Westliches Umfeld Berliner Schloss - Schlossfreiheit

  • Die neobarocke Bildhauerkunst des endenden 19. Jahrhunderts ist einfach unfassbar beeindruckend. Die überbordende Detailverliebtheit und Genauigkeit mit der Reinhold Begas und seine Schüler das Nationaldenkmal in diesen monumentalen Größen im Jahr 1897 verwirklicht haben, zeigen, dass die Handwerkskunst wohl zu der Zeit (was das Können angeht) einen Höhepunkt erreicht hat.
    1911 wurden das "Victoria Memorial" in London und das Nationaldenkmal für Vittorio Emanuele II. in Rom eingeweiht (beide aber erst mehr als ein Jahrzehnt später vollendet). Das Victoria Memorial ließ sich durch die vier Löwen an den Eckpunkten- und das Werk in Rom durch die zwei symmetrisch angeordneten Quadrigen auf den Portalen sichtlich vom KW-Nationaldenkmal inspirieren.


    Es ist äußerst bedauerlich, dass die vier Löwen und ein Adler die wohl letzten Überbleibsel des ehemaligen Denkmals vor dem B. Schloss sind.

  • Hier die Dimensionen des Nationaldenkmals in 2 Bildern und die Reliefplatten des Denkmals und der übriggebliebene Adler der jetzt im Märkischen Museum ist.








  • Das zweite Bild zeigt jedoch das gut erhaltene Bismarck-Denkmal am großen Stern und zwar die Figur des "Siegfried, das Reichsschwert schmiedend" auf der hinteren Seite des Denkmals

    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Hallo Gmünder na klar das 3. Bild ist vom großen Stern. Im Anhang noch ein Bild von der Entfernung der Reliefplatten vom Nationaldenkmal und vom noch existierenden Adler an seinem Originalstandort.



  • Dieser Umgang mit Kunstwerken macht mich richtig sauer. Man muss sich einmal vorstellen, wie viel Herzblut, Schweiß und Arbeitsstunden in diesen prachtvollen Skulpturen und Monumenten stecken. Da haben viele Leute unheimlich viel Arbeit investiert. Und eine andere Generation zerstört diese herausragende Leistung so einfach, ohne mit der Wimper zu zucken. Den ganzen Leuten, die auf den alten Photos bei den Abrissarbeiten zu sehen sind, würde ich so gern persönlich in den Hintern treten. Hätte man die Kunstwerke wenigstens eingelagert, wenn der Zeitgeschmack nicht mehr passt. Aber man musste ja unbedingt alles vernichten. Das macht mich wahnsinnig.

  • Dieser Umgang mit Kunstwerken macht mich richtig sauer. Man muss sich einmal vorstellen, wie viel Herzblut, Schweiß und Arbeitsstunden in diesen prachtvollen Skulpturen und Monumenten stecken. Da haben viele Leute unheimlich viel Arbeit investiert. Und eine andere Generation zerstört diese herausragende Leistung so einfach, ohne mit der Wimper zu zucken.

    Das denke ich auch bei den zahlreichen Bauten aus der Gründerzeit oder dem Wilhelminismus, wo mal eben der Stuck abgeschlagen, die Fensterkreuze rausgehauen, die Portale verheizt oder die Wandmalereien im Vestibül übermalt wurden. Besonders tragisch ist es im Fall des Berliner Nationaldenkmals, des Schlosses, des Potsdamer Stadtschlosses, der Potsdamer Garnisonkirche, der Sophienkirche in DD, der Pauinerkirche in Leipzig: Zerstörungen von einem Kretin namens Ulbricht, der selbst in seinem Leben nichts Bedeutendes zustande bekommen hat, außer einige Tische zusammenzuleimen. Man sollte mal "Kulturverbrechen" als neuen Straftatbestand ins internationale Völkerrecht einführen. :opa:

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Zu 345 :


    Hallo Gmünder
    Ich habe nochmals meinen Bildbestand des Nationaldenkmals am Berliner Schloss durchforstet. Das von mir gezeigte 3.Bild ist doch vom Nationaldenkmal am Schloss. Siehe die Seitenansicht des Nationaldenkmals.



  • Wo sind die Reliefs auf den Sockeln der Allegorien geblieben ?
    Wie können die Reliefs nach dem Abnehmen zwecks Restaurierung (1958), einfach so verschwinden ? Verbleib ist unbekannt. Unglaublich....

  • @SchortschiBähr
    Deine Hoffnungen sind unbegründet. Ein Animationsfilm ist etwas anderes als ein Denkmal. Die angeblichen Urheber müssten zudem den Klageweg beschreiten, um ihre Rechte durchzusetzen. Das wollen sie aber offensichtlich nicht tun. Vermutlich auch, weil sie wissen, dass es nichts bringen würde. So haben sie sich mal ins Gespräch gebracht. Das wird ihr Ziel gewesen sein, mehr nicht.


    Das Zitat von Anonymus, das du bringst, ist auch sinnlos. Schon der Vergleich mit der Granitschale vor dem Alten Museum zeigt das. Es liegt nahe, dass Milla seinen Denkmalsentwurf verteidigt. Wer seinen Entwurf bearbeitet, begeht Urheberrechtsverletzung. Das ist der springende Punkt. Kritik üben, darf jeder. Aber sich den Entwurf aneignen (klauen) und verändern, das ist nicht erlaubt.


    Ich kann gut verstehen, dass dir und anderen das Einheitsdenkmal nicht gefällt. Ich sehe aber nicht, dass es jetzt noch gestoppt wird. Ich kann mir auch vorstellen, dass das Denkmal am geplanten Standort gar nicht so schlecht wirken wird, wie von vielen befürchtet. Ich halte aber auch ein Fiasko für nicht ganz ausgeschlossen, neige jedoch eher der ersteren Annahme zu. Eine Wiedererrichtung des alten Nationaldenkmals wäre sicherlich ein schönes Projekt. Da wüsste man auch, was man bekommt, aber politisch durchsetzbar ist es eben nicht. Zumal in der Kaiserzeit Deutschland Kolonialmacht war. Das Nationaldenkmal stünde also konträr zum Inhalt des Humboldt Forums.

  • Im Prinzip stimme ich "Rastrelli" zu.


    Nur den Punkt mit dem Kolonialbezug halte ich für konstruiert. Das alte Nationaldenkmal verherrlicht nicht das Kolonialreich. Es findet sich dort ja meines Wissens nach auch kein Bezug zu den Kolonien. Somit müsste heute jedes Kulturerzeugnis der Kaiserzeit als politisch-unkorrekt gelten, weil es in jener Zeit Kolonien gab (wie bei allen westlichen Großmächten).


    Zudem stünde es für die radikalen "Antikolonialisten" gar nicht "konträr zum Inhalt des Humboldt Forums", sondern konform. Für diese werden ja im Humboldt-Forum gerade koloniale, unkorrekt erworbene "Beutestücke" zur Schau gestellt. Ganz im Einklang mit den angeblichen einstigen Kolonialinteressen.
    Wir sehen, wenn man sich auf solche Diskurse einlässt, hat man umgehend verloren. Wie bei jedem dieser "anti"-Diskurse, die im Handumdrehen morgen jeden eigenen Vertreter durch eine noch radikalere Drehung selbst zum Unmensch stilisieren, der heute noch im Chor mitpfeift.


    Aber, grundsätzlich stimme ich zu. Das alte Nationaldenkmal ist politisch nicht durchsetzbar. Nicht in der Mitte der Hauptstadt und mit einer rot-rot-grünen Stadtregierung. An den Bau irgendwelcher halbgar-postmodern abgespeckter Kolonnaden ohne weiteren Denkmal-Inhalt glaube ich auch nicht recht. Die Schale kann hingegen bei wertiger Ausführung interessant wirken.
    Allerdings wird sich zeigen, ob auch sie wirklich realisiert wird. Denn es gibt ja Kräfte, die gar kein positives Gedenken an 1989/90 wünschen, es insofern zu hintertreiben versuchen werden.

  • An der Stelle des Nationaldenkmal gab es doch für einige Zeit eine Flussbadeanstalt mit einem bildschönen kleinen Gebäude. Hat dazu jemand ein Bild / Link?

  • Bevor das Nationaldenkmal errichtet wurde gab es dort die Wassermühlen, dann das Café Helms. Wann soll das mit der Flussbadeanstalt gewesen sein?


    Leopold Ahrendts, Ansicht der Häuser der Schlossfreiheiit von der Schlossbrücke her, 1865:


    Schloßfreiheit

  • Ja das links vom Café Helms könnte in der Tat eine Flussbadeanstalt gewesen sein, also erst nach dem Abriss der Mühlen eingerichtet. In der Öffnung scheinen so eine Art Kabinen (Duschen?) zu sein.


    Foto F. A. Schwartz mit dem zinnenbekrönten Eingang zum Flussbad, 1887 (?):


    Schlossfreiheit


    Entweder zeigt es im Vordergrund den Bau des Café Helms, also 1882 oder aber bereits den Abriss 1893 desselben. Die Jahresangebe 1887 oben ist damit fraglich



    Während des Abrisses der Häuser der Schlossfreiheit:


    Schlossfreiheit

  • Badeanstalt hinter den Werderschen Mühlen an der Stadtschleuse


    Die "Badeanstalt hinter den Werderschen Mühlen an der Stadtschleuse" hieß im Volksmund kurz "Sechserbad" (wegen des Eintrittspreises) oder "Magistratschwemme" und war zu Anfang ausschließlich der männlichen Bevölkerung vorbehalten. Um 1890 wurde sie zu einer "modernen Doppelbadeanstalt" umkonzipiert, die für beide Geschlechter geöffnet war. Sie war so gebaut, daß die Umkleidekabinen wie Hausboote auf der Spree schwammen und für 120 Badegäste Platz boten. (Arnold/Arnold, S.33)


    "Breite Treppen führten zu zwei Balkonen, von denen man einen guten Überblick über die Bassins hatte. Außer den offenen Oberlichtern über den Bassins waren in den Außenwänden des Mittelbaues zur Erzielung einer angenehmen Beleuchtung in der Halle zahlreiche bunte Glasfenster angebracht. Der Reinigung vor dem Baden dienten zwei geräumige Brauseräume, die reichlich mit Kopf-, Strahl- und Sitzbrausen ausgestattet waren." (Bohm zitiert nach Arnold/Arnold, S.33)


    Durch ihre Größe und Zweckmäßigkeit wurde die Badeanstalt an der "Schlossfreiheit" als eine der schönsten Flußbadeanstalten Berlins erachtet. (Arnold/Arnold, S.33)Im Zuge des Umbaus der "Schlossfreiheit" wurde die Badeanstalt 1894 an die Waisenbrücke verlegt.


    Quelle: http://www.zeitreisen.de/schlo…eschichte/badeanstalt.htm

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Auf jeden Fall soll es eine neue Freitreppe an der Schlossfreiheit geben. Hier ist auch der Wasserzugang für das im Spreekanal an der Museumsinsel geplante „Flussbad Berlin“ vorgesehen.


    https://berliner-schloss.de/bl…e-an-der-schlossfreiheit/
    (Quelle: Förderverein Berliner Schloss, 25.04.2019)


    „Flussbad Berlin“ ist ein Stadtentwicklungsprojekt zur Reaktivierung des seit über 100 Jahren weitgehend ungenutzten Spreekanals im Herzen des historischen Berlins. Das Projekt gliedert den Spreekanal in drei Abschnitte unterschiedlicher Nutzung, Atmosphäre und Funktion.


    (Quelle: Projekt - Flussbad)