Köln - Domplatte und Dom

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    • Eine offene Seite zum Rhein hin wäre wirklich total schön, dann ein nach historischem Vorbild gestalteter Roncalliplatz mit einem rekonstruiertem Domhotel.

      Bleibt aber nur Träumerei, bevor sowas kommt wird eher der Dom abgerissen.

      Aber der Dom bleibt erstmal noch ein Jahr auf der Roten Liste.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Nun ist es raus: Laut der ZDF-Umfrage ist der Kölner Dom der Lieblingsort der Deutschen...



      Mir kam die ganze Sache aber nicht sehr repräsentativ vor. Da waren 2 oder 3 Dörfer dabei, von denen ich noch nie gehört habe. Insgesamt aber sehr erfreulich: Bis auf das Dortmunder Westfalenstadion war glaube ich kein modernistischer Bau dabei. Die Deutschen haben halt Geschmack!
    • Habe leider nur noch den Schluss der Sendung gesehen.
      Ich fand besonders einen Kommentar zu der Rekonstruktion des Münsteraner Prinzipalmarkts toll:" Münster hat damit ein Stück seiner Stadtgeschichte zurückbekommen. Ganz im Gegenzug zu Köln, das voll ist mit dieser 50er Jahre Scheiße." :P
      Weiß leider nicht mehr den Namen des Kommentators.
    • Das von Richter für den Kölner Dom entworfene neue Fenster ist heute erstmals vollständig enthüllt worden. Es besteht aus einem farbigen Mosaik. Mit einem Festgottesdienst in der gotischen Kathedrale wurde die Vollendung des neuen Südquerhausfensters gefeiert. [...] Die vielen tausend kleinen, bunten Quadraten schaffen eine flirrende Farbigkeit - das Fenster Projektion des digitalen Rauschens. Richter, der zu den bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstlern gezählt wird, hatte seinen Entwurf dem Domkapitel geschenkt. Die Material- und Handwerkskosten in Höhe von etwa 400.000 Euro werden nach Angaben des Domkapitels vollständig durch Spenden aufgebracht.

      Das 113 Quadratmeter große historische Südquerhausfenster war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Die nach dem Krieg eingesetzte schmucklose Verglasung wurde von Kunsthistorikern und dem Domkapitel stets als Makel empfunden. Am heutigen Samstag wurde die Neugestaltung in einem Gottesdienst gefeiert.

      Neugestaltetes Fenster: Gerhard Richter digitalisiert Klner Dom - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur

      Zu dem Thema gibt es einen sehr ausführlichen Artikel In der FAZ:
      Gerhard Richters Fenster: Ein Ozean aus Glas im Kölner Dom - Kunst - FAZ

      Main
      Dombau Köln
      DomCam - Die Webcam vom Kölner Dom
      Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)
    • Zitat:
      Das 113 Quadratmeter große historische Südquerhausfenster war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Die nach dem Krieg eingesetzte schmucklose Verglasung wurde von Kunsthistorikern und dem Domkapitel stets als Makel empfunden.


      Und ist es denn stilistisch makellos, einen gotisch/neogotischen Dom zu digitalisieren? Was fuer ein Kunsthistoriker muss mann denn sein, so was zuzustimmen? Vielleicht eben ein ganz normal ausgebildeter.. :augenrollen:
      VBI DOLOR IBI VIGILES
    • Sehe ich genauso. Es ist zudem eine Beleidigung für die im Kölner Dom vertretene künstlerische Qualität - und dann auch noch an so prominenter Stelle. Ich dachte ja schon, dass die abstrakten Fenster der Nachkriegszeit der endgültige Niedergang der Glasmalerei gewesen wären, aber siehe da, es geht immer noch schlimmer.

      Das Geschwätz in der FAZ kann man wohl nur verstehen, wenn man genügend bunte Pillen einwirft. Ich jedenfalls nicht. :gehtsnoch:
    • wir haben es an andere Stelle ja bereits diskutiert: ich finde -nun auch angesicht des tatsächlich geschaffenen Werks- den neuen Zustand aufgrund seiner Farbwirkung durchaus akzeptabel (auch wenn ich mir natürlich besseres vorstellen kann, wie es z.B. Hans Gottfried von Stockhausen – Wikipedia schaffen würde). Es ist allemal besser als die vorherige farblose Verglasung.
    • Ich kann RMA nur zustimmen. Was Gerhard Richter sich da geleistet hat, ist schlicht eine bodenlose Frechheit. Erbärmlich und, falls es ernst gemeint ist, von unterstem künstlerischem Niveau.
      In der "Zeit" habe ich gelesen, daß das Vorbild für diese Micky-Maus-Kirchenfenster, ein Bild Richters aus den 70'iger Jahren, von ihm damals ausdrücklich als Satire auf die abstrakte Kunst gedacht war. Welcher Teufel hat den denn geritten, das jetzt allen Ernstes als Kirchenfenster in den Kölner Dom zu setzen? Entweder ist das Senilität oder Zynismus.
    • Wer schon mal im Hohen Dom war, erkennt den Riesengewinn für die Raumwirkung der Querung.

      Und was die bunten Kästchen angeht: Eine solche Gestaltung entspricht dem gotischen Konzept wohl besser als manches Historimusfenster. Nachzulesen - soweit eine Bibel im Haus - im Begründungstext zum Bauplan, der Offenbarung des Johannes.

      Übrigens gibt es wohl noch einige eingelagerte Fenster (kitschigster Historismus), die auf den Einbau warten. Et hat noch imma jootjejange...


      PS: Wer ist hier eigentlich seine Eminenz Kardinal Meisner? Heimdall, sind Sie es?!
    • Abstrakte Kunst hat zumindest in einem überwiegend mittelalterlich bzw. mittelalterlich-historisierend geprägten Kirchenraum meiner Meinung nach gar nichts zu suchen. Das ist genauso gefühlvoll, wie eine Glas-Stahl-Kiste in ein Fachwerkensemble zu klatschen, Stichwort "spannende Kontraste". :augenrollen:

      Vom (mir bis dato unbekannten) Hintergrund der Entstehungsgeschichte des Fensters noch ganz abgesehen. Eine Satire auf die moderne Kunst auf die Offenbarung des Johannes (bezüglich der Edelsteine) umzudeuten, mag zwar originell sein. Aber es erscheint doch mehr als fraglich, ob das im Sinne der mittelalterlichen Baumeister ist. Es gibt zwar seit der Romanik nicht figürliche, rein ornamentale Fenster, aber ein derartiger Minimalismus der Formensprache, wie er hier zu sehen ist, hat meines Erachtens weder mit Kunst noch mit Glauben zu tun.

      Oder anders herum gefragt, ist dass das Einzige, was das 21. Jahrhundert intellektuell zu diesem Thema beitragen kann? Da kann ich nur sagen, glücklich der, der die nachfolgenden Jahrhunderte des künstlerischen Niedergangs nicht erleben muss...
    • Und was die bunten Kästchen angeht: Eine solche Gestaltung entspricht dem gotischen Konzept wohl besser als manches Historimusfenster.


      Also mich haben diese quietschbunten Kästchen erstmal an Fernsehtestbilder oder farblich verunglückte Schottenröcke erinnert. Und einen Zusammenhang zwischen Fernsehtestbildern, Schottenröcken und gotischen Gestaltungskonzepten kann ich nun wirklich nicht erkennen.

      Das ist übrigens kein Plädoyer gegen Abstrakheit und für unbedingte Figürlichkeit, wohl aber eines gegen so schlechte Abstrakheit wie die, die Richter hier präsentiert hat. Ein Kirchenfenster in der präzisen und durchdachten Formen- und Farbensprache eines Mondrian könnte ich mir als überwältigend vorstellen. Kleine quietschbunte Pixel-Quadrate sind davon aber meilenweit entfernt.
    • Abstrakte Fenster anderswo

      In Anschluss an meinem Worms-Thread kann ich noch auf ein schoenes Beispiel verweisen, wie eine digitale Fensterverglasung wirken kann: die Nikolauskapelle am Wormser Dom. In einem Buechlein zum Dom, im Dom zu erhalten, steht dazu:

      Die eindrucksvolle Fensterverglasung, die durch ihre Farbigkeit wirkt, wurde 1967-1970 ebenfalls von Heinrich Hindorf geschaffen


      Ich trat hinein und war sofort schockiert. Bis auf ein oder zwei Fenster, die noch etwas figuerliches enthalten, wirkt das Ganze wie mit tiefrotem und dunkelblauem Farbpapier zugeklebt. Hier sind nicht nur die abstrakten Formen und deren Proportionen, sondern vor allem auch die Farben falsch gewaehlt. Und das an einer Kapelle, dessen gotischen Stil sich mit demjenigen des Strassburger Muensters messen kann.
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