Zweibrücken (Galerie)

  • Ich weiß nicht, ob es Euch ähnlich geht, aber wer die mitunter mit viel Liebe und Können sanierten Städte in Ostdeutschland kennt, der kann mit den Städten in Westdeutschland oftmals nur Mitleid empfinden, wie unattraktiv und lieblos diese saniert wurden. Klar gibt es auch dort Ausnahmen, aber diese Ausnahmen bestätigen die sprichwörtliche Regel. Oftmals würde es schon viel bringen, wenn die Plastikfenster ausgetauscht werden würden!

  • Zweibrücken hat’s im Krieg schon hart getroffen. Das sieht man auch dem Stadtbild an, außer Herzogplatz und Schloss gibt es nur belangloses.

    Wäre draußen auf der grünen Wiese nicht das Outlet-Center, würde wohl niemand etwas mit der Stadt anzufangen wissen.

  • Zweibrücken hat’s im Krieg schon hart getroffen.

    Übrigens derselbe Fall wie Pirmasens: Zweibrücken wurde wenige Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner im März '45 noch in Grund und Boden gebombt.
    Ich komme ja aus der Gegend; das sind nicht die einzigen Fälle. Die Alliierten haben das dort mit nahezu allen mittelgroßen Städten gemacht: Vor dem Einmarsch noch alles platt bomben, vermutlich um jeden möglichen Widerstand im Keim zu ersticken. In Homburg/Saar, Neunkirchen/Saar und Saarlouis war das auch so. Die wurden alle in der Zeit zwischen 14. und 20. März 1945 ausradiert, jeweils ganz kurz vor dem Einmarsch der Amis. Deshalb sehen die Mittelstädte in der Westpfalz und im angrenzenden Saarland leider fast alle so aus wie Pirmasens und Zweibrücken.

    Ich nehme an, das hat was damit zu tun, dass das im Südwesten die erste Region war, in der sie deutschen Boden betreten haben.

  • Na, ja. Ich finde das Stadtbild nicht völlig unattraktiv. Ein Bisschen langweilig vielleicht. Die Zerstörung der Städte in den letzten Wochen des Krieges hätte man durch eine Kapitulation der Wehrmacht verhindern können. Bin gerade aus Royan bei Bordeaux zurückgekommen. Dort wurde die Stadt auch Mitte März 1945 ausradiert, weil die deutsche Truppen nicht kapitulieren wollten. Total sinnlos. Das ist aber ein anderes Thema...

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Ein Kriegsverbrechen bleibt ein Kriegsverbrechen, das kann man nicht so "einfach" rechtfertigen"... Was allein in Dresden, Würzburg und in den hier genannten Städten 1945 an Kunst sinnlos vernichtet wurde ist ein Skandal! Zumal Deutschland doch eh schon am Boden lag...

    Dazu ein Zitat vom Historiker Christian Zentner

    Quote

    „Ob es sich bei den deutschen Luftangriffen u. a. auf die militärisch verteidigte Stadt Warschau (26.000 zivile Opfer trotz mehrfacher Vorwarnung durch Flugblattabwurf seitens der deutschen Luftwaffe) im September 1939 oder bei dem ab 11. Mai 1940 von der britischen RAF geführten Luftkrieg gegen deutsche Städte, bei der anschließenden Luftschlacht um England [...], bei der deutschen Bombardierung der verteidigten Stadt Rotterdam am 14. Mai 1940 (900 Tote) oder bei dem zum Flächenbombardement ausgeweiteten Bombenkrieg der Alliierten ab Anfang 1942 (Area Bombing Directive) mit 537.000 Opfern unter der Zivilbevölkerung Deutschlands um Verbrechen gegen die Menschlichkeit (aufgrund der Haager Landkriegsordnung von 1907, Art. 25) gehandelt hat, wird mittlerweile in Bezug auf die Bombardements der Alliierten kontrovers diskutiert.“

    Wenn dänische Städte genauso bombardiert worden wären im letzten Augenblick würdest du das gewiss anders sehen....

    Zu Zweibrücken: ja die Stadt ist nicht besonders schön, aber es hätte wie zb in Stuttgart schlimmer kommen können... Der Wiederaufbau ist sehr monoton, er erinnert mich teilweise an Würzburg!

    Ein Alleinstellungsmerkmal aber ist, dass es in der Stadt am Schlossplatz ein Denkmal für die Vernichtung der Stadt gibt, ziemlich einmalig:

  • Mich stört diese recht traditionelle Form des Wiederaufbaus, wie sie mir teils auch aus Hanau geläufig ist, nicht. Darauf kann man aufbauen, und was danach kam, war meist schlimmer. Außerdem haben ja einige historische Gebäude die Zeit überdauert, die das Straßenbild beleben. Insgesamt in dieser kleinteiligen Form kein wirklich unangenehmes Stadtbild, wenngleich natürlich Verbesserungsmöglichkeiten auszuloten sind.

  • In solchen Städten wie Zweibrücken oder Pirmasens (die grossen wie Köln natürlich auch) kommen diese Nachkriegskisten in ein Alter (+- 60), wo sich elementare Fragen bezüglich Sanierungsstau und Nachhaltigkeit stellen. Mich würde interessieren, was die Besitzer dieser Immobilien darüber denken, wie es mit diesen Bauten in den nächsten 10-30 Jahren weitergehen soll? Denn im Gegensatz zu Gründerzeitbauten altern diese Kisten nicht gerade in Würde..

    Saarlouis war das auch so.

    Aber Saarlouis wurde von den genannten Städten doch am wenigsten stark getroffen, oder? Da gibt es ganz hübsche Altstadtgassen ohne Verunstaltungen:

    Ansicht 1

    Ansicht 2

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Fachwerkliebhaber

    Rønne und Nexø auf Bornholm wurden in Mai 1945 bombardiert, weil der deutsche Kommandant nicht kapitulieren wollte.

    Natürlich war die Bombardierung der deutschen Städte im Rahmen der Moral Bombing Directive ein Verbrechen. In der damaligen Zeit war der Hass gegen Deutschland so gross, dass man auch seitens der Westallierten bis zu letzt Verbrechen begangen hat. Für mich ist Hildesheim (und Pforzheim) gute Beispiele dafür. In 1914 hat man wenigstens rechtzeitig kapituliert, in 1945 wurde Deutschland leider von einer rücksichtslosen Verbrecherbande geführt. Ich meine gelesen zu haben, dass in den letzen 12 Monate des Krieges genau so viele deutsche Soldaten gefallen sind wie in den ersten 5 Jahren. Das gilt sicherlich auch für die Bombardierung der Städte. Nebenbei hat man bis zum letzen Tag des Krieges in den KZs weitergemacht..

    Aber zurück zum Thema: diesen recht traditionellen Wiederaufbau der 50er Jahre finde ich auch ganz ok. Es wäre aber sehr wichtig, die Fenster wieder zu teilen (Sprossen). Wurde Bitburg eigentlicht nicht auch ganz vernüntftig wiederaufgebaut?

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Aber Saarlouis wurde von den genannten Städten doch am wenigsten stark getroffen, oder? Da gibt es ganz hübsche Altstadtgassen ohne Verunstaltungen:

    Ansicht 1

    Ansicht 2

    Leider nein: Die erste Ansicht zeigt die einzige erhaltene Altstadtgasse in Saarlouis. Ansicht 2 zeigt gar nicht Saarlouis, sondern Saarbrücken.

  • Aber Saarlouis wurde von den genannten Städten doch am wenigsten stark getroffen, oder

    Bis auf das kleine von dir genannte Altstadtviertel und die KAsernen sowie gründerzeitlichen Erweiterungen ist die Innenstadt leider ziemlich seelenlos wiederaufgebaut:

    Rathaus;

    Markt:

    Franz Str.

    Rückseite der Stadtkirche ist eine Katastrophe:

    Vorderseite ist neogotisch:

  • Also das Rathaus finde ich für einen 50er Jahre Bau äusserst gelungen. Das Grundübel sehe ich wie fast immer im Westen bei den Fenstern.

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Errinnert an den Wiederaufbau von Brest und Lorient.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker