Gründerzeitliche Prachtbauten in Berlin

  • Schon krass wieviel Aufwand, Liebe zum Detail und auch Geld man um 1900 fürs Bauen aufgewendet hat, und das, wie hier, in Hinterhöfen! Architekten, beteiligte Künstler und Handwerker hatten auch ganz schön was auf dem Kasten. Welch ein überglücklicher Zufall für einige, dass durch die Revolution der Architektur ein solches Können nicht mehr von Nöten war und ist...

  • Apropos GELD.... ich habe mal in einer Preisliste von 1905 für Schreiner gelesen...

    1m Kirchengestühl mit Sitz, Kniebank und Pult 6,50

  • Der Link lässt sich nur für angemeldete Nutzer bei Instagram öffnen. Sorry, das wusste ich vorher nicht.


    Früher


    Heute

    Auch die Kuppel dieses Gebäudes wurde erst im Rahmen von Sanierungen nach dem Krieg abgerissen, wahrscheinlich beim Ausbau des Dachgeschosses. Man sieht die Kuppel auf dem Bild von Kaiser Karl direkt rechts vom Baumwipfel in der linken Bildmitte.

  • Unbegreiflich, wie man nach dem Krieg mit dieser Stadt umgegangen ist, als wäre dieser nicht schon verheerend genug gewesen. Abreißen, entstucken, beseitigen. Berlin musste wirklich schwer leiden.

  • Berlin hat am meisten der D. Städten an wertvollen Bausubstanz verloren. Zweitens und drittens: Dresden und Magdeburg.
    Die Höfen in Moabit z.B.: alle schöne Dachaufbauten und Giebel wurden dort entfernt. Die Dächer sind abgeflacht worden.
    In alle Viertel und Bezirken wurden fast alle Stuck, Giebel, Schornsteinen (und manche Gauben u. Balkonen) entfernt, gleichweise fast alle Ecktürmen wie hier auch schmerzlich gezeigt am Ku'damm. Aber auch am Eck Schönhauser Allee/Eberwalder Strasse.

    Heute gibt es nur ein Bruchteil der einst so grandiöse stolze Stadt. Was heute "saniert" wird, hat wenig mit originalen Entwurf zu tun.
    Leider gibt es nu wenig originale Bausubstanz wie gezeigt von Afred Messel. Das Haus ist in alles genial und wunderbar. Gehört .m.M.n. zu absoluten "Muss sehen" Bauten in Berlin. Und bleibe immer wieder staunen......

  • Berlin hat am meisten der D. Städten an wertvollen Bausubstanz verloren.

    Berlin hat in erster Linie viel Bausubstanz der Gründerzeit verloren, die zwar sehr schön aber doch weitaus weniger bedeutend als die Altstädte von Nürnberg, Würzburg, Frankfurt, Braunschweig oder Dresden war. Das sage sogar ich als großer Historismus-Fan.

    In dubio pro reko

  • Schön (bezw. SUPER schön UND Umfangreich versus "Bedeutend".


    Ich meine hier: weil es so schön und umfangreich war kann es niemals mehr rekonstruiert werden, nicht nur 1% des gigantischen Verlustes.


    Aber die tatsächlich bedeutenden Innenstädten von Aachen, Bremen, Nürnberg, Würzburg, Frankfurt (der Anfang ist da), Stuttgart, Mannheim, Darmstadt, Braunschweig, Hannover, Karlsruhe, Wuppertal, Heilbronn, Worms, Potsdam (auch hier schöne Anstrengungen), Magdeburg, Chemnitz oder Dresden (ein Teil ist schon wieder da) könnten DOCH mit einigen Aufwand wieder "teilweise" aufgebaut werden.

    Jede Stadt könnte das selber leisten wenn nur die Wille und die Finanzen da wären.


    Da sollen manche billige Wiederaufbau Bauten der 50-er und 60-er plattgemacht werden müssen und nur historisch bewussten Architecten heran kommen. Nicht das inkompetente Zeug das alles mit Kuben und Klotzen fast in jeder Stadt versaut hat.


    Für Duisburg, Köln, Berlin, Kassel und Hamburg sehe ich das sehr düster ein. So viel Verluste dort sind kaum noch zu überwinden.

    Einige Plätze oder Strassen ja, aber das ist bis heute noch niemals versucht worden (mit Ausnahme des Nicolai Viertels von der DDR).

  • Zum wiederholten Male: (und ich bin bekanntermaßen ein Freund der Architektur bis 1918) das kann niemand bezahlen, und das wollen auch nicht alle. Das wäre nicht mit "einigem Aufwand" zu machen, das wäre ein Riesenaufwand.
    Und nur mal so am Rande erwähnt: Das deutsche Volk zerfetzt sich gerade gegenseitig auf sozialen Plattformen über das Für und Wider von Sanktionen gegen Russland, alten und neuen Diskussionen über Corona-Massnahmen und überall spürt man einen völlig unverhältnismäßigen "Shitstorm" gegen jede Maßnahme der Bundesregierung. Das große Wehklagen über den (eingebildeten) bevorstehenden Zusammenbruch Deutschlands und was noch so für Horrorszenarien durch das www. geistern, ist überall zu lesen und zu hören.
    Und da kommt unser niederländischer Freund daher und fordert die deutschen Städte auf, in Zeiten preiswerten Wohnraums in den Ballungszentren und Großstädten, massenhaft Häuser abzureißen, weil sie aus einer Epoche stammen, in der man aufgrund der Kriegsschäden und noch größerer Wohnungsnot als heute dazu gezwungen war, auf Masse statt Klasse zu setzen.
    Ich finde zwar, dass "die Deutschen" auf hohem Niveau jammern, aber Forderungen nach Wiederaufbauten verloren gegangener Bausubstanz alten Stils ist doch einfach lächerlich. Dazu noch das Verlangen, nur Architekten heran zu ziehen, die im "richtigen", im historischen Bewusstsein bauen wollen?
    Lieber Klassiker, das sind Träume aus dem Wolkenkuckucksheim. Und die Zusammenhänge über die Ursachen der Kriegszerstörungen müssen wir doch wohl auch nicht diskutieren?
    Nebenbei gesagt: Spinnen wir mal die Geschichte in die andere Richtung! Nehmen wir an, die Weimarer Republik hätte Bestand gehabt und es hätte keinen zweiten Weltkrieg gegeben. Wann spätestens hätte man angefangen, die wirklich großen Städte wie Berlin, Hamburg, Köln, München, Frankfurt neu zu gestalten. In Berlin ging es doch bereits in den 20er Jahren los. Erste Entstuckungsmassnahmen an Altbauten. Neubauten im neuen Stil (Columbushaus, Behrens-Bauten am Alexanderplatz). Nicht zu reden von den in den 20er Jahren neu entstandenen Wohnungsbaugenossenschaften und ihre Siedlungen.
    Nach dem Krieg sind doch die stehengebliebenen Gründerzeitler doch nur erhalten geblieben, weil Wohnraum fehlte. Und erst das Umdenken in der Ästhetik (im Westen) gegen Ende der 70er Jahre und die Möglichkeiten der Modernisierung hat doch die Häuser aus der Zeit von 1890 bis 1914 "gerettet"
    Also, schön auf dem Teppich bleiben.

  • Wenn ich auch noch an die wunderbaren Neubauten (im alten Stil) in Schweden erinnern darf, die Johan hier einstellte. Es geht, wenn man will und auch die Bereitschaft dazu in der Gesellschaft vorhanden wäre. In Deutschland gibt es zum Glück auch den Bauherrn Ralf Schmitz, der einfach grandiose Neubauten im traditionellen Stil - auch in Berlin mit zB Eisenzahn 1 - hochzieht. Wo ein Wille, da ein Weg.

  • Dann ein bisschen Nachhilfe zum Verständnis! Natürlich kann es sein, dass ich den Kollegen Klassiker falsch verstanden habe, aber ich glaube nicht. Das sind doch unrealistische Maximalforderungen. Und ich bezog mich beim Wiederaufbau alter Bauwerke nicht auf besonders herausragende oder historisch bedeutende Gebäude. Nein, es wurde gefordert, in großem Stil die Wohnbauten der Nachkriegszeit allesamt abzureißen und durch Wohnhäuser im Stile der Gründerzeit zu ersetzen.



    Lesen hilft! Das ist doch wohl logisch, dass das einfach nicht machbar ist und die Gründe habe ich ausführlich beschrieben.
    Und das Jammern auf hohem Niveau bezog sich auf die aktuelle Zukunftsängste der Deutschen: Corona, Ukrainekrieg, Gas- und Energiekrise, Inflation und dergleichen. Also mal immer die Pferde schön im Zaum halten.
    Und der Verweis auf den Länderfinanzausgleich ist auch völlig fehl am Platze. Also soll ich als Berliner die Schnauze halten? Eine knallharte Antwort im Berliner Stil verkneife ich mir.


    Und Kollege Exilwiender hat doch darauf hingewiesen, dass auch in Berlin/Deutschland Bauen in Anlehnung alter Traditionen möglich ist.

    Aber das lässt mich gleich wieder auf "Volkes Stimme" zurückkommen, der ich mich in keiner Weise anschließen möchte... "Kann sich keiner leisten", "Wieder nur für die Reichen", "Wieder alles nur Eigentum"... usw. usw.


    Klassikers Träume sind sicherlich ehrenwert und mit voller Überzeugung. Aber es ist bei ihm immer die gleiche Leier und viel substanzlose Kritik. Und ich habe in meinem Beitrag auch darauf hingewiesen, dass auch ohne 2.Weltkrieg Berlin und andere Großstädte längst eine Veränderung erfahren hätten, die vielleicht sogar über das hinaus gegangen wäre, was wir heute erleben.

    Aber wer zuviel Geld hat, darf von mir aus gern ein paar Milliarden zur Stadtbildsanierung Berlins und anderer Städte in Deutschland locker machen.
    Die Schönheit der klassischen Architektur, die wir hier alle bewundern in allen Ehren, aber man muss auch realistisch bleiben.

  • Hier noch ein Link zur Erinnerung an alle Berliner, die andere gerne zurechtweisen

    Na dann wollen wir doch mal alle nicht hoffen, dass Baden-Württemberg und Bayern zukünftige Zahlungen in den Länderfinanzausgleich nicht davon abhängig machen, dass sich andere Bundesländer beim Umgang mit historischer Bausubstanz oder Rekonstruktionen den Gegebenheiten in den beiden Geberländern anpassen müssen.

  • Überlasst die Stadt einfach sich selbst, sie hat soviel Anteilnahme wahrscheinlich gar nicht verdient

    Das ist schon eine sehr seltsame Auffassung um es gelinde zu sagen.Es schreibt so etwas ja auch keiner über die Bundesländer, aus denen gefühlt täglich Meldungen von abgerissenen Baudenkmälern und nie von Rekonstruktionen kommen.


    Den Beitrag Oberbaumbrückes fand ich im Übrigen nicht pampig, eher einen angemessene Reaktion auf die (auch mich nervenden) unrealistischen (was die städtebauliche Situation als solche in den genannten Städten, als auch die Beseitigung tatsächlich bestehender Mängel betrifft) und sich ständig widerholenden Beiträgen mancher Foristen.

  • Klar sind "Klassikers" Forderungen utopisch. Allerdings kommt es da auf den Zeitrahmen an, unter dem man sie betrachtet. Wenn man glaubt, man könnte "jetzt" alle Nachkriegsbauten abreißen und durch Gründerzeitler ersetzen, ist das natürlich Tagträumerei und jenseits jeder Realität. Wenn man aber den Zeitrahmen vergrößert und z.B. sagt, dass für jeden abgerissenen Nachkriegsbau nicht ein Renditeklotz, sondern ein Haus in optischer Anlehnung an die Gründerzeit oder einen baulichen Vorzustand gebaut werden muss/sollte (durch Gestaltungssatzungen oder finanzielle Vergünstigungen), würde die Politik bestimmte Stellweichen für die Zukunft legen. Das könnte einfach eine Festlegung für die Langzeit-Gestaltung der nächsten Jahrzehnte sein, die dann stufenweise, je bei Bedarf bzw. im spezifischen Fall, umgesetzt wird. Das wäre dann nicht ganz so realitätsfern.

  • Berlin-Charlottenburg


    Marburger Straße N°3 (Simon Zadek)

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    Augsburger Straße N°21

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    Nürnberger Straße 17 (H. Olbricht)

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    Berlin-Wilmersdorf


    Uhlandstraße N°45

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    Uhlandstraße N°152 (Ferdinand Döbler)

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    Ludwigkirchplatz N°12, ein wunderbarer Jugendstilbau, den ich nicht in der Denkmalliste gefunden habe.

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    Zuvor war die Fassade mal in gelb gehalten.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Das ist wirklich eine atemberaubende Architektur, Mantikor. Ich bin hin und weg davon.


    Ich hoffe, Du hattest meine letzte Bemerkung zu Deinen Fotos, es ging um moderne Bauten, nicht in den falschen Hals bekommen. Ich formulierte etwas krass: "was Du hier lieferst...." vielleicht erinnerst Du Dich noch......das konnte man durchaus auch falsch verstehen, bezog sich aber weniger auf Dich denn auf die hässlichen modernen Gebäude. Natürlich müssen diese Bauten hier bei Stadtbild abgebildet werden.

  • Und die werden immer noch atemberaubender nach Niederlassung (ewig!) wenig atemberaubender einfacher Kisten neben ihnen.