Elemente eines Gebäudes, die heute nicht mehr gebraucht werden

  • Ich glaube das könnte eine ganz spannende Diskussion ergeben. Welche Elemente eines Gebäudes kann man heute weglassen, da es

    A seinen Zweck verloren hat

    B gegen einen heutigen Nutzungsanspruch steht

    C ästhetisch nicht mehr passt.


    Ich würde sagen, das neueste Element, das seinen Zweck verloren hat ist der Schornstein. Mit der Umstellung auf Fernwärme und Wärmepumpen haben höchstens noch vereinzelte Einfamilienhäuser mit Holzofen noch einen Kamin.


    Das Thema ist auch deswegen interessant, weil solche Elemente oft auch den Charakter von Gebäuden in der Vergangenheit prägten und als Gestaltungselement genutzt wurden. So beim Beispiel Kamin die Gebäude schon heute deutlich anderen Charakter haben als zu Zeiten, wo jeder Raum noch mit einem einzelnen Ofen beheizt war.


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    Postet gerne noch mehr schöne Beispiele von möglichen verlorenen Elementen.

  • Mit der Umstellung auf Fernwärme und Wärmepumpen haben höchstens noch vereinzelte Einfamilienhäuser mit Holzofen noch einen Kamin.

    Wir wissen nicht, wie die Energieversorgung der Zukunft aussieht. Ein Kumpel von mir will gerade auf Pellets umsteigen. Da braucht er einen Schornstein.


    Nicht gebraucht wird seit Jahrzehnten Fassadenschmuck. Zum Glück gibt es aber Menschen, die nicht nur nach dem technisch-praktischen Gebrauch von Dingen, sondern auch der Schönheit gehen. Ähnlich sieht es bei Fensterläden vs. Rollläden aus.


    Einige träumen davon, dass bald Garagen nicht mehr gebraucht würden, weil alle Fahrrad fahren. Schauen wir mal.


    Von meiner Seite aus bräuchte es keine Flachdächer mehr.

  • Wir wissen nicht, wie die Energieversorgung der Zukunft aussieht. Ein Kumpel von mir will gerade auf Pellets umsteigen. Da braucht er einen Schornstein.

    Ja es wird sicherlich auch weiterhin einzelne Verbrenner geben, habe das ja schon selbst am Beispiel Einfamilienhaus aufgeführt. Aber wo findet denn die urbane Architektur statt? Eben nicht an den Rändern mit Insellösungen. Dazu kommt, dass es gar nicht genug Holz gibt, um verbreiteter mit Holz zu heizen. Daher kann man durchaus schon sagen, wo es tendenziell in Zukunft hin geht.


    Nicht gebraucht wird seit Jahrzehnten Fassadenschmuck. Zum Glück gibt es aber Menschen, die nicht nur nach dem technisch-praktischen Gebrauch von Dingen, sondern auch der Schönheit gehen. Ähnlich sieht es bei Fensterläden vs. Rollläden aus.

    Mit Verlaub, aber damit rezitierst Du den Unsinn des Bauhaus. Der von Funktionalität spricht, aber hoch dyfunktional für Menschen und Gesellschaften baut. Man kann Schönheit nicht vom praktischen Gebrauch trennen. Denn sie erfüllt wichtige Zwecke. Außerdem entstehen viele Kunststile/dekorative Elemente aus einem technisch-praktischen Ursprung heraus.


    Von meiner Seite aus bräuchte es keine Flachdächer mehr.

    Das wäre für mich auch ein gutes Bauelement, das man eigentlich nicht braucht. Es passt zur Wegwerfgesellschaft, von der Wir Uns langsam verabschieden. Flachdächer sind zunächst billig erstellt, halten dafür aber nicht lange. Dazu kommen zahlreiche Elemente eines Daches, die gleich passend zum Threadthema wegfallen:

    Dachrinnen, Firstschmuck, Dachgauben, Dachflächen als Gestaltungselement.

  • Interessant, dass Schornsteine angesprochen wurden. Das ist eine Sache, die mich schon länger beschäftigt. Genauer gesagt, der Unterschied von Deutschland verglichen mit Frankreich und Großbritannien.
    Das Ausrangieren oder nicht besonders Wertschätzen von Schornsteinen als Architekturelement scheint in Deutschland schon lange Kultur zu haben, schon vor der Moderne. Wenn man sich vergleichsweise Bauten aller Epochen in Frankreich und Großbritannien ansieht, fällt einem auf, dass Schornsteine immer ein stark prägendes Element der Architektur waren, ja, sogar mit ein gestalterisches Element. Auf die Spitze getrieben im Beaux Arts Stil, mit extrem aufwendig gestalteten Dächern und großen, prachtvollen Schmuckschornsteinen.
    In Deutschland scheinen Schornsteine schön länger ein eher zweckverbundenes Anhängsel eines Hauses zu sein und so sind sie wohl schnell von historischen Gebäuden über die Zeit verschwunden.
    Recht schade, denn ein Wald von Schornsteinen über den Dächern französischer und britischer Städte hat mich schon immer fasziniert und einen ganz besonderen Charme ausgeübt.

  • Majorhantines, bitte entferne unverzüglich das Stockfoto von alamy. Es ist unübersehbar urheberrechtlich geschützt, und du solltest wissen dass man solche Bilder nicht einfach so verbreiten darf, schon gar nicht als direkten Hotlink zum Urheber.

  • Majorhantines, bitte entferne unverzüglich das Stockfoto von alamy. Es ist unübersehbar urheberrechtlich geschützt, und du solltest wissen dass man solche Bilder nicht einfach so verbreiten darf, schon gar nicht als direkten Hotlink zum Urheber.

    Meines Erachtens ist das eine Fehlinterpretation über Wasserzeichen und Fotoverknüpfungen. Das Foto liegt nicht auf den Servern von Stadtbild Deutschland. Das Foto ist wegen des Waterprints geschützt und gerade durch die reine Linkeinbindung zur veröffentlichten Quelle jederzeit vom Urheber zurückziehbar. Ich habe also weder deren Schutz umgangen, noch habe ich deren Zugriff auf ihr Material behindert. Für eine Urheberrechtsverletzung müsste ich das Bild herunterladen und dann auf Stadtbild Deutschland hochladen.

  • Mit Verlaub, aber damit rezitierst Du den Unsinn des Bauhaus.

    Das habe ich ja ganz bewusst und - wenn man sol will - "provokativ" gemacht. Eher sogar Adolf Loos.


    Aber ich bin im Prinzip ganz Deiner Meinung. Das nur als Klarstellung, wenn das falsch rübergekommen sein sollte.

  • Ich würde sagen, das neueste Element, das seinen Zweck verloren hat ist der Schornstein.

    Neuer Beschluss der Bundesregierung für ein Element, das angeblich seinen Zweck verloren hat. Warum sie sich nur noch diese Mühe machen?


    Schornsteine müssen künftig höher gebaut werden

    Schornsteine müssen aus Gründen der Luftverschmutzung künftig höher gebaut werden. Dies soll verhindern, dass sich Schadstoffe zwischen Häusern sammeln.

    https://www.saechsische.de/deu…ebaut-werden-5527902.html

  • Eine wichtige Landmarke waren die vier Schornsteine des Kraftwerks Vockerode. Benutzer der A9 sahen, von Norden kommend, schon kilometerweit, dass die Elbbrücke bald erreicht war. Schön waren die Schornsteine nicht, aber sie waren eine ersehnte Abwechslung nach stundenlanger monotoner Fahrt. Nun sind sie weg.

  • In den USA werden Kamine immer noch aufwändig gestaltet. Hier zwei Beispiel von Einfamilienhäusern aus

    meiner Nachbarschaft in Philadelphia. Die Gebäude sind übrigens keine historischen Renovierungen sondern Neubauten.

    Architekt: Peter Zimmermann.


  • Und sehr gute Neubauten. Man beachte allein die Fenster. Im oberen Bereich unterteilt wie in der Gründerzeit oder ganz unterteilt wie das Beispiel rechts zeigt. Dazu eine harmonische Gesamtkomposition.

  • Und das ist gut so, denn die haben nun mal in das Gartenreich Dessau-Wörlitz überhaupt nicht gepasst.

    Deshalb spricht man ja vom industriellen Gartenreich. Weder die zerschneidende Autobahn noch die Verspargelung der näheren Umgebung passen dazu.

  • Sir Moc


    Überwiegend sehe ich ein Zusammenfügen der immergleichen Stilelemente in Anlehnung an bestehende z.T. historische Vorlagen. Keine Frage, sieht schon gut aus, auch wenn ich die Grenze zum Kitsch in einigen Bauten sehr nahe sehe, aber ein "Großmeister" muss man dafür nicht sein. Es kommt einfach auf den Geschmack des Bauherren an, gerade in unseren Großstädten gibt es inzwischen ja auch wieder zahlreiche (stark) historisierende Villenneubauten, die optisch erst auf den zweiten Blick als Neubau erkennbar sind. Auch im ländlichen Bereich, hier kenne ich insbesondere Norddeutschland und das bayerische Alpenvorland, entstehen viele prunkvolle, an historische Vorbilder angelehnte Häuser und Höfe. Man braucht dafür "nur" große, denkmalschutzunkritische Grundstücke, Geld und gute Handwerker :)

  • Es stimmt: die immergleichen Stilelemente. Ob nun Zimmermann, oder Robert AM Stern, oder Pohligbuilders.com.

    Aber deshalb ist es ja 'klassische' Architektur. Die Alt-Berliner Bauten wurden auch aus dem Katalog des Maurermeisters zusammen gestellt.


    Der Unterschied in den USA ist, dass es hier - regional natürlich unterschiedlich zw Westküste oder Ostküste - eben der vorherrschende Baustil ist. Architektur UFOs baut hier niemand, weil man sie nicht verkaufen kann. Die Kunden wollen eine Architektur, die in 30 Jahren auch noch funktioniert, und dann wieder verkauft werden kann. Dazu gehört eben ein Sprossenfenster etc. und ein Aussehen, dass von einer maximalen Anzahl an Kunden schön gefunden wird. Das gibt es in Deutschland sicher auch, es ist leider die Ausnahme. Vor allem im Mehrfamilienhaus.

  • Unter dem Titel "Landmarke verschwunden" erinnert die MZ mit Bildern an den Abriss der Schornsteine am 22. September 2001.

    Übrigens wurde, entgegen aller Zweifel, der Wörlitzer Park schon im November 2000 als Flächendenkmal aufgenommen. Anfang 2001 erfolgte dann der Abrissantrag.

    "denn ob die Region auch mit dem Industriedenkmal eine Zukunft gehabt hätte, ist durch geschaffene Tatsachen nicht mehr beweisbar."


    https://www.mz.de/lokal/witten…engt-3245801?reduced=true