Lübecker Umland

  • Es scheint mir so, dass es keinen Thread gibt, welcher Bezug auf die vielen teilweise sehr interessanten Orte des Lübecker Umlandes nimmt. Ich hoffe, dass dieser neue Themenstrang diese Lücke stopfen wird und zukünftig auch Orte wie Timmendorf, Eutin oder Bad Schwartau in den Diskussionsbereich dieses Forums bringt.

    Lübeck, mein Lübeck, an der Waterkant
    Königin der Hanse, Perle am Ostseestrand.

  • Ich halte es für unglücklich, in einem Strang zum Lübecker Umland eine mecklenburgische Ortschaft aufzunehmen. Die mag zwar rein geographisch zum Lübecker Umland zählen, aber dieses Forum ist nach den politischen Grenzen gegliedert, und damit steht jetzt das mecklenburgische Dassow unter "Schleswig-Holstein" ...

  • In Niendorf/Ostsee soll das gründerzeitliche ehemalige Kinderheim samt seiner ebenfalls Altbauten umfassenden Nebengebäude zu Gunsten von einer Neubebauung abgerissen werden. Solch ein rabiates Vorgehen ist bedauerlicherweise gang und gäbe in Ostholstein(Wer ein Beispiel möchte muss sich nur anschauen was alleine in Timmendorf alles der Abrissbirne zum Opfer fiel und es immer noch tut).

    Das Hauptgebäude

    Ein wohl aus den 20/30ern stammendes Nebengebäude


    Ein historisches Bild der Anlage: https://m.oldthing.de/Niendorf…ndorfer-Strand-0023656783


    Betroffen ist auch eine Fachwerkkate, von welcher ich bedauerlicherweise kein Bild habe.


    Quelle: https://www.der-reporter.de/st…f-und-timmendorfer-strand

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  • In Timmendorfer Strand soll das Restaurant "Holsteiner Hof" abgerissen werden. Die über einhundert Jahre alte ehemalige Villa befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Marktplatz des Ortes. Sie stellt einen der selten gewordenen Reste verbliebener historischer Bebauung Timmendorfs dar. Der Abriss, welcher von einem Mitglied der kosovo albanischen Familie Bislimaj durchgeführt wird(Ein anderes Familienmitglied ist auch für den erfolgten Abriss der alten Travemünder Stadtbibliothek verantwortlich) wird erst in einigen Jahren erfolgen, ist allerdings schon beschlossene Sache.

    Die ehemalige Villa, welche einst die Pension Askania beherbergte


    Ein historisches Bild des Gebäudes: https://www.booklooker.de/B%C3…s2uj8lub8k859tvubad840f9r


    In einem Artikel über den Abriss sind folgende Aussagen zu lesen, die ich mal unkommentiert lassen werde:


    •"Das Haus entspreche nicht mehr heutigen Ansprüchen, heißt es."


    •"Demnach plant der Eigentümer einen „modernen und zeitgemäßen Hotelneubau“.


    •"Das Hotel mit Restaurant sei „in die Jahre gekommen und mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand nicht zu sanieren“"


    •"Die Grafik des Neubaus zeigt ein weißes Gebäude mit großen Fensterfronten und fünf Geschossen beziehungsweise vier Geschossen plus Dachgeschoss."


    •"Abriss und Neubau seien „insbesondere aus touristischer Sicht städtebaulich vertretbar“


    Q: https://m.ln-online.de/Lokales…m-Zentrum-wird-abgerissen

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  • Es ist sicher schade um die historische Substanz. Aber schön finde ich das klobige Bestandsgebäude auch nicht gerade.

  • ^In den Neubau integrieren geht schließlich auf keinen Fall. Daran ließe sich vermutlich zu wenig verdienen.

  • Das scheint zumindest nicht von vornherein ausgeschlossen worden zu sein (Vorlage zur Förderung eines Architektenwettbewerbs):

    1. Einbezug der bestehenden Bausubstanz (Villa) in die Neubauplanung

    Nach langer Diskussion konnte erreicht werden, dass der angestrebte Architekturwettbewerb auch die Integration der alten Villa zumindest zulässt. Somit kann die Frage geprüft werden, ob Teile der alten Substanz (kostengünstig) weiter genutzt werden können, sei es z.B. für Abstell-, Nebenräume, ggf. Verwaltungs- oder Personalräume o.ä.

    Zum baulichen Zustand heißt es von der Pastorin, die die Verwaltung der Einrichtung leitet:

    Zwar seien die genutzten Gebäude gepflegt und gut in Schuss, aber bei genauerem Hinsehen gebe es Sanierungsbedarf und vor allem zu wenige und zu kleine Räume. „Sie erfüllen den Standard, aber im Vergleich mit anderen Einrichtungen sind sie einfach sehr beschränkt.“

    und bzgl. des Abrisses des Bestandsgebäudes:

    „Wir haben zunächst mit einem weiteren Anbau gerechnet, aber mit Blick auf den Gebäudebestand war der Unterschied der Kosten im Vergleich zum Neubau nicht mehr sehr groß. Dann stellt sich die Frage, warum soll man ein Stückwerk machen und wieder anbauen, wenn man neu bauen und Räumlichkeiten schaffen kann, die der Arbeit angemessen sind.“ Beim Amtsausschuss sei Pastorin Duncker signalisiert worten (sic!), dass man einen Neubau befürworte.

    Ergo: Ein Erhalt und Anbauten kosten nicht einmal mehr (der Formulierung entnehme ich sogar, dass ein Neubau immer noch teurer ist), laut Artikel rechnet man mit ca. drei Millionen Euro. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei einem An- und Umbau nicht ebenso "angemessene" Räumlichkeiten entstehen können. Die Schätzung und Wahrung von gebauten Werten und auch der ökologische Aspekt bzgl. grauer Energie scheint im "Bildungsauftrag" der evangelischen Kirche keine Rolle zu spielen.

  • Adelsgut Sierhagen - Teil 1


    Erst einmal noch kurz zu Reinfeld in Holstein aus den vorigen Beiträgen: Seit dem Abriss des bedeutenden mittelalterlichen Zisterzienserklosters im 16. Jahrhundert, der Zerstörung der Klosterkirche 1635 durch einen Dammbruch und dem Abriss des fürstlichen Schlosses 1775 ist die Kleinstadt in meinen Augen baulich nur noch ein bedeutungsloses Kaff. Da kommt es auf einen Abriss mehr oder weniger auch nicht mehr an. :sad:


    Aber um zu zeigen, dass es im Lübecker Umland auch erfreuliche Dinge gibt, möchte ich hier einmal das Adelsgut Sierhagen vorstellen, das sicher kaum jemandem bekannt sein dürfte. Das Gut geht auf die wendische Adelsburg "Syra" aus dem 12. Jahrhundert zurück und liegt ca. 35 km nördlich von Lübeck sehr idyllisch ganz in der Nähe von Neustadt in Holstein. Ich habe mir diese wunderbare, sich in einem erstklassigen baulichen Zustand befindende Gutsanlage am 18. Juli dieses Jahres angesehen und zeige hier ein paar Fotos meines Besuchs:



    Abb.1: Anhand dieses dort noch aushängenden Veranstaltungsplakates von 2019 (seit Corona war da offenbar nichts mehr) kann man gut erkennen, wie die Anlage aufgebaut ist: Um einen großen rechteckigen Innenhof herum gruppieren sich mehrere Gebäude. Das Herrenhaus liegt etwas abseits südlich dieses Innenhofes. Die heutigen Gebäude stammen im wesentlichen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Das Herrenhaus ist im Kern allerdings deutlich älter. Die komplette Anlage ist von Wassergräben und einem Teich umgeben. Außerhalb dieser inneren Anlage gibt es noch einige Scheunen. Auf dem obigen Bild ist links unten Osten und rechts oben Westen.



    Abb. 2: Das Torhaus von 1738 im Osten der Anlage ist die Hauptzufahrt. Auf den Steinen vor der Brücke ist die Jahreszahl 1836 zu sehen. Ich weiß nicht genau, was diese Jahreszahl bedeutet Das Gebäude mit dem Turm rechts ist die Alte Schmiede.



    Abb. 3: Von derBrücke vor dem Torhaus nach links Richtung Süden gesehen. Rechts hinter den Bäumen ist das Herrenhaus zu erahnen.



    Abb. 4: Holzdecke der Tordurchfahrt



    Abb. 5: Innenseite des Torhauses von 1738


    Abb. 6: Wappenstein an der Innenseite über der Tordurchfahrt. Offenbar wurde der Stein an den Seiten irgendwann verkleinert, da von "ANNO 1738" nur noch "NNO 173" zu sehen ist.



    Abb. 7: Torhaus und Alte Schmiede vom Innenhof aus gesehen



    Abb. 8: Durch das Torhaus kommend fällt der Blick nach rechts Richtung Norden auf den Alten Pferdestall, der die Jahreszahlen 1878 (wohl die Erbauung) und 1958 (wohl eine Renovierung) trägt.



    Abb. 9: Vom Torhaus nach links Richtung Süden erblickt man das etwas abseits liegende Herrenhaus. Hier ist das Gitter der Einfahrt zu sehen.



    Abb. 10: Das Herrenhaus. Der hier zu sehende klassizistische Zustand rührt von einem Umbau des älteren Hauses von 1825 her. Ein besseres Foto des Hauses war leider nicht zu machen, da man nicht auf das Grundstück durfte und das Haus von allen Seiten stark eingewachsen ist. Ich hatte mich sogar schon hingekniet, um den Giebel überhaupt ansatzweise sehen zu können.


    Fortsetzung folgt - da man leider nicht mehr als 10 Bilder in einem Beitrag hochladen kann.


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    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Adelsgut Sierhagen - Teil 2


    Und weiter geht´s:


    Abb. 11: Vom Torhaus gerade über den Innenhof nach Westen geblickt sieht man den Verwaltungstrakt von 1857. Dieser weist ebenfalls eine Tordurchfahrt auf. Die neoromanischen (?) Stufengiebel scheinen mir aufgrund der anderen Steinfarbe etwas "neueren" Datums zu sein und wurden wohl Ende des 19. Jhdts. aufgesetzt? Links an den Verwaltungstrakt anschließend ist auf der Südseite des Innenhofs die Orangerie zu sehen, die die Jahreszahl "1714" trägt und somit wohl das älteste Gebäude am Innenhof ist.



    Abb. 12: Die Orangerie von 1714 in voller Ausdehnung. Die Rückseite war leider nicht zugänglich.



    Abb. 13: Westliche Tordurchfahrt im Verwaltungstrakt mit Blick in den Innenhof auf das östliche Torhaus. Diese neuere westliche Durchfahrt hat im Gegensatz zur östlichen ein Steingewölbe.



    Abb. 14: Wappenstein mit der Jahreszahl 1857 über der Außenseite der westlichen Tordurchfahrt



    Abb. 15: Blick von der Brücke vor der westlichen Tordurchfahrt auf den dortigen Wassergraben. Rechts der nördliche Teil des Verwaltungstraktes.



    Abb. 16: Blick über die Brücke vor der westlichen Tordurchfahrt auf diese und den Verwaltungstrakt. Auch hier ist die Jahreszahl 1836 zu sehen. Wurden eventuell in diesem Jahr die Brücken erneuert?



    Abb. 17: Zurück im Innenhof: Hier befindet sich ein idyllisches Lindenrondell. Blick auf dieses nach Osten mit Torhaus, Alter Schmiede und Altem Pferdestall...



    Abb. 18: ...und nach Westen mit Verwaltungstrakt und Orangerie.



    Abb. 19: Eine der außerhalb der Anlage stehenden Scheunen - nicht minder schön als die innere Anlage selbst. Diese aus dem Jahr 1876 befindet sich im Osten vor dem Torhaus.



    Abb. 20: Detail von einer weiteren, hinter der obigen liegenden Scheune. Selbst einfache Scheunen haben hier wunderbar verzierte Fensterrahmen!



    Hier noch ein paar Infos, falls jemand Lust bekommen hat, selbst hinzufahren oder sich weiter zu informieren:

    - Gut Sierhagen bei Google Maps

    - Gut Sierhagen bei Wikipedia

    - Webseite von Gut Sierhagen


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  • Im Eingangsbeitrag ist ja auch von "sehr interessanten Orten" der Umgebung die Rede.

    Gibt es neben dem schönen Adelsgut denn auch auch empfehlenswerte Dörfer / Kleinstädte rund um Lübeck, deren Besuch sich lohnt?

  • Eutin und Plön sind auf jedem Fall sehenswerte Orte. Travemünde auch.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Weiß nicht, ob das noch als "Lübecker Umland" gilt, aber Ratzeburg ist auch einmalig schön mit seiner Altstadt in (Halb)Insellage auf dem gleichnamigen See. Insgesamt Ostholstein mit seinen Seen und Buchenmischwäldern, kleinen Dörfern und Hügeln eine sehr schöne abwechslungsreiche Landschaft, im Mai blühende Rapsfelder und im Hintergrund die blaue Ostsee vor üppigem Grün und "roten" Dörfern.


    Diese Mischung aus roten Häusern, blauem Himmel und grüner Natur ist für mich das quintessenzielle Norddeutschland.

  • Eutin und Plön sind auf jedem Fall sehenswerte Orte. Travemünde auch.

    Weiß nicht, ob das noch als "Lübecker Umland" gilt, aber Ratzeburg ist auch einmalig schön mit seiner Altstadt in (Halb)Insellage auf dem gleichnamigen See.

    Ja, Eutin und Plön mit ihren Schlössern, Ratzeburg mit seinem romanischen Dom und Travemünde mit seiner zwar kleinen, aber nicht uninteressanten Altstadt fielen mir auch als erstes ein. Obwohl ich Plön eher dem Kieler als dem Lübecker Umland zuordnen würde, da es etwas näher an Kiel als an Lübeck liegt und von Kiel aus auch besser erreichbar ist.

    Ja, Ratzeburg würde ich auf jeden Fall als Lübecker Umland bezeichnen - man ist von der Stadtgrenze aus in 20 min da. Des weiteren fällt mir als sehenswert die noch etwas weiter südlich von Ratzeburg liegende "Eulenspiegelstadt" Mölln ein. Die ist dann aber für "Lübecker Umland" schon ähnlich grenzwertig wie Plön.


    Als Geheimtipps für kleinere, allerdings nicht "abendfüllende" Ausflüge, wenn man in Lübeck mal etwas mehr Zeit hat als gedacht, kann ich noch den Pariner Berg und das Fischerdorf Gothmund "anbieten.


    Gothmund liegt an der unteren Trave und gehört zum Lübecker Stadtgebiet, ist also wie auch Travemünde eigentlich kein "Umland". Hier ist eine ganze Reihe reetgedeckter alter Fischerhäuser zu bewundern:


    Abb. 1: Fischerhäuser in Lübeck-Gothmund, Foto von mir vom 15.8.2020



    Der Pariner Berg ist ein Höhenzug nördlich von Lübeck zwischen den Orten Klein- und Groß Parin. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf Lübeck, besonders zur Rapsblüte wie auf meinem folgenden Foto zu sehen:


    Abb. 2: Lübeck vom Pariner Berg aus gesehen, Foto von mir vom 29.3.2007


    Obwohl das mit dem blauen Himmel im hohen Norden mitunter so eine Sache ist

    Wieso? Wie man auf den Fotos sieht, ist das kein Problem... :koenig:

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