Bremen - Osten

  • Gestern war ich zum ersten Mal "bewusst" auf dem Osterholzer Friedhof, also mehr als einmal kurz die Hauptachse passieren. Es ist eine bezaubernde Parkanlage mit altem Baumbestand, einer in dem Umfeld recht majestätischen Hauptkapelle, an dessen Portikus mit ionischen Säulen sich wilder Wein rankt, zwei Nebenkapellen mit Säulengängen und vielen gepflegten Ehrenmalen. Der Innenraum der Hauptkapelle ist kürzlich saniert worden, leider kann man ihn nur zu sehr ausgewählten Zeitpunkten besuchen. Von besonderem Interesse für viele Bremer Foristen dürften auch die Grabplatten aus der alten Ansgarii-Kirche sein, die im Bereich vor der Hauptkapelle in den Boden eingelassen sind.


    Ich poste mal ein paar Bilder und hoffe, dass dies nicht für den ein oder anderen pietätlos wirkt. Es finden sich auch zahllose wunderschöne Grabmale, mitunter wahre Kunstwerke, die spare ich hier aber mal aus. Zusammen mit dem Riensberger Friedhof und dem alten jüdischen Friedhof in Hastedt ein wunderbarer Ort der Ruhe und Besinnung.



  • Auch ich hatte vor 4, vielleicht 5 Jahren im Herbst Fotos vom Osterholzer Friedhof gemacht, die in meinem Fotochip schlummerten und die ich, auch wenn es ähnliche Bilder sind, ergänzend zu mak´s schönen Bildern hier präsentieren möchte. Der Osterholzer Friedhof ist mit seinen 80 Hektar Bremens größter Friedhof und eine parkähnliche grüne Lunge. Der von mak weiter oben dargestellte Grabstein von 1795 stammt wohl aus dem ehemaligen Herdentorsfriedhof neben dem Bremer Hauptbahnhof, heute Nelson-Mandela-Park. Im Osterholzer Friedhof sind eine ganze Reihe dieser alten Grabsteine aus dem Herdentorsfriedhof zu finden zu finden.






    Auf dem Osterholzer Friedhof befindet sich - im Abstellzustand, wohin nur damit? - ein Brunnen, der vor einer in den 70er-Jahren abgerissenen Villa an der Schwachhauser Heerstraße stand. Er ruht auf 4 Schildkröten, deren Material wie das des Brunnens, so meine Vermutung, Bronze ist (aber vielleicht hat jemand eine andere Einschätzung). Dort ist er nun - ganz funktionslos - Opfer der Zerstörungswut pubertierender männlicher Jugendlicher bzw. von Metalldieben geworden. Einen Platz für diesen schönen Brunnen zu finden, ist in Bremen seit nunmehr etwa 50 Jahren nicht möglich gewesen. Diese Stadt leidet einfach nur an Ignoranz gegenüber dem historischen Erbe.



    Sogar die Figur trauert, dass die verzierten Ränder des Brunnens zerstört worden sind.




  • Ergänzend will ich noch mal ein Foto der Villa in der Schwachhauser Heerstraße 62 abbilden, der Brunnen befand sich, wie zu sehen, mittig vor dem Gebäude. Der Bremer Denkmalpfleger Hans-Christoph Hoffmann schrieb dazu:". Diese prächtige Villa des Architekten Klingenberg von 1863 wurde 1970 abgebrochen".



    Das abgebildete Gelände wurde nach dem Abriss mit Pavillons des Kippenberg-Gymnasiums bebaut. Sowas hat in Bremen Tradition. Oftmals schon wurde bei Abrissen mit moralischem Druck die soziale Situation betont. Die Nachfolgebauten waren Schulen - wie in unserem Beispiel - oder Kindergärten und andere Sozialeinrichtungen oder aber der dringend benötigte Wohnungsbau. Erhaltenswerte Bauteile werden danach dann irgendwo abgelegt mit der Maßgabe, sie noch verwenden zu wollen, auf dass die Jahrzehnte ins Land gehen - bis die nächsten Generationen vergessen haben, wo die Teile liegen und welche Bedeutung sie noch haben.