Garmisch-Partenkirchen

  • Bei diesem fragwürdigen Denkmalschutz, Stichwort „Substanzfetischismus“, spielen das Ortsbild und Aspekte der Bedeutung für die Heimat als Identitätsfaktor keine Rolle.

    Wenn hier politisch nicht ein sinnvolles wie überfälliges Instrumentarium gewollt ist und geschaffen wird, kann sich diese fatale Abrisswelle zusehends fortsetzen.

  • Solange der Denkmalschutz als letzte Instanz versagt, wird es so weitergehen. Ein Freibrief für den Abriss unzähliger Gebäude, die aufgrund höchst fragwürdiger Kriterien nicht das Glück haben als "erhaltenswert" eingestuft zu werden.

    In dubio pro reko

  • Wenn sie halt wenigsten den Turm erhalten hätten.

    Entscheiden die jeweiligen Referenten das eigentlich selbst und haben viel Freiraum oder müssen sie sich klar an Vorschriften halten die auch genau von anderen Leuten kontrolliert werden? Oder erfolgt die Untersuchung, ob ein Gebäude es Wert ist denkmalgeschützt zu werden, nicht durch die Referenten?

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Solche Eigentümer sind eine Schande. Warum? Weil sie das ererbte oder erworbene Gut zugunsten reiner Profitmaximierung auf den Müllhaufen werfen. Sie selbst sind hingegen nicht zur Schaffung von Schönheit in der Lage. Wollen wir wetten, dass dort die üblichen 08/15-Häuser von der Stange incl. Garagenanlage für ihre Karren entstehen? Das sind die Ergebnisse ihres demutslosen Lebens.


    :daumenunten:

  • Wenn sie halt wenigsten den Turm erhalten hätten. (...)

    (...) Sie selbst sind hingegen nicht zur Schaffung von Schönheit in der Lage. (...)

    Danke, VonSalza. Den Gedanken hatte ich auch sofort. Der Turm sieht auf dem Abrissphoto noch gut in Schuss aus.


    Aber wie Heimdall bereits andeutete, können wir uns sicher wieder auf zwei weiße Schuhkartons "freuen". Da passt so ein kitschiger und rückwärtsgewandter Turm natürlich nicht ins Bild. Oder die Planer sind zu unfähig und phantasielos, diesen Turm angemessen in die Neubauten zu integrieren.

  • Ich kann jetzt beim besten Willen nicht erkennen, was man bei dieser Villa als Kriterium für eine Unterschutzstellung hätte heranziehen können. Sie steht nicht in einem Ensemble, sondern mitten in einem belanglosen Wohnquartier mit vorwiegend ortstypischen 'Chaletdächern'. Die Fassaden waren mit Ausnahme des obersten Turmgeschosses völlig schmucklos. Über das Innere haben wir zwar keine Ahnung, aber ich gehe nicht davon aus, dass jetzt da ein wertvolles Interieur verloren gegangen ist. Auf der Googl maps-Homepage des benachbarten Gästehauses sieht man sie manchmal im Hintergrund:

    Google maps-Ansicht (und dann auf 3D-Ansicht klicken)

    https://goo.gl/maps/8nWGitrjvouDpPje9

    https://goo.gl/maps/tn6RZXeionY8a77HA

    https://goo.gl/maps/EC2Ud6hTTNWopoGQ7

    https://goo.gl/maps/qrhTyHQdE2FUXcYn6

  • Alleine schon der Turm mit Fachwerkanteil, macht das Haus, in meinen Augen, bereits erhaltenswert. Jedenfalls erzeugt der Anblick eines solchen Hauses bei mir viel eher ein Wohlbefinden, als das, was nun höchst wahrscheinlich nachfolgt. Natürlich könnte es auch eine Überraschung geben und zwei ganz tolle neue Häuser gebaut werden. Doch die Erfahrung hat uns gelehrt, daß 90% der Neubauten keinen gestalterischen Anspruch haben.

  • Eben, das Problem ist doch, dass nichts besseres nachfolgt. Und zudem das Grundstück zusätzlich "verdichtet" wird. Soviel zur viel beschworenen Ökologie.

  • Wenn sie halt wenigsten den Turm erhalten hätten.

    Entscheiden die jeweiligen Referenten das eigentlich selbst und haben viel Freiraum oder müssen sie sich klar an Vorschriften halten die auch genau von anderen Leuten kontrolliert werden? Oder erfolgt die Untersuchung, ob ein Gebäude es Wert ist denkmalgeschützt zu werden, nicht durch die Referenten?

    Meistens entscheidet das die Politik in Hinterzimmern....Glaubt mir, ihr überschätzt völlig die Macht des Denkmalschutzes...

  • Wenigstens im oberbayerischen Alpenraum wird die Holzschnitzkunst an Gebäuden immer noch praktiziert wie hier in Partenkirchen:


    Auch ein wunderschöner Briefkasten ist Teil dieses Gebäudes:


    Dieses Gebäude zeigt erneut, dass nirgendwo in Deutschland bessere Neubauten gebaut werden, als im äußersten Norden und im äußersten Süden:


    Ob das Gebäude einen gleichen Altbau ersetzt hat weiß ich leider nicht, aber es sieht wirklich wunderschön aus.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Die übliche Architektur unserer Zeit:

    https://wsre-gmbh.de/2020/09/0…n-garmisch-partenkirchen/


    Und gleich daneben die Architektur der alten Zeit:

    https://spd-gap.de/image/2/107…lt-2010-5c7420260a6f8.jpg


    Kontrast halt, was soll man noch sagen.


    Die anderen Wettbewerbsergebnisse sind noch weitaus schlimmer, einfach nur ganz runter scrollen: https://spd-gap.de/news/aktiv-…nzentrum-altes-finanzamt/

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Wenigstens im oberbayerischen Alpenraum wird die Holzschnitzkunst an Gebäuden immer noch praktiziert wie hier in Partenkirchen:


    Auch ein wunderschöner Briefkasten ist Teil dieses Gebäudes:

    Das ist meiner Meinung nach übelste Zweit- und Ferienwohnsitz-Architektur, die mit einem traditionellen Bauen und einer authentischen Formensprache im alpinen Raum rein gar nichts zu tun hat. Grotesk!

  • Das ist meiner Meinung nach übelste Zweit- und Ferienwohnsitz-Architektur, die mit einem traditionellen Bauen und einer authentischen Formensprache im alpinen Raum rein gar nichts zu tun hat. Grotesk!

    Sag was du willst, aber hier ist viel handwerkliches Können hineingeflossen. Es mag zwar wie ein typisches Haus des Jodlerstils wirken, oder wie Zweitwohn/Feriensitz-Architektur, aber dieses Haus passt sich der Tradition seiner Umgebung an und so viel Zierwerk besitzt auch kein normales Haus im Jodler Stil. Für mich ist es trotz seiner Größe sehr pittoresk und der von Heimdall erwähnten Alternative klar vorzuziehen.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Was würde Dieter Wieland wohl dazu sagen. Gerade an dem von VonSalza weiter oben eingestellten Beispiel des Abrisses historischer Architektur in Garmisch zeigt sich doch, woran es wirklich krankt: Missachtung des wirklich alten und erhaltenswerten. Stattdessen ergötzt man sich an Hauptsache irgendwie alpenländisch anmutenden, überdekorierten 08/15 Kisten. Seit den 80er Jahren nichts dazugelernt, möchte man sagen. Oder ist das der neue Genius Loci?

  • Die Wieland-Argumentation ist bekannt. Sie verkennt aber völlig die aktuelle Situation und Bedrohungslage.

    Es ist so, als hätte sich einer in der späten DDR darüber echauffiert, dass dort zwei Leutchen Einfamilienhäuser ohne Faschen und Fensterläden errichtet haben, während sich gleichzeitig in Massen die Plattenbausiedlungen in die Landschaft und Altstädte fressen.

    So sieht die Realität in Garmisch aus: https://outdoor-elements.de/se…n-garmisch-partenkirchen/

    Dagegen ist die Aufregung über den Jodler-Stil tertiär.

  • Dagegen ist die Aufregung über den Jodler-Stil tertiär.

    In der Tat. Daher tue ich mich auch etwas schwer, diese Aufregung nachzuvollziehen. Die Wirklichkeit in unseren Städten ist doch längst eine viel dramatischere, als dass wir uns nur um Luxusprobleme wie die von Wieland behandelten kümmern müssten. Gleichwohl hat er vollkommen recht. Wir sind nur in der von ihm kritisierten Entwicklung längst deutlich weiter.


    Seit den 80er Jahren nichts dazugelernt, möchte man sagen.

    Andersrum war die Entwicklung: Bis zu den 80er-Jahren ging es bergauf. 1988 war der Höhepunkt des guten Bauens. Danach ist es massiv bergab gegangen. Oder, um es mit Deinem Bild zu sagen, Marend: Was man bis in die 80er gelernt hat, hat man wieder verlernt. Die Entwicklung ist nicht stehengeblieben, sondern es ist steil nach unten gegangen.

  • Die Termini "Jodelndes Holz" und "Kartoffeln in Grießbrei" (bezieht sicht auf Wandputz mit bauchigen Elementen) entnehme ich vorrangig dem modernistischen Architekturbetrieb in den Hochschulen zum Verächtlichmachen der viele Jahre lang gebräuchlichen Architektur im alpinen Raum, vor allem im Bereich von Beherbergungen ( Hotels und Gastattstätten ). Dass die jüngeren Schachteln und Klötze aus Sichtbeton und Lärchenholz im Sinne der Vorarlberger Schule formal die ungemein schlimmere architektonische Antwort sind, sollte bei der vorgebrachten Kritik dann immer auch betont werden.