Magdeburg - Rekonstruktionsprojekt Prämonstratenserberg

  • Ich kenne leider nicht den aktuellen Stand der Planungen, aber wenn keine Rekonstruktionen am ehemaligen Standort geplant sein sollten, ist das leider nicht historisch. Ob man von einer Altstadt sprechen kann, wird dann wohl die Zeit zeigen. Kleinteilige Bebauung mit historischer Anlehnung oder Rekonstruktionen wären daher für mich absolut notwendig. Und die Anbindung an den Rest der Magdeburger Innenstadt, damit hier keine Insellage entsteht!

    Es wäre hilfreich, wenn du dich mit einer Stellungnahme als Kunsthistoriker in unserem Sinne an dem Prozess beteiligen würdest. Wobei ich dich bitten würde, die Frage der translozierten Rekonstruktionen, die da seit einiger Zeit im Gespräch sind, wohlwollend zu betrachten.

  • Ich hatte mich ja bereits in einem Artikel ausführlich zu einem frühen Planungsstand des Projekts geäußert. Meine Einstellung zu translozierten Rekonstruktionen hat sich seitdem nicht geändert. Ich befürchte daher, dass ich in dieser Hinsicht keine große Hilfe sein kann. Ich bin grundsätzlich dagegen, historische Situationen derart zu verfremden oder neu zu erfinden, dass sie alte Strukturen komplett überformen.

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  • Wichtig ist jetzt erstmal eine rege Teilnahme an der Bürgerumfrage: Notwendig ist grundsätzlich, daß z. Bsp. die historischen Straßenverläufe zurückkommen, Kleinteiligkeit + historische Dachformen entstehen undsoweiter.
    Es gibt genug Leute, die die an die Historie angelehnte Bebauung ganz verhindern möchten und sich dementsprechend organisieren und versuchen zu mobilisieren.

    Ob translozierte Rekonstruktionen oder nicht kann man zwar ruhig aktuell schon diskutieren, aber erstmal sollte man das Projekt in die richtige Richtung bringen.

    Das hier ist übrigens besonders interessant:
    https://otto-beteiligt.de/uploads/fcfd9a…che_Analyse.pdf

    Hauptsache erstmal fleißig mitmachen:
    https://otto-beteiligt.de/de-DE/folders/beteiligen

  • Ich bin grundsätzlich dagegen, historische Situationen derart zu verfremden oder neu zu erfinden, dass sie alte Strukturen komplett überformen.

    Diese Position kann ich gut verstehen und respektiere ich auch. Aber vielleicht kannst du dich als Kunsthistoriker ja trotzdem für eine strenge und in unserem Sinne angelegte Gestaltungssatzung aussprechen, die den Weg in einen Prozess wie beim Lübecker Gründungsviertel vorwegzeichnet.

  • Unabhängig von der Frage nach translozierten Rekonstruktionen: Ich denke, daß es auch Gebäude am Prämonstratenserberg gab, die man am alten Standort wieder aufbauen kann und sollte. Die städtebaulich-historische Anslyse zeigt das gut (https://otto-beteiligt.de/uploads/fcfd9a…che_Analyse.pdf). Die Häuser Bayrischer Hof oder die Reichsbahnverwaltung bieten sich beispielsweise dafür an. Sie sind vielleicht nicht so prunkvoll wie die translozierten Rekonstruktionen aber trotzdem reizvoll und sehr wiederaufbauwürdig.

    Aber in der aktuellen Online-Bürgerumfrage geht es um solche Details noch nicht. Hier wird man beispielsweise gefragt, ob man den historischen Stadtgrundriss grundsätzlich gut findet oder ablehnt. Und da ist es wichtig mitzumachen.

  • Ich bin grundsätzlich dagegen, historische Situationen derart zu verfremden oder neu zu erfinden, dass sie alte Strukturen komplett überformen.

    Dem Satz würde ich an sich vollinhaltlich zustimmen, aber liegen die Voraussetzungen dafür vor?

    Das einzige Element, das zutrifft, ist die die Alternative des Hauptsatzes. ("Neuerfinden einer historischen Situation").

    Aber eine alte Struktur liegt eben nicht vor und kann daher nicht überformt werden. Es entsteht (was Schönes) auf grüner Wiese ex nihilo. Eine bestehende Struktur wird dadurch nicht beeinträchtigt.

    Es geht vielmehr darum, dass wir einige Fassaden bekommen, die für sich alleine sprechen, dh unabhängig von einem konkreten Standort zu überzeugen vermögen. Dagegen war noch nie etwas einzuwenden.

    Haus Breite Weg 12, Gesammt-Ansicht - Breiter Weg (Magdeburg) – Wikipedia

    Was genau soll dagegen sprechen, dass man dies schöne Haus in 3D bewundern kann?

    Und hier liegen, was die Fassade betrifft, alle Voraussetzungen für ein Gelingen wie genaue Dokumentation und Machbarkeit vor, anders als zB bei verputzten Fachwerkhäusern.

    Es würde ja genügen, ein Eintreten für diese eine Fassade. Das wäre schon viel.

  • Das ist falsch. Die Strukturen sind in Form der Fundamente als Bodendenkmal sehr wohl noch vorhanden. Im übrigen ist dieser Ansatz genau die Disneyfizierung, die uns immer vorgeworfen wird.

  • Naja, der Disney-Vorwurf geht zuerst deshalb ins Leere, als dass in den Disney-Themenparks keine bestehenden Gebäude rekonstruiert wurden. Disneyland bedeutet Fantasiegebäude zu erschaffen, die nicht einem historisch dokumentierbaren Gebäude entsprechen. Der Vorwurf ist also wahlweise vom mangelnden historischen Wissen des Vorwerfenden geprägt oder von einer böswilligen Unterstellung. Meistens haben wir es mit beidem zu tun.

    Wie man an eine solche Wiederbebauung herangeht kann sehr unterschiedlich sein. In Frankfurt, Potsdam, Dresden oder anderswo sind wir bis dato stets zuerst von der Wiederherstellung der historischen Parzellen und des historischen Stadtgrundrisses ausgegangen. Im 20. Jahrhundert gab es aber auch andere Ansätze: die "Altstadtsanierungen" zur NS-Zeit haben häufig eine mehr oder minder pittoreske Kollage aus ehemaligen historischen Gebäuden hervorgebracht, die nicht an ihren historischen Orten stehen. Auch das DDR-Nikolaiviertel in Ost-Berlin aus den 1980er-Jahren ist eine solche Kollage - hier wurden historische Bauten aus Alt-Berlin und Alt-Kölln mit Wohnplatten zu einem neuen Mix verquirlt. Das Konzept galt lange als unwissenschaftlich und eigentlich reaktionär - vor nicht allzu langer Zeit hat das Berliner Landesdenkmalamt jedoch genau das Nikolaiviertel unter Denkmalschutz gestellt.

    Deshalb sind in Magdeburg beide Ansätze denkbar. Ich persönlich bevorzuge zuerst die Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses, es gibt aber auch Fälle in denen das nicht möglich ist.

  • Erledigt :)

    Leider bisher nur schwache Beteiligung (109 abgegebene Stimmen) für eine Großstadt mit einer Viertelmillion Einwohnern.

    Vielleicht auch aber auch der Tatsache geschuldet, dass die Leute allgemein und unabhängig von diesem Projekt, desillusioniert sind von "Bürgerbeteiligungen", bei denen am Ende die Entscheidungsfindung intransparent bleibt.

    Vielleicht sollte darüber nachgedacht werde, in welcher Form Bürger sinnvoll an städtebaulichen und architektonischen Fragestellungen beteiligt werden können. Ich halte diese Frage nicht für trivial. Stelle ich die Frage: "Wollt Ihr viel Licht und Grün"? werden 90% begeistert "ja" sagen - und am Ende habe ich genau die offene lockere Bebauung, deren Ödnis die Menschen im wirklichen Leben abschreckt. Normale Bürger sind keine Experten für Stadtplanung!

    Am ehesten kann ich mir vorstellen, dass über fertige alternative Entwürfe angestimmt wird.

  • Da kann man sich mit völligen Fantasienamen, Angaben und Fun-Emailadressen beteiligen. Bei uns in Potsdam kommen da stets in der Nacht vor dem Schluß solcher kommunalen Onlineumfragen 300 Proteststimmen gegen eine historische Bebauung hinzu, weil eine Truppe mit zwei Kästen Bier die Nacht durch Accounts erfunden und sich beteiligt hat. Solche Umfragen sind hochgradig mißbrauchempfindlich.

  • Ich bin ständig mit solchen Beteiligungsformaten befasst, und dass da manchmal schwunghaft Meinungen auftauchen ist weniger einer konzertierten Aktion geschuldet, als vielmehr dem regelmäßigen Fakt, dass die Beiträge manuell freigeschalten werden müssen. Da sind die verantwortlichen Mitarbeiter leider nicht immer so achtsam, wie man es für einen wirksamen Austausch wünschen würde.

    Entweder ist es also das, oder Potsdam ist ein ganz besonderes Fleckchen Erde, denn hier in München bis ins Baden-Württembergische wäre mir noch nie eine solche Manipulation aufgefallen - sieht man man davon ab, dass Einzelpersonen einzelne Male Mehrfachpostings setzen, die aber entsprechend auffallen, oder mal sich selbst liken. Hier gibts sogar Beteiligungsformate, wo man überhaupt keine Registrierung braucht.

  • Ich bin ständig mit solchen Beteiligungsformaten befasst, und dass da manchmal schwunghaft Meinungen auftauchen ist weniger einer konzertierten Aktion geschuldet, als vielmehr dem regelmäßigen Fakt, dass die Beiträge manuell freigeschalten werden müssen.

    Ich glaube, Du hast mich falsch verstanden. Es geht um Umfragen, die sich wochenlang relativ linear entwickeln und in der Nacht vor Schluß kommen für eine bestimmte Frage mehrere Hundert Stimmen gegen den Langfristtrend hinzu. Das hat mit "manuell freigeben" gar nichts zu tun.

    Neue Emailadressen kann man einfach beschaffen, registrieren ist auch einfach und eine evtl. IP-Kontrolle kann mit einer handelsüblichen Tarnkappe umgangen werden. So werden hier regelmäßig Umfragen manipuliert.

    Erkennbar ist das auch in deutlich höheren Beteiligungszahlen der Bevölekrung, die in mit Potsdam vergleichbaren Städten in ost und West relativ ähnlich liegen.

  • Ich glaube, Du hast mich falsch verstanden. Es geht um Umfragen

    Richtig, das hatte ich so nicht verstanden. Umfragen gibt es hier im Rahmen der Bürgerbeteiligungsformate zwar auch, aber sind meinem Eindruck nach mehr immer ein Art Geheimtipp für wirklich Interessierte, weil sie innerhalb von Vorschlagsformaten o.ä. auftauchen, sodass es gar nicht für solche Gruppen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung dienen kann und damit uninteressant ist.

    Würden mehr Bürger bei allen Beteiligungsformaten mitmachen, wären viele Probleme der Formate gelöst, deshalb versuche ich nicht den Eindruck zu erwecken, dass eine Beteiligung eh nichts bringt, weil in irgendeiner Form manipuliert würde. Entschuldige meinen Einwand.

  • Ja, Eure Kritik an solchen Bürgerbeteiligungen kann ich ziemlich gut verstehen. Gleichzeitig steht hier auch irgendwo auf dieser Webseite, daß die Stimmen nicht als eine Art Abstimmung gewertet werden. Darum ist also wichtig, bei der Beantwortung (ist ankreuzen und Text-Antwort) der Fragen die Verwaltung mit entsprechend guten Argumenten in den individuellen Text-Antworten zu "füttern".

    Und naja... wenn die einen 100% Grünfläche fordern und die anderen 100% dichte Altstadt, dann könnte ja der Kompromiss eine historisierende Bebauung an den historischen Straßen nur eben mit stark begrünten Innenhöfen sein ;)

  • Hier die Visualisierung eines Architekten. Wie aktuell das ist, kann ich aber nicht sagen.

    Duong Architekten

    In der nur noch bis morgen laufenden Bürgerbeteiligung scheint das alles historisch etwas originalgetreuer dargestellt zu sein. Bis morgen bitte noch unbedingt teilnehmen! :)

    Unter diesem Link kann man mitmachen:

    Projekt • Ihre Ideen, Wünsche und Bedenken einreichen
    Was denken Sie über die Pläne zu Bebauung des Prämonstratenserberges?Ihre Beiträge zur geplanten Bebauung des Prämonstratenserberges sind gefragt! Mit einem…
    otto-beteiligt.de
  • Inzwischen wurde die erste Bürgerbeteiligung zum Bebauungsplan ausgewertet.

    Man sieht: Das Stimmungsbild ist insgesamt überwiegend positiv zu einer kleinteiligen, altstädtischen Bebauung.

    Nur die unmittelbaren Anwohner waren wenig überraschend dagegen.

    Also weiter für das Vorhaben engagieren und dann kommt etwas Gutes dabei heraus!

    Projekt • Auswertung der ersten Beteiligungsphase
    Ihre Meinung zu den Plänen zur Bebauung des Prämonstratenserberges!In den kommenden Jahren soll in zentraler Lage mit Blick auf die Elbe die Innenstadt…
    otto-beteiligt.de