Die Vermüllung unserer Städte

  • Ich sagte ihm, da sollte er erstmal nach München fahren...

    Also ich hab München im Ganzen ungleich heruntergekommener empfunden. Sicher nicht jedes einzelne Stadtviertel, vor allem die gut wiederaufgebauten nicht. Vor allem S+U-Bahn sowie die Passagen sind ein Graus.

  • Also ich habe letztes Jahr recht viel Zeit in München verbracht und war regelrecht geschockt, wie viel sauberer und ordentlicher die Stadt ist im Vergleich mit Berlin.

    Das Berlin des Alltags, der Kieze außerhalb der Touristenrennstrecken, ist teils schon sehr durchwachsen. Allein was überall an Sperrmüll rumsteht, Hundekot, Scherben, überfüllte Mülleimer, die Lager von Obdachlosen, Park-Müllecken, usw.

    Ich hab mich in allen Bezirken Berlins schon ausführlich aufgehalten die letzten Jahre. Und als wirklich verlässlich sauber habe ich eigentlich nur Teile von Prenzlauer Berg, Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf empfunden. Sowas wie die Villengegenden kann man mE erst gar nicht zählen. Die Schäbigkeit und penetrante Hässlichkeit war ein Hauptgrund, dass ich mich wieder nach Potsdam verlegt habe.

    Etwas besser wird es durch die BSR tatsächlich und weil an manchen Orten das Wohlstandsniveau steigt. Das sieht man zB Kreuzberg zunehmend an. Und vor der EM hat man nochmal einen kräftigen Frühjahrsputz gemacht.

    Nun denn, diese Debatte gehört irgendwo anders hin.

  • Dankwart Guratzsch echauffiert sich völlig zurecht:

    "Kübel, Gitter und Müll – die Verwahrlosung des öffentlichen Raumes

    Wir reden viel über marode Infrastruktur. Aber der öffentliche Raum bietet oft ein Bild des Jammers. So verliert eine zerrissene Gesellschaft auch räumlich ihre Mitte. Berichte von Plätzen und Straßen, die zum Schlachtfeld verkommen."

    (Leider schon hinter der Bezahlschranke)

    Deutsche Städte: Die Verwahrlosung des öffentlichen Raumes - WELT
    Wir reden viel über marode Infrastruktur. Aber der öffentliche Raum bietet oft ein Bild des Jammers. So verliert eine zerrissene Gesellschaft auch räumlich…
    www.welt.de
  • Großstadtprobleme, deren Ursachen man selbst hier im APH lieber nicht deutlich benennt, da sonst wieder ein paar Leute auf die Barrikaden gehen. Früher war für mich die Stadt das größte, heute verzichte ich dankend darauf und lebe lieber in einer ländlichen Region, in der man von diesen Problemen weitgehend seine Ruhe hat. Und solange die Großstadtmenschen die Verhältnisse bei jeder Wahl bestätigen, sollen sie eben schauen wie sie damit klarkommen.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Keine Ahnung, in welchen Städten ihr lebt. Aber bei mir in Charlottenburg-Wilmersdorf ist es wie geleckt. In Pankow ebenso. Mitte auch. Friedrichshain geht auch klar. Reinickendorf find ich auch in Ordnung. Tempelhof-Schöneberg ist auch top. Treptow-Köpenick auch. Steglitz-Zehlendorf eh. Da sind wir ja schon bei ner mehr als 2 Millionen Einwohner Stadt, die sehr sauber ist. Eigentlich sind nur Neukölln und Kreuzberg nicht wirklich sauber. Und da hats auch Ecken wie Rixdorf oder den Reuterkiez. Aber was wissen die Berliner denn schon, nur als Außenstehender kann man dieses vermüllte Dreckloch korrekt einschätzen, ne.

  • Hier in München fällt mir auf, dass die Reinigungskräfte Plätze und Straßen, das Isarufer und Parks gut sauberhalten (ein großes Dankeschön dafür), aber wäre dem nicht so (München geht es finanziell zumindest noch besser als anderen Kommunen, wenn auch nicht mehr so gut wie in der Vergangenheit), dann wäre es auch hier mittlerweile ziemlich schmutzig. Was leider zugenommen hat ist Graffiti. Und da scheint man nicht beherzt zu sein dies zu unterbinden (vielleicht versucht man es und es gelingt aber nicht) oder zu beseitigen. Graffiti an Häusern, auf Denkmälern erzeugt meines Erachtens weitere Schmierereien, sofern man das Ursprungs-Graffiti nicht schnell beseitigt.

    Was hat Architektur damit zu tun? Ich denke je weniger schön ein Ort ist, desto weniger legt man dann auch Wert auf Sauberkeit und „Unversehrtheit“. Eine vollgesprühtes Betongebäude stört mich weit weniger als ein vollgeschmierter Gründerzeitbau.


    Leider ist meine Erfahrung in den letzten Jahren, dass Deutschland sich gehen lässt. Oft ist es im Ausland (mittlerweile) viel sauberer und gepflegter.

  • Keine Ahnung, in welchen Städten ihr lebt

    Ich lebe auch in Berlin und finde es vielerorts besser als seinen Ruf, aber es gibt schon enorm zugemüllte Ecken in praktisch allen Bezirken. Graffiti sind auch in "guten Gegenden" fast allgegenwärtig, Obdachlosencamps ebenso, überfüllte Mülleimer und Unrat in Parks ebenso. Dazu die omnipräsenten Abstellplätze von Sperrmüll u.ä. mitten im Straßenraum.

    Das haben andere Metropolen wie Paris, London, Rom, Madrid, Tokio (immerhin 30 Mio. Einwohner) und selbst New York mE besser im Griff.
    Wobei es in Berlin auch besser wird, seitdem die Zuständigkeit nahezu komplett bei der BSR liegt.

  • Leider ist meine Erfahrung in den letzten Jahren, dass Deutschland sich gehen lässt. Oft ist es im Ausland (mittlerweile) viel sauberer und gepflegter.

    So ist es. Und auch hier darf man leider keine Ursachenforschung betreiben, weil das nicht politisch korrekt wäre. Stichwort "Liebe zum Eigenen".

    In dubio pro reko

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  • Hier in München fällt mir auf, dass die Reinigungskräfte [...] das Isarufer [...] gut sauberhalten

    Man kann jedoch bei genauerem Hinsehen sehr gut erkennen, wie es aussieht, wenn diese Reinigung nicht erfolgt, weil z.B. zu viel Gestrüpp da ist. Da sieht man dann gerade im Frühjahr alles voller Müll an den bewachsenen Isaruferhängen. Wir sind da auf keinem gutem Weg.

  • Das haben andere Metropolen wie Paris, London, Rom, Madrid, Tokio (immerhin 30 Mio. Einwohner)

    Also da muss ich sagen, dass Rom und Paris wesentlich dreckiger sind als Berlin. Und Obdachlosencamps gibt es dort überall, man muss halt ein bisschen aus dem eigentlichen touristischen Zentrum raus.

  • Bin beruflich oft in Paris und new York (Manhttan) und kann obige Aussagen nicht bestätigen. Paris ist, besonders seit Olympia sehr sauber, inklusive Metro. Das Gleiche mit Manhattan, inklsive Subway hier mindestens seit Giuliani. Zumindest die Zentren. Was man von den mir bekannten deutschen Zentren in Frankfurt Main Hauptbahnhof und Umfeld aber auch Eschenheimer Turm nicht sagen kann. Der Gleiche Anblick Berlin Zentrum Durchgang vom Roten Rathaus zum Alex oder Durchgang Hackescher Markt zur Museumsinsel. Btw. haben New York und Paris (und Madrid)es geschafft, in den Zentren massiv den Autoverkehr zugunsten Fußgänger und Radfahrern zu reduzieren, wovon wir uns ebenfalls eine Scheibe abschneiden könnten.

  • Bin beruflich oft in Paris und new York (Manhttan) und kann obige Aussagen nicht bestätigen. Paris ist, besonders seit Olympia sehr sauber, inklusive Metro. Das Gleiche mit Manhattan, inklsive Subway hier mindestens seit Giuliani. Zumindest die Zentren. Was man von den mir bekannten deutschen Zentren in Frankfurt Main Hauptbahnhof und Umfeld aber auch Eschenheimer Turm nicht sagen kann. Der Gleiche Anblick Berlin Zentrum Durchgang vom Roten Rathaus zum Alex oder Durchgang Hackescher Markt zur Museumsinsel. Btw. haben New York und Paris (und Madrid)es geschafft, in den Zentren massiv den Autoverkehr zugunsten Fußgänger und Radfahrern zu reduzieren, wovon wir uns ebenfalls eine Scheibe abschneiden könnten.

    Das kann ich bestätigen, Paris - früher der Inbegriff von Schmuddel und Verkehrschaos präsentierte sich sauber und deutlich verkehrsreduziert. Auch New York City machte in den zentralen Bereichen Manhattans einen sehr guten Eindruck. Dass an manchen Stellen gebettelt wird und man auch mal Menschen sieht, die obdachlos sind, finde ich nicht schlimm bzw. ist das in Großstädten einfach so.

    Was sich Deutschland v.a. an seinen Eingangstoren in die Städte erlaubt (Hauptbahnhöfe), spottet jeder Beschreibung (Frankfurt sicherlich übel, aber auch Hamburg (Ostseite), Bremen oder Köln echt nicht schön - ausgerechnet hier schneidet Berlin allerdings ganz gut ab). Insgesamt kann man in Berlin dem Dreck besser aus dem Weg gehen, weil weite Teile der zentralen Stadt (Bezirk Mitte, Prenzlauer Berg, Tiergarten, Charlottenburg etc.) ganz okay sind. In kleineren Städten wie Bremen wird man auch als Bewohner der schickeren Stadtteile die schlechten Gegenden wie um den Hauptbahnhof nicht so vermeiden können wie jemand, der in Prenzlauer Berg wohnt Kreuzberg oder so. Auch Touristen werden in Köln oder Frankfurt oder Bremen viel brutaler mit der Realität konfrontiert, weil man die jeweiligen Bahnhofsviertel einfach nicht so vermeiden kann wie meinetwegen das Kottbusser Tor.

    Dass Deutschland bei der Reduktion von innerstädtischem Verkehr in den 1970er Jahren steckengeblieben ist und wirklich alle unsere Nachbarn, egal ob Frankreich oder Dänemark, die Schweiz oder die Niederlande hier weiter sind, ist leider auch klar und hier zigfach diskutiert worden. Ein Beispiel ist die alberne Wiedereröffnung der Friedrichstraße für den Verkehr aus rein ideologischen Gründen. Die Läden dort machen weiter zu (das wurde ja damals darauf geschoben, dass ein kurzes Stück nicht mehr befahrbar war) und dafür, dass das eine der, wenn nicht der Berliner Einkaufsboulevard sein soll, ist die Situation wirklich erschütternd.

  • "Wenn Musgiller nach Ungarn reist, wo seine Vorfahren herkommen, dann sehe es dort noch ganz anders aus, viel sauberer. Früher habe er von seinen Eltern Werte mitgegeben bekommen, etwa dass man seinen Müll in den Mülleimer wirft. Und heute? „Die Leute werden immer rücksichtsloser. An Mitmenschen zu denken, das ist glaube ich verlorengegangen“, meint Musgiller.

    Was zu allem Überfluss noch hinzukommt: Musgiller und seine Kollegen werden immer öfter von Passanten angegangen. Mit Beleidigungen, mit der Androhung von Schlägen. Musgiller legt dann einfach seinen Besen hin und läuft davon. „Ich habe eine Familie, ich möchte gesund nach Hause kommen“, sagt er."

    Irgendwelche Zusammenhänge herzustellen wagt die StZ dann doch lieber nicht. :wink:

    Straßenreiniger in Stuttgart: Beleidigungen, Drohungen, Müllberge – „Die Leute werden immer rücksichtsloser“
    Peter Musgiller ist einer von 170 Arbeitern der Abfallwirtschaft Stuttgart, die dafür sorgen, dass die Stadt nicht im Müll versinkt. Doch sein Kampf wird immer…
    www.stuttgarter-zeitung.de

    (Bezahlschranke)

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