Köln - Dom und Umgebung

  • Das passiert schon mein ganzes Leben in diversen Bereichen. Wenn ich mich da immer aufgeregt hätte, hätte ich wohl mehrere Herzinfarkte erlitten. ;)


    Am Ende bringt es Genugtuung, wenn sich die richtigen Dinge fügen. Und das passiert irgendwann in den meisten Fällen. Urvertrauen entspannt unheimlich.


    Über Kölns Stadtbild und den Umgang mit dem Domumfeld kann man sich ja unendlich echauffieren. Allein, es bringt nix. Nur anpacken, Lobbyarbeit machen, Dinge ins Rollen bringen verändert was. Kein noch so glühender Internetkommentar vermag das allein auszulösen. (Außer man schaffts irgendwo viral zu gehen damit.)

  • Also zunächst mal: So komplett pechschwarz ist der Dom ja gar nicht. Beim Chor sieht man zum Beispiel, dass die Fialen (die ja noch im Mittelalter ursprünglich erbaut wurden) wohl in der Zwischenzeit nahezu komplett ausgetauscht wurden, denn die sind heute ziemlich hell:


    IMG_8253


    Die Westfassade ist auch ziemlich gescheckt, erst in den oberen Bereichen, vor allem wo die Türme spitz zulaufen, wird es fast komplett schwarz. Die Spitzbögen weiter unten dürften dagegen nahezu ihre Originalfarbe haben:


    IMG_9169


    Im Folgenden möchte ich noch ein paar Fotos vom Regensburger Dom nach seiner Fassadensanierung, die 2010 abgeschlossen wurde, zeigen. Man erkennt tatsächlich die Details der prächtigen gotischen Fassadenausstattung wesentlich besser und detaillierter. Und man kann sich ein Bild davon machen, wie unterschiedliche Steinsorten im gereinigten Zustand wirken. Hier noch ein lesenswerter Artikel über den Vortrag eines emeritierten Professors für Denkmalpflege über die Fassadenreinigung des Regensburger Doms. Weitere Fotografien und Hintergrundinformationen zur Sanierung des Regensburger Doms finden sich bei Wikipedia.


    Für diesen Vergleich muss man erst einmal die beiden Kirchen miteinander in Relation setzen. Ich habe das ganze mal mit der Hauptfassade versucht:


    Kölner vs. Regensburger Dom

    Bild Kölner Dom: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Kölner Dom - Westfassade-1091, bearbeitet, CC BY-SA 4.0

    Bild Regensburger Dom: Hpschaefer http://www.reserv-art.de - Eigenes Werk / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons), Regensburger Dom, bearbeitet, CC BY-SA 4.0


    Der Kölner Dom ist eben einfach unheimlich groß. Das spiegelt sich auch in der Größe der Dombauhütte wieder: Die Kölner Dombauhütte beschäftigt um die hundert Handwerker, die Regensburger gerade mal zwölf.


    Und mal im Ernst, ich will nicht wissen, wie viel Aufwand es wäre, alleine diesen Teilabschnitt des Südturmes zu reinigen. Vergleicht mal mit dem Bild oben, wieviel der Regensburger Fassade man damit schon abgedeckt hätte:


    IMG_9168


    Die Anzahl an Details ist meiner Ansicht nach auch deutlich höher als beim Regensburger Dom und auch bei vielen französischen Kathedralen.


    Wie will man die Blätter an solchen Elementen vernünftig reinigen? Im Grunde müsste man die Steine dafür doch vorher komplett demontieren:


    IMG_8229


    Egal, welches Detail man sich anschaut, überall plastische Elemente mit einem Detaillierungsgrad unter einem Zentimeter. Wie wollte man das praktikabel am gesamten Dom reinigen?


    IMG_4371


    Beim Dom kommt allerdings noch ein anderes Problem dazu: Viele Steine weisen Beschädigungen auf. Schaut genau hin, auf beiden Seiten gibt es mehrere abgeplatzte Stellen:


    IMG_4387


    Auf folgendem Bild das selbe Problem:


    IMG_4372


    Dann gibt es noch gröbere Elemente, die so aussehen (aufgenommen am Langhaus östlich des Nordturms):


    IMG_8240


    Oder, noch bedenklicher, weil wohl noch original aus der Anfangszeit der Erbauung, im Chorbereich:


    IMG_4411


    Wenn man diese Steine mit Abplatzungen, teilweise in der Grundsubstanz schon recht marode, in irgendeiner Form abstrahlen würde, würde man den Stein möglicherweise deutlich stärker beschädigen, und das, wo die Dombauhütte eine möglichst gut erhaltene Version des Originalsteins für eine exakte Kopie braucht. Oder aber der Stein ist eigentlich noch gut genug und würde die nächsten Jahrzehnte gut überstehen (bis er weiter hinten auf der Liste ausgetauscht würde), aber man verkürzt seine Lebenszeit durch die physische Einwirkung.

    Alternativ müsste man diese Steine auslassen, was wiederum im Endergebnis unbefriedigend aussehen würde.


    Am Ende des Tages bekommt man leider den Eindruck, dass man für den Dom nicht den besten Sandstein zur Verfügung hatte. Da scheint es in anderen Regionen deutlich "festere", widerstandsfähigere Natursteine zu geben. Die romanischen Kirchen sind ja alle aus Vulkangestein erbaut, allerdings wird es wohl einen Grund gehabt haben, dass man für den Dom ein anderes Material gewählt hat.


    Ich würde die Sachlage so zusammenfassen: Theoretisch könnte man den Dom sicherlich "reinigen". Das wäre nur, wie hier schon aufgeführt, tatsächlich sehr sehr zeitaufwändig und teuer. Für den Regensburger Dom hat man laut Wikipediaartikel 20 Jahre zum Reinigen gebraucht, beim deutlich größeren und auch aufwändigeren Kölner Dom kann man wohl von deutlich mehr Zeit ausgehen. Bedenkt man dann, dass der Dom zum Großteil erst seit 140 Jahren fertig ist und man diesen jetzt mehrere Jahrzehnte bearbeiten und diese Prozedur am Ende alle 200 Jahre wiederholen müsste, zusätzlich zu dem Aufwand der jetzt schon zur Instandhaltung geleistet wird, dann lohnt sich das einfach nicht. Dazu kommen noch die Bedenken, die Kurprinz angesprochen hat.


    Die Quintessenz ist dann einfach das, was auch in dem zitierten Artikel steht: Zu aufwändig, zu teuer, zu wenig Nutzen. Von dem dafür benötigten Geld sollte man lieber noch ein paar Fenster wieder in Ordnung bringen, oder mal den Dachreiter rekonstruieren. Und wenn dann noch etwas übrig ist, mir würden da eine Menge Projekte in Köln einfallen, für die man viel Geld bräuchte :wink:


    Und zu guter Letzt noch meine ganz persönliche Meinung: Eigentlich mag ich den angeschwärzten Dom so, wie er ist. Eine strahlend weiße Kathedrale würde gar nicht zu Köln passen. Der Dom ist schon so unfassbar in seinen schier unendlichen Details, seiner gewaltigen Größe, dass ihn seine Blessuren und der "Schmutz" ein wenig in unsere echte Welt holen. Es ist, wie überall im Leben: Der Plan war perfekt, die Realität ist es eben nicht so ganz :smile:

  • Interessante Ausführungen, danke.

    beim deutlich größeren und auch aufwändigeren Kölner Dom kann man wohl von deutlich mehr Zeit ausgehen

    Der Wiener Stephansdom ist auch nicht gerade klein mit seinen 136m. Und der war im Gegensatz zum Kölner Dom im 2. WK sogar stark zerstört worden, brannte lichterloh. Dennoch konnte man ihn innerhalb von 20 Jahren rekonstruieren. Für die spätere Reinigung hat man nur gute 10 Jahre gebraucht. Und der Detaillierungsgrad am Steffl ist schon sehr hoch. Wenn auch nicht so extrem wie am Kölner Dom, klar.

    2 Aufnahmen während der Fassadenreinigung:


    768px-Der_Stephansdom.JPG

    2004, Klarethe, CC BY-SA 3.0 AT, via Wikimedia Commons


    1280px-St_Stephans_Cathedral_05_%282473601200%29.jpg

    2008, michael clarke stuff, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons


    Genauso wie man nahezu die komplette Dresdner Frauenkirche in 11 Jahren(!) wiederaufgebaut hat.

    Also den zeitlichen Aufwand wird man etwas relativieren können, auch mit Blick auf stetig neue Technologien in dem Bereich.
    Doch sicher ist man da in 10-20 Jahren nochmal ein gutes Stück weiter, dann geht sowas vielleicht sehr zackig via Drohnen, robotischer Handwerker o.ä.

    Auch scheint mir die natürliche Oxidation des Sandsteins längst nicht so dunkel auszufallen wie jene durch Abgase der Industriellen Revolution. Das heißt, wenn man allein den Abgasschmutz/Ruß mal entfernt, ist schon viel in der Erscheinung gewonnen. Und der ist ja mitnichten ein "Schutz" für den Stein...


    oder mal den Dachreiter rekonstruieren

    Wie sah der denn aus?

  • Beide Seiten kann ich verstehen, aber dennoch fehlt mir bis auf die typisch "düsteren" Dresdner Sandsteingebäude, wo man auch die Patina lässt, ein guter Vergleich einer Kathedrale der Bedeutung von Köln, die ebenso dunkel geblieben ist...

    Hab mir wieder alle Kathedralen von Frankreich reingezogen, das Mutterland schlicht der Gotik: selbst bei der etwas "fleckigen" Reimser Kathedrale wurde da beim rechten Seitenportal angefangen, es schön rauszuputzen:



    Reims_Kathedrale.jpg


    Johan Bakker CC BY-SA 3.0





    Und ich nehme ein weiteres Bsp einer Kathedrale, die ich seit der Kindheit kenne: die Kathedrale von Metz. Sie war noch vor 10 Jahren teilweise ähnlich verrußt wie der Kölner Dom: der örtliche Jaumont-Stein ist nämlich durchaus empfindlich für jeglichen Dreck von Abgasen, aber auch generell scheint dieser Stein extrem schnell zu oxidieren, was historische Aufnahmen, wo es ein schwarzer Kasten war, bezeugen.



    Ein Bild von 2004:


    Cathedrale_Saint-Etienne_de_Metz.jpg


    Ghislain Sillaume — Travail personnel CC BY-SA 3.0


    Hier jedenfalls eigene Bilder von 2011, wo die Westseite mit dem Südportal bereits wunderbar saniert wurde und in einem wahnsinnigen Glanz erstrahlte:



    DSCI5710.jpg


    DSCI5711.jpg


    Abgedüste linke Seitenkapelle:


    DSCI5683.jpg


    Vs. "oxidierte" rechte Seitenkapelle:


    DSCI5682.jpg


    Der Chor ähnlich düster wie Köln:


    DSCI5680.jpg


    DSCI5679.jpg



    Und ein paar Jahre später, als der Südturm enthüllt wurde: ein ganz anderer Eindruck wie ein strahlendes Schmuckstück:


    IMG_20160908_143908.jpg


    Und die Details erst:


    PICT6065.jpg


    PICT6049.jpg


    PICT6045.jpg


    PICT6044.jpg


    Also: es ist auch bei problematischen Steinsorten möglich!


    besteht der dortige Dom wieder aus dutzenden verschiedenen Sand- und Kalksteinen

    Hab doch noch ein ähnliches Bsp ganz in der Nähe gefunden: der Aachener Dom besteht auch aus verschiedensten Kalk- Sansteinsorten (u..a. Blaustein) und dennoch hat man einzelne Partien schön herausgeputzt)


    https://upload.wikimedia.org/w…Imperial-Cathedral-01.jpg

  • Das denke ich eben auch, ein Totschlagargument der Status qou Leute um die Debatte im Keim zu ersticken... Geld und Aufwand das ist hauptsächlich das Problem und der Wille dazu.

  • [...]


    Wie sah der denn aus?

    Hier kann ich nur auf den sehr ausführlichen Wikipediaartikel mit vielen Bildern verweisen: https://de.wikipedia.org/wiki/…urm_des_K%C3%B6lner_Domes


    Ich kann aber gerne ein paar Bilder einstellen. Der heutige Dachreiter im Art-Deco-Stil:


    Art-Deco-Dachreiter


    Betrachtet man ihn im Kontext des gesamten Doms, dann passt es einfach überhaupt nicht. Der Chefarchitekt für historische Bauwerke von Frankreich, Philippe Villeneuve, hat ihn im Zuge der Diskussion um die Neuschaffung des Dachreiters von Notre Dame sehr treffend als "Warze" bezeichnet.


    Dom gesamt


    Hier eine Zeichnung vom Dachreiter, der bei Fertigstellung aufgesetzt wurde:


    lossy-page1-800px-Cologne_Cathedral%2C_Crossing_Tower%2C_with_details%2C_1860.tif.jpg


    Der hat natürlich perfekt zum Rest gepasst:


    Hasak_-_Der_Dom_zu_K%C3%B6ln_-_Bild_05_Nordansicht.jpg


    Im Krieg wurde der Dachreiter beschädigt:


    Cologne_Cathedral_in_the_early_1960s.jpg


    Man hat dann einfach frech behauptet, eine Instandsetzung wäre nicht möglich und hat die gotischen Zierteile von der intakten Unterkonstruktion abmontiert und die heutigen Art-Deco-Elemente aufmontiert. Der Wikipediaartikel übernimmt diese Behauptung, als wäre es eine Tatsache.


    Der verantwortliche Dombaumeister Willy Weyres ließ damals auch viele neogotische Ausstattungsgegenstände abräumen. Es will mir nicht in den Kopf, wie man die Neogotik so verachten kann, dass man stattdessen in einem gotischen Gebäude lieber modernistische Elemente anbringt. Auch hier zeigt sich exemplarisch das ganze Unglück, dass der architektonische Modernismus über unser Land gebracht hat. In der Zeit, wo man die größte Entscheidungsgewalt über die Zukunft unserer Städte hatte, wurden die größten Fehler gemacht.

    Egal, irgendwann werden wir diese Fehler korrigieren, hoffentlich bekomme ich das auch noch mit :smile:

  • Kirche und Christentum erscheinen als Ärgernis, das Anstoß erregen könnte.

    Aus Sicht des Marketings schätze ich den Verzicht aus die Domtürme als einen Fehler ein. Kaum eine Stadt identifiziert sich über ein einzelnes Bauwerk so sehr wie Köln. Es ist mehr als nur ein Wahrzeichen. Dass man aber mit dem Verzicht das Christentum als Ärgernis ansieht und deshalb ablehnt, halte ich doch für reichlich überinterpretiert.

    Kunsthistoriker, Historiker, Webdesigner und Fachreferent für Kulturtourismus und Kulturmarketing


    Mein Bezug zu Stadtbild Deutschland: Habe die Website des Vereins erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich. Meine Artikel zu den Themen des Vereins: Rekonstruktion / Denkmalschutz / Architektur / Kulturreisen

  • Das ist meiner Meinung nach Drama um nichts.
    Erstens, ist es nur ein Logo, eine Grafik, die sich in einigen Jahren wieder grundsätzlich ändern kann, je nachdem welchen Grafiker man beauftragt, je nachdem wie der Zeitgeist ist, und nichts wirklich offzielles und beständiges, wie ein Stadtwappen oder eine Flagge, die auf Jahrhunderte bestehen bleiben. Und Kölns Wappen zeigt weiterhin Symbole des Reiches und der Kirche.
    Zweitens, sieht das Logo ohne die beiden ohnehin sehr abstrakten Turmspitzen besser aus. Es ist einfacher, klarer, selbst kleingedruckt/kleindargestellt, z.B. digital auf dem Smartphone, besser zu erkennen und zu lesen.

  • Man kann natürlich solche Zusammenhänge abstreiten, ich kann mir jedoch gut vorstellen dass die Stadt genau so vorgegangen ist wie der Artikel unterstellt. Kirchtürme als Markenzeichen sind nicht "kultursensibel". Derartige Gedankengänge sind wir doch heutzutage gewohnt.

  • Man kann natürlich solche Zusammenhänge abstreiten, ich kann mir jedoch gut vorstellen dass die Stadt genau so vorgegangen ist wie der Artikel unterstellt.

    Du sagst es selbst: Es ist eine Unterstellung.


    Kirchtürme als Markenzeichen sind nicht "kultursensibel".

    Die Kirche ist in vielen Orten noch immer der kulturelle und gesellschaftliche Mittelpunkt. In Köln ist der Dom der Inbegriff von Kultur schlechthin. Ich finde diese Gedankengänge zu bemüht. Hauptsache, man kann der Stadt etwas unterstellen, das dem Narrativ des Kulturpessimismus entspricht. Ich kann dem nicht folgen.

    Kunsthistoriker, Historiker, Webdesigner und Fachreferent für Kulturtourismus und Kulturmarketing


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  • Du sagst es selbst: Es ist eine Unterstellung.

    Ja, und eine Unterstellung kann durchaus zutreffen. Du unterstellst ja auch nur, dass diese falsch ist, aber kannst du den Gegenbeweis antreten?

    Ich muss mir nur die Kontroverse um die Berliner Schlosskuppel in Erinnerung rufen und dann scheint mir, was du als abwegig bezeichnest, sehr plausibel. Aber wahrscheinlich wird es dazu keine eindeutige Stellungnahme der Stadt Köln geben.

  • Aus sich des Marketings schätze ich den Verzicht aus die Domtürme als einen Fehler ein. Kaum eine Stadt identifiziert sich über ein einzelnes Bauwerk so sehr wie Köln. Es ist mehr als nur ein Wahrzeichen. Dass man aber mit dem Verzicht das Christentum als Ärgernis ansieht und deshalb ablehnt, halte ich doch für reichlich überinterpretiert.

    Da wäre ich mir nicht so sicher. Die gegenwärtige Kölner Stadtregierung und insbesondere OB Henriette Reker laufen jedem neuen "Trend" des Zeitgeist blind hinterher, ohne eigenen gefestigten Wertekompass (....) entfernt, Mod, bitte keine pauschalen Aussagen über Parteien. Zudem setzte sie sich im letzten Jahr durch, dass in Köln nun der Muezzinruf über die Kölner Dächer erschallen darf, in dem u.a. gerufen wird "Es gibt keinen Gott außer Allah". Das ist genau jener religiöse Absolutheitsanspruch, über den sich politisch Gleichgelagerte bei der Kuppelinschrift am Humboldtforum so eifrig echauffieren.

    Ich denke es geht also im Grunde doch darum den Dom als das Merkmal und Symbol Kölner Identität zugunsten einer falsch interpretierten Weltoffenheit zu marginalisieren. Und unter Marketingaspekten ist der Vorgang ohnehin eine Katastrophe. Jeder Japaner oder Amerikaner kennt den Kölner Dom, er ist neben Schloss Neuschwanstein das wohl bekannteste Bauwerk Deutschlands. Wie absurd ist es doch, sich jetzt davon zu "distanzieren". :kopfschuetteln:

  • (..) zum Teil entfernt, da bezogen auf einen entfernten Beitrag.Mod

    Zudem setzte sie sich im letzten Jahr durch, dass in Köln nun der Muezzinruf über die Kölner Dächer erschallen darf, in dem u.a. gerufen wird "Es gibt keinen Gott außer Allah". Das ist genau jener religiöse Absolutheitsanspruch, über den sich politisch Gleichgelagerte bei der Kuppelinschrift am Humboldtforum so eifrig echauffieren.

    Da steckt ein Denkfehler dahinter, den ich hier immer wieder vernehme. Man geht davon aus, dass Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltoffenheit gleichbedeutend ist mit Identitätsverlust. Das ist natürlich keine zwangsläufige Kausalität, aber wenn man eben daran glaubt, dann kommen halt solche Theorien dabei heraus, dass die Veränderung des Kölner Logos ein Zeichen für die ablehnende Haltung gegenüber dem Christentums ist.

    Kunsthistoriker, Historiker, Webdesigner und Fachreferent für Kulturtourismus und Kulturmarketing


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  • Bitte keine pauschalen Aussagen über Parteien. Mod

    Da steckt ein Denkfehler dahinter, den ich hier immer wieder vernehme. Man geht davon aus, dass Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltoffenheit gleichbedeutend ist mit Identitätsverlust.

    Was du als Denkfehler wahrnimmst taugt noch lange nicht als allgemein gültige Definition für "Denkfehler". Toleranz und Weltoffenheit sind nur dann glaubhaft und sinnvoll, wenn man das Eigene nicht gleichzeitig verleugnet und marginalisiert. Siehe Köln...

  • Jeder Japaner oder Amerikaner kennt den Kölner Dom, er ist neben Schloss Neuschwanstein das wohl bekannteste Bauwerk Deutschlands. Wie absurd ist es doch, sich jetzt davon zu "distanzieren". :kopfschuetteln:


    Wer "distanziert" sich denn jetzt vom Dom? Das ist ein Logo, das dem Zeitgeist und Ansprüchen entsprechend simplifiziert und klarer gemacht wird. Den roten Balken mit zwei Zacken braucht man echt nicht.
    Kein Japaner oder Amerikaner wird nun irgendwie verwirrt sein oder abgeschreckt werden, wenn er auf einer Internet-Seite oder auf einer Reisebroschüre jetzt nicht mehr die beiden Zacken im Köln-Logo sieht.

    Ich muss mir nur die Kontroverse um die Berliner Schlosskuppel in Erinnerung rufen und dann scheint mir, was du als abwegig bezeichnest, sehr plausibel.


    Als jemand, der selbst das große Trara um das Spruchband und das Kuppelkreuz nervig findet, und sich sehr darüber Ärgern würde, wenn da im Nachhinein noch Hand angelegt wird:
    Das ist ein differenzierter Fall. Im Berliner Fall geht es nicht einfach darum, dass Leuten ein Kreuz oder Bibelspruch im Stadtbild nicht oder nicht mehr passt (in Berlin findet sich überall kirchliche Symbolik und keiner will da ran), sondern darum, dass was wir hier vornehmlich als das wiederaufgebaute Berliner Schloss ansehen, sehen andere vornehmlich als das Humboldt-Forum. Und wenn wir hier an Humboldt-Forum denken, denken wir an ein positives Gedenken der Humboldt-Brüder und an ein neues Museumsgebäude für die Bestände des Ethnologischen- und Asiatischen Museums, aber andere denken an die Kolonialzeit und christl. Missionierung, und das im negativen Sinne. Für viele sollte das Humboldt-Forum genau das aufarbeiten, sie wollten nicht nur einfach einen neuen Museumsbau.
    Und wenn wir ehrlich sind, das Humbodt-Forum wurde auch nie als herkömmliches Museum beschrieben. Offiziell sollte es immer ein Ort des...*man setze hier die verschwurbelten Formulierungen dazu ein*.
    Auch für Leute in meinem Freundeskreis war dies der Wunschgedanke. Und genau darüber prangt jetzt ein fetter Bibelspruch und ein goldenes Kreuz. Sie finden, an genau dieser Stelle und genau in diesem Zusammenhang, die christliche Symbolik komplett fehl am Platz.
    Keiner aus meinem Freundeskreis (fast alles Atheisten oder Agnostiker) kämen auch nur im Traum daran, zu fordern, Kuppelkreuze müssten vom Dom oder Sankt Hedwig entfernt werden. Auch nicht von der Friedrichswerdeschen Kirche, selbst wenn diese nun ein Museum ist. Es ist speziell das Humboldt-Forum mit dem sie ein Problem haben.
    Ich sage den Leuten, die darin eine Problematik sehen, immer, dass ich dies absolut nachvollziehen kann. Die Sache ist nur, der Wunsch und der Plan zur originalgetreuen Rekonstruktion der Schlossfassaden war zuerst da und wurde durch zig Millionen an Spenden in die Tat umgesetzt. Originalgetreue Rekonstruktion heißt nunmal auch antike Götter, Krönchen und Kreuze an und auf dem Schloss. Hättet ihr euch darüber mal vorher informiert und darüber nachgedacht, als ihr euer Humboldt-Forum da reinsetzen wolltet. :wink:


  • Wer "distanziert" sich denn jetzt vom Dom? Das ist ein Logo, das dem Zeitgeist und Ansprüchen entsprechend simplifiziert und klarer gemacht wird.

    Mit dem ersten Satz hast du eine Frage aufgeworfen, die du mit dem zweiten Satz selber beantwortet hast. Ich hätte es allerdings noch etwas pointierter formuliert: Die Stadt Köln unterwirft sich dem Zeitgeist.