Gefährdete Architektur und Kunst in der Ukraine

  • Einen Wiederaufbau hat es nach dem Zweiten Weltkrieg ja auch in der Ukraine gegeben. Die heutige Situation mit dem Deutschland von damals zu vergleichen, halte ich nicht für sinnvoll. Zu groß sind die Unterschiede.


    Die Frage, was als richtige "Altstadt" gelten darf, stellt sich eigentlich nicht. Gerade in kleinen Provinzstädten, in denen es kaum historische Bauwerke gibt, ist das wenige, was da ist, umso kostbarer. Und jede Kleinstadt verfügt über irgendeine Art von Stadtzentrum. Das kann man mit historischen oder historisierenden wie auch mit modernen Bauten besser gestalten oder weniger gut. Die meisten Städte sind nicht für Touristen da, sondern einfach für die Menschen, die dort leben. Aus diesem Grunde muss man auch hoffen, dass keine ukrainischen Städte längere Zeit unter russischer Fremdherrschaft verbleiben. Denn es ist keinem Ukrainer zu wünschen, unter der widerlichen Diktatur leben zu müssen, die Russland derzeit im Würgegriff hat.

  • Dann ist es sozusagen ein richtiges Potemkinsches Grabmal.


    Ist dieser Teil der Stadt, die man hier sieht:

    Катерининський собор (Херсон) 1 - St.-Katharinen-Kathedrale (Cherson) – Wikipedia

    übrigens das Ergebnis des sowjetischen Wiederaufbaus oder war diese Kirche auf grüner Wiese erbaut worden?

    Denn es ist keinem Ukrainer zu wünschen, unter der widerlichen Diktatur leben zu müssen, die Russland derzeit im Würgegriff hat.

    Das müsste natürlich auch für die Krim gelten und zuletzt für ganz Russland und auch für alle Menschen, die unter widerlichen Diktaturen leben müssen, dh bald für alle Menschen dieser Erde außer in unseren westlichen Demokratien.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Wer sich schon mal gefragt hat, was eigentlich mit all' den zerstörten Fenstern in der Ukraine passiert. Offenbar können diese momentan nicht mehr wiederhergestellt werden. Laut dieser Seite ist es offenbar schon eine Verbesserung zu den Verhältnissen Vieler, wenn man ein kaputtes Fenster durch Plastikfolien ersetzt bekommt.

    Solution — Insulate Ukraine
    We are on a mission to Insulate Ukraine. Here are some of the solutions we have invented to help Ukrainians protect themselves against the cold.
    www.insulate-ukraine.org

    Da habe ich schon bedenken, ob nach dem Ende des Krieges die Menschen sich dann die ganzen Fenster werden leisten können oder ob es da über viele Jahre eine Hängepartie geben wird mit eigentlich unzumutbaren Verhältnissen.

  • Im Eröffnungsbeitrag dieses Stranges wurde auf die Internetseite von Konstantin Akinsha hingewiesen. Akinsha hatte sich zum Ziel gesetzt, in englischer Sprache über Kulturgutverluste infolge der russischen Aggression zu informieren. Ich konnte die Website über viele Monate nicht erreichen. Jetzt ist sie wieder da. Der letzte Eintrag ist aber vom 12. Juni 2022 und bezieht sich auf den Brand der Kirchen im Wsichswjatskyj skyt, einem Wirtschaftshof des Klosters Swjatohirsk im Gebiet Donezk, am 4. Juni 2022. Die Seite wird also schon lange nicht mehr aktualisiert.


    Tatjanovka-Doneck-Vsechsvjatskij-skit-22.03.2017-SergejKovrov-soboryru-05588---1.jpeg

    Tetjaniwka bei Swjatohirsk (Gebiet Donezk), Wsichswjatskyj skyt mit der Kirche Wsich Swjatych, Ansicht von Norden

    (Foto: Сергей Ковров, 22. März 2017, sobory.ru, CC-BY-NC)


    Die große Kirche Aller Heiligen (Wsich Swjatych) war 2009 fertiggestellt worden. Rechts im Hintergrund (mit zwei Zeltdächern) die kleine Kirche "Aller Heiligen, die einst in russischen Landen lebten", erbaut 2001-2004. Beide Kirchen wurden im Stil der nordrussischen Holzbaukunst errichtet und waren Neuschöpfungen. Sie sind am 4. Juni 2022 verbrannt.

  • Beide Kirchen wurden im Stil der nordrussischen Holzbaukunst errichtet und waren Neuschöpfungen. Sie sind am 4. Juni 2022 verbrannt.

    Die beiden Kirchen waren schön, aber sie stellten doch ziemliche Fremdkörper dar in einer Region, die man beim besten Willen nicht als nordrussisch bezeichnen kann. Das Äquivalent dazu wären z.B. norwegische Stabkirchen im Riesengebirge - wenn damit der Anspruch verbunden wäre, dass Niederschlesien urnorwegische Erde ist.

    Allerdings finde ich bezeichnend, dass die Russen, die angeblich gekommen sind, die russophone Bevölkerung des Donbas zu beschützen und zu befreien, rücksichtslos alles zerstören, inclusive der genuin russischen Kultur.