Köln - Dom und Umgebung

  • Die viertgrößte Stadt Deutschlands ist also ein Gegenmodell zu Unserer These, dass eine Stadt schön sein sollte, mit qualitätsvoller Architektur gebaut sein, hochwertige Gestaltung öffentlicher Flächen bieten, wenn sie erfolgreich sein will, nicht nur für die Zufriedenheit seiner Bürger, sondern womöglich sogar touristisch.

    Das verdankt die Stadt fast ausschließlich dem Dom, der durch seine Präsenz die ganze städtebauliche Misere aufwiegt. Ohne ihn wäre Köln der eindeutige Beleg für unsere Thesen.

    In dubio pro reko

  • wie Stadtmarketingexperte CA_rotwang

    Ich arbeite übrigens tatsächlich im PR-Bereich. :)

    Der Ruf, die Bekanntheit und das Selbstverständnis von Köln definiert sich ausschließlich über den Dom, auch wenn sich manche einreden wollen man könnte davon unabhängig sein.

    Das ist albern, aber ich hab auch wenig Lust jetzt in eine so derart verbohrte Diskussion einzusteigen. Natürlich kann man argumentieren, dass das Bevölkerungswachstum Kölns und damit der Aufstieg der Stadt auch etwas mit dem Dom zu tun hat (und dabei außer Acht lassen, dass es die Wallfahrten zum Dreikönigsschrein waren), aber wer den Appeal von Deutschlands zweitwichtigstem Medienstandort Deutschlands nach Berlin auf den Dom reduziert, der lebt in einer sehr speziellen Blase.

  • Mach doch einfach mal eine Umfrage, was den Leuten als erstes zu Köln einfällt. Ich denke, nach Dom und Karneval kommt erstmal lange nichts, und dann sowas wie "Medienstandort". :wink:

    In dubio pro reko

  • Mach doch einfach mal eine Umfrage, was den Leuten als erstes zu Köln einfällt. Ich denke, nach Dom und Karneval kommt erstmal lange nichts, und dann sowas wie "Medienstandort". :wink:

    Im Zuge dieser Diskussion denke ich schon die ganze Zeit, dass es fast ein bisschen schade ist, dass sich der Dompropst im vergangenen Jahr dann doch gegen das Eintrittsgeld entschieden hat. Es wäre eine solide Möglichkeit gewesen, um im Laufe der Zeit festzustellen, wie viele der jährlich 6 Millionen Besucher denn nun wirklich wegen des Doms kommen (und entsprechend bereit sind, für diesen zu zahlen) und wie viele ihn überspringen, weil sie ihn lediglich beim Köln-Besuch bei einem kostenlosen Zutritt mal eben miterledigt hätten.

  • Ich möchte nicht leugnen, dass das Stadtbild Kölns durch die Einwirkungen des Krieges und den autogerechten Konzepten der Zeit danach erheblich gelitten hat. Und in der Außenwahrnehmung ist der Dom sicherlich das entscheidende Monument schlechthin. Dennoch hat Köln kulturell sehr viel zu bieten: Zum einen sind da unzählige renommierte Museen. Zum anderen hat Köln mit den zwölf romanischen Kirchen ein sakrales Gepräge zu bieten, wie es in ganz Mitteleuropa kein zweites Mal zu finden ist.

    Kunsthistoriker, Historiker, Webdesigner und Fachreferent für Kulturtourismus und Kulturmarketing

    Mein Bezug zu Stadtbild Deutschland: Habe die Website des Vereins erstellt und war zeitweise als Webmaster für Forum und Website verantwortlich. Meine Artikel zu den Themen des Vereins: Rekonstruktion / Denkmalschutz / Architektur / Kulturreisen

  • aber wer den Appeal von Deutschlands zweitwichtigstem Medienstandort Deutschlands nach Berlin auf den Dom reduziert,

    Die Anziehungskraft Kölns auf große Bevölkerungsgruppen ist in der Tat nicht zu leugnen. Wäre ich ein Kulturpessimist oder Misanthrop, würde ich sagen, die Stadt ist der Stein gewordene Beweis für die Gleichgültigkeit der Masse gegenüber (bau)ästhetischen Fragen. Sag ich natürlich nicht.

    der lebt in einer sehr speziellen Blase.

    Nun ja, wer Köln kennt, weiß, dass auch der Kölner in einer Art Blase lebt und damit ganz zufrieden ist. Sind immer die anderen, die in einer Blase leben.

  • Die viertgrößte Stadt Deutschlands ist also ein Gegenmodell zu Unserer These, dass eine Stadt schön sein sollte, mit qualitätsvoller Architektur gebaut sein, hochwertige Gestaltung öffentlicher Flächen bieten, wenn sie erfolgreich sein will, nicht nur für die Zufriedenheit seiner Bürger, sondern womöglich sogar touristisch. Eine wichtige Diskussion hier also gerade.

    Aus städtebaulicher Perspektive hat man in Teilen Kölns noch vieles richtig gemacht mE. Von der durchaus gelungenen Altstadt-Insel rund um den Fischmarkt und den Gassen dort mal abgesehen, hat man sich insgesamt an vielen Orten eine gewisse Kleinteiligkeit und "Gemütlichkeit" bewahrt, selbst mit banalen Nachkriegsfassaden. Köln ist sehr urban und hat eine hohe Passanten-Frequenz, ist in vielen Kernbereichen nicht von großen Autoschneisen zerschlagen. Wenn man das mal mit dem Herz von Berlin abseits des friderizianischen Staatsforums vergleicht...

    Und dann kommt natürlich noch die "rheinische Frohnatur" dazu, die sich trotz der Zerstörungen in Erinnerungen und Lebensweisen gehalten hat. Wie glücklich eine Stadtgesellschaft ist, hat u.a. auch viel mit der Lebenseinstellung, Glaubenssätzen, dem (Mikro)Klima, Gepflogenheiten usw. zu tun.

    Touristisch ziehen an Köln mE vor allem Dom, Karneval und weitere Events/Messen, Gastfreundlichkeit und der simple Faktor Größe. Danach folgt Dresden auf Platz 5 in Deutschland, darauf Düsseldorf. Also da kann man zu ganz unterschiedlichen Schlüssen kommen, wenn man rein auf Gästezahlen schaut.

  • ist in vielen Kernbereichen nicht von großen Autoschneisen zerschlagen.

    Naja, ich meine das Gegenteil ist der Fall. Ich kenne kaum eine Stadt in Deutschland deren Altstadtstruktur mehr durch Straßen, teils mit Autobahnähnlichen Auffahrten, zerstört ist. Dagegen sind doch die Leipziger Straße in Berlin oder die Berliner Straße in Frankfurt geradezu urban.

  • Hier muss ich Andreas Recht geben, ich habe mal auf einer Karte alle Straßen in der Innenstadt mit mehr als zwei Spuren (und Straßen, wo jeweils zwei Spuren kurzzeitig voneinander getrennt laufen), eingezeichnet:

    Allerdings muss man auch dazu sagen, dass Köln flächenmäßig die größte Altstadt Mitteleuropas hatte mit der längsten Stadtmauer. Andere Städte haben ja Altstädte, die sich von der Größe in einem der von Stadtautobahnen umschlossenen Viertel unterbringen ließen.

    Auch mit seinem zweiten Punkt hat Andreas leider Recht.

    Diese großen Straßen sind in Köln fast alle erst nach dem Ende des Kaiserreichs gebaut worden, wurden einfach quer durch die mittelalterlichen/gründerzeitlichen Häuserblöcke getrieben und lassen somit eine befriedigende städtebauliche Einfassung vermissen. Sie sind vielfach viel zu breit und nicht dicht genug bebaut.

  • Klar, dass die autogerechte Stadt auch in Köln kräftig gewütet hat. Ich meinte damit, dass man vergleichsweise große urbane Teile der Kernstadt weitgehend autoarm/autofrei erleben kann, eben weil der Altstadtbereich so groß ist. Vergleicht das mal mit dem winzigen Teil in Berlin, durch's eher merkwürdige Nikolaiviertel ist man in ein paar Minuten durchgelaufen und steht dann entweder in der Betonwüste (Marx-Engels-Forum/Alex) oder auf der Autobahn (Grunerstraße). Und danach kommt einfach nichts vergleichbares mit vorhandener Altstadtstruktur mehr, außer ein winziger Bereich an der Klosterstraße.

    So ein urbanes, dichtes Straßen- und Gassengewirr wie in Kölns Zentrum findet sich da nirgends, in Ansätzen vielleicht noch in der Spandauer Vorstadt (was ja nicht mehr Teil der Altstadt ist).

    Köln vs. Berlin

    Sicherlich auch gewissermaßen ein Segen für Berlin im Vergleich, weil dort noch viel gerettet werden kann.

  • Die Welt berichtet in einem lesenswerten Artikel über einen neuen Bildband zum Bau des Kölner Doms.

    Fast drei Jahrhunderte lang hatten die Bauarbeiten geruht, dann legte 1842 Friedrich Wilhelm IV. den Grundstein zum Weiterbau der Hohen Domkirche zu Köln. Möglich war das Großprojekt durch einen Zufallsfund im Speicher eines Gasthofes.

    In dem Artikel sind viele beeindruckende Bilder zu sehen, unter anderem ein Pergamentplan der Westfassade des Doms aus dem 13. oder 14. Jahrhundert.

  • Holzmodelle des Kölner Doms

    Wenn ich es nicht übersehen habe, wurde in diesem Strang noch nicht über das tolle Holzmodell berichtet, das der Syrer Fadel Alkhudr angefertigt hat, nachdem er 2015 in Köln eine neue Heimat fand. Hier sind zwei beeindruckende Filmbeiträge.

    Syrer schnitzt Kölner Dom aus Holz
    5000 Stunden hat der Syrer Fadell Alkhuder geschnitzt und gebastelt: Jetzt ist die Nachbildung des  Kölner Domes fertig und könnte keinen prominenteren…
    www.domradio.de

    Nicht weniger beeindruckend ist ein Dom-Modell, das Ewald Kotyczka aus Streichhölzern gebaut hat. Über 30 Jahre hat Herr Kotyczka zirka eine Million Streichhölzer verbaut. Das Ergebnis ist der Wahnsinn.

  • Also, ich bin mal ganz offen, aber ich finde die Kargheit und Sterilität um den Dom heutzutage erschreckend und traurig. Um die Domplatte öffnen sich immer mehr Baustellen, das Dom-Hotel ist schon seit Ewigkeiten im Um- und Ausbau, worunter auch das wunderschöne Blau-Gold-Haus aus den 50er Jahren optisch leidet.

    Am Dom gibt es keinerlei Grün mehr, auf dem Friedhof am Chor steht ein trauriger, einzelner Baum (weitere skelettierte Platanen weit ab am Rand der Platte). Ansonsten steinerne Ödnis. Da hilft auch der neuere Eingang zur Domschatzkammer mit dem banalen Souvenirshop wenig. Ich bin wirklich jedes Mal entsetzt, wenn ich am Dom vorbeigehe.

    img20220818170435j2cp5.jpg

    Foto vom Sommer 2022 (eigenes Foto).

    Das Dom-Areal wurde zwar bereits vor Jahrzehnten mit der Domplatte verhunzt, aber so, wie es seit einigen Jahren um den Dom aussieht, so finde ich das wirklich kaum ertragbar, wenn man weiß, wie gediegen, sauber und repräsentativ es bis zum Ende des zweiten Weltkriegs dort aussah.

    ?(

  • Ich war am Samstag in Köln und im Kölner Dom.

    Leider habe ich nichts gutes zu berichten. Es war mein erster Besuch in Köln seit ca. 10 Jahren. Mich hat das erlebte regelrecht schockiert!

    Die Hohestraße ist das reinste Ghetto geworden. Nur billig Läden. Die Nachkriegsfassaden renovierungsbedürftig. Das Publikum „ärmlich / asi“ gekleidet (DSDS ist nichts dagegen). Überall dunkle Typen mit Mullahbart etc.

    Dann die Domplatte, über die architektonischen Qualitäten brauch ich nichts mehr sagen. Aber das schockierenste war, dass dort quasie jede weltweit aktive Sekte einen Stand betreiben darf.

    Dort war alles vertreten, Fallung Gong, Scientology, DETIB, Antifa, usw.

    Direkt vor dem Weltkulturerbe und einem der bedeutendsten christlichen Zentren in Europa… 😢

    Da wundert es mich nicht wenn die Stadt Köln den Dom aus den Werbeprospekten streicht.

  • Ja, zum Abgewöhnen. Dagegen blüht Leipzig auf, irgendein Zusammenhang mit der städtebaulichen Qualität wäre natürlich abwegig. :wink:

    In dubio pro reko

  • Was soll denn das hier wieder für eine Diskussion werden?

    Dass die Hohe Straße seit der Nachkriegszeit keine Perle der Architektur ist und auch bei der Domplatte noch sehr viel Luft nach oben ist, weiß jeder.

    Das Publikum in Köln ist, wie bei einer Großstadt zu erwarten illuster. Wem das nicht gefällt, muss da halt durch. Mich stört nicht.

    Ich bin öfter in Köln und habe dort bislang immer Orte gefunden, die der Besichtigung wert waren. Man muss ja nicht dahin gehen, wo es hässlich ist, wenn man das ohnehin weiß.

  • Jemand schildert seinen Gesamteindruck, der in Teilen nichts mit Architektur zu tun hat. Dem wird widersprochen, was in Teilen auch nichts mehr mit Architektur zu tun hat.

    Damit reicht dann aber auch an Diskussionen über architekturfremde Themen. Bleibt doch bitte beim Thema.

  • Um wieder zum Thema Architektur zu kommen, hier ein paar Handybilder vom Dom mit Blick auf die Kölner Innenstadt.

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