Die Innere Neustadt

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • "youngwoerth" schrieb:

      "Wissen.de" schrieb:

      Wie ich schon mal anführte, war ich überrascht, das die historisierende Bebauung in der Königsstraße ohne Probleme erfolgte.

      Ist doch ganz einfach: Dort gibt es weder eine Gestaltungskommision Neumarkt noch einen Schürmannplan. Und schon funktioniert's!


      Historisierende Bebauung in Dresden ist ja nicht ganz neu.
      In einigen denkmalsgeschützten Dorfkernen hat man auch schon in den 90er Jahren Neubauten errichtet, die von außen dem Aussehen der alten, sanierten Bauernhäuser entsprechen.

      Nur in der Innenstadt (und leider auch im Elbhang) herrschte die Philosophie, daß historisierende Bebauung nur in Form von Rekostruktionen erlaubt ist, neue Entwürfe aber immer irgendwie "modern" auszusehen haben.

      Hier nun stellt das Bülow-Palais eine neue Qualität dar, ein Neubau ohne historische Vorlage, der trotzdem ohne modernistische Elemente auskommt.

    • Danke für das Bild.
      Ich finde das Projekt Bülow-Palais sehr gelungen, da es so unverkrampft daherkommt, so etwas gab es leider nur in den 90ern. Mittlerweile geht die Gestaltung wieder sehr in die Anti-traditionalistische Richtung.

      -off-toppic-
      In Weimar ist es ganz extrem. Jegliche Neubauten im Stadtgebiet werden mit einem Minimum an Zugeständnissen an die Nachbarbebauung errichtet, d.h. Gestaltungssatzung gerade so erfüllt aber in der Wirkung wie ein Bauhausklotz. Genauer: es gibt z.B. ein Schrägdach- dieses hat allerdings keinen Vorsprung über die Fassade wie üblich sondern beginnt erst hinter der Fassadenkante, sodass man vor dem Gebäude stehend ein Kubus mit Flachdach wähnt.
      -offt-toppic aus-

      Mit den geplanten Abbrüchen der Platten an der Hauptstraße sind glaube ich nicht die Gebäude am Neustädter Markt gemeint, sondern eher der Bereich, wo das Gery-Haus geplant war. Besonders wegen der zugebauten Gassen (ond somit abgeschnittenen Straßensituation) ist es nur zu begrüßen, dass so etwas realisiert wird.

      Bei meinem letzten Dresdenbesuch vor ein paar Wochen war das Hotel Stadt Leipzig immer noch im Dornröschenschlaf. Kann ich irgendwie nicht wirklich verstehen, warum sich dort kein Käufer findet. Es ist wirklich das letzte unsanierte Haus in einem intakten Viertel und trotz des Überangebots an Hotels in Dresden wäre es für diese Ecke erstrebenswert es als solches zu führen, da in dieser Ecke Nachtleben herrscht und bisher (soweit ich weiß) kein anderes Hotel besteht. (bis auf das Bellevue natürlich) Von mir aus können eher solche Bettenburgen wie an der Prager und neben der Yenitze den Bach runter gehen.
    • @ Kindvon2dresdnern

      es geht um folgende Plattenbauten:



      Der oberste Plattenbau an der Hauptstraße (Standort Libeskindgebäude) an der Westseite sowie die Platten, die gegenüber dem Bellevue stehen und diesen "Knick" mache, schräg links neben dem Brunnen im Bildvordergund, gegenüber dem gelben historischen Bau in der Großen Meißener Straße. Also die Platenbauten, die abgerissen werden sollen, stehen schon direkt oder zumindest am Randbereich des Platzes.
      APH - am Puls der Zeit
    • Es ist natürlich schon ein riesen Schritt, dass dieser Durchbruch geschaffen wird. Hoffentlich werden die Lücken schnell mit Augengenüssen aufgefüllt. Mir egal, ob es keine Rekos sind, hauptsache kein moderner Schrott wie das Grauen (wortwörtlich) am Neustädter selbst. Ich kann diese Stadtplaner mit ihrem Verbot von historisierenden Neubauten absolut nicht verstehen. Gerade in der Innenstadt ist jeder moderne Klotz einfach Gift für Dresden. Das will sich niemand ansehen, wenn er nach Dresden kommt. Es wäre, als hätte man das Vogelnest in Peking mitten in den Kaiserpalast gebaut. Dresden ist nunmal Barock, Dresden ist kein moderner Spielplatz. Das kann man mit Wolfsburg durchziehen oder Bremerhaven. Aber nicht mit Dresden! Schon die DDR hat das ungeheuerlich falsch gemacht und heute sieht man das Desaster an der Hauptstrasse. Diese Plattenbauten stören die Stadtharmonie wie eGitarren eine Beethovensinfonie. Umsonst will ich die nicht so schnell wie möglich dort weg haben. Würde ich am Tag dafür nur Verpflegung und Unterkunft bekommen, würde ich liebend gerne allein Wochen mit nem Vorschlaghammer den Abbruch allein durchziehen.

      Zum Hotel Leipzig:
      Es wäre zwar "wieder ein Hotel", aber dafür ein recht kleines, überschaubares und hübsches. Die am Wiener Platz gehen auch noch, aber die der Prager Strasse sind schlich überdimensioniert. Dutzende kleine Hotels auf der Innenstadt verteilt machen sich besser als zwei, drei Riesen an zwei Plätzen. Hätte alles viel mehr Charme und ausgebucht wären auch der Grossteil. Erlweinspeicher schön und gut, aber schlicht zu gross. Die ganzen Konferenzler können auch paar Meter mehr in die Neustadt watscheln oder sonstwohin in der Umgbeung.
      Das Ding steht zudem noch an der unglaublich schönen Köngsstrasse. Der Blick die Strasse entlang zum Japanischen Palais ist einfach grandios! Kein Vergleich zur Hauptstrasse. Aber leider gehen da die ersten hin, wenn sie über die Brücke kommen und trauen sich nicht so weiter. Dabei kommt ja dann sogar noch die Neustadt...

      Zum Bülow Palais:
      Geht doch. :o Wieso nicht in der ganzen Innenstadt so? Für den Kubenquark ist genug Platz am Hang bei der Uni oder beim Elbepark. :augenrollen:

      Zum Markt/Brücke noch:
      Bitte das Narrenhäusl wieder aufbauen! Würde die Sicht auf die Platten besser verdecken und die Elbfront aufwerten.
    • "heiji" schrieb:


      Zum Markt/Brücke noch:
      Bitte das Narrenhäusl wieder aufbauen! Würde die Sicht auf die Platten besser verdecken und die Elbfront aufwerten.

      Meinst du die Gaststätte "Narrenhäusel" aus den 30er Jahren oder das historische Wohnhaus von Hofnarr Fröhlich?
      Oder das ganze Quartier zwischen Augustusbrücke, ehem. Klostergasse und Wiesentorstraße, dem das Narrenhäuselgrundstück vorgelagert war?
    • "Kindvon2dresdnern" schrieb:

      Hotel Stadt Leipzig immer noch im Dornröschenschlaf. Kann ich irgendwie nicht wirklich verstehen, warum sich dort kein Käufer findet.


      Aber das ist doch schon lange verkauft!
      Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
      Jesus ist mein Herr und Retter!
    • 24. Oktober 2006: Das Hotel "Stadt Leipzig" ist verkauft.
      Der neue Besitzer ist die "Hotel Stadt Leipzig"- Besitz- und Verwaltungsgesellschaft mbH. Diese ist derzeit mit Beräumung von Gerümpel und Substanzsicherung beschäftigt. Parallel dazu befindet man sich in der Projektentwicklungsphase.


      Quelle: Architektur klassisch: Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V. [Rubrik: Neustädter Markt] Dort findest Du auch einen Link zum Videobeitrag von Dresden-Fernsehen.
      Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
      Jesus ist mein Herr und Retter!
    • Hier mal eine interessante Statiktik zu den geplanten Hotelneubauten in Dresden. Ich weiß nicht, ob wir die schon hatten, aber das Hotel Stadt Leipzig taucht da auch auf:

      dresden.de/media/pdf/dwt/hotelstandorte_planung_1_.pdf

      Bin mal gespannt, ob das was gibt, gerade bei zurückgehenden Touristenzahlen und der etwas schwierigen Lage.
      APH - am Puls der Zeit
    • Ich möchte in diesem Zusammenhang vielleicht noch mal kurz meine Besorgnis über die Entwicklung in Dresden nachreichen. Wenn man sieht, dass der Hype um Frauenkirche und Grünes Gewölbe langsam nachlässt, was ja auch die sinkenden Touristenzahlen zeigen und den Imageschaden durch das hin und her bei der Waldschlösschenbrücke hinzuzieht, frage ich mich, wer in diesen ganzen Hotels schlafen soll. Es sind über 2000 !!! neue Betten, die zu den bestehenden Hotels noch dazukommen. Das ist Wahnsinn! Strategisch kann ich nicht nachvollziehen, wie man das alles genehmigen kann bzw. auch die Investoren nicht verstehen. Wenn man allein sieht, dass rund um den Neumarkt und den Altmarkt fast nur Hotels entstehen, muss man auch mal die Konzepte der Stadt hinterfragen, der außer Hotels und riesigen Einkaufspassagen nichts einfällt.

      Ein weiteres Problem, und dies bekomme ich aus Gesprächen immer wieder zu hören, wenn man mit Leuten spricht, die in Dresden waren (vor allem Städtereisen). Sie finden Frauenkirche und Grünes Gewölbe, Zwinger und Semperoper sehr schön, aber wenn man ehrlich ist, war es das - wenn man ein "gewöhnlicher Tourist" ist - auch schon, was man in Dresden unbedingt gesehen haben muss. Und das steht alles auf einer sehr!!! kleinen Fläche, die man an einem oder zwei Tagen ablaufen kann. Die meisten ziehen dann weiter nach Meißen etc.

      Viele fanden die oben genannten Bauten schön, aber viele sind auch entsetzt vom Rest der "Altstadt". Dresden hat eben diese 5-6 herausragenden Bauten, aber außer dem Neumarkt fehlt die Fassung für diese Diamanten der Baukunst. Viele bereuen es nicht, nach Dresden gefahren zu sein, aber viele sagen auch, dass sie in nächster Zeit nicht noch mal hinfahren, weil sie alles gesehen haben, was man als Tourist eben so sehen muss. Anders als in Paris, den großen italienischen Metropolen, aber auch anders als in modernen Großstädten wie Berlin und London, fehlt einfach das breite Angebot in Dresden. In Mailand oder Rom hat man in 8 Tagen noch nicht alles gesehen, in Dresden muss man als herkömmlicher Tourist, der nicht unbedingt 10 Stunden in der Gemäldegalerie ausharrt, sondern der einfach - wie auch in Prag - durch malerishce Gassen von Platz zu Platz schlendern will, schon sehr hart im nehmen sein. Dresden fehlt es meiner Meinung nach an Stadtraum, an Fläche, wo die Touristen etwas unternehmen und sehen können. Man denke nur daran, wenn man mit dem Bus an der Fraunekirche ankommt, und dann losläuft. Man kann keinen Kilometer laufen, ohne nicht eine 6-spurige Straße überqueren zu müssen, und was hinter dieser Straße wartet, dass muß ich keinem hier erklären, Ödnis, Plattenbauten, nichts, wo man im Urlaub gerne hingeht.
      Und wenn man dann von der Altstadt zur Neustadt rüber will, glaubt so mancher, er habe den falschen Reiseführer dabei, wenn sie vor der Plattenfront steht, und kehrt um und kommt gar nicht bis zur Königsstraße.

      Also ich sehe diese Hotelwut mittlerweile sehr kritisch, vor allem diese Bettenburgen mit über 400 Plätzen!
      APH - am Puls der Zeit
    • @wissen

      sehr richtig, damit hast du so ziemlich alles auf den punkt gebracht. man muss die großen bauten auf jeden fall gesehen haben. aber sonst? dresden ist eine völlig überbewertete stadt. und ich sehe auch nicht, wie man die situation wesentlich verbessern könnte. theoretisch müssten die plattenbauviertel rings um die altstadt abgerissen werden, da dort überhaupt keine innerstädtische struktur vorhanden ist und sich wohl auch kaum wiederherstellen lässt. aber das wird und kann auch nie geschehen.

      und noch ne zusätzliche kritik zum neumarkt: als normalverdiener darf man dort definitiv keinen hunger kriegen. preise ab 15 euro aufwärts, wie unnormal ist das? wir sind hier nicht in paris. in berlin mitte kann man auch locker ein gutes essen für 8 bis 10 euro kriegen. selbst an absolut touristischen anlaufpunkten wie hackscher/ gendarmenmarkt
    • @ aurinko83

      Ich würde nicht mal sagen, dass Dresden überbewertet ist, aber es ist eine Stadt, die ein Normaltourist einmal besucht und das wars.

      Aber wie bereits oben angedeutet, braucht eine Metropole mehr als Symbolbauten (oder sogenannte Ankerattraktionen). Man stelle sich den Louvre, den Eifelturm, Notre Dame und den Invalidendom auf einer Fläche von 500x500 Metern vor, eingeramt von einem 6-spurigen Straßenring und Plattenbauten, so weit das Auge reicht. Die Stadt wäre noch immer eine Attraktion, aber sie wäre nie zu einer der bedeutensten Metropolen geworden. Paris lebt von den herausragenden Straßenzügen, dem Ensemble, auch von den Kleinigkeiten. Es sind die Details, die mich an Paris so faszinieren, die Brücken mit den Skulpturen, die gepflegten Grünanlagen, die Blumenbeete, die Brunnen, die Statuen, eben der gesamte Stadtraum. Was Städte wie Paris, Mailand und Rom auf einer Fläche von mehreren Quadratkilometern zu bieten haben, dass tummelt sich in Dresden auf einer winzigen Fläche.

      Manchmal habe ich das Gefühl, dass Dresden im Kopf - im Taumel an die Erinnerung der einstigen Größe und Bedeutung in der Vergangenheit, vielleicht geblendet durch den Wiederaufbau der Frauenkirche - sich in einer Liga wähnt, die sie aufgrund der Kiregszerstörung nie wieder erreichen wird und schon gar nicht bei der gegenwärtigen Politik.

      Und mit Wiener Platz, Postplatz etc. trägt man nicht gerade zur Verbesserung der Lage bei. Touristenattraktionen sind es jedenfalls nicht und eine behagliche und gemütliche Atmosphäre schaffen die Bauten auch nicht. Und ich kann auch verstehen, dass Touristen sich ein bisschen veräppelt fühlen, die voller Erwartung im Reiseführer die 3 historischen Bauten in der Hauptstraße auf einem Foto sehen und dann an der Hauptstraße ankommen und die Ödnis schlechthin sehen. Wenn man mal die Reiseführer über Dresden durchblättert (und dies sollte jeder mal tun) der wird sehen, dass da alles reingepackt wird, was irgendwie nach Barock aussieht. Wenn man dann in der Realität Dresden besucht, kann man nur enttäuscht sein, da die Reiseführer diesen Mythos Dresden nur allzugerne weiter spinnen und nicht die Stadt abbilden, die sie heute ist.

      Ich möchte Dresden hier nicht schlecht reden, jeder kennt mich hier als den großen Dresdenfreund, aber manchmal muss man auch mal die Realität wahrnehmen und da spielt man nicht in der Championsleague, sondern eher im UI-Cup. Dies ist für einige vielleicht eine bittere Erkenntnis und im Lokalpatriotismus vielleicht nur schwer zu verkraften, aber es ist die Realität.
      APH - am Puls der Zeit
    • "Wissen.de" schrieb:

      @ aurinko83

      Ich würde nicht mal sagen, dass Dresden überbewertet ist, aber es ist eine Stadt, die ein Normaltourist einmal besucht und das wars.

      Aber wie bereits oben angedeutet, braucht eine Metropole mehr als Symbolbauten (oder sogenannte Ankerattraktionen). Man stelle sich den Louvre, den Eifelturm, Notre Dame und den Invalidendom auf einer Fläche von 500x500 Metern vor, eingeramt von einem 6-spurigen Straßenring und Plattenbauten, so weit das Auge reicht. Die Stadt wäre noch immer eine Attraktion, aber sie wäre nie zu einer der bedeutensten Metropolen geworden. Paris lebt von den herausragenden Straßenzügen, dem Ensemble, auch von den Kleinigkeiten. Es sind die Details, die mich an Paris so faszinieren, die Brücken mit den Skulpturen, die gepflegten Grünanlagen, die Blumenbeete, die Brunnen, die Statuen, eben der gesamte Stadtraum. Was Städte wie Paris, Mailand und Rom auf einer Fläche von mehreren Quadratkilometern zu bieten haben, dass tummelt sich in Dresden auf einer winzigen Fläche.

      Manchmal habe ich das Gefühl, dass Dresden im Kopf - im Taumel an die Erinnerung der einstigen Größe und Bedeutung in der Vergangenheit, vielleicht geblendet durch den Wiederaufbau der Frauenkirche - sich in einer Liga wähnt, die sie aufgrund der Kiregszerstörung nie wieder erreichen wird und schon gar nicht bei der gegenwärtigen Politik.

      Und mit Wiener Platz, Postplatz etc. trägt man nicht gerade zur Verbesserung der Lage bei. Touristenattraktionen sind es jedenfalls nicht und eine behagliche und gemütliche Atmosphäre schaffen die Bauten auch nicht. Und ich kann auch verstehen, dass Touristen sich ein bisschen veräppelt fühlen, die voller Erwartung im Reiseführer die 3 historischen Bauten in der Hauptstraße auf einem Foto sehen und dann an der Hauptstraße ankommen und die Ödnis schlechthin sehen. Wenn man mal die Reiseführer über Dresden durchblättert (und dies sollte jeder mal tun) der wird sehen, dass da alles reingepackt wird, was irgendwie nach Barock aussieht. Wenn man dann in der Realität Dresden besucht, kann man nur enttäuscht sein, da die Reiseführer diesen Mythos Dresden nur allzugerne weiter spinnen und nicht die Stadt abbilden, die sie heute ist.

      Ich möchte Dresden hier nicht schlecht reden, jeder kennt mich hier als den großen Dresdenfreund, aber manchmal muss man auch mal die Realität wahrnehmen und da spielt man nicht in der Championsleague, sondern eher im UI-Cup. Dies ist für einige vielleicht eine bittere Erkenntnis und im Lokalpatriotismus vielleicht nur schwer zu verkraften, aber es ist die Realität.


      In Leipzig gibt es fast keine grosse sehenswürdigkeiten, aber es gibt einige Intakte Stadtstruktur. In Dresden ist es genau umgekehrt. In dieser Liga gibt es in Deutschland nur München die beides verbindet: sehenswürdigkeiten wie Fraukenkirche, Nymphenburg, Rathaus und mit Plätzen und schöne Vierteln. Nach München könnte ich oft zurückkommen. Jedes Jahr. Nach Dresden werde ich zurückkommen wenn die Neumarkt fertig ist.

      Trotzdem könnte Dresden schon besser werden. Wenn die Altstadt um Neumarkt ensteht mit die Neustädtermarkt: man verbindet auch dadurch äussere Neustadt mit Altstadt und innere Neustadt könnte man tatsächlich mehr aus die Stadt machen.
    • Dresden lebt halt von der schönen Lage im Elbtal und von den herausragenden Einzeldenkmalen, die zusammen eine beeindruckende Elbfront ergeben. Für Kenner gibt es noch wunderbare Vororte, selbst die von Touristen fast nie besuchten Stadtteile im Norden und Westen sind sehr sehenswert (damit meine ich nicht nur die Gartenstadt Hellerau, sondern durchaus auch schon Wilder Mann).

      Andererseits muß klar sein, daß Dresden im Zentrum südlich der Elbe abgesehen von wenigen "Altstadt-Inseln" auf 20 Quadratkilometern leider wirklich zum häßlichsten zählt, was es in Deutschland gibt. Und daran werden auch Projekte wie der Wiener Platz mit Sicherheit nichts ändern.

      Ein echtes Großstadterlebnis ist eigentlich dort gar nicht möglich, zwischen Grüner Wiese und Plattenbauten kann sich nun halt kein urbanes Leben entwickeln.
    • In Leipzig gibt es fast keine grosse sehenswürdigkeiten, aber es gibt einige Intakte Stadtstruktur. In Dresden ist es genau umgekehrt.


      Genau so ist es. Ich bitte aber darum, hier auf eine welche Stadt ist besser Diskussion zwischen Dresden und Leipzig zu verzichten.

      Fragt man sich, was man tun könnte, ist die Neustadt eigentlich dass in klein, was für den gesamten Bereich der Altstadt innerhalb des Künzel Rings gilt.

      Es gilt zunächst, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, dem sich alle Planungen unterordnen müssen.
      An diesem Konzept müssen sich alle Maßnahmen ausrichten.

      Es gilt weiter, von Neumarkt und von Neustädter Markt aus, sukzessive die historische Straßenstruktur wieder offen zu legen, die vielspurigen Straßen im Altstadtring zurückzubauen. Der Neustädter Markt ist hierfür als Beispiel perfekt geeignet. Es gilt, nach System die Plattenbauten zurückzubauen, anschließend die historischen Straßenverläufe wieder offenzulegen und anschließend ein Gestaltungskonzept zu entwerfen.

      Wenn Dresden, allein aus Marketinggründne eine Chance haben will, geht es meiner Meinung nach nur über Rekonstruktion und historisierendes Bauen. Kein Tourist kommt nach Dresden, um Hochhäuser, Glaskuben etc. zu sehen. Man hat sich in Dresden, anknüpfend an die glanzvolle Vergangenheit, das Attribut der Barockstadt gegeben. International steckt man nun in dieser Schublade, ganz genau wie andere Städte, die jede einzelne bestimmte Bedürfnisse und Eigenschaften - auch im Marketing - bedienen. Aber Dresden, so habe ich manchmal das Gefühl, will Barockstadt sein, aber auf der anderen Seite auch New York. Am Ende ist man nichts von beidem und alle sind enttäuscht, die nach Dresden kommen!

      Es gilt nun, ein Konzept zu entwickeln, dass Leitbauten im gesamten inneren Neustadtbereich und in der Altstadt festlegt. Füllbauten werden historisierend gestaltet. Dies wäre ein Prozess, der Jahrzehnte dauern würde, der einen überparteilichen Konsens bräuchte, ein Prozess, der sich festlegt, dass Dresden international nur dann eine Chance hat, im Konzert der Großen zu spielen, wenn man das, was von Dresden erwartet wird, nämlich Barock, auch bedient. Nur dann hat Dresden eine Chance, über den Hype der Frauenkirche in Zukunft, insbesondere den stark wachsenden asiatischen Markt zu bedienen. Die Chinesen wollen kein zweites Shanghai sehen, sondern alteuropäische Architektur. Wenn Dresden nicht die Kurve bekommt, werden sie in Zukunft woanders hinreisen. Und dann stehen die Hotels leer und das schlimmste ist, dass sich die Politiker am Ende noch wundern, wie es dazu kommen konnte!
      APH - am Puls der Zeit
    • Da stimme ich Dir zu 100 % zu - nur das wird leider nicht so kommen. Man sehe sich nur mal die harten Kämpfe an, um zumindest am Neumarkt zu einem einigermaßen erträglichen Ergebnis zu kommen.

      Außerdem konnte ich gestern in der SZ schon wieder einen Leserbrief lesen, in dem irgendwer das bisher erreichte am Neumarkt kritisiert und zeitgenössische Architektur forderte. Ich habe mich darüber so geärgert, daß ich die SZ nach 12 Jahren jetzt endgültig abbestellt habe. Ich habe nämlich langsam keine Lust mehr, mich mit Dresden herumzuärgern und konzentriere mich künftig eben wieder auf Städte wie Wien oder Paris.
    • "Wissen.de" schrieb:



      Ich würde nicht mal sagen, dass Dresden überbewertet ist, aber es ist eine Stadt, die ein Normaltourist einmal besucht und das wars.



      naja da kann ich dir nicht ganz zustimmen. ich finde dresden insgesamt ja auch recht hübsch. aber eben dieser zustand, den du oben beschreibst, dass man mit einem besuch das meiste gesehen hat, zeigt doch, dass dresden völlig überbewertet wird. denn es wird ja immer von einer der schönsten städte europas gesprochen. doch da fallen mir leider viele ein, die ich wesentlich schöner finde und wo es eben auch mehr zu sehen gibt - und damit meine ich nicht nur sehenswürdigkeiten, sondern eben auch das ganze stadteigene urbane leben.

      und eine leipzig-dresden-diskussion ist bei diesem thema (wie übrigens auch sonst) völlig unangebracht und geht auch am thema vorbei. denn leipzig trägt eben nicht wie dresden diesen großen ruf, eine wunderschöne stadt zu sein. würde man den durchschnittsbürger nach der schönsten deutschen stadt fragen, kämen wohl eher dresden und münchen heraus. das ist also eine ganz andere situation, da dresden mit einer enormen erwartungshaltung von seiten der touristen verbunden ist.
    • "Wissen.de" schrieb:

      Aber Dresden, so habe ich manchmal das Gefühl, will Barockstadt sein, aber auf der anderen Seite auch New York. Am Ende ist man nichts von beidem und alle sind enttäuscht, die nach Dresden kommen!


      Das stimmt zu 100%

      Im ehrlichsten Sinn könnten eigenlich Görlitz im lang Lauf ein genau so grosse Touristenattraktion werden wie Dresden. Dresden ist wie Brüssel mit ihre Marktplatz und Görlitz ist Sachsens Brügge.

      Dresden allein reicht leider nicht für eine Reise sondern muss gebündelt mit Sächsische Schweiz, oder Meissen oder Erzgebirge oder Oberlausitz.

      Die Illusion dass Dresden ein Stadt Weltrang ist ein bittersüsse Illusion. München und Berlin hat Weltrang. Dresden ist dagegen zu klein und kann sich nicht mit dieser Städten messen. Dresden braucht ein Altstadt und auch ein lebendige Altstadt. Nicht die welt schönste Hotelkomplex mit ein Kirche in die Mitte. Es braucht Szenenvierteln, Kneipen und Individualgeschäften. Alle wollen nicht 100 Prozent Sightseeing.
    • Da stimme ich Dir zu 100 % zu - nur das wird leider nicht so kommen


      Diese Befürchtung teile ich, leider auch zu 100%. Aber trotzdem muss auf das Problem immer wieder hingewiesen werden. Ich kann ja verstehen, dass Ressortfremde, die von Wirtschaft nichts verstehen, gerne New York wären und Barockmetropole und und und. Am Ende wird man mit diesem Misch-Masch scheitern, denn wenn es Zukunftsmetropolen mit imposanter moderner Architektur geben wird, dann stehen die im Nahen und Mittleren Osten (Dubai etc.), aber auch in Moskau.

      Dresden wird es auf dem Weg nie schaffen. Die moderne Architektur in Dresden ist nicht mal Durchschnitt. Man hat noch eine Marke, nämlich die Barockstadt zu sein - aber man pflegt sie nicht, sondern tut fast alles, um ihr nicht gerecht zu werden. Die Frauenkirche ist in diesem Zusammenhang wohl auch mehr als Betriebsunfall zu werten.

      Wenn man nicht aufwacht, wird man am Ende da ankommen, wo man vor dem Wiederaufbau der Frauenkirche war, nur dass man fünfmal so viele Hotelbetten hat; viele Hotels werden schließen müssen und die Innenstadt noch weiter an Leben verlieren. Aber das müssen sich dann andere zuschreiben.
      APH - am Puls der Zeit