. Kopenhagen hat keinen "Airport", sondern "Köbenhavns Lufthavn". Und Oslo nennt seine Hafencity einfach so, wie das Quartier immer schon hieß: Aker Brygge.

    Hätte ich nicht schöner sagen können. V.a. alle Kreationen mit "City" im Namen haben obendrein so etwas 70er-Jahre westdeutsch-muffiges, das halt ich kaum aus, so wie "Center" etwa. Was bin ich froh, dass unsere Bremer Hafenstadterweiterung, wenn sie auch architektonisch ebenfalls nur wenig auf die Kette kriegt, wenigstens nicht auch noch Übersee-City heißt.

  • Unbedingte Zustimmung!


    Denglish-Namenskreationen (- Hafencity! - Dockland!) wirken auf mich so, als ob Politiker bzw. Manager, die selber kaum einen Satz Englisch unfallfrei über die Lippen bekommen, krampfhaft internationale Strahlkraft unter Beweis stellen wollen. Städte hingegen, in denen man ein gelassenes Selbstvertrauen pflegt, bleiben im eigenen sprachlichen Kontext. Kopenhagen hat keinen "Airport", sondern "Köbenhavns Lufthavn". Und Oslo nennt seine Hafencity einfach so, wie das Quartier immer schon hieß: Aker Brygge.

    Das Thema "Anglizismen" bewegt mich schon seit mehr als 20 Jahren, Und es wird immer schlimmer. Kaum noch eine neue Sportart ohne eine englische Bezeichnung. Natürlich sagt heute fast jeder "in 2023". Ich bin nur noch genervt und wütend. Als wenn unsere Sprache nicht genug Alternativen bietet. Dabei habe ich gar nichts gegen Fremdwörter. Der "Manager" ist doch nicht wegzudenken.


    Aber wo soll man das Thema diskutieren, etwa unter dem Strang Off-topic?