Köln - Dom und Umgebung

  • Die Kreuzblume und der Stern dürften auch noch original sein.

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Ich halte das nicht unbedingt für Satire. Das ist ein im "roten Jahrzehnt" 1976 gegründetes Stadtmagazin, das auch heute noch von einem "selbstverwalteten Kollektiv" herausgebracht wird. Der rote Stern im Titel ist nostalgisch, aber auch trotzig programmatisch zu vestehen. Bei der Attacke gegen den Dom geht es zum Einen um die klassischen antikatholischen Ressentiments, die aber nicht offen ausgesprochen werden, vor allem aber um den Dom als "Produkt der deutschen Nationalbewegung", was offen ausgesprochen wird, da kaum Widerspruch erwartet wird. Der (erwartbar mit dem typischen Vorwurf der "Protzigkeit" bewertete) Dom wurde eben in der Zeit des Kaiserreiches fertiggestellt. Und das rechtfertigt in den Augen dieser alt-linken Szene und Fritz-Fischer-Adepten ohnehin jedes dumme Argument.

  • VonSalza Du musst wirklich bis zuunterst scrollen, wo auf weitergehende Artikel verwiesen wird:


    →Domabriss gewinnt: Stadtrevue erhält den Kölner Medienpreis

    Quote

    »Unter dem Deckmantel der Satire wurde hochgradig zersetzendes Gedankengut verbreitet, an dem die kölsche Volksseele massiven Schaden nehmen könnte. Wer Köln den Dom nehmen will, gehört auf den Scheiterhaufen – oder auf das oberste Treppchen bei der Verleihung des Kölner Medienpreises«, schreibt die Jury in ihrer Begründung.

  • Es ist von einem "Deckmantel der Satire" die Rede, nicht dass das auch wirklich im Inneren als Satire gemeint wäre.


    https://www.stadtrevue.de/arch…v/1180-domabriss-gewinnt/


    "Satire" und "Kunst" sind heute immer mehr Deckmäntel für eigentlich politische Aktionen und Äußerungen. Sie machen sich dadurch aber etwas unangreifbarer, siehe als Beispiele nur "Frankfurter Hauptschule", "Zentrum für politische Schönheit" oder "Peng". Wenn es Kritik gibt, zieht man sich auf die Ebene zurück, dass es sich doch nur um eine Kunstaktion oder Satire gehandelt habe, die ja alles könne. Also, dem Braten traue ich nicht.


    Aaaaber, wir reden hier über einen Text von 2006 (!!!), der hier ausgegraben wurde. Vielleicht sollten wir uns aktuelleren Themen zuwenden.

  • Was steht am am Schluss was auf eine Satire hinweist?


    Es ist von einem "Deckmantel der Satire" die Rede

    Für mich ist das Satire (auch wenn ich befürchten muss, dass dies Meinungsäußerung bei Einigen wieder Zensurgelüste nach sich ziehen wird) .


    Satire hat natürlich immer den Zweck eine Meinung zu transportieren und dazu wird etwas überspitzt dargestellt. Es geht aber doch nicht um den Abriss des Domes. Die Argumente für und gegen einen solchen werden dann in dem Artikel auf kurioser Weise gegenübergestellt. Vielmehr scheint es den Verfassern eher um eine Umgestaltung er Gesellschaft zu gehen und das daran festzumachen, dass Veränderung auch da denkbar ist, wo dies eigentlich als undenkbar angesehen wird.


    Es wundert mich ein bisschen, dass dieser Ansatz bei den Diskutanten, die bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, das unsere Gesellschaft schlecht ist, nicht gut ankommt (auch wenn die Autoren des Artikels selbstredend eine Veränderung in eine anderen Art und weise möchten.)


    Die Satire finde ich jedenfalls nicht schlecht gemacht, wenn man sie als solche versteht. Den Veränderungswunsch der Autoren kann ich aber trotzdem nicht teilen, weil mir nicht nur der Kölner Dom, sondern auch das Gesellschaftssystem in Deutschland sehr gut gefällt.

  • Da Du von dem Thema nicht lassen möchtest, nochmals eine Antwort.


    Ich weiß nicht , von welchen anderen Diskutanten Du sprichst. Bislang haben sich hier nur "VonSalza", ich und Du zu Wort gemeldet. Und keiner von uns beiden hat Dir die Freiheit abgesprochen, die herrschende Politik ganz toll zu finden.


    Beim Thema Satire bist Du aber offenbar auch nicht ganz sicher. Denn Du mutmaßt ja auch, dass "es den Verfassern eher um eine Umgestaltung er Gesellschaft" zu gehen "scheint" (was ich gerade nicht in Abrede gestellt habe, im Gegenteil). Nun ist Umgestaltung kein Wert an sich, sondern es geht auch ein bisschen darum, in welche Richtung man umgestalten möchte. Das brauche ich Dir aber eigentlich nicht zu sagen, weil es eigentlich klar ist. Womöglich möchtest Du ein wenig satirisch provozieren?


    Ich möchte den Vorschlag des Kölner Domabrisses aber mal in eine Reihe mit ähnlichen satirischen Äußerungen stellen.


    2012 verfasste der durch Film und Fernsehen bekannte Komiker Heiner Geissler einen satirischen Text zu Berliner Monumenten. Ein Auszug:

    Quote

    Rechtskonservatives und deutschnationales Gedankengut ist offensichtlich nicht auf Glatzköpfe und NPD-Funktionäre beschränkt, sondern breitet sich ungestört auch in städtischen Ämtern und Parlamenten aus. Die Stadt Berlin findet nichts dabei, dass das dümmste Monument der Republik, nämlich die Siegessäule mit ihren blutrünstigen Reliefs und eingelassenen Kanonenrohren (...) mitten in der deutschen Hauptstadt ihren Standort hat.

    Sie befürwortet auch die Wiedererrichtung des architektonisch mittelmäßigen Hohenzollernschlosses zu einem Kostenpunkt von einer halben Milliarde Euro,

    Mühsam schliff er an seinem Bühnenprogramm und ergänzte es durch die Forderung, die Berliner Siegessäule ("Goldelse") zu sprengen. Als Kritik aufkam, war alles nur Ironie, um die Diskussion etwas anzupfeffern. Waren die zuvor genannten "Glatzköpfe und NPD-Funktionäre" auch nur Spaß oder Ernst gemeint? Diese Frage offen zu lassen, ist die große Kunst der Satire.


    Sommer 2020 plädierte der als "evangelischer Pastor und Gedenkkultur-Experte Ulrich Hentschel" verkleidete Comedian Hape Kerkeling dafür, das Hamburger Bismarck-Denkmal zu köpfen. Natürlich nur Satire, denn eigentlich mag er den alten Otto ganz gerne.


    November 2020 berichtete der mit Witzbüchern bekannt gewordene "Feature-Autor Lorenz Rollhäuser" zum neuen Berliner Schloss/Humboldt-Forum:

    Quote

    Lorenz Rollhäuser: In meinem Rundgang sagt Noa K. Ha, Stadtforscherin und Aktivistin, man solle das Schloss abreißen als eine Art dekolonialem Akt. Und ich halte das für eine sehr gute Idee.


    Hahaha, natürlich nicht ernst gemeint. Sondern ein köstlicher Kabarett-Auftritt.


    Und ich denke im Kontext dieser Satire-Kultur ist auch die bewusst provozierende Forderung von Köln zu verstehen.

  • Ich denke, diese Äußerungen sind deswegen nicht so locker wegzulächeln, weil es heute faktisch ein Umfeld gibt, das Kunsthandwerksleistungen am Bau geringschätzt, den Aufwand und die Ressourcen gering schätzt und auch deren komplexe Entwicklung. Insgesamt der Respekt vor den Giganten auf dessen Schultern Wir stehen. Anders sind doch Bilder von Abrissen wie zuletzt im Frankreich-Thread nicht zu erklären. Diese Gefahr macht aus womöglich humorigen Aussagen eine Bedrohung. Dass man den Dom abreißt halte ich insofern für Satire, weil es eben genau nicht das Level einer ernsthaften Bedrohung hat, wie umgekehrt ein Abriss einer Bismarck Statue, bei welchem ernste gesellschaftliche Diskurse geführt wurden und werden.

  • Solange es nur Satire ist passt es ja. Ich hatte den verlinkten Artike ganz unten nicht gesehen jdn so ein roter Stern kann einen ja gern auch mal stutzig machen ;)

    Ich muss aber auch Majorhantines zustimmen, denn dieses Umfeld existiert und es wächst weiter. Alles polarisiert sich immer mehr. Wir die Kultur, unabhängig von Ideologien schätzen und auch das exakte Gegenteil.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Gestern lief bei n-tv diese Dokumentation über den Kölner Dom:


    https://www.tvnow.de/shows/gig…1-der-koelner-dom-3936676


    Das ist ja wirklich ein ganz tolles Bauwerk, das um jeden Preis erhalten werden sollte. Leider fängt die Bausubstanz, nach all den Jahren, natürlich an zu bröckeln und bedarf einer ständigen Kontrolle und Reparatur. Daß dieses beeindruckende Bauwerk überhaupt noch steht, ist schon ein kleines Wunder.

    (...) Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Kölner Dom durch 14 schwere Spreng- und über 70 Brandbombentreffer sowie durch Beschuss und auffliegendes Material schwere Schäden: die meisten Gewölbe der Mittelschiffe von Lang- und Querhaus waren eingestürzt, die Orgel und ein Großteil der Fenster des 19. Jahrhunderts zerstört, und am gesamten Bau zeigten sich unzählige größere und kleinere Absprengungen. Bedrohlich für den Dom war insbesondere ein Bombentreffer an einem der Turmpfeiler, der noch während des Krieges provisorisch mit Ziegelsteinen repariert wurde. (...)

    Zur Instandhaltung findet sich folgende Information.

    (...) Der Kölner Dom kostet im Jahr 12 Millionen Euro, das sind rund 33.000 Euro am Tag.

    Diese Summe setzt sich zusammen aus den Kosten für den laufenden Unterhalt des Domes, also Personal- und Nebenkosten (keine Priestergehälter!) und den Kosten für Bau- und Restaurierungsmaßnahmen. (...)

    Die wichtigen Gelder, die normalerweise durch Domführungen und Turmbesteigungen eingenommen werden, sind durch den langen Lockdown jetzt auch weggefallen.


    Ich bin ja immer ein Freund des Spendens. Denn ohne Spende, läuft bei Instandhaltung und Rekonstruktion nicht viel. Falls hier jemand einen Euro übrig hat, wird sich der Dom bestimmt darüber freuen.

  • Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel in diesem Forum über das Berliner Schloss, Dresden oder Potsdam berichtet wird und wie wenig über denn Kölner Dom. Ich bin heute in den Zentraldombauverein eingetreten. Mal sehen, was ich darüber Neues erfahre. Denn auch dort geschieht ja einiges.

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel in diesem Forum über das Berliner Schloss, Dresden oder Potsdam berichtet wird und wie wenig über denn Kölner Dom. Ich bin heute in den Zentraldombauverein eingetreten. Mal sehen, was ich darüber Neues erfahre. Denn auch dort geschieht ja einiges.

    Einen Beitritt zu ZDV kann ich nur empfehlen. Einer der ältesten Vereine dieser Art in Deutschland überhaupt. Man hilft beim Erhalt eines architektonischen Wunderwerks sowie seiner Ausstattung und einmal im Jahr informiert das Kölner Domblatt (ein beachtliches Jahrbuch und nicht ein "Blättchen" wie der Name irrtümlich vermuten läßt) auf hohem wissenschaftlichen Niveau.

  • Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel in diesem Forum über das Berliner Schloss, Dresden oder Potsdam berichtet wird und wie wenig über denn Kölner Dom. Ich bin heute in den Zentraldombauverein eingetreten. Mal sehen, was ich darüber Neues erfahre. Denn auch dort geschieht ja einiges.


    Der Kölner Dom ist womöglich das großartigste Bauwerk Deutschlands. Ein absolutes Meisterwerk, dass weltweit seinesgleichen sucht.
    Leider ist Köln selbst für mich verloren. Die architektonisch (und damit auch generell für mich) abstoßendste Stadt, die ich je das Unvergnügen hatte zu sehen und dem Dom (und ihrer weiteren sehr bedeutenden Kirchen) absolut unwürdig. Ich halte mich von Köln fern und verschwende keine Gedanken an die Stadt, und so leidet darunter leider auch die Aufmerksamkeit, die der Dom von mir erhält.

  • Köln besteht nach dem grossen Abbruch der 60-er bis 80-er Jahren eigentlich nur aus (wunderschöne) Kirchen, der magistralen Dom , die Hohenzollern Brücke und Rhein Promenaden. Deutz und Südlichen Stadtteil sind auch noch das Ansehen wert, aber dann gibt es eigentlich nichts mehr. Genau so wenig is das in die andere Ruhr Städten, Düsseldorf hat einige schöne Gebäuden aber keine Atmosphäre. Nur Oberkassel is das Ansehen wert. Alles was historisch und schön war ist sehr gründlich entfernt worden.