Sulzbürg (Galerie)

  • Sulzbürg ist ein Ortsteil der im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz gelegenen Gemeinde Mühlhausen. Der Ort hatte laut Wikipedia 1840 noch 1142 Einwohner, davon waren 255 jüdischer Abstammung. Heute hat Sulzbürg dagegen nur noch etwa 500 Einwohner. Überragt wurde der Ort ab dem 13. Jahrhundert vom Stammsitz des Ministerialengeschlechtes derer von Wolfstein, eines der mächtigsten des Nordgaus. Von dieser Burganlage blieb aber leider nur sehr wenig übrig.


    703px-Aquarell_-_Schloss_Sulzbürg_-_Joseph_Andreas_Weiß_wiki.jpg (703×1024) (wikimedia.org)



    Die nachfolgenden eigenen Aufnahmen sind vom Februar 2021.


    Sulzbürg thront exponiert auf einem dem Fränkischen Jura vorgelagerten und durch das Tal der Sulz abgetrennten Zeugenberg. Heute sind es je eine evang. und kath. Kirche, die den Schlossberg beherrschen (Blick von Süden):

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    Im Tal unten liegt Körnersdorf, wo sich in der Denkmalliste noch drei Wohnstallhäuser finden, in unterschiedlichem Bauzustand:

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    Der Rundgang durch Sulzbürg, ein ziemliches Auf und Ab, beginnt am Marktplatz:


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    Das Gasthaus zur Linde, ein wunderbar oberpfälzisches Gebäude aus dem 17./18. Jahrhundert.


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    Im Hintergrund links das frisch renovierte Weilhaus von 1714/15, daneben der zugehörige Stadel. Links geht eine schmale Straße steil zum Schlossberg rauf. Ganz rechts die evang. Marktkirche:

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  • Der Oberbeck, ehemals Gasthaus und Bäckerei, ein Frackdachbau mit verputztem Fachwerk-Obergeschoss:


    Über ein schmales Sträßchen geht es auf den Badberg, mit Blick zum Marktplatz und Schlossberg:


    Am Hohlweg ist der Braune Jura aufgeschlossen:


    Vom Badberg hat man einen tollen Blick auf den Ort, den Marktplatz, die evang. Marktkirche sowie die beiden Kirchen auf dem Schlossberg.



    Dunstiger Blick in die Landschaft, Richtung Südwest...:


    ... sowie über den Jüdischen Friedhof hinweg in den Raum Neumarkt in der Oberpfalz (Blickrichtung Nordost):


    Wohngebäude am Vorderem Berg:

  • Ein sehr schöner Ort auf bemerkenswertem Grundriss, der mir überhaupt nicht geläufig war, obwohl ich dort sehr regelmäßig in der Nähe vorbeikomme.

    Dieses Gebäude (das Gasthaus zur Linde) ist zwar auch in der Denkmalliste als ein Bauwerk des 17./18. Jahrhunderts vermerkt; die angeblatteten X-Streben des Giebels und rechten Gebäudeteils sowie der Fußwalm und das Rauchloch am First weisen das Fachwerkhaus aber definitiv als einen Bau des Spätmittelalters, vermutlich des späten 15. Jahrhunderts, aus.

  • Weiter geht es mit dem Mühlhauser Torhaus in der Badgasse, laut Denkmalliste in das 17./18. Jahrhundert zurückgehend:


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    Marktseite


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    Tordurchfahrt mit Bohlendecke und neuerer Wandbemalung, die auch u.a. das einstige den Ort überragende Schloss zeigt.


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    Feldseite

    Da ist man dann auch gleich aus Sulzbürg draußen und im Wald...


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    Baustelle des einstmaligen Gasthauses zum Hirschen am Vorderen Berg:

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    Vorderer Berg, oberhalb verläuft parallel die Engelgasse.


    Die evang. Marktkirche erinnert daran, dass in das um 1560 evangelisch gewordene Territorium der Wolfsteiner in der weitestgehend katholischen Oberpfalz nach dem 30-jährigen Krieg Glaubensflüchtlinge aus dem oberösterreichischen Ländchen ob der Enns nach Sulzbürg kamen. Am Marktplatz gibt es entsprechend das sogenannte Landl-Museum.

  • Zwei ältere ehemalige jüdische Wohnhauser sind Hinterer Berg 1 und 3, letzteres geht wohl noch im Kern in das 15. Jahrhundert zurück und beherbergte das erste Ritualbad im Ort:

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    Nahebei der Eingang zum Jüdischen Friedhof, das Tor von 1905.

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    1024px-Sulzbürg_-_Israelitischer_Friedhof_005.JPG (1024×683) (wikimedia.org)


    Unweit davon müssen irgendwo noch Felsenwohnungen am Osthang des Schlossberges existieren. Gefunden habe ich sie nicht, der Friedhof war auch zu.


    Sulzbürg: Felsenwohnung (wandern-und-geschichte.de)


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    Engelgasse:

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    Zurück am Marktplatz:

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    Als nächstes geht es dann noch den Schlossberg hoch.

  • Ein sehr schöner Ort auf bemerkenswertem Grundriss, der mir überhaupt nicht geläufig war, obwohl ich dort sehr regelmäßig in der Nähe vorbeikomme.

    Dieses Gebäude (das Gasthaus zur Linde) ist zwar auch in der Denkmalliste als ein Bauwerk des 17./18. Jahrhunderts vermerkt; die angeblatteten X-Streben des Giebels und rechten Gebäudeteils sowie der Fußwalm und das Rauchloch am First weisen das Fachwerkhaus aber definitiv als einen Bau des Spätmittelalters, vermutlich des späten 15. Jahrhunderts, aus.

    Wie kann es eigentlich sein, dass in der Denkmalliste falsche Angaben stehen? Das sind doch gut ausgebildete Leute. Auch in Weilheim scheinen manche Angaben nicht zu stimmen. Selbst wenn das Haus irgendwann mal stark umgebaut wurde, muss man durch so große Auffälligkeiten doch eigentlich das ursprüngliche Alter ungefähr wissen können und dann auch angeben.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Quote from VonSalza

    Wie kann es eigentlich sein, dass in der Denkmalliste falsche Angaben stehen?

    In diesem Fall kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Fachwerk zum Zeitpunkt der Begehung (der durchaus ein paar Jahrzehnte zurückliegen kann) noch vollständig verputzt war. Der Eintrag in der Denkmalliste...

    Quote

    Gasthaus Zur Linde, zweigeschossiger und traufständiger Halbwalmdachbau mit Fußwalm und Fachwerkobergeschoss, 17./18. Jh.

    ...jedenfalls lässt die Vermutung zu, dass das Fachwerk zwar anhand der baulichen Struktur des Gebäudes anzunehmen war, aber dennoch unter Putz verborgen lag. Dennoch ist selbst bei verputztem Fachwerk der Giebel mit Fußwalm und insbesondere mit sichtbarem Rauchloch ein klares Indiz für eine Datierung deutlich vor dem 17./18. Jahrhundert.

    Ein ähnliches Beispiel ist das Heilig-Geist-Spital im nahen Berching, mit einem vergleichbaren Giebel, dessen Fachwerk noch heute komplett unter Putz liegt. Auch hier ist die Datierung in der Denkmalliste...

    Quote

    Spitalbau, zweigeschossiger und traufständiger Halbwalmdachbau, 16. Jh., mit ehem. Spitalkapelle Hl. Geist, heute Lesesaal, rechteckiger Saalbau, wohl 2. Hälfte 16. Jh.

    ...unwahrscheinlich spät angesetzt. Auch hierbei handelt es sich mit großer Sicherheit zumindest um ein Gebäude des 15. Jahrhunderts, wenn es nicht sogar noch älter ist (Gründung des Spitals 1354).

    Um mich kurz zu fassen: Ich habe keine Erklärung dafür, wie trotz der doch recht eindeutigen Datierungsmerkmale die Denkmalbehörden beide Bauten derart spät datieren und damit einen Teil ihres historischen Werts verkennen.

  • Nun geht es noch vom Marktplatz die 20 Prozent Steigung den Schlossberg rauf, vorbei am ehemaligen Zehentstadel aus dem 17. Jahrhundert und zwei bis 1956 genutzten Ziegenställen .





    Ehem. Ziegenställe



    Oben am Schlossberg parallel zueinander liegend die katholische Pfarrkirche und die evangelische Schlosskirche:



    Kath. Pfarrkirche Mater Dolorosa, erbaut 1756-58 als Kirche des benachbarten Kapuzinerhospizes.


  • Evangelische Schlosskirche Sankt Michael. 1719 ließ Graf Christian Albrecht von Wolfstein benachbart zum Schloss eine neue Kirche errichten, geweiht 1723.


    Das Innere beherrscht vom Kanzelaltar und dem Herrschaftsstand im Westen.



    Neben spärlichen Mauerresten blieb vom gewaltigen Schloss nur das Torwärterhaus übrig, welches durch einen Gang mit der Schlosskirche verbunden ist:




    Die Jahreszeit wechselt und die Richtung auch:



    Soweit einige Aufnahmen aus dem oberpfälzischen Sulzbürg.

  • Ich habe mal die zuständigen Stelle des BLfD zum Gasthaus zur Linde zur Thematik mit der Datierung kontaktiert. Dort hieß es, dass evtl. die Daten, die bei der letzten Sanierung 2018 erhoben wurden, es wohl noch nicht bis in die Denkmalliste geschafft haben. Da diese Sanierung (die nach einem Brand nötig wurde) recht umfangreich war (neue Fenster und Gauben, neie Dachdeckung, Anstrich, Umbau des Schornsteins), könnte mit etwa Glück sogar eine dendrologische Datierung dabei sein. Falls es wider Erwarten doch keine neue Begutachtung gab, soll bei Gelegenheit einmal das Gebäude besichtigt und auf die Angaben, die ich zur zeitlichen und stilistischen Einordnung gemacht habe, überprüft werden.

  • Der Eintrag in der Denkmalliste wurde zwischenzeitlich angepasst - angesichts der doch recht eindeutigen Beweise für das Alter recht vorsichtig formuliert, aber auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

    Quote

    Gasthaus Zur Linde, zweigeschossiger und traufständiger Walmdachbau, nach Süden mit Halbwalm, nach Westen als Frackdach, Fachwerkobergeschoss, im Kern mittelalterlich, Umbau im 17./18. Jh.