Die Reaktionen auf Architektur

  • "So schön", "Traumhaft", "beautiful".

    So liest man es oft in Kommentaren in sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram, wenn historische Bauwerke und Stadtbilder gezeigt werden.

    Bei "moderner" Architektur fallen die Reaktionen nie so einhellig positiv aus. Gelegentlich bringt der Laie stattdessen mit dem Wort "hässlich" ganz direkt zum Ausdruck, was er von Architektur hält, die ihm angeblich "erklärt" werden muss. Wahrscheinlich ist das Netz hier ausnahmsweise repräsentativ für die Gesellschaft. Ist euch das auch schon aufgefallen?


    Jedenfalls ist das für mich Bestätigung, dass wir Freunde der klassischen Baukunst überhaupt keine Minderheit sind und mit unseren Anliegen ganz sicher auf das richtige Pferd setzen.

    :trommeln:

  • Ja, aber was hilfts? Architektur ist ent-demokratisiert, selbst sog. "Wettbewerbe" sind eigentlich geschlossene Veranstaltungen, bei denen vorausgewählt wird, wer sich beteiligen darf, und wie bei den Krähen, die eine der anderen nicht das Auge aushackt, wird da vielleicht nicht offen kritisiert.

    Mir kommt es manchmal so vor, als wollten manche Entscheider sich nicht die Blöße geben sich vorwerfen zu lassen, einen Entwurf nicht in irgend einer verschwurbelten Qualität zu erkannt zu haben, wenn sie sagen "Hä" wie "hässlich" oder so, und aus lauter Verlegenheit wird dann der dümmste Entwurf gewählt. Ist ja nicht so dass die Architekten alle voll Selbstbewusstsein strotzen. Das tun sie nur beruflich, weil sie es müssen, aber es sind eben auch nur Menschen.

  • "So schön", "Traumhaft", "beautiful".

    So liest man es oft in Kommentaren in sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram, wenn historische Bauwerke und Stadtbilder gezeigt werden.

    So ist es!

    Mit historischen Bauwerken und klassischer Architektur voller Schönheit und Individualität "punktet" Deutschland auch international, nicht mit Oswaltschem Bauhausfetischismus. Bei Youtube gibt es mehrere Filmchen namens "Americans react on German castles and palaces" bzw. ähnlichen Titeln. Darin werden Bauwerke in Deutschland begeistert kommentiert. Auch wenn das Gesagte sicher nicht immer besonders geistreich ist, zeigt sich doch was die Leute lieben und was nicht.


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    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Mir kommt es manchmal so vor, als wollten manche Entscheider sich nicht die Blöße geben sich vorwerfen zu lassen, einen Entwurf nicht in irgend einer verschwurbelten Qualität zu erkannt zu haben, wenn sie sagen "Hä" wie "hässlich" oder so, und aus lauter Verlegenheit wird dann der dümmste Entwurf gewählt.

    Ich denke, da benutzen viele "modernistische" (ich mag den Begriff eigentlich nicht, aber er ist nun mal eingeführt und für die meisten verständlich) Architekten einen sophistischen Trick.

    Denn ja: moderne Kunst ist oft nicht einfach zugänglich und kann trotzdem sehr gut sein. Für viele der ganz großen Kunstwerke der Moderne braucht man nun einmal ein sehr entwickeltes, subtiles ästhetisches Verständnis und einen gewissen Bildungsgrad, bevor sie sich einem erschließen. Ob das jetzt die Gedichte von Paul Celan und Georg Trakl, die Dramen von Beckett, die Prosa von Kafka oder die Musik von Luigi Nono ist.


    Und weil das so ist, haben viele Leute Angst, offen zu sagen, dass sie irgendetwas, das wirklich hässlich und nichtssagend ist, für hässlich und nichtssagend halten. Sie befürchten immer, dass sie das Ganze nur nicht richtig verstanden haben oder kein ausreichend subtiles ästhetisches Empfinden haben und somit durch ihr - in dem Fall dann aber zutreffendes Urteil - ihre ästhetische Unbildung und Banausentum beweisen würden.


    Das Ganze funktioniert nur über diese Schiene mangelnden Selbstvertrauens gegenüber den vermeintlichen Experten und es beruht schlicht auf einem Fehlschluss: Nur weil es eine Reihe großer Kunstwerke gibt, die einem erst dann etwas sagen, wenn man eine gewisse Subtilität des ästhetischen Empfindens und eine gewisse ästhetische Bildung mitbringt, heißt das eben nicht, dass alles, was banal und nichtssagend daherkommt, darum automatisch ein großes Kunstwerk wäre.

    Aber es ist offenbar ziemlich einfach, Lokalpolitikern und Provinzjournalisten diese Art von Fehlschluss einzureden.

  • Meiner Wahrnehmung nach findet so eine Debatte höchstens noch bei einzelnen Objekten in abgegrenzten Stadtgebieten mit Gestaltungssatzungen und entsprechenden Gremien statt. Ansonsten hat doch wirklich niemand mehr überhaupt den Anspruch den Eindruck von kunstvollem Bauen aufrecht zu erhalten.

    Auch erscheint mir allgemein der architektonische Ausdruck meist weit in den Hintergrund gerückt, weil es durchgängig bei modernen Bauten eine eindeutige Priorisierung von der Innennutzung her zur Außendarstellung gibt. Das hat selbstredend ganz erheblich auch regularische Gründe, aber entsprechend gering erachte ich das Problem, dass verunglückte Entwürfe fälschlicherweise für große Kunst gehalten werden.

  • Einen Wandel werden wir nur hinbekommen, wenn auch das Wohnen in einem historischen oder klassisch schönem Haus wieder eine höhere Anerkennung findet als der hochfunktionale Neubau. Bei privaten Bauten findet man aber entweder Town&Country-Standardware - nicht hässlich, aber auch frei von jeglicher architektonischen Gestaltung - oder individuelle Bauten mit maximaler Wirkung - was meist besonders hässlich ist. Neubauten oder Modernisierungen, die sich bemühen, in ein historisches Straßenbild zu passen, sind selten - vor allem außerhalb von Altstädten. Welche nicht-denkmalgeschützte Siedlung aus den 20er bis 60er Jahren sieht heute noch annähernd so harmonisch aus wie zu ihrer Erbauungszeit?

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Meiner Wahrnehmung nach findet so eine Debatte höchstens noch bei einzelnen Objekten in abgegrenzten Stadtgebieten mit Gestaltungssatzungen und entsprechenden Gremien statt.

    Das mag sein, aber gerade diese Objekte befinden sich häufig an Orten, die für das Stadtbild von entscheidender Bedeutung sind.