Berlin - Hauptbahnhof, Humboldthafen, Europacity

  • Der Vergleich der modernistischen globalistischen Architektur mit der Übernahme und eigenen Interpretation von Tendenzen in sehr kulturnahen Nachbarräumen hinkt. Am ehesten könnte man die klassische Antike als globalen Stil betrachten, weil das römische Reich eine erste genormte Zivilisation mit imperialem Anspruch verbreitet hat. Und viele Länder, nicht zuletzt das Deutschland (HRR) beriefen sich als Erben auf diese Zivilisation, die allerdings klare europäische Wurzeln hat. Gleichwohl wäre unsere regionale Kultur und die aller Länder arm, wenn seit Roms Zeiten keine regionale Baukultur entstanden und beibehalten worden wäre.


    Heute aber gelten neue Regeln. Wenn man Globalisierung als faktisch naturgegeben akzeptiert, somit auch die Produkte globalistischer Kultur begrüßt (sofern sie ein paar Denkmal-Wohlfühlinseln übrig lässt), dann haben solche Gebäude durchaus sogar sehr große Qualität. Sie helfen dabei, regionale und nationale Erscheinungsbilder zu nivellieren. Sie führen also zu mehr globaler Gleichheit. Und all das ist ein gutes Mittel gegen Rechts, deren Vertreter sich ja bekanntlich gegen globale Gleichheit und für den Erhalt nationaler Besonderheit aussprechen.


    Insofern wären mehr Bauten wie jene des Berliner Bahnhofsviertels, aber auch zahlreiche, als "austauschbar" klassifizierte Neubauviertel von positivem Nutzen. Sie haben schon neben der ästhetischen bereits eine politische Qualität. Und wenn sie dann noch im schicken Design daherkommen, dann ist es noch besser. So wird Globalisierung sogar schön.

  • Heute aber gelten neue Regeln. Wenn man Globalisierung als faktisch naturgegeben akzeptiert, somit auch die Produkte globalistischer Kultur begrüßt (sofern sie ein paar Denkmal-Wohlfühlinseln übrig lässt), dann haben solche Gebäude durchaus sogar sehr große Qualität. Sie helfen dabei, regionale und nationale Erscheinungsbilder zu nivellieren. Sie führen also zu mehr globaler Gleichheit. Und all das ist ein gutes Mittel gegen Rechts, deren Vertreter sich ja bekanntlich gegen globale Gleichheit und für den Erhalt nationaler Besonderheit aussprechen.

    Das ist aber arg konstruiert. Zu einen kann man durchaus differenziert auf die Erscheinungen der Globalisierung reagieren. Weder ist alles gut noch alles schlecht, was die Globalisierung mitbringt. Ein Kampf gegen Rechts kann man daraus schon gar nicht ableiten. Man muss auch nicht alle Tendenzen in der Architektur krampfhaft mit einer politischen Agenda in Verbindung bringen. Architektur ist global, weil wir in einer globalisierten Welt leben. Mobilität und Digitalisierung erlauben es uns, in kürzester Zeit einen Blick in die entlegensten Winkel dieser Erde zu werfen. Wer glaubt, man könne gleichzeitig die Ausprägung der Architektur noch immer in nationalen, gar regionalen Grenzen denken, der verkennt die Realität.


    Uns fällt hier auch kein Zacken aus der Krone, wenn wir zugestehen, dass auch zeitgenössische moderne Architektur Qualität haben kann, wenn sie mit ihrem Umfeld behutsam umgeht. Das sehe in dem hier diskutierten Fall durchaus als gegeben an.

  • Woraus sollte sich das ergeben? Das galt nicht einmal in historischer Zeit.

    Das ergibt sich für mich aus messbarem allgemeinem Schönheitsempfinden und der Akzeptanz durch die Menschen. Kunst- und kulturhistorisch lässt sich das sicher nicht immer begründen, aber Historie ist lediglich das Abbild des Gewesenen, unabhängig von der Rezeption der Zeitgenossen.


    Architektur soll den Menschen dienen, die damit konfrontiert werden, also den heute und morgen lebenden. Und diese empfinden historische (und damit fast immer regionale oder zumindest nicht "globale") Architektur eben überwiegend als angenehmer als den heutigen internationalen Stil. Wenn das einmal anders war, und internationale Stile als angenehm empfunden worden waren, mag das sehr gut sein. Heute ist es überwiegend nicht so. Ich nehme an, dass überregionale Stile z.B. in der Gotik oder im Barock bereits zu ihrer Zeit beliebt waren, zumal sie Ausdruck von Kultur und menschlicher Verwirklichung waren - ganz im Gegensatz zur modernistischen Architektur, die sich überwiegend utilitaristisch oder avantgardistisch sieht, also in keiner natürlich-menschlichen Dimension.


    Ich hätte wohl eher schreiben sollen: Regionale Züge sind unbedingt ein Qualitätsmerkmal heutiger Architektur.


    Die fehlende Regionalität des Berliner Hauptbahnhofs und z.B. auch des "Bandes des Bundes", finde ich übrigens besonders banal, weil gerade solche Bauten eigentlich identitätsabbildend sein sollten. Was sonst bietet sich da neben dem Aufnehmen regionaler Bautraditionen an, wenn die Identität regional (Hauptbahnhof von Berlin), bzw. sogar national (Bahnhof der Bundeshauptstadt und Bauten nationalstaatlicher Organe) ist?


    In so eine durch Regionalität geprägte Umgebung würde der "cube berlin" meiner Meinung nach nicht passen. Da sie das nicht ist, passt er zwar vielleicht dort hin und hat darin sogar eine besondere Stellung. Architektur für den Menschen ist aber das gesamte Umfeld nicht, eher Demonstration von Technik, als von menschlich-künstlerischer Ausdruckskraft, mithin also keine qualitätsvolle Architektur im Sinne von menschlicher Bau-Kunst.

  • Das ergibt sich für mich aus messbarem allgemeinem Schönheitsempfinden und der Akzeptanz durch die Menschen.

    Obwohl ich dieses Argument auch gerne anbringe, halte ich es als dogmatischen Standpunkt für nicht angebracht. Wer sagt dir denn, dass der Cubus nicht von vielen Menschen als schön empfunden wird? Mir gefällt er und das sage ich bei einer Glasarchitektur sehr selten. Insofern glaube ich weiterhin, dass auch Gebäude ohne Regionalbezug Qualität haben können.

  • Von Dogma war keine Rede. Wir sollten, gerade bei ausschließlich schriftlichen Diskussionen, genau darauf achten, was gesagt (i.e. geschrieben) wird und was nicht.


    Was ich also ausdrücken wollte: Regionalität als Merkmal von Gebäuden, die von einer messbaren Mehrheit als schöner empfunden werden als welche ohne dieses Merkmal, ist zweifelsohne ein aktuelles Qualitätsmerkmal von Architektur (und genau das hattest du bezweifelt) - wenngleich nicht das einzige. Ich glaube jedoch, dass das sichtbare Berufen auf Bautraditionen eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale von Architektur ist.


    Architektur gewinnt weiterhin überwiegend durch Anpassung an ein Stadtbild, nicht unbedingt durch Skulpturalität als Solitär. Der "cube berlin" mag vielen gefallen, im Vergleich zu erhaltenen Altstadtquartieren aber, mutmaße ich, wird das gesamte Areal nicht gerade als ästhetischer Gewinner dastehen.

  • Können wir uns darauf einigen, dass regionaler Bezug ein Qualitätsmerkmal sein kann, aber Bauten ohne diese Verbindungen ebenfalls Qualität besitzen können? Heißt: Regionaler Bezug ist kein Muss für gute Architektur.

  • Können wir. Ich frage mich nur, ob solche Orte mit "guter Architektur" ohne Regionalbezug schön oder erstrebenswert sind. Wenn ein Ort ästhetisch daherkommt, ohne eine Identität aufzuweisen, dieses Konzept gar absichtlich negiert, dann nützt auch die "gute" Architektur wenig. Der Mensch sucht nicht nur Schönheit, sondern auch Identität.


    Wenn ich z.B. in Kopenhagen am Hauptbahnhof aussteige, sehe ich, dass ich mich in einem nordeuropäischen Land, in einer nordeuropäischen Kultur befinde. Stehe ich vor St. Pancras in London, sehe ich am Baustil sofort, wo ich bin. In Berlin passiert mir das nicht. Der Bahnhof, das Umfeld oder die neuen Bundesbauten - sie könnten alle auch woanders stehen. Die Architektur vermittelt kein Ortsgefühl, folgt keinem genius loci.


    Gut, die sogenannte Europacity kommt insgesamt, quasi aus einem Guss, im internationalen Stil daher. Aber wo ist der Unterschied zu La Défense in Paris, zum Europaviertel in Brüssel oder zu Kop van Zuid in Rotterdam? Überall dort erkennt man, wenn überhaupt, nur anhand von Solitärbauten, die man jedoch vorher als solche kennen muss, wo man sich befindet. Sie sind globale Orte, wie Flughäfen. Das ist mir als Konzept für die Stadt nicht ausreichend. Das ist für mich kein Stadtbild.

  • Lieber CV, ich glaube eigentlich nicht, dass man das so pauschal sagen kann, dass regionaltypische Architektur per se ästhetischer, qualitätvoller oder identitätsstiftender wäre. Das Gegenteil kann sogar der Fall sein, also gerade nicht regionale Architektur kann Identität stiften, zumindest dann, wenn es sich um herausragende Architektur handelt. Man denke dabei nur an den Eiffelturm, das Wahrzeichen schlechthin von Paris und ganz Frankreich. Ist er ein regionaltypischer Bau? Doch wohl eher nicht. Wenn, dann hat er seine Vorbilder doch wohl eher in der Eisen- und Stahlbauweise Englands. Oder nehmen wir Washington D.C.: sind die klassizistischen Protzbauten wie das Kapitol oder das Lincoln Memorial dort typisch amerikanisch? Heute schon, ja, aber damals, vor 200 Jahren? Wohl auch eher nicht. Man hat sich hier eher an die Antike oder an europäische Vorbilder angelehnt.

    Regionaltypische Architektur ist doch meistens entstanden aus den vor Ort zur Verfügung stehenden Materialien oder aus klimatischen Gründen: in Norddeutschland, wo kaum Holz zur Verfügung stand, hat man auf Ziegel und Reetdächer zurückgegriffen, in der Nähe der Mittelgebirge dagegen eher Fachwerkbauten gebaut und im Schwarzwald oder den Apen gab es große Holzhäuser mit großen Dachüberständen. Heute, wo die meisten der gängigen Baumaterialien überall auf der Welt zur Verfügung stehen, nivelliert sich die architektonische Vielfalt doch zwangsläufig. Das war aber in der Vergangenheit auch schon nicht viel anders. Auch einem klassizistischen Protzbau siehst du nicht auf den ersten Blick an, ob er in Philadelphia, Liverpool, Moskau oder am Bund in Shanghai steht.

    Trotzdem denke ich, dass man auch dem Berliner Bahnhofsumfeld seinen Standort ansieht. Du oder auch ich sehen das vielleicht nicht auf den ersten Blick, da geht es uns ähnlich wie mit dem (gemäßigten) regionalen Dialekt: wir hören ihn nicht mehr, weil wir daran gewohnt sind. Genauso wie du in Kopenhagen oder London merkst, wo du dich befindest, wird ein Amerikaner oder Chinese in Berlin auf den ersten Blick sehen, wo er ist.

    Und dass nicht-regionale Architektur nicht heimelig wäre, kann man auch nicht behaupten: Wenn ich mir die schwedenrote Holzhütte auf das Seegrundstück in Castrop-Rauxel setze, dann ist das trotzdem genauso heimelig wie der chinesische Tempel im Kurpark von Bad Homburg.

    Ich glaube also eher, dass es gar nicht auf das regionaltypische ankommt, sondern eher darauf, ob es traditionelle und/oder qualitätvolle Architektur "fürs Auge" ist und nicht kalte, einfallslose Betonwohnblock-Moderne. Und da der Cube zweifellos kein langweiliges Gebäude ist, kann ich mit ihm sehr gut leben.


    P.S. Das Thema ist zugegebenermaßen etwas Off-topic, aber interessant

  • Können wir. Ich frage mich nur, ob solche Orte mit "guter Architektur" ohne Regionalbezug schön oder erstrebenswert sind. Wenn ein Ort ästhetisch daherkommt, ohne eine Identität aufzuweisen, dieses Konzept gar absichtlich negiert, dann nützt auch die "gute" Architektur wenig. Der Mensch sucht nicht nur Schönheit, sondern auch Identität.


    Wenn ich z.B. in Kopenhagen am Hauptbahnhof aussteige, sehe ich, dass ich mich in einem nordeuropäischen Land, in einer nordeuropäischen Kultur befinde. Stehe ich vor St. Pancras in London, sehe ich am Baustil sofort, wo ich bin. In Berlin passiert mir das nicht. Der Bahnhof, das Umfeld oder die neuen Bundesbauten - sie könnten alle auch woanders stehen. Die Architektur vermittelt kein Ortsgefühl, folgt keinem genius loci.


    Gut, die sogenannte Europacity kommt insgesamt, quasi aus einem Guss, im internationalen Stil daher. Aber wo ist der Unterschied zu La Défense in Paris, zum Europaviertel in Brüssel oder zu Kop van Zuid in Rotterdam? Überall dort erkennt man, wenn überhaupt, nur anhand von Solitärbauten, die man jedoch vorher als solche kennen muss, wo man sich befindet. Sie sind globale Orte, wie Flughäfen. Das ist mir als Konzept für die Stadt nicht ausreichend. Das ist für mich kein Stadtbild.

    Da stimme ich zu, denn z.B. hat sogar La Defense eine "neue Version" des Arc de Triomphe. Natürlich ist es ein Spaß in einem Spiegelkabinett zu stehen. Aber was ist daran großartige Architektur und welche Aufenthaltsqualität haben solche riesengroßen Spiegelfassaden? Man kann lobend bemerken, dass die allgegenwärtige Glasfassade bei unserem neuen "Cube" zur Abwechslung mal einen Knick hat. Das ändert aber nichts daran, dass man in der Dunkelheit in die öden beleuchteten Büros hineinschaut und tagsüber wieder zahlreiche hässlicher Jalousien die Menschen im Gebäude vor dem Hitzetod retten müssen. In Zeiten der globalen Erwärmung kann das und der zu erwartende Brennglas-Effekt auch nicht sinnvoll sein.

    Mehr ist den modernen Stararchitekten für Berlin nicht eingefallen -schade, "ein Spiegel" ist auch kein "Stadt-Bild(!)" für mich.

  • "Querido", dass die klassizistische Formsprache eine überregionale war, habe ich oben beschrieben. Sie war eine Formsprache, die durch ein Reich, eine imperiale Zivilisation eingeführt und dann wiederentdeckt wurde. Die "klassizistischen Protzbauten" haben aber einen klar europäischen Kontext. Schon in Russland wirken sie in ihrer puren, nicht-stalinistischen Form auf mich etwas befremdend, was ich letztes Jahr in St. Petersburg feststellen musste. In Shanghai, das Du anführst, sind sie mit Sicherheit nur ein kurzzeitiges koloniales Phänomen, also einer Fremdherrschaft, gewesen. In Amerika liegt die Sache anders. Es waren ja britische Kolonien, die eine damals in Großbritannien populäre Formsprache einfach in die "Neue Welt" importierten. Dem Klassizismus nach der Unabhängigkeit der USA ging eine intensive Antikenrezeption voraus. Man stellte sich als junge Republik somit auch architektonisch in die Tradition Athens und des lange republikanisch geprägten Roms. (Vgl. hier) Die ganze Ostküste ist von diesem Klassizismus geprägt, und dieser ist dort insofern durchaus ortsspezifisch.


    Dass nicht-ortsspezifische Architektur generell unheimelig wäre, hat niemand gesagt. Natürlich sind z.B. chinesische Altstadtviertel heimelig. Einzelne dieser Bauten können hierzulande auch sicher Akzente setzen und einen kurz in eine andere Welt entführen. Würde man aber ganze Siedlungen in einem solchen nicht-ortsspezifischen Stil errichten, wäre das für mich wirklich "Disneyland". Auch die Siedlung der "Flintstones" könnte heimelig sein. Aber so etwas für den hiesigen Wohnungsbau?


    Wenn es nicht mehr auf das regionaltypische ankommt, hat das allerdings einen positiven Aspekt. Das Klima wird geschont. Wenn nämlich das Stadtbild beliebig entsprechend den puren Launen einiger Architekten und Bauherren gestaltet wird, entfällt zu einem gewissen Teil die Notwendigkeit, zu verreisen. Klar, im Süden ist das Wetter besser (aber hier wird es ja auch wärmer), und ein paar Altstadt-Attraktionen kann man in Touristenarealen noch besichtigen. Aber ansonsten sieht es überall so beliebig, mehr oder weniger "interessant" wie im Berliner Bahnhofsviertel aus. Dafür kann man ja auch in der eigenen Stadt bleiben. Was den CO2-Ausstoß verringert.

  • Querido Der Eiffelturm ist aber nun gerade kein Beispiel für Architektur, er ist eher eine Skulptur, kein Gebäude im klassischen Sinne. Ansonsten stimme ich natürlich zu, dass ortsfremde Architektur heimelig, schön und identitätsstiftend sein kann. Aber dafür braucht sie erstmal überhaupt eine Identität, ein Gesicht. Die Schwedenhütte im Ruhrpott ist eben immer noch eine Schwedenhütte.


    Die klassizistische Architektur in Amerika (und übrigens auch in ehemaligen Kolonien) ist natürlich ein Sonderfall. In Amerika haben sie kaum bis keine natürlichen Vorgänger oder sie wurden absichtlich ignoriert. Die europäischen Siedler haben ihre Kultur mitgebracht und in diesem Sinne sind die Bauten dann auch regionaltypisch, bzw. kulturtypisch, was wohl der eigentlich passende Begriff wäre.


    Was die globale, internationale, moderne, modernistische, oder wie auch immer genannte Gestaltung an eigener Identität mitbringt, ist mir, wie gesagt, zu wenig. Vielleicht wird das in 50 oder 100 Jahren anders sein und der "berlin cube" ist das neue Wahrzeichen Berlins, wie der Eiffelturm für Paris. Ich bezweifle das aber und ich finde diese Gestaltung nach wie vor nicht schön, weil zu wenig am Menschen und der Natur ausgerichtet (bzgl. Proportionen, Materialien und Umgebung).


    Die Materialität eines Gebäudes trägt meiner Ansicht nach genau wegen der regionalen Verfügbarkeit zu einem Regionalgefühl bei. In Dresden wirken Gebäude mit Sandstein oder Meißner Granit einfach viel passender, als z.B. mit Basalt oder Kalkstein. Beton, Stahl und Glas als nicht-natürliche Werkstoffe können solch eine regionale Identität per se nicht haben.

    ich glaube eigentlich nicht, dass man das so pauschal sagen kann, dass regionaltypische Architektur per se ästhetischer, qualitätvoller oder identitätsstiftender wäre.

    Pauschal lässt sich das, da stimme ich zu, natürlich nicht sagen. Aber wie ich schon sagte: Regionalität macht meiner Ansicht nach im Vergleich zu anderen Merkmalen einen Großteil der Qualität von Architektur aus, wenn sie als Kunst des Bauens in einem kulturellen Umfeld betrachtet wird, zumindest heutzutage, da es wenige Alternativen gibt; will heißen, da man z.B. keinen kunstvollen Barock als Vorbild aus Italien importieren kann und da z.B. chinoise Gestaltung nicht mehr als en vogue für kosmopolitische Zeitgenossen gilt.

  • Europacity


    Auf dem Gelände der ehemaligen Bahnhöfe 'Hamburger' und Lehrter' ist ein gänzlich neues Viertel entlang der Heidestraße entstanden. An der Heidestraße befinden sich noch vereinzelt Gebäude die vor 1920 entstanden.


    Benannt nach dem nördlichen Platz vor dem Hauptbahnhof: Europacity.


    Als ich den Beitrag über die Lehrter Straße brachte hatte ich ja schon dazu Bilder 'angedroht' und nun könnt ihr euch selber ein Bild von diesem Viertel machen. Einige werden mich jetzt vielleicht teeren und federn, wie ich solchen 'Mist' hier einstellen kann. Vielleicht einfach zur Abschreckung und als Kandidaten für das hässlichste Gebäude.:N:


    Ich habe mich aber nicht entlang der Heidestraße begeben, sondern vom Spandauer Schifffahrtskanal aus fotografiert. Aber man bekommt auch so einen Eindruck von der Einfaltslosigkeit so mancher Blöcke. Es herrscht architektonischer Gleichklang , man könnte auch sagen 'Ödnis'vor, also typische Investorenarchitektur, die wir der gottlob scheidenden Frau Regula Lüscher mit verdanken.


    Zuerst der Blick aus dem Hauptbahnhof mit den südlichen Bauten:


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    vom ehemaligen Zellengefängnis aus:


    Berlin - Moabit



    Bauten in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof:


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit



    Das ehemalige Institut der Gerichtsmedizin, dessen Abriss nur eine Frage der Zeit ist:


    Berlin - Moabit




    Nun ein Blick auf die Einleitung der Schienenstränge von Norden her zum Hauptbahnhof, in Bau noch die S-Bahnlinie 21:


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit



    Fortsetzung bald!

  • Es geht nun weiter mit den Fotos, die ich vom Spandauer Schifffahrtskanal ausgemacht habe. Das eingehüllte Gebäude ist der ehemalige Speicher, der zur Zeit umgebaut wird. Er ist eines der wenigen historischen Gebäude im Viertel.



    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit



    Blick Richtung Golda-Meir-Steg, links Häuser der Kieler Straße. Hier steht noch ein DDR-Wachtturm, der zur Gedenkstätte für das Maueropfer Günter Litfin umgewidmet wurde:


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit



    Blick zum Otto-Weidt-Platz:


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit



    Am Steg:


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit

  • Der ehemalige Wachtturm:


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit



    Es geht weiter mit den südlich anschließenden Gebäuden:


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Blick vom Invalidenfriedhof aus:


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit



    Etwas Off-Topic, aber als ich hier fotografiert (8.8.2021) habe wurde hier am Invalidenfriedhof eine Feier unter Beteiligung der Bundeswehr und Angehöriger (es war auch ein 'Prinz von Preussen' dabei) am Grab von Erwin von Witzleben anläßlich des Tages seiner Hinrichtung am 8. August 1944 abgehalten.


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Mitte



    Am Hamburger Bahnhof:


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit


    Berlin - Moabit

  • Tja, der Hamburger Bahnhof ist das einzige schöne Gebäude für das ich meine Kamera rausholen würde um es zu fotografieren. Für den Rest wünscht man sich Bomber Harris zurück, der das städtebauliche Desaster in einer Minute reparieren könnte. Tja, schade dass Berlin und Deutschland damals nicht so ausgesehen hat wie jetzt. Dann wären viele Zerstörungen eine willkommene Verbesserung gewesen.

  • Fürchterlich, banal bis zum geht nicht mehr. Hier hätte mit weitsichtiger Planung etwas ganz grossartiges entstehen können. Quasi ein maritimes Aushängeschild Berlins vermischt mit regionaler märkischer Architektur. Dann wären die Strassen und Ufer stets gut besucht.

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Schön, dass man einige historische Relikte erhalten hat. Auch den Wachtturm. Ansonsten aber erinnern mich diese sterilen Blöcke an das Europa-Viertel in Frankfurt. Leben möchte ich dort nicht.

  • ....zumal ja die Bombardierung angedacht ist :wink: Aber Spaß beiseite. Wahrscheinlich wohnt es sich da gar nicht schlecht. Der Blick auf's Wasser ist ja schön, leider aber auch das Schönste. Das sind Bauten die leider auch in oder mit Blick auf Altstädte immer wieder errichtet werden. Ist irgendwie egoistisch sich einen Blick auf das schöne Umfeld zu sichern, aber anderen diesen zu verderben.

  • Bomber Harris hat leider damals die allerschönste Viertel Berlins Verwüstet. Er hätte 75 Jahren später kommen sollen. Berlin braucht eine Misschung Alt und Neu, und wenn Alt dann auch gleich schön saniert., wie in Leipzig der Fall ist. Neubauten brauchen Gegenwicht. Leider alles nun viel zu "Neu" und Steril.

    Die Planer und Architekten kapieren es einfach nicht was Viertel schön und wirklich interessant macht. Selber wohnen die in herrlichen grossen Altbauten, wie in Friedenau.