Magdeburg - Rekonstruktionsprojekt Prämonstratenserberg

  • Das bild geht doch noch an... DDR Städtebau halt. Hier wohnen wenigstens viele Menschen.

    Richtig arg und zum Haareraufen ist hingegen das:


    Blick vom Turm der Johanniskirche zum Allee-Center an der Ernst-Reuter-Allee, dahinter links der langgestreckte Plattenbau und ganz am Rand die Klosterkirche. In der Ferne die Grüne Zitadelle (in Rosa mit goldenen Kugeln) und die beiden Türme der katholischen Kathedrale St. Sebastian

    (Foto: Stefan Flöper, 18. Februar 2014, CC-BY-SA-4.0)

    Da kann man sich wirklich verschiedenes fragen...

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Wie kann ein normal denkender Mensch nur auf die Idee kommen, so etwas mitten in eine Stadt zu klotzen?

    In der DDR gab es eben nicht nur normal denkende Menschen. :D Wie in jeder Epoche.

  • Philon

    Bestimmst du jetzt, wer normal denken kann?


    Es wurden Wohnungen in einer schwer zerstörten Stadt gebraucht und man hat Wohnungen gebaut. Diese durften nicht allzu viel kosten. So schlecht sind die Häuser in dem Quartier auch gar nicht. Sie sind zudem saniert. Es sind auch nur zwei große Blöcke in der gleichen Bauart. Dahinter kommen dann ältere Modelle, sozialistischer Klassizismus im Bereich Ernst-Reuter-Allee. In westliche Richtung hat man dann auch unterschiedliche Bautypen. Die Neugestaltung der Fassade des langgestreckten Plattenbaus zur Elbe hin, die ich gelobt hatte, zeigt, dass ästhetische Verbesserungen im Bestand möglich sind. Auf den Fotos ist das nicht so gut zu erkennen.


    Mir gefällt das Allee-Center nicht besser als die Wohnhäuser. Aber ich vermute mal, dass es von normal denkenden Menschen errichtet wurde. Es stört zusammen mit dem anderen Shopping-Center am Hauptbahnhof massiv das Gefüge der Altstadt. Diese Großstrukturen behindern die Ausbildung attraktiver Straßenräume mit Einzelhandel und Gastronomie.

  • Die Wiesen rund die Kirchen könnten mit Reko's oder historisierende Neubauten der ehemalige Altstadt bebaut werden.
    Einige hässlichen DDR-Platten sollen dann weichen für viel die unsäglich viel schönere historische Gebäuden.

  • Die Wiesen rund die Kirchen könnten mit Reko's oder historisierende Neubauten der ehemalige Altstadt bebaut werden.
    Einige hässlichen DDR-Platten sollen dann weichen für viel die unsäglich viel schönere historische Gebäuden.

    Das sind Pläne, die intern bereits diskutiert werden. Offiziell kann damit kein Stadtrat an die Öffentlichkeit, weil dann die "Rasenflächen-Erhaltungsfraktion" unter den Wutbürgern sofort auf die Barrikaden geht, die der Meinung ist, dass die paar Grashalme, die man erhalten wolle, der Stadt Magdeburg ihr unverwechselbares Flair geben würden :D

  • Der Gesmack der Wutbürger sollte sich doch änderen. Grashalmen und Plattenbunker lieben die mehr dann eine richtige Altstadt??Die sogennnte "Wutbürger" sind wahrscheinlich nicht bekannt mit dem Flair, Urbanität und Schönheit des alten vorkriegs Magdeburg. Einer der ehemalig 7 schönsten Städten Deutschlands mit wunderbaren Lage und Blick am Elbe, genau wie Dresden.

    Die Behörden könnten Lebensgrosse Bilder der ehemalige Altstadt aufhängen um die Wutbürger zu überzeugen.

  • Die Behörden könnten Lebensgrosse Bilder der ehemalige Altstadt aufhängen um die Wutbürger zu überzeugen.

    Könnten sie. Aber deutsche Kommunalbehörden in schwer kriegsgebeutelten Städten sind leider meist wenig willig, die verlorene Pracht vor Augen zu führen, aus Angst, sie könnten damit rekonstruktivistische Begehrlichkeiten wecken.

  • Das Duisburger Projekt Mercator-Quartier könnte ein Beispiel für dieses, vom Alt-OB Willi Polte vorgeschlagenes Magdeburger Projekt sein. In Duisburg wird, mitten in der ehemaligen Altstadt, ein kleines Viertel kleinteilig und teils in traditionellen Formen wiederaufgebaut. Verankert wird das Projekt dort mit der Rekonstruktion des Mercator-Hauses am Originalstandort, auf den wiedergefundenen Grundmauern. Das Magdeburger Projekt am Prämonstratenserberg könnte mit der Rekonstruktion des Fachwerkhauses aus der Kreuzgangstraße verankert werden, das ja ganz in der Nähe stand, dessen Standort aber heute besetzt ist. Weitere Rekonstruktionen in Magdeburg können besser am oder nahe an dem Originalstandort errichtet werden. Die Ulrichskirche und die Petrikirche sowieso auf den alten Grundmauern, andere heiße Kandidaten wie die Nathusius'schen Häuser und das Pieselsche Haus am Breiten Weg, und die Alte Börse am Alten Markt oder dort in der Nähe. Es gibt ja dort auch überall Abrißkandidaten und grüne Wiese in Magdeburg.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Das Duisburger Projekt Mercator-Quartier könnte ein Beispiel für dieses, vom Alt-OB Willi Polte vorgeschlagenes Magdeburger Projekt sein. In Duisburg wird, mitten in der ehemaligen Altstadt, ein kleines Viertel kleinteilig und teils in traditionellen Formen wiederaufgebaut.

    Ich kenne die Planungen zum Mercatorviertel selber ganz gut und durfte bei einer Infoveranstaltung auch einzelne Leute kennenlernen, die daran teilnahmen. Nein danke, das Mercatorviertel ist definitiv kein Beispielgeber, es ist nicht ambitioniert genug. Zitat eines Verantwortlichen in einer anschließenden privaten Diskussion: "Das Mercatorhaus ist ein Zugeständnis an die Bürgerschaft, es bleibt im Viertel noch genug Platz für moderne Architektur." Na dann.

  • Ich bin etwas überrascht, dass der folgende Artikel von Dr. Karl-Heinz Reps, dem Leiter der Interessengemeinschaft Denkmalpflege im Kultur- und Heimatverein Magdeburg hier noch nicht verlinkt ist: https://www.kompakt.media/das-…erges-wieder-auferstehen/


    Das Projekt scheint mir so spannend zu sein, dass ich mich der Thematik vielleicht in einem eigenen Blogbeitrag nähern werde.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Das Projekt scheint mir so spannend zu sein, dass ich mich der Thematik vielleicht in einem eigenen Blogbeitrag nähern werde.

    Der ist nun online: https://www.zeilenabstand.net/…am-praemonstratenserberg/


    Ich zitiere mich daraus ausschnittsweise und ergänze:


    Zwar befürworte ich generell Rekonstruktionen, doch geht mir die rekonstruierende Translozierung von historischen Versatzstücken, wie hier am Prämonstratenserberg im Magdeburg vorgeschlagen, einen Schritt zu weit. Gebäude werden damit aus ihrem ehemaligen historischen und städtebaulichen Kontext gerissen und verkommen vollends zur beliebigen Kulisse. Originaltreue kann meiner Ansicht nach nicht erzielt werden, wenn Fassaden beliebig aus ihrem Kontext gerissen werden und an Baukörpern an anderen Orten frei zu einem neuen, historisch nie belegten Ensemble kombiniert werden.


    Da ist der von Rekonstruktionsgegnern oft abschätzig verwendete Begriff von „Disneyland“ dann doch nicht mehr so fern, zumal Poltes Entwurf wie eine isolierte Insellösung wirkt, die das Umfeld nicht in ein Gesamtkonzept für die Magdeburger Innenstadt einbezieht. Darüber hinaus wird damit eine Rekonstruktion am ursprünglichen Ort für sehr lange Zeit unmöglich gemacht. Ich sehe das Projekt daher durchaus kritisch.

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    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Ich bin absolut für dieses Projekt.

    Am Ende wird das erfolgreicher sein als alle anderen stadt Bauprojekt da es die Menschen dort hin zieht wo es schön ist. Und bis vor 90 jahren hat man sich diesbezüglich massive Mühe gegeben.

    Am Ende ist es egal wo die Häuser gestanden haben. Das kann man mit Erklärtafeln den Kontexfetischisten erläutern. Die Kunstaustellungen von heute sind auch nur kontextloser Quatsch bzw. werden erst nach 77 Semestern Kunstgeschichte schön. Ich war erst in der still alive Ausstellung im albertinum in dresden. Das ist echt zu 95 Prozent belangloser Schrott. Und Schrott ist hier wörtlich zu nehmen. Aber mal wieder ein schönes geschlossenes Ensemble ohne störende oder verstörende Moderne wäre echt ein Gewinn fürs gesamte Land.

    Schöne Städte werden letztlich auch glückliche Städte sein.

  • Zunächst einmal bin ich kein Kontextfetischist! Kunsthistoriker und Historiker machen sich nun mal Gedanken darüber, unter welchen Kriterien und Bedingungen historische Ensembles ein Stück weit wiedergewonnen werden können. Da ist der Locus selbstredend ein wichtiger Aspekt, der ein solches Projekt zwischen Gelingen und lediglich "gut gemeint" pendeln lassen kann. Es kann wirklich nicht erstrebenswert sein, einfach ein paar hübsche Fassaden zusammenzutragen und an beliebiger Stelle zu errichten. Identität hat immer auch mit Erinnerung an Gewohntes zu tun. Daher muss über das Was auch über da Wo geredet werden. Ergebnisoffen.


    Im Übrigen habe ich Stadtbild Deutschland und das Forum immer als kulturfördernd und kulturaffin verstanden. Wenn man sich allerdings hinstellt und zeitgenössische Kunstausstellungen generell als Quatsch und Schrott bezeichnet, hat man sich in dieser Hinsicht selbst disqualifiziert. Aber ich kann dich beruhigen: Selbst mit einem Doktortitel in Kunstgeschichte, auch wenn es nicht die von dir angeführten 77 Semester waren, habe ich wenig Zugang zur zeitgenössischer Kunst gefunden. Das ist aber vollkommen ok, solange ich nicht jede Kunst, die ich nicht verstehe, abwerte. Ich würde mir hier so manches Mal wünschen, dass dieses Prinzip der Wertschätzung von Kunst und Kultur nicht immer wieder betont werden müsste.

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  • Es kann wirklich nicht erstrebenswert sein, einfach ein paar hübsche Fassaden zusammenzutragen und an beliebiger Stelle zu errichten. Identität hat immer auch mit Erinnerung an Gewohntes zu tun.

    Nur gibt es in Magdeburg fast nichts mehr, das an die historische Stadt erinnert. Im Gegenteil: Die Fassaden an historischer Stelle zu errichten, wäre Lüge und würde deren Nichtzerstörung vorgaukeln. Sie an nicht historischer Stelle zu errichten, ist dagegen viel ehrlicher und wird für immer den Bruch verdeutlichen, den diese Stadt erlebte.

  • Die Frage, tegula, ist ua auch, inwieweit der alte historische Kontext in irgendeiner Form zwingend gewesen ist, dh inwieweit die Frage, welche Fassade genau wo gestanden ist, nicht doch auf bloßem Zufall beruhte. Letztlich sind Fassaden Kunstwerke für sich und als solche zu beurteilen. Ob mehrere Fassaden zueinanderpassen, ist doch mehr eine Frage von ästhetischen als historischen Überlegungen. Nicht zuletzt hat man oft rückwirkend eingegriffen.

    Ein anderer Aspekt könnte darin liegen, dass das collageartige Durcheinanderwürfeln sehr wohl ein Aspekt der modernen Kunst ist, dass also dieses Projekt sehr wohl zeitgemäßer ist, als man "Konservativer" wahrhaben will.

    Im übrigen halte ich es für nicht sehr wichtig, dass dieses Projekt allen und jedem gefällt- für den, der es nicht mag, ist "Magdeburg" weder verloren noch auch nur besonders beeinträchtigt - die Innenstadt ist groß und dieser Flecken alles andere als zentral. Hundertwasser-Gegner haben es in MD da sicher schwerer, ganz zu schweigen von Verächtern des traditionell-stalinistischen Sozialismus. Was in MD tatsächlich großflächig entstehen könnte, ist eine bunte Mischung aus äußerst heterogenen, wenn auch, nicht zuletzt, das ist zwischen uns sicher ein gemeinsamer Nenner, etwas fragwürdigen Elementen, was im Ganzen doch eine gewisse Aufwertung und Chance bedeutet.


    Da ist der von Rekonstruktionsgegnern oft abschätzig verwendete Begriff von „Disneyland“ dann doch nicht mehr so fern, zumal Poltes Entwurf wie eine isolierte Insellösung wirkt, die das Umfeld nicht in ein Gesamtkonzept für die Magdeburger Innenstadt einbezieht.

    Warum "Insellösungen" nicht auch als Chance begreifen? Geht es in MD überhaupt anders? Ist dort nicht alles "Insel"?

    Und ist nicht eine Insel besser als "keine Insel", sondern ausschließliches "Meer"? Sind Altstädte im heutigen Stadtorganismus nicht schon längst "Inseln" geworden? Was wollen wir eigentlich?

    Dazu sollten wir den gegen uns verwandten Kampfbegriff "Disney" dahingehend überdenken, dass wir nicht drauf hereinfallen. An "Disney" kann nicht das Prinzip, eine kleine Wohlfühlinsel zu schaffen, als verwerflich kritisiert werden, sondern eine oberflächliche, leicht zu sättigende, rein kommerziell orientierte, billige, banale etc. Vergnügungssucht bzw ein solches breitflächig aufgezogenes Angebot. Das passt für Projekte wie diese überhaupt nicht. Wenn etwas Disney ist, dann Hundertwasser - eine Banalisierung des ökolog. Städtebaus bzw der Sehnsucht nach "Buntheit", "Althergebrachtem". Niemals aber primär kulturell orientiertes Projekt wie dieses, sollte es auch, was ja dzt nicht auszuschließen ist, künstlerisch ästhetisch kulturhistorisch letztlich scheitern.

    Nicht zuletzt: es wurden schon oft derartige translozierte Projekte - alles "Inseln" - aufgelistet, und sie finden, man kann fast schon sagen, allgemeine Zustimmung. Hamburger Gängeviertel, Berliner Nikolaiviertel, Hannover Leibnizhaus etc... Was ist hier so viel anders?


    Was für mich am wichtigsten erscheint: der Haustyp eines spezifisch MDer Barocks mit äußerst hochgeschossenen Volutengiebel und üppigem Schmuck, wie er sich am Breiten Weg präsentierte, ist derzeit nicht mehr vorhanden. Und das ist doch sehr schade und sollte geändert werden. Da dies in situ kaum wirtschaftlich/sozial/politisch/praktisch kaum möglich oder vielleicht sogar kaum sinnvoll ist, erscheint dies doch als einzig gangbarer Weg.


    Die Fassaden an historischer Stelle zu errichten, wäre Lüge und würde deren Nichtzerstörung vorgaukeln.

    Na ja, hier fällt einem fast das Christus-Wort an Petrus: Weiche Satan! ein. So sollten wir doch eher nicht argumentieren, oder? Das hieße, sein eigenes Grab zu schaufeln. Es ist klar, dass der Reko am historischen Ort der unbedingte Vorzug zu geben wäre. Man kann auch sagen, die Verleugnung des Vorzustandes mittels völligem Neuaufbau wäre Lüge und Verleugnung und Täuschung. Die einzig wahrhafte Stadt wäre demnach Pompei...


    Selbst mit einem Doktortitel in Kunstgeschichte, auch wenn es nicht die von dir angeführten 77 Semester waren, habe ich wenig Zugang zur zeitgenössischer Kunst gefunden. Das ist aber vollkommen ok, solange ich nicht jede Kunst, die ich nicht verstehe, abwerte. Ich würde mir hier so manches Mal wünschen, dass dieses Prinzip der Wertschätzung von Kunst und Kultur nicht immer wieder betont werden müsste.

    Das Problem erscheint mir eher, dass "Kunst" in den modernen Städtebau, geschweige denn in den Nachkriegswiederaufbau, in viel zu geringem und beschränktem Maße Einzug gehalten hat. Mir will es vorkommen, dass die Bauhausästhetik lediglich zur Kaschierung von ökonom. Erfordernissen seinerzeit herhalten musste. Ganz sicher sind künstlerisch einigermaßen gelungene moderne Bauwerke in historischem Bezug nicht das eigentliche Problem, mit dem wir konfrontiert sind. Wobei wir wohl einer Meinung sind, dass das heutige Pellerhaus damit eindeutig nicht gemeint sein kann.


    Identität hat immer auch mit Erinnerung an Gewohntes zu tun.

    Das ist in der Tat ein Problem, aber das können wir nicht lösen. Wir könnten nur davor kapitulieren, und das wäre auch nicht gut. Eine neue Generation wird mit diesem Viertel aufwachsen und ganz es als ganz selbstverständlich hinnehmen. Dadurch wird ein Stück Alt-MD sozusagen wieder "historisch präsent". Für uns selber ist das natürlich zu spät.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Aktive überwiegend auswärtige Rekobefürworter müssen jetzt herausfinden,ob Rekos bei der Stadt und seinen Bürgern überhaupt erwünscht sind, wenn nicht ,sollte man auf weitere Bemühungen verzichten.(aufdrengeln will man ja nichts)

    Erinnerung, die Ablehnung der Ulrichskirche eine von der Stadt und Linke Initiierte erfolgreiche Unterschriftenaktion kontra Ulrichskirche.Daran sieht man schon wie die Grundeinstellung in der Stadt und Bürger zu Rekos ist.Lieber sich für Rekos in solchen Städten arrangieren wo die Stadtverantwortlichen und Bürger ihnen Aufgschlossen gegenüber stehen.

  • (...) Die Fassaden an historischer Stelle zu errichten, wäre Lüge und würde deren Nichtzerstörung vorgaukeln. (...)

    Das ist ja hoffentlich nicht ganz ernst gemeint. :wink:


    So würde sich fast jede Rekonstruktion verbieten. Außerdem stänkern die Gegner der Bornplatzsynagoge in Hamburg mit exakt diesem Argument gegen die Rekonstruktion.

  • Die Fassaden an historischer Stelle zu errichten, wäre Lüge und würde deren Nichtzerstörung vorgaukeln.

    Das ist eine Argumentation, die so immer wieder von Rekonstruktionsgegnern hervorgebracht wird. Sie nun selbst zu gebrauchen, ist nicht nur hochproblematisch und könnte als bigott aufgefasst werden, es würde auch jedes andere Rekonstruktionsprojekt unterwandern und zunichte machen. Wenn Stadtbild Deutschland sich einer solchen Argumentation bedienen sollte, würde es seine Ziele über lange Zeit gefährden. Denn die Rekonstruktion in situ ist ja die Regel, nicht die Ausnahme. Ich kann daher nur davor warnen, auf diese Weise in der Öffentlichkeit zu argumentieren. Das könnte bei jedem anderen Rekonstruktionsprojekt gegen die Position von Rekonstruktionsbefürwortern verwendet werden - und das dann sogar schlüssig.


    Die Frage, tegula, ist ua auch, inwieweit der alte historische Kontext in irgendeiner Form zwingend gewesen ist, dh inwieweit die Frage, welche Fassade genau wo gestanden ist, nicht doch auf bloßem Zufall beruhte. Letztlich sind Fassaden Kunstwerke für sich und als solche zu beurteilen. Ob mehrere Fassaden zueinanderpassen, ist doch mehr eine Frage von ästhetischen als historischen Überlegungen.

    Nein, das ist eben kein Zufall. Dass die herausragenden Palais und Bürgerhäuser am Breiten Weg und am Marktplatz entstanden, ist eine direkte Folge der mittelalterlichen Stadtstruktur und der Stadtgeschichte. Sie jetzt einfach alle zu vereinen und an einer Stelle wiederzuerrichten, die ein anderes Gepräge hatte und der stadtgeschichtlich eine andere Bedeutung zukam, ist dann im doppelten Sinne ahistorisch.

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    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Die Fassaden an historischer Stelle zu errichten, wäre Lüge und würde deren Nichtzerstörung vorgaukeln. Sie an nicht historischer Stelle zu errichten, ist dagegen viel ehrlicher und wird für immer den Bruch verdeutlichen, den diese Stadt erlebte.

    Wie meine Vorredner sagen, das ist exakt die Argumentation, die Rekonstruktionsgegner immer wieder vorbringen. Mit der Ausnahme, dass ihnen als Alternative kein Hessenpark bzw. Bauernhauspark, also ein Ensemble aus zusammengesuchten Häusern, einfällt. Also, auf dieses Framing von "Lüge" und (nötigem) "Bruch" sollte man sich als Rekonstruktionsfreund besser nicht einlassen.

    Das hieße, sein eigenes Grab zu schaufeln. Es ist klar, dass der Reko am historischen Ort der unbedingte Vorzug zu geben wäre.

    Exakt.

    der Haustyp eines spezifisch MDer Barocks mit äußerst hochgeschossenen Volutengiebel und üppigem Schmuck, wie er sich am Breiten Weg präsentierte, ist derzeit nicht mehr vorhanden.

    Es gibt einen Rest: https://www.flickr.com/photos/wolf-rabe/39407499010


    Grundsätzlich aber stehe ich dem Projekt mit einer gewissen inneren Distanz, aber dennoch eher wohlwollend gegenüber, da es offenbar keine andere Möglichkeit der Rekonstruktion bekannter Magdeburger Häuser am Originalort gibt. Insofern wäre dies eine Ausnahme und besser als der völlige Verzicht auf Rekonstruktionen in Magdeburg.


    Aktive überwiegend auswärtige Rekobefürworter müssen jetzt herausfinden,ob Rekos bei der Stadt und seinen Bürgern überhaupt erwünscht sind, wenn nicht ,sollte man auf weitere Bemühungen verzichten.(aufdrengeln will man ja nichts)

    Schlägst Du eine solche Volksbefragung auch bei jedem modernen Neubaublock vor, der in Magdeburg errichtet wird? Denn wenn, dann sollte ja eine solche Sonderregel nicht nur den Bau der einzigen schönen und ortsspezifischen Häuser verzögern und verhindern, sondern bitteschön den Bau aller anderen Gebäude ebenso.


    Es gäbe viel zu tun. Du könntest gleich loslegen, zu einigen Bauprojekten, ein Bürgerbegehren zu starten: Z.B. Hier, hier, hier, hier... (aufdrängeln soll man ja nichts)

  • Ich empfehle in diesem Zusammenhang mal einen Blick nach Hamburg:


    Peterstraße Hamburg - Bilder, Informationen - hamburg.de


    Hier wurden ab 1966 in der Neustadt Wohnhäuser des gehobenen Bürgertums aus der Altstadt "rekonstruiert". Das Viertel war ursprünglich von engen Gassen mit einfacher Fachwerkbebauung geprägt. Nun steht hier eine zwar schön anzusehende Straße des gehobenen Bürgertums die es in dieser Form nie gegeben hat. In "coronafreien Zeiten" halten hier die Touristenbusse kurz, ansonsten ist die Straße recht abgeschnitten und wirkt wie ein Fremdkörper.


    Es geht ja nicht darum ob ein Haus mal ein paar Meter versetzt rekonstruiert wird (Ephraim-Palais etc.), was ich wirklich nicht für allzu problematisch halte, aber in dieser Form.... Zudem nimmt man sich die Chance für eine spätere Rekonstruktion am Originalstandort, sollte die Baufläche einmal wieder frei sein.