Karstadt-Areal - Abriss- und Neubaupläne

  • Gibt es im Innern denn noch erhaltene historische Substanz? Wenn die Fassade erhalten bleibt, das Dach vielleicht sogar ergänzt wird, könnte ich damit leben. Schade finde ich es dennoch… und irgendwie aus der Zeit gefallen.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Da es bei dem Projekt nicht nur um das Gebäude mit der erhaltenen Fassade an der Breite Straße geht, will ich uns zuerst einmal mit Bildern einen Überblick über das Areal und die Lage geben.


    Der Karstadt nimmt einen gesamten Häuserblock ein, zwischen Breite Straße, Hämergasse, Am Alten Posthof, Zeppelinstraße und Richmodstraße. Hier das 3D-Bild von Google Maps:


    Karstadt 3D

    Bildquelle: https://www.google.com/maps/pl…2!3d50.937531!4d6.9602786


    Zunächst die historische Fassade, um die es hier hauptsächlich geht, an der Breiten Straße ist diese fast auf der gesamten Länge erhalten:

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    An der Richmodstraße ist die Sandsteinfassade nach dem Krieg entweder verputzt oder ganz entfernt worden, der hintere Teil fehlt:

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    Erdgeschosszone und Eingangsbereich sind zu großen Teilen modern gestaltet:

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    Die Fassade ist insgesamt recht gut erhalten, weist aber auch einige Schadstellen auf:

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  • Am anderen Ende des Blocks ergibt sich ein gemischtes Bild. Links setzt sich die Fassade in Metall-Lamellen-Optik fort, in der Bildmitte der Gebäudeteil hat immerhin noch die selben Geschosshöhen, aber keine Sandsteinfassade. Die etwas hellere Sandsteinfassade rechts daneben entstand ein paar Jahre später als das ursprüngliche Gebäude, weil hier noch Parzellen aus dem mittelalterlichen Köln aufgekauft und die bestehenden Häuser abgerissen werden mussten, um die Fassade zu vervollständigen. Möglicherweise hat man hier auf ein etwas anderes Steinmaterial zurückgegriffen. Der Unterschied zum dunkleren Bereich rechts daneben ist jedenfalls gut zu erkennen:

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    Die Hämergasse ist auf ganzer Länge mit den Metalllamellen versehen. Es sieht ehrlich gesagt ziemlich scheußlich aus:

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    An der Straße "Zum Alten Posthof" schließt sich dann dieser Tunnel an, wieso, sehen wir auf dem darauffolgenden Bild:

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    Hier hat irgendein renitenter Eigentümer sich offenbar geweigert, sein Grundstück abzugeben, wodurch dieses Nachkriegsgebäude etwas verloren vor der riesigen Karstadt-Fassade steht:

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    Wenn wir die Straße in die andere Richtung hinunter schauen, blicken wir übrigens auf Kölns Milliardengrab:

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    Gegenüber vom Karstadt findet sich übrigens noch so eine Jugendstil/Reformarchitektur-Fassade:

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    An der Ecke zur Zeppelinstraße:

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    Die Zeppelinstraße selber ist auf diesem Abschnitt überdacht worden, links das nächste erhaltene Gebäude in dem Reform-Stil (an der Richmodstraße Richtung Neumarkt gibt es sogar noch weitere solcher Fassaden).

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  • Kommen wir nun zu der Frage, wie das Areal vor dem Krieg ausgesehen hat.

    Wir haben ja oben den kleinen Einzelbau vor der Fassade gesehen. Eigentlich ulkig, denn diesen Zustand hat es auf der gegenüberliegenden Seite des Blocks auch schon bei Errichtung des Gebäudes gegeben:

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    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_073404, https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/40025490


    Rechts neben dem vorgelagerten Eckbau sieht man das Ende der Fassade, die heute fehlt:

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    (Man sehe mir nach, dass die Aufnahmen nicht ganz so akkurat zueinander passen wie bei "Köln früher und heute", aber das wäre hierfür etwas viel Arbeit gewesen. :smile:)


    Betrachten wir noch einmal das Bild, welches Heimdall hier schon verlinkt hatte:

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    Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/…Carl_Peters_1914,_RBA.jpg


    Wir sehen, dass die Ecke früher konkav und mit einer Figur verziert war. Neben dem Dach hat sich auch die Erdgeschosszone stark verändert.


    Schauen wir nun einmal auf die historische Katasterkarte von 1923:

    Karte


    Wir sehen, dass oben links noch mittelalterliche Parzellen übrig sind, deren Eigentürmer wohl erst später vom Verkauf überzeugt werden konnten. Auch unten links an der Hämergasse sind noch alte Gebäude übrig geblieben, heute nimmt das Kaufhaus ja dagegen den gesamten Block ein. Man sieht auch, wie man die Neubebauung zur Straßenverbreiterung von Breitestraße und Hämergasse genutzt hat.


    Auch auf dem historischen Foto von der Ecke Hämergasse aus erkennt man die nach Vervollständigung der Fassade helleren Fassadenpartien:

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    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_077513, https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05213050


    Hier nochmal dagegen die Ansicht von heute:

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    Das folgende Bild von der gegenüberliegenden Ecke Breitestraße/Hämergasse zeigt zwar nicht das Areal des Kaufhauses, aber die direkte Nachbarschaft. Vorne rechts sieht man die Ecke des Kaufhauses:

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    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_720119, https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05143070


    Heute die allseits bekannte Nachkriegs-Tristesse:

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  • Es ist immer wieder anzumerken, dass Köln mal eine ästhetisch attraktive Stadt war und heute zu großen Teilen aus architektonischem Schrott besteht. Die Orientierung am Vorkriegszustand wäre eigentlich geboten, um die Situation zu verbessern, aber in Köln herrscht offenbar kein oder kaum Bewusstsein dafür.

  • Heimdall : Genau so ist es. Ich bemühe mich auch mit Beiträgen wie diesen hier, zumindest das Bewusstsein etwas zu erweitern. Wenn wir nur mehr Kölner hier im Forum hätten :augenkrummblau:


    Wir machen mit unserer Runde um den Karstadt und begeben uns in die Hämergasse:

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    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_720051, https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05142993


    Hier sehen wir die Häuserzeile, die von dem Block übrig geblieben war. Auch hier dürfte in etwa die Hälfte der Häuser erst in der Gründerzeit gebaut worden sein.


    Heute sieht man hier die uns schon bekannten Metalllamellen:

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    Wir bewegen uns zur nächsten Straßenecke, früher Streitzeuggasse, heute Am Alten Posthof, wo wir weitere Gründerzeithäuser sehen:

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    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_720050, https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05142992


    Heute steht dort das einzelne Eckhaus:

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    Auch hier werfen wir noch einen Blick auf die gegenüberliegende Straßenseite, wo wir ebenfalls eine Mischung aus dem alten und dem gründerzeitlichen Köln sehen. In der Bildmitte sieht man wieder, wie klein die Häuser im vorgründerzeitlichen Köln teilweise waren, vermutlich mit ein Grund, wieso in den äußeren Bereichen der Innenstadt so wenig davon übrig blieb:

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    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_720053, https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05142995


    Auch hier ist kein einziges Gebäude übrig geblieben:

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    Wir bewegen uns in die Zeppelinstraße, geradeaus sehen wir, dass die Fassade, die wir schon von der Breitestraße kennen, sich hier früher wiederholte:

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    Das Gebäude rechts steht sogar heute noch, der Karstadt selber wirkt heute wie ein wuchtiger Kasten:

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    Zu guter Letzt werfen wir noch einen Blick in die Richmodstraße. Hinten links sehen wir die Eckbauten zur Breitestraße. Rechts die Überdachung gehört zum Warenhaus:

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    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_073402, https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/40025488


    Heute sehen wir dagegen die überall dominierende Nachkriegstristesse, rechts ist heute eine Einfahrt in das zum Karstadt gehörige Parkhaus:

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