Für mich stellt sich die Frage: wenn Königsberg nicht zerstört worden wäre, würde es dann heute noch so aussehen wie auf den Fotos von Eiserner Pirat? Ich glaube nicht!
Wir sehen, dass die Baustile aus vielen Architekturepochen miteinander harmonieren. Es gibt dort keinen ästhetischen Bruch, was schon erstaunlich ist: oftmals liegen die Gebäude doch 500 Jahre auseinander, aber man hat das Gefühl, das sich das nicht "beißt".
Spekulieren wir also über das heutige, unzerstörte Königsberg. Vielleicht unzerstört also, aber bestimmt nicht mehr unversehrt, denn die Moderne hätte in den letzten 75 Jahren ihre Spuren hinterlassen. Hier einige 10stöckige weiße Baublöcke, die die gewohnte Harmonie der Stadt empfindlich stören. Dort der Abriss eines ganzen Straßenzuges mit Gründerzeitbauten: ein Investor koalierte mit den Politikern der Stadt: "wir brauchen mehr Wohnraum".
Ich glaube, die Moderne hätte auch Königsberg schon so weit verändert, dass wir hier bei Stadtbild Deutschland die Zweite Zerstörung der Stadt beklagen würden - und Eiserner Pirat würde seine Fotos hier als Erinnerungsspur genau so einstellen. Während die Gebäude aus den verschiedenen Architekturepochen miteinander harmonieren, erzeugt die Moderne visuelle Lücken und vernichtet die einstige ästhetische Gesamtheit der Stadt.