Bremen-Walle

  • Kleine Wiederherstellungsgeschichte aus Walle:


    Die Immanuel-Kapelle in der Elisabethstraße hat den Krieg weitgehend unbeschadet überlebt. Sie war in einem neogotischen Stil errichtet worden:


    (Digitales Heimatmuseum Bremen)


    Nach dem Krieg und bis letztes Jahr wurde die Eingangssituation massiv umgestaltet mit gläsernen Vorbauten und einer deutlich niedrigeren Eingangszone:


    (https://commons.wikimedia.org/…ile:Vegesacker_str_42.jpg)


    Nun wurde eine an die alte Situation angelehnte Neugestaltung des Eingangsbereichs fertiggestellt:




    Natürlich barrierefrei, deshalb mit Rampe auf der anderen Seite und auch keine originale Rekonstruktion, aber doch eine erfreuliche Entwicklung.

  • Bei einer kleinen Fahrt mit dem Fahrrad durch Walle entdeckte ich die Zietenstraße. Kleine Altbremer Häuser, wahrscheinlich erworben und genutzt von den sogenannte "kleinen Leuten" aus der Arbeiterschaft, die in der Nähe im Hafen oder auf der Werft ihre Jobs hatten. Keine Vorgärten, kein Souterrain, dadurch günstiger und erschwinglich. Hier gab es trotz der umfangreichen Bombardierungen des Westens keine Kriegszerstörungen. Zu sehen sind vielfältig gestaltete Fassaden, eine Basis für die Schönheitswahrnehmung. Ich möchte nicht wissen, was dort stehen würde, wenn heute gebaut würde. 15 gleich aussehende Container seriellen Bauens?



    Das fehlende Naturidyll gleich an der Hauswand



    Walle vor dem Krieg, Nähe des noch bestehenden Holz- und Fabrikenhafens, könnte auch haustypisch Berlin-Schöneberg oder -Charlottenburg sein. Große Gebäude mit 3 - 5 Etagen plus Dachgeschoss aus der Epoche des Historismus, die zurzeit in allen Städten so begehrt sind, da sie sehr schön aussehen und ein großstädtisches, ehrwürdiges Flair ausstrahlen. Wäre heute sicherlich, mit den vielen kleinen Läden, ein In-Viertel. Es handelt sich hier um die heutige Nordstraße.



    Zum Vergleich die aktuelle Situation ungefähr von der gleichen Stelle f gesehen und fotografiert:



    Die Fahrbahn wurde von vormals 4 - 2 Spuren für das Auto, zwei für die Straßenbahn - erweitert auf 6 Spuren. Ein Zeitzeuge erzähle mir kürzlich, dass noch bis in die späten Achtziger Jahre auf der von hier gesehen linken Seite Gebäude standen, die den Krieg unbeschadet überlebt hatten und in den Straßenraum hineinragten bzw. die Straße ragte in die Häuser, die waren ja schließlich zuerst da. So gab es auf der linken Seite lange Zeit nur eine Fahrspur. Was für ein attraktives Wohngebiet hier vorher stand. Die heutigen 6 Spuren sind natürlich eine Folge der modernen Stadtplanung: Die autogerechte Stadt. Der Bau im Hintergrund ist neu und noch nicht fertiggestellt. Hat aber nicht annähernd die ästhetische Qualität der Vorkriegsbebauung. Aber welche Bauten der letzten 70 Jahre haben das schon.

  • Das Abrissgebiet hieß "Bremer Küste" und war das klassische Hafenrotlichtviertel der Stadt. Heute zeugen nur noch einige maximal runtergekommene Etablissements auf der Waller/Nord-Seite der Nordstraße wie das "Krokodil" und der "Elefant" von dieser Geschichte:



    Das Gebiet befand sich in dem jetzt als "Waller Stieg" bezeichneten Bereich, gegenüber der Stelle, wo der Waller Ring auf die Nordstraße trifft und etwas östlich davon, in der Tat ziemlich genau dort, wo jetzt die Gewerbeschule neugebaut wird. Im sehr guten Buch "Bilder für Bremen", das Fotografien von Hans Saebens aus Bremen mit starkem Fokus auf die Hafengebiete zeigt, gibt es einige Bilder von der Ecke.


    Der Mann, der Bremen ins Bild setzte


    Es war in der Tat der letzte erhaltene Rest der ehemals ausgedehnten Wohngebiete südlich der Nordstraße. Mit dem Waller Wied gibt es zwar immer noch einen kleinen Bereich mit Wohnhäusern, diese sind jedoch zu 95% Nachkriegsbauten oder vollkommen verhunzt, so dass hier kein Vorkriegsflair zu verspüren ist.


    Eine andere Geschichte nur wenig von diesem Ort entfernt ist das ehemalige Kaffee-HAG-Gelände, das nach Jahren des Leerstands und Verfalls jetzt wohl ein Investor erworben hat, der hier auch etwas bewegen möchte. Das Gelände ist aus 3 Gründen baugeschichtlich interessant:


    1. befindet sich auf dem Gelände einer der oder sogar der erste industrielle Stahlbetonskelettbau Europas aus den 00er Jahren des 20. Jhdts, die Kaffee-HAG-Fabrik


    2. gibt es in dem Komplex den sehr gut erhaltenen Marmorsaal, der wie das Gesamtgebäude unter Denkmalschutz steht


    3. wird dieser zentrale Bereich noch durch einige ebenfalls unter Denkmalschutz gestellte, "klassischere" Industriebauten im neogotischen Backsteinstil flankiert, wie z.B. die KABA-Fabrik


    Aktueller Bericht von butenunbinnen zum Areal:


    Was passiert auf dem Kaffee-HAG-Gelände?


    Sicherlich erstmal gut, dass dem Leerstand und Verfall Einhalt geboten wird nach einer relativ unrühmlichen Vorgeschichte mit mehreren Investoren, die am Ende fast nichts getan haben auf dem Gebiet. So ganz sicher, dass die Jungs da wirklich etwas durchweg Gutes auf die Beine stellen, habe ich jedoch beim Anblick der neuen ungeteilten Plastikfenster in den alten Fabrikbauten leider nicht bekommen. Frage mich auch, was der Denkmalschutz zu diesen Fenstern wohl sagt, wenn er sich kümmern würde.