Magdeburg - Rekonstruktionsprojekt Prämonstratenserberg

    • Official Post

    Es gibt auch eine neue Visualisierung mit einem zusätzlichen Karree am Ufer hin. In der Realität scheint dort eine Art Garten oder Park zu sein, ist der öffentlich zugänglich?


    Visualisierung: Architekten und Ingenieure Duong+Schrader

    https://www.volksstimme.de/lok…agdeburg-aussehen-3184213

    Ich nehme hierauf noch einmal Bezug. Das zusätzliche Karree am Ufer gehört derzeit zum Vitanas Demenz-Zentrum (weißes Gebäude an der Elbe). Dort befindet sich im Moment ein abgetrennter Garten für die Demenzkranken. Mein letzter Kenntnisstand war, dass der Inhaber der Einrichtung den Garten perspektivisch selbst bebauen wollte. Warum dieses Karree nun in die Gesamtvisualisierung einbezogen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Es wäre natürlich zu begrüßen, wenn man dieses Grundstück gleich passend mitbebaut.


    Und zu der Visualierung noch ein paar Wörter: Bei allen bisher gezeigten Visualisierungen sind die Leitbauten nicht nur als Fassaden dargestellt, sondern als Gesamthaus. Das sollte auch meiner Meinung nach der Anspruch sein, nicht nur die Fassaden zu rekonstruieren, sondern das gesamte Haus in dessen ursprünglichen Proportionen. Ich habe mal beiläufig gehört, dass zumindest das Pieschelsche Haus sowie die Börse auch künstlerisch wertvolle Innenräume gehabt haben sollen (z.B. Börsensaal: https://de.wikipedia.org/wiki/…aal_der_Handelskammer.jpg).

  • Ich denke, man war in MD gegen die Ulrichskirche, da es sich eben um eine Kirche handelte.

    Ich denke, die Entchristlichung ist in MD sehr weit fortgeschritten

    Resurrectus,nur deshalb weil es sich um einen Kirchenbau handelt wurde er von überwiegend von Linken Initiativen und überzeugten Atheiisten der Stadtpolitik durch eine 2011 eigens initierte Unterschriftenkampangne verhindert!.

    Resurrectus ,man muss bedenken MD war 40 Jahre lang eine Sozialistische Bezirkshauptstadt.Das natürlich prägt und hat noch lange Einfluss in den Köpfen der Einwohner(Alteingesessenen).Insbesondere einige Kirchenrekos in Städten der neuen Bundesländer sind dadurch noch nicht so einfach durchzusetzen.

  • da werden wir uns auch als Stadtbild Deutschland e.V. einbringen

    Wenn ich kurz meinen Senf dazugeben darf...


    Es wäre zumindest gut, den ursprünglichen Gassenverlauf wieder herzustellen (und - wenn möglich - die Parzellenstruktur). Auch wäre eine Rekonstruktion eines der dort wirklich ursprünglich stehenden schlichten Häuser wünschenswert, natürlich nur sofern finanziell darstellbar. Einfach, damit ein "museumspädagogischer" Vergleich möglich ist. Mit dem Gassenverlauf hat das Quartier dann zumindest die Qualität einer "kritischen Rekonstruktion" erreicht, die durch einige translozierte rekonstruierte Gebäude aufgefüllt wurde. Ach ja, wie schon angesprochen, die Qualität der Bauausführung ist auch sehr wichtig. Einfach nur Styroporfassaden an Neubauten zu kleben, halte ich für zu minderwertig.

  • Ich würde mich sehr über dieses Viertel freuen. Denkmalpflegerisch und unter heutigen architektonidchen Belangen mag es Mängel aufweisen. Aber: Es bringt vieles Gutes zurück!

    Dem ist nix hinzuzufügen außer einem passenden Stones-Zitat:


    You're not the only one with mixed emotions...

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

    • Official Post

    Wenn ich kurz meinen Senf dazugeben darf...


    Es wäre zumindest gut, den ursprünglichen Gassenverlauf wieder herzustellen (und - wenn möglich - die Parzellenstruktur). Auch wäre eine Rekonstruktion eines der dort wirklich ursprünglich stehenden schlichten Häuser wünschenswert, natürlich nur sofern finanziell darstellbar. Einfach, damit ein "museumspädagogischer" Vergleich möglich ist. Mit dem Gassenverlauf hat das Quartier dann zumindest die Qualität einer "kritischen Rekonstruktion" erreicht, die durch einige translozierte rekonstruierte Gebäude aufgefüllt wurde. Ach ja, wie schon angesprochen, die Qualität der Bauausführung ist auch sehr wichtig. Einfach nur Styroporfassaden an Neubauten zu kleben, halte ich für zu minderwertig.

    Hierzu benötige ich mal ein paar Informationen. Welche Bauausführung und Materialien wurden bei den barocken Dresdner und Potsdamer Rekonstruktionen verwendet? Worauf ist im Konkreten zu achten, um eine qualitätsvolle Bauausführung zu erreichen?

  • ^ Das müssten Dir die Experten aus Dresden und Magdeburg en detail schildern. Wohlgemerkt, ich habe nicht behauptet, dass dort mit Styropor gearbeitet wurde. Es gab wohl qualitative Unterschiede, z.B. ob gemauert oder mit Betonwänden gearbeitet wurde. Die Rampische 29 soll ja recht originalgetreu gearbeitet worden sein.

    Ich bezog mich auf Beispiele z.B. von Restuckierungen aus Berlin oder auch in Frankfurt am Main, wo ich einen aktuellen Fall im Thread zu Sachsenhausen gepostet habe.

  • Zu #149:

    Das Bauwerk mit der Nummer 9 war was gewesen? Die gesamt heutige Freifläche dort wäre ja auch gut zu bebauen.

    Das Bauwerk mit der Nummer 9 müsste das ehemalige Oberpräsidium sein (heute Wasser- und Schifffahrtdirektion):


    heute

  • Die Freifläche ist der Fürstenwall, eine der wenigen erhaltenen historischen Anlagen, nicht zur Hochbebauung geeignet.

  • Ich sehe gerade, das Oberpräsidium war weiter südlich (rechts). Die Fläche um Nr. 9 ist tatsächlich frei und wird künftig hoffentlich wieder bebaut. Gesetzt ist - hoffentlich - die Fürstenwallverlängerung nach Norden.

  • In der Wiki gibt es noch den Plan mit schlechterer Auflösung aber 9 ist die Kommandantur laut Legende.


    Magdeburg_Stadtplan_1900.jpg


    Noch ein weiterer alter Stadtplan

  • Breaking News!


    Der Magdeburger Stadtrat hat heute mit großer Mehrheit einen Grundsatzbeschluss zugunsten einer Bebauung des Prämonstratenserberges gefasst.


    mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/beschluss-stadtrat-bauvorhaben-praemonstratenserberg


    Das Projekt muss nun im Detail ausgearbeitet werden. Es wird noch für erheblichen Diskussionsstoff sorgen. Kritik an den vorliegenden Entwürfen gibt es sowohl von politischer Seite als auch aus der Bevölkerung.


    Kritisiert wird insbesondere der Verlust einer Grünanlage. Hier wird dann auch das Klimaschutzargument zugunsten des Erhalts von Bäumen angeführt. Vor diesem Hintergrund ist der Grundsatzbeschluss zugunsten einer Bebauung schon eine wichtige Weichenstellung - wenngleich viele Fragen noch offen sind.

  • Tja! Na da sehts ihrs ja, wie alle Welt nach Rekos schreit.


    Die Bäume-Büsche-Bänke-Brunnen-Fraktion, die ja auch den Neustädter Markt hier in DD unter Schutz stellen ließ, erfreut sich in MD größter Beliebtheit.

    Ich könnte k...en. Mit diesen Argumenten, wird man in Dresden evtl. auch noch Stadt Rom verhindern

    10 Bäume retten die Welt!

  • Breaking News!


    Kritisiert wird insbesondere der Verlust einer Grünanlage. Hier wird dann auch das Klimaschutzargument zugunsten des Erhalts von Bäumen angeführt. Vor diesem Hintergrund ist der Grundsatzbeschluss zugunsten einer Bebauung schon eine wichtige Weichenstellung - wenngleich viele Fragen noch offen sind.

    Naja,Verlust einer Günanlage.Dieses Argument wurde auch beim Ulrichskirchenprojekt ständig aufgeführt.Und am Ende blieb und bleibt es bei einer Grünanlage.Ob die Bewohner des großen Plattenbaus über eine Bebauung vor ihren Balkons erfreut sind?Die meisten von ihnen werden das Bauprojekt mit Sicherheit ablehnen.Ich denke,auch mit dieser Grünanlage in MD wird mit hoher Warscheinlichkeit gegen die Neubebauung stark Opponiert.

  • Ja, Resurrectus, so ist die Realität. Einige äußerten hier im Forum schon die Vorstellung, alle Grünflächen entlang der Elbe in Magdeburg-Altstadt dicht zu bebauen. Das hielt ich von Anfang an nicht für wünschenswert.


    In der Stadtratssitzung wurde übrigens die Benennung eines Platzes nach dem am 24. Mai 2020 verstorbenen Magdeburger Bildhauer Heinrich Apel beschlossen. Das hat nichts mit dem Prämonstratenserberg zu tun. Ich weiß im Moment noch nicht, wo sich der Heinrich-Apel-Platz befindet. Es zeigt aber, dass die Ausstattung der Altstadt mit Skulpturen der letzten Jahrzehnte als ein prägendes Element der Kultur des städtischen Raumes wahrgenommen wird. Zu dieser Besonderheit Magdeburgs gehört auch der Skulpturenpark rund um das Kloster Unser Lieben Frauen. Einige Foristen wollten dieses Gelände ja schon bebauen. Dazu wird es ganz sicher nicht kommen. Und das ist auch gut so.


    Die Stadtratssitzung könnt ihr euch auf Youtube ansehen. (Die Diskussion zum Prämonstratenserberg beginnt bei 1:23:30.)

  • Leonard Schubert hat das Bauprojekt gestern im MDR vorgestellt. Die Informationen sind hier im Wesentlichen bekannt. Interessant sind einige Bilder mit Schiebereglern für den Bisher-zukünftig-Vergleich.


    mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/neues-bauprojekt-altstadt-magdeburg-geplant


    Außerdem sind folgende Bilder interessant:


    Bild 1 - Luftaufnahme vor der Zerstörung. Oben links das Kloster Unser Lieben Frauen, unten links die Elbe, rot abgegrenzt das zu bebauende Areal.


    Bild 2 - Grundriss des Geländes mit Nutzungsvorschlägen. Die grauen Gebäude sind bereits vorhanden.


    Bild 3 - Entwurf für die Bebauung mit den zur Rekonstruktion vorgesehenen Fassaden. Die historische Abbildung ganz links zeigt das Geburtshaus Otto von Guerickes. Das nur grau angedeutete Karree mit grünem Innenhof ist ein Platzhalter für eine noch nicht konkretisierte Bebauung durch einen Partner der Wobau. Ganz rechts die Johanniskirche. Sehr schön erkennbar sind auf dem Plan die Abstufungen im Gelände.


    Bild 4 - Hier ein Blick in den Entwurf mit einer integrierten Geländestufe. Bei der Mauer soll es sich um einen Teil der Stadtmauer handeln. Der unmittelbare räumliche Kontext passt nicht zu dem barocken Haus, dass dort rekonstruiert werden soll oder könnte. Auf Bild 3 ist es das dritte historische Foto von links.


    Bild 5 - Aktuelle Ansicht des Areals mit der "Wobau-Welle" rechts. Im Hintergrund lugt ein Domturm hervor (Foto: Leonard Schubert, Juli 2021)

  • Wäre das denn wirklich so schlimm?


    Sorry, ich kann mit diesem Reko-Pasticcio vom Prämonstratenserberg einfach rein gar nichts anfangen.


    Da stimmt doch einfach nichts, merkt ihr das nicht?

    Niemals hat man in der Baugeschichte ein solch repräsentatives Gebäude in einer so engen und zudem auch noch abschüssigen Lage errichtet. Nur soviel.

    Wenn ich mir nur diesen MDR-Film mit dieser Visu anschaue. Da passt doch nichts zu nichts und ergibt keinerlei Sinn.

    Das Nicolaiviertel ist Gold dagegen.....

  • Da stimmt doch einfach nichts, merkt ihr das nicht?

    Was soll diese Frage? Die kann man doch immer und überall stellen, auch beim DDner NM.

    Es geht um ein neues Viertel mit historischen Zitaten. Ohne den Anspruch, dass ein solches Viertel jemals existiert hätte.


    Niemals hat man in der Baugeschichte ein solch repräsentatives Gebäude in einer so engen und zudem auch noch abschüssigen Lage errichtet.

    Das ist doch, mit Verlaub, völliger Quatsch. Schau dir doch mal eine wirklich alte Stadt an wie Wien oder Prag oder gar Rom, Florenz, was dort an feudalster Repräsentationsarchitektur in engsten Gassenräumen versammelt ist.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Dazu eine Passage aus diesem Artikel, die meiner Ansicht entspricht: https://www.zeilenabstand.net/…am-praemonstratenserberg/

    Quote

    Meine eigene Einstellung zu dem Vorschlag von Polte ist dagegen ambivalent. Zwar befürworte ich generell Rekonstruktionen, doch geht mir die translozierende Rekonstruktion von historischen Versatzstücken, wie hier am Prämonstratenserberg in Magdeburg vorgeschlagen, einen Schritt zu weit. Gebäude werden damit aus ihrem ehemaligen historischen und städtebaulichen Kontext gerissen und verkommen vollends zur beliebigen Kulisse. Ein solches Vorgehen kann im Vergleich mit Rekonstruktionsprojekten wie der Frankfurter Altstadt qualitativ nicht mithalten. Da ist der von Rekonstruktionsgegnern oft abschätzig verwendete Begriff von „Disneyland“ dann doch nicht mehr so fern, zumal Poltes Entwurf wie eine isolierte Insellösung wirkt, die das Umfeld nicht in ein Gesamtkonzept für die Magdeburger Innenstadt einbezieht. Darüber hinaus wird damit eine Rekonstruktion am ursprünglichen Ort für sehr lange Zeit unmöglich gemacht.

    Doch welche Alternativen stehen der Stadt Magdeburg für die nicht nur in diesem Bereich dringend notwendige Verdichtung und Stadtreparatur zur Verfügung? Ein Wohnquartier mit einer Architektur aus Kuben und Glas, wie sie von dem Architektenbüro Duong & Schrader vorgeschlagen wird, empfinde ich für ein innerstädtisches Areal in unmittelbarer Nachbarschaft zu überregional bedeutenden Traditionsinseln wie dem Kloster Unser Lieben Frauen als deplatziert. Aber solch gesichtslosen Planungsspiele lassen die Ideen von Polte und seinen Mitstreitern dann doch an Attraktivität gewinnen.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland