Magdeburg - Rekonstruktionsprojekt Prämonstratenserberg

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass diese herrlichen Fassaden jemals wieder am ursprünglichen Standort wieder errichtet werden könnten, schätze ich so hoch ein, wie ein Sechser im Lotto. Jetzt sollte unbedingt die Gelegenheit am Schopfe gepackt werden und diese Fassaden als pragmatische Lösung am Prämonstratenserberg erbaut werden. Nur so sehe ich eine reale Chance für die jetzt lebenden Menschen diese Fassaden jemals anschauen zu können. Nur wer auch wagt, kann gewinnen. Mit Zögern und Zaudern und dem Warten auf eine Möglichkeit am ursprünglichen Platz zu bauen, wird das in 100 Jahren nichts werden. Deshalb mit voller Kraft voraus.

  • Was spricht den gegen die Rekonstruktion der einfachen klassizistischen/vorgründerzeitlichen Originalbebauung? Das die Gebäude vielleicht nicht "prunkvoll" genug waren kann/sollte ja nicht das Argument sein?


    Der finanzielle Aufwand dürfte wegen der einfacheren Fassaden zudem um einiges geringer sein.

  • Dass die herausragenden Palais und Bürgerhäuser am Breiten Weg und am Marktplatz entstanden, ist eine direkte Folge der mittelalterlichen Stadtstruktur und der Stadtgeschichte. Sie jetzt einfach alle zu vereinen und an einer Stelle wiederzuerrichten, die ein anderes Gepräge hatte und der stadtgeschichtlich eine andere Bedeutung zukam, ist dann im doppelten Sinne ahistorisch.

    Am Marktplatz stand am Schluss eher wenig, oder? Klarerweise stehen die wichtigsten Bürgerbauten an den Hauptstraßenzügen. Und natürlich wird der translozierte Wiederaufbau bemüht sein müssen, die räumliche Komponente zu berücksichtigen. So was:


    Zeitreise: Breiter Weg 12 | Magdeburg Kompakt


    gehört nicht in ein enges Gässchen. Und natürlich wird so eine Raumwirkung:


    Magdeburger Chronik - der Breite Weg und andere Straßen


    nicht erzielbar sein. Aber gerade auf diesem Bild zeigt sich gerade die historische Zufälligkeit der Fassadenabfolge. Wer Geld hatte, riss sein Haus ab und stellte eine Gründerzeitkasten hin. Dass hier besondere ästhetische Überlegungen eine größere Rolle spielten, kann mir keiner erzählen.

    Mit Geschick und Geschmack sollte eine hübsche Ensemblewirkung kein Problem sein. Das erwähnte Petersstraßenprojekt im Hamburger Gängeviertel war da ungleich problematischer. Wie Manuel geschrieben hat, sind wir wirklich nur ein paar Meter vom Originalstandort entfernt.

    Ich denke, dass es möglich ist, dass wir alle unsere Freude haben werden, und das sollte auch für dich zutreffen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ca.50-60 Meter wurde das Leibnitzhaus in Hannover von seinem einstigen Orginalstandort(Parkhaus) neu aufgebaut.Fällt nicht auf.Mit Gebäudeverschiebungen darf man, wie ich es finde, nicht so streng sehen.

  • Wer Geld hatte, riss sein Haus ab und stellte eine Gründerzeitkasten hin. Dass hier besondere ästhetische Überlegungen eine größere Rolle spielten, kann mir keiner erzählen.

    Mit Geschick und Geschmack sollte eine hübsche Ensemblewirkung kein Problem sein.

    Ich denke, hübsche Fassaden in einem ansprechenden Ensemble sollten wirklich keine große Herausforderung sein. Darum geht es mir aber nicht. Ich habe einen anderen Anspruch an eine Rekonstruktion. Im Vordergrund steht für mich nicht die Ästhetik, sondern die Wiedergewinnung historischer und gewachsener Stadtstrukturen.


    Wenn der kulturell Interessierte oder ein Bürger Magdeburgs sich auf dem Weg vom Dom Richtung Altstadt macht, dann soll er wieder verstehen können, dass dies - der Breite Weg - die wichtigste Achse in der Verbindung der mittelalterlichen Keimzellen der Stadt ist. Bei der genauen Lokalisierung der Gebäude kann und muss man da vielleicht Kompromisse eingehen, indem man Fassaden um einige Meter versetzt. Das tut dem Ziel, der Betonung der Bedeutung der Straße für die Geschichte der Stadt, keinen Abbruch. Dieselben Fassaden in einem engen Viertel wie dem Prämonstratenserberg erzählen aber eine ganz andere Geschichte der Stadt.


    Ich bin daher nicht wirklich überzeugt von der Idee, ein paar hübsche Fassaden zusammenzutragen und neu zu komponieren. Mir ist zwar bewusst, das man dann wahrscheinlich länger auf eine Rekonstruktion warten müsste, aber ich war schon immer der Ansicht, dass Rekonstruktionen mehr sein müssen, als reine Kulisse. Es sollte auch ein tiefergehendes Konzept dahinter stehen, das nicht nur die Ästhetik bedient. Sonst entziehen sich solche Projekte schnell einer Legitimationsgrundlage. Wenn Magdeburg sich aber dennoch für Poltes Konzept am Prämonstratenserberg entscheidet, dann soll es so sein. Ich habe sicher kein persönliches Problem damit. Konstruktive Kritik habe ich dennoch anzumerken.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Die Fassaden an historischer Stelle zu errichten, wäre Lüge . . .

    Zu dieser Behauptung haben sich ja schon einige Forumskollegen geäußert. Ich möchte noch Folgendes ergänzen: Man sollte sich nicht einer Argumentation bedienen, von der man weiß, dass sie falsch ist, nur um die eigene Position als alternativlos erscheinen zu lassen. Ein solches Manöver ist leicht zu durchschauen.


    Ich frage mich langsam, was für weltfremde Puristen hier im Forum rumspringen, die so vollkommen neben der Realität zu sein scheinen und von praktischen städtebaulichen Aspekten und Überlegungen keine Ahnung haben.

    In den letzten Beiträgen wurde auf hohem Niveau das Für und Wider translozierender Rekonstruktionen diskutiert. Eine solche Debatte wird in jedem derartigen Falle geführt. Es ist vollkommen unangebracht, die Mitdisktutanten als "weltfremd" und "ahnungslos" abzuqualifizieren.


    Nur gibt es in Magdeburg fast nichts mehr, das an die historische Stadt erinnert.

    Doch, es sind nur ein paar Meter, der Rekonstruktionsort ist immer noch historisch authentisch, es IST und bleibt die Magdeburger Altstadt.

    Das erweckt den Eindruck, dass du Magdeburg nur vom Hörensagen kennst.


    Wenn eine Stadt so umgestaltet wurde wie Magdeburg -oft genug gegen den Willen der Bewohner- dann wäre es vermessen, Rekos zu verbieten, nur weil sie nicht am Originalstandort stehen. Etwas polemisch könnte man den Kritikern dann ja auch entgegnen: "Wir Magdeburger wollen diese Gebäude zurück. Ihr kritisiert das? Dann schafft Baufreiheit am Breiten Weg oder am Markt, wo sie einst standen. Könnt ihr nicht?! Dann hört auf, uns zu kritisieren."

    Bist du "wir Magdeburger"? Bevormundung durch Wessis ist ein absolutes Reizthema im Osten. Ich staune immer wieder über die mangelnde Sensibilität einiger Westdeutscher. Jeder darf sich gerne in die Debatte einbringen. Und wenn sich "die Magdeburger" sowieso einig sind, dann brauchst du ja keine Angst vor einer offenen Diskussion zu haben.


    Die Wiesen rund die Kirchen könnten mit Reko's oder historisierende Neubauten der ehemalige Altstadt bebaut werden.
    Einige hässlichen DDR-Platten sollen dann weichen für viel die unsäglich viel schönere historische Gebäuden.

    Das sind Pläne, die intern bereits diskutiert werden. Offiziell kann damit kein Stadtrat an die Öffentlichkeit, weil dann die "Rasenflächen-Erhaltungsfraktion" unter den Wutbürgern sofort auf die Barrikaden geht, die der Meinung ist, dass die paar Grashalme, die man erhalten wolle, der Stadt Magdeburg ihr unverwechselbares Flair geben würde

    Du meinst wirklich, die Stadträte wollen alle Grünflächen in der Altstadt beseitigen? Da würde ich aber ein großes dickes Fragezeichen machen. Es ist in einer Debatte nicht hilfreich, Leute, die anderer Meinung sind, vorsorglich als "Wutbürger" abzustempeln. Und gestaltete Grünanlagen flapsig als "ein paar Grashalme" zu bezeichnen, zeugt nicht gerade von Sachkenntnis.


    Ein Projekt wie das Bauvorhaben am Prämonstratenserberg wird nun einmal breit diskutiert. Das zaubert nicht mal eben einer aus dem Hut und dann wird es genau so, weil alternativlos, umgesetzt. Es sind viele Varianten denkbar: Neubauten im historisierenden Stil (vgl. Lübeck, Gründungsviertel), Rekonstruktion historischer Straßenverläufe und einiger Häuser, die tatsächlich dort gestanden haben, und/oder auch translozierende Rekos (wie viele?, welche genau und warum ausgerechnet diese?, an welchem konkreten Standort?).

  • Ich höre immer Rekonstruktionen. Welche konkreten Rekos sind denn dort geplant? Gibt es schon ein publiziertes Leitbautenkonzept?

  • Ich habe einen anderen Anspruch an eine Rekonstruktion. Im Vordergrund steht für mich nicht die Ästhetik, sondern die Wiedergewinnung historischer und gewachsener Stadtstrukturen.

    Was soll man sagen? Diese Ansprüche haben wir wohl alle, und natürlich sind wir froh, dass in DD und Potsdam anders gearbeitet wird! Das MDer Projekt war halt wie ein Blitz aus heiterem Himmel, nach dem Ulrichskirchen- Desaster hat keiner mehr mit was gerechnet. Was bleibt uns mangels jeglicher Alternative, außer uns zu freuen? Und das Argument, dass dadurch eine bessere Lösung nachhaltig verhindert wird, zählt mangels Realitätsbezogenheit überhaupt nichts.

    Ich denke, diese Unterschiede rechtfertigen eine ganz andere innere Einstellung, ohne dass man uns Befürwortern Unseriosität vorwerfen könnte.

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    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Welche konkreten Rekos sind denn dort geplant? Gibt es schon ein publiziertes Leitbautenkonzept?

    Pieschelsches Haus (südlicher Breiter Weg), Alte Börse und Lückesches Haus (beide standen an der Südseite des Marktes). Das sind eigentlich alle, die mir momentan einfallen. Viel mehr wird es nicht werden.

  • Pieschelsches Haus (südlicher Breiter Weg), Alte Börse und Lückesches Haus (beide standen an der Südseite des Marktes). Das sind eigentlich alle, die mir momentan einfallen. Viel mehr wird es nicht werden.

    Zur besseren Übersicht der Leitbauten:


    Pieschelsches Haus (südlicher Breiter Weg)

    13004675065_2211b1e05a_c.jpg



    Alte Börse Mdb

    683px-Magdeburg_Die_Magdeburger_Handelskammer_am_Alten_Markt.jpg


    Lückesches Haus aka Zum güldenen Hammer

    398px-Das_L%C3%BCckesche_Haus_auf_dem_alten_Markt_Schwibbogenecke.jpg

  • Tegula, bitte informiere dich doch erstmal, WAS eigentlich rekonstruiert werden soll. Ich kenne die Reko-Pläne von OB Polte eigentlich ganz gut und kann dir versichern, dass die Gebäude eine ganz exzellente Raumwirkung entfalten werden. Das Foto, was du da postest, zeigt jedenfalls kein einziges Haus, das zum Wiederaufbau vorgesehen wäre.

    Was für ein Foto? Ich habe überhaupt gar kein Foto gepostet. Wovon redest du eigentlich? Zitiert hast du mich übrigens auch nicht, sondern einen anderen Foristen. Kann es sein, dass du da etwas durcheinander gebracht hast?

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  • Hm. Das bin schon ich gewesen.

    Aber was ist davon zu halten?


    Tegula, bitte informiere dich doch erstmal, WAS eigentlich rekonstruiert werden soll. ...

    Das Foto, was du da postest, zeigt jedenfalls kein einziges Haus, das zum Wiederaufbau vorgesehen wäre.

    Lassen wir uns das gefallen, Tegula, oder ist da nicht mehr falsch als die bloße, letztlich unmaßgebliche Anrede? Du hast es ja sogar angedeutet:

    Kann es sein, dass du da etwas durcheinander gebracht hast?


    Was für ein Haus zeigt denn unser erstes Bild, wenngleich in einem wahrscheinlich nicht reko-relevanten Letztzustand? Wir mögen zwar nicht außerordentlich gut informiert sein, vermögen dieses Manko jedoch durch unseren bärenstarken Instinkt wettzumachen.

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  • Was für ein Haus zeigt denn unser erstes Bild, wenngleich in einem wahrscheinlich nicht reko-relevanten Letztzustand? Wir mögen zwar nicht außerordentlich gut informiert sein, vermögen dieses Manko jedoch durch unseren bärenstarken Instinkt wettzumachen.

    Das einzige von dir, ursus carpaticus, gepostete Foto zeigt den Mittelabschnitt des Breiten Wegs, Blickrichtung Südwesten. Da ist keine einzige Fassade, die jetzt wiederaufgebaut werden soll. Keine Ortskenntnis, keine gute Information, kein bärenstarker Instinkt.

  • Was für ein Foto? Ich habe überhaupt gar kein Foto gepostet.

    Stimmt, habe ich durcheinandergebracht, mea culpa. Trotzdem gilt: Erstmal informieren, was an welcher Stelle wiederaufgebaut werden soll. Die Herrschaften, die die Idee initiierten, haben sich da sehr wohl was dabei gedacht. Das sollte man erstmal eroieren und sich zu Gemüte führen und den Ort genau kennen, ehe man zur Feder greift, um seine Meinung über die Verwerflichkeit translozierter Fassaden kundzutun. Denn die Situation ist in Magdeburg eben eine Besondere und kann nicht mit pauschalen, aber m.E. sehr einseitig betrachteten Gegenargumenten betrachtet werden.

  • Manuel Re Bevor man zur Tastatur greift, sollte man gewisse Fertigkeiten mit der digitalen Welt besitzen und genau lesen, was man kritisiert. ursus carpaticus hat nicht ein, sondern zwei Bilder gepostet, und das erste zeigt das Pieschelsche Haus, das im Plan für die Bebauung des Prämonstratenserbergs nach Deiner Aussage zur Rekonstruktion vorgesehen ist.


    Mir scheint, Du bist mit der Idee einer transferierten Rekonstruktion offensichtlich schon sehr "verheiratet" und akzeptierst jetzt einfach keine Kritik mehr, weil Deiner Meinung nach schon alle Argumente ausgetauscht seien und die Überlegenheit der Pläne doch offensichtlich ist. Das mag für Dich und gewisse Kreise in Magdeburg gelten, aber in der breiten Öffentlichkeit wurden die Pläne noch nicht besprochen, und Deine Argumente sind nun mal nicht so glasklar, wie Du das gerne hättest. Sorry, I am not convinced (um einen deutschen Außenminister zu zitieren)...

    Dabei kann ich Deine Argumentation durchaus nachvollziehen, werte aber die besondere Situation Magdeburgs nicht als so außergewöhnlich, dass sie die guten Argumente gegen eine translozierte Rekonstruktion schlagen würden.

    Wenn wir nun wieder zu einem Diskussionsstil zurückkehren könnten, in dem nicht einer dem anderen den Sachverstand rundheraus abspricht, wäre das wohl allgemein begrüßenswert.

  • Danke Urpotsdamer. Sonst hätte die Verwirrung noch auf mich übergegriffen. Ich hab die Bilder nur zwecks Veranschaulichung meines argumentativen Austausches mit Tegula hinsichtlich Stadträume eingestellt, dh ohne Anspruch auf Relevanz für das konkrete Rekoprojekt. Daher passt der Vorwurf, etwas zu posten dh zu behaupten, ohne mich nicht informiert zu haben, mE nicht so recht. Ich will mich auch nicht damit rühmen, sogleich erkannt zu haben, dass ich sogar das richtige Haus erwischt habe, also dass die von Unify und mir ersteingestellten Bilder das nämliche Objekt zeigen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, welcher Zustand kommen wird. Natürlich sollte die Wahl auf die Wohlproportioniertheit des früheren Zustands fallen, obwohl mich der Letztzustand, der mehr in Richtung österr./Prager Palais zu gehen scheint, prima Vista sogar noch mehr beeindruckt hat. Jedenfalls ein typisches Beispiel für ein Objekt, dessen Bedeutung "es für sich selbst stehen lässt" und somit jegliche Bedenken gegen eine Translozierung beiseite wischt. Es fehlt schmerzlich in der Landkarte großer dt. Bürgerbauten des Barocks.

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    14. Buch 9. Kapitel
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  • Stimmt, habe ich durcheinandergebracht, mea culpa. Trotzdem gilt: Erstmal informieren, was an welcher Stelle wiederaufgebaut werden soll. Die Herrschaften, die die Idee initiierten, haben sich da sehr wohl was dabei gedacht. Das sollte man erstmal eroieren und sich zu Gemüte führen und den Ort genau kennen, ehe man zur Feder greift, um seine Meinung über die Verwerflichkeit translozierter Fassaden kundzutun. Denn die Situation ist in Magdeburg eben eine Besondere und kann nicht mit pauschalen, aber m.E. sehr einseitig betrachteten Gegenargumenten betrachtet werden.

    Richtet sich der Vorwurf nun gegen mich und meinen Blogbeitrag oder was möchtest du damit ausdrücken? Es ist nun nicht mein erster Artikel zu Rekonstruktionsprojekten und ich recherchiere dabei immer sehr gewissenhaft. Wie du sicher bemerkt hast, habe ich dabei alle öffentlich zur Verfügung stehenden Entwürfe vorgestellt und besprochen. Ich habe auch alle öffentlichen Einlassungen von Belang, die im Netz dazu zu finden sind, gelesen Ich kenne auch die bauliche und historische Situation vor Ort. Den Vorwurf schlechter Informierheit lasse ich also so pauschal nicht gelten. Da müsstest du mir schon konkret sagen, was ich falsch dargestellt haben soll.


    Und nach Bewertung aller Quellen komme ich nun mal zu einem anderen Schluss, wie übrigens viele andere Mitschreiber, die sich hier sachlich einbringend geäußert haben, ebenfalls. Ich kann aber sehr wohl damit leben, wenn sich die Stadt für das Projekt von Polte entscheidet. Ich finde daher solche Einlassungen vollkommen unangebracht:


    Ich frage mich langsam, was für weltfremde Puristen hier im Forum rumspringen, die so vollkommen neben der Realität zu sein scheinen und von praktischen städtebaulichen Aspekten und Überlegungen keine Ahnung haben.

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    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Magdeburgs zentrale Gebiete, wo fast nichts mehr an alter Bausubstanz steht, bieten die Gelegenheit, kreativ mit dem Konzept der Rekonstruktion umzugehen. "Neue Altbauten" müssen nämlich nicht immer genau dort entstehen, wo der Vorgängerbau stand. Schließlich geht es in erster Linie darum, unsere Städte wieder schöner zu machen. In Magdeburg ist diese Aufgabe so gewaltig, dass das Projekt eines neuhistorischen Stadtkerns eine gute Nachricht ist, egal ob die Häuser nicht genau am ursprünglichen Standort entstehen. Wichtig ist allerdings, möglichst große "neu-historische" Ensembles zu bauen, damit die Rekonstruktionen nicht die allzu große Nähe der Scheußlichkeiten, die Magdeburgs Zentrums heute ausmachen, erleiden müssen. Schon jetzt sollte die Aufgabe darin bestehen, in diesem zentralen Gebiet Bausünden, wie die vom Prämonstratenserkloster geplante (https://www.kloster-magdeburg.…nt_content.php?idcat=2215) unmöglich zu machen, und mittelfristig eine neu-historische, architektonisch anspruchsvolle Schneise (nach den Vorgaben des Instituts für Stadtbaukunst) vom Hasselbachplatz bis zu St. Petri über Dom und Domplatz zu ermöglichen.