Zersiedelte Landschaften

  • Steht das alles im Parteiprogramm? Oder wo hast Du diese Informationen gefunden? Finde ich wahnsinnig spannend und würde gern mehr darüber lesen. Kannst Du mir die Links schicken bitte?

  • Ich habe alles Mitleid der Welt für diejenigen, die sich Wohnungen in den Innenstädten nicht mehr leisten können und deswegen aufs Land abgedrängt werden. In sehr engen Grenzen hält sich aber mein Mitleid mit jenen, die lieber im Grünen wohnen, sich dann aber über den weiten Weg in dieselben Innenstädte beschweren, aus denen sie kurz zuvor leichten Herzens ausgezogen sind. Solange der Arbeitsweg nicht als maßgeblicher Faktor bei der Wohnortwahl zu Buche schlägt, werden die Blechlawinen unsere Innenstädte verstopfen (wie hier in Potsdam, wo die Leute im Süden wohnen, im Norden arbeiten und jeden Tag zweimal durchs Nadelöhr der Langen Brücke fahren).

  • Fahrverbote in den Innenstädten ist auch so eine Sache - Einzelhandelsunternehmen können nicht mehr beliefert werden und die motorisierten Kunden bleiben auch fern....niemand parkt gerne 2 km vor dem Laden seiner Wahl.


    Ich muß immer wieder lesen, daß alte Traditionsgeschäfte schließen und in Insolvenz gehen müssen, weil sie den Umsatz nicht mehr bringen können.


    Unternehmen wie Amazon profitieren natürlich da von, wenn ich als Kunde nicht mehr vor dem Laden parken kann und das Angebot aufgrund schwieriger Lieferverhältnisse Mängel aufweist - bestellt man eben online.


    Wenn ich zum Beispiel mal ne Schraube brauche - ja, dann muß ich in die Gewerbegebiete zu den Baumärkten fahren!


    Den netten kleinen Eisenwarenladen in der Stadt, gibt es schon lang nicht mehr.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • "Martintre", ich habe gerade kurz im nicht eingeloggten Modus gesehen (eingeloggt sind dessen Beiträge geblockt), dass Dir ein Ur-Diskutant, sich womöglich mal wieder zur politischen Profilierung herausgefordert fühlend, eine spitzfindige Bitte gestellt hat.


    Ich liefere Dir ein paar Links als kleine Zuarbeit für Deine Antwort:


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    Oliver Schruoffenegger (Bündnis 90/Die Grünen), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt in Charlottenburg-Wilmersdorf, ist Hochhäusern grundsätzlich nicht abgeneigt. „Sie bringen die Dichte, die wir brauchen, um die letzten Naturräume in der Stadt zu schützen.“

    Schruoffenegger gehört zu denen, die eher positiv mit Hochhausentwicklungen umgehen.

    https://www.tagesspiegel.de/po…o-schwertut/24532222.html


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    Christoph Kerscht, Fraktionsvorsitzender der Grünen, ergänzt: „Wohnprojekte im Citybereich sind ein wichtiger Baustein gegen die Verödung von Innenstädten und für einen Alltag der kurzen Wege. In Zeiten der Flächenknappheit sind Wohntürme die richtige Antwort. (...) Für uns Grüne ist allerdings wichtig, dass der Wohnturm ökologisch neue Maßstäbe setzt und ästhetisch ein Aushängeschild für Essen wird.

    https://benjamin-thomas.de/lok…-Stadtplanung-werden.html


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    Dass auch die Grünen ihre Vorbehalte gegen Hochhäuser abgelegt haben, hängt mit den Fortschritten in der Gebäudetechnik zusammen, die den immer noch enormen Energieverbrauch stark haben sinken lassen. Hochhäuser sind im Flächenverbrauch unübertroffen effizient. Zudem fördern die Türme die Auslastung des öffentlichen Nahverkehrs, da in den Tiefgarage nur der kleinste Teil der Angestellten sein Auto parken kann.

    https://www.faz.net/aktuell/rh…rm-der-macht-1606575.html


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    In der Millionenstadt Köln wollen die Grünen das Einfamilienhaus mit radikalen Ideen ablösen, über die der Kölner Stadtanzeiger 2019 ausführlich berichtet hat. Wohnungen sollen auf bereits versiegelten Flächen wie Industriegebieten entstehen. Parkplätze, Straßen, Gleise und Supermärkte könnten überbaut werden. Auch Hochhäuser werden als Alternative gehandelt.

    https://bnn.de/nachrichten/pol…milienhaus-fuer-ueberholt


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    Die Grünen

    Es muss höheres Bauen zugelassen werden als bisher, um auf gleicher Fläche mehr Wohnungen zu schaffen. In Einzelfällen sind auch zusätzliche Hochhäuser sinnvoll. Die haben aber ihre spezifischen Probleme, etwa die Akzeptanz oder große vorgeschriebene Abstände zu anderen Häusern.

    https://waldstadt-ka.de/die-parteien-zur-stadtentwicklung/


    Das heißt nicht, dass das schon offizieller Programmpunkt der "Grünen" sei. Punktuell wenden sie sich auch gegen Hochhäuser, vor allem aus Rücksicht auf ihre dort lebende Wählerklientel. Aber die Tendenz ist erkennbar. Sie wollen Einfamilienhäuser möglichst abschaffen und tendieren für den Bau in die Höhe. Da die "Grünen" maßgeblich den politischen Überbau der Republik dominieren, bzw. von ihren alten Koalitionsparteien kaum noch eigenständige gestalterische Ideen kommen, kannst Du Dir ausmalen, in welche gesamtpolitische Richtung das in den nächsten Jahren laufen kann.

  • Dort wird eine solche negative Auswirkung verneint. Aber schauen Wir doch mal bei den Leuten, die es Wissen müssen, beim Handelsverband Deutschland

    In einer zehn Jahre alten Studie?...:unsure:

    Da die Städte immer mehr zersiedeln und die Arbeitsplätze so eher noch stärker über diese Fläche verteilt werden, findet keine Konzentrierung von Arbeitsplätzen ,,in immer größere Strukturen" statt.

    So? Es wird also gar nicht die Landschaft mit Schlafstätten zersiedelt, sondern es sind funktional gemischte, "organische" Orte der kurzen Wege entstanden, in denen Wohnen und Arbeit in kleinen Lädchen und familiengeführten Firmen fußläufig miteinander verbunden sind? Dann sind wir ja städtebaulich auf dem richtigen Weg.

    Die längeren Arbeitswege kommen durch den Strukturverlust der Städte und deren Zersiedelung, sowie durch deren schwierigen Wohnungsmarkt, sowie dadurch das Partnerschaften häufiger nicht mehr an einem Ort stattfinden können aufgrund der Arbeitsplätze.

    Ach so, die falschen "Tinder"-Einstellungen waren schuld an der Pendelei zum Arbeitsplatz. Man hat sich die Freundin im zu weiten Umfeld vom eigenen Wohnort gesucht, statt nach den zwei hübschen Kassiererinnen im Tante Emma-Laden vor dem eigenen Haus zu schauen.

  • Ich sag mal so - ich bin ja berufsmäßig öfter mal nach Parsberg gefahren - es hat sich da viel Gewerbefläche angesiedelt, obwohl es landschaftlich ein romantisches Fleckchen wäre.


    Ich habe ehrlich gesagt keine Lust mehr dahin zu pendeln - mit dem ICE bin ich in einer guten Stund in Nürnberg, von dort geht es dann eine dreiviertel Stund in Richtung München mit dem Bummelzug zurück nach Parsberg.


    Es macht absolut keinen Spaß in so zersiedelte Gewerbeorte zu fahren, wo mal alle 2 Stund mal ein Bummelzug von München oder Nürnberg hinfährt.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • In einer zehn Jahre alten Studie?...:unsure:


    So? Es wird also gar nicht die Landschaft mit Schlafstätten zersiedelt, sondern es sind funktional gemischte, "organische" Orte der kurzen Wege entstanden, in denen Wohnen und Arbeit in kleinen Lädchen und familiengeführten Firmen fußläufig miteinander verbunden sind? Dann sind wir ja städtebaulich auf dem richtigen Weg.


    Ach so, die falschen "Tinder"-Einstellungen waren schuld an der Pendelei zum Arbeitsplatz. Man hat sich die Freundin im zu weiten Umfeld vom eigenen Wohnort gesucht, statt nach den zwei hübschen Kassiererinnen im Tante Emma-Laden vor dem eigenen Haus zu schauen.

    Wenn Dir die Zahlen zu alt sind, kannst Du gerne bessere liefern, statt die persönliche Empirie höher zu hängen als was Fachleute veröffentlichen.


    Nein, das habe ich nicht gesagt oder jedenfalls dann nicht genau genug ausgeführt. Nehmen Wir eine kreisrunde Modellstadt und nehmen an, es gibt in der Mitte alle Arbeit und außen herum dichtere Wohnbebauung. Dann sind die Arbeitswege minimal kurz, alle fahren direkt ins Zentrum. Zersiedele ich die Wohnbebauung, habe ich leicht längere Wege, natürlich um den vergrößerten Durchmesser. Fange ich jetzt aber an die Arbeitsplätze auch noch Querbeet in der Fläche zu verteilen habe ich automatisch längere Wege unter der Annahme, dass nicht jeder zu jeder Zeit zu seinem Arbeitsplatz hinziehen kann (schon allein nicht bei zwei Arbeitnehmern). Im schlimmsten Fall habe ich also einen, der im innersten Ring wohnt, durch die ganze Stadt muss zum Rand an seinen Arbeitsplatz auf der einen Seite und seine Partnerin an den Rand auf der anderen Seite.

    Ab einer gewissen Ausdehnung des kreisrunden Gedankenmodell ist die Zahl möglicher Wohnungen natürlich so hoch, dass sich kreisrunde Subzentren effizienter darstellen.


    Stell Dich doch nicht so naiv, es ist gemeinhin bekannt, dass Beziehungsgeflechte heute weitläufiger sind, da trifft man im Städteurlaub die Liebe seines Lebens, da ziehen ehemlige Arbeitskollegen 200km weg oder der beste Freund findet nur Arbeit in der Nachbarregion. Die hat man natürlich alle mal persönlich zunächst getroffen aber dann kann man nur regelmäßig zu Besuch fahren oder z.B. unter der Woche pendeln für die Partnerin. Das war also eine allgemeine Erklärung warum immer mehr Mobilität herrscht. Allem gemein ist eine verstärkte Arbeitnehmermobilität.

  • Fahrverbote in den Innenstädten ist auch so eine Sache - Einzelhandelsunternehmen können nicht mehr beliefert werden

    Die Fahrverbote betreffen doch in den wenigsten Fällen den Lieferverkehr für den Einzelhandel.


    Das Hauptproblem für kleine Läden sind auch weniger die fehlenden Parkplätze vor der Tür durch die Verkehrberuhigungen in den Innenstädten. (In der Kleinstadt hier schlossen solche Läden auch, trotz ausreichender Parkplätze).

    Es ist doch vielmehr der Preisdruck durch große Ketten und vor allem durch den Internethandel, und das schon vor Corona.


    Letzterer trägt i.Ü. auch nicht zur Verkehrsberuhigung bei, wenn tagsüber mancherorts die Transporter gleich mehreren Paketzustellern die Straßen blockieren.


    Die einzige Chance, kleine Läden zu halten und zu fördern wäre wahrscheinlich eine Extra-Steuer auf den Internethandel und eine entsprechende Steuerbegünstigung für Geschäfte mit einer kleinen Ladenfläche.

    Sowas ist natürlich unpopulär und politisch wohl nicht durchsetzbar.

  • Das Hauptproblem für kleine Läden sind auch weniger die fehlenden Parkplätze vor der Tür durch die Verkehrberuhigungen in den Innenstädten. (In der Kleinstadt hier schlossen solche Läden auch, trotz ausreichender Parkplätze).

    Es ist doch vielmehr der Preisdruck durch große Ketten und vor allem durch den Internethandel, und das schon vor Corona.


    Die einzige Chance, kleine Läden zu halten und zu fördern wäre wahrscheinlich eine Extra-Steuer auf den Internethandel und eine entsprechende Steuerbegünstigung für Geschäfte mit einer kleinen Ladenfläche.

    Sowas ist natürlich unpopulär und politisch wohl nicht durchsetzbar.

    Ich würde da zwischen Städten größer als 50.000 und kleiner als 50.000 Einwohnern unterscheiden (nur so als Größenordnung etwa). Die kleineren Städte haben oft keinen ausreichend ausgeprägten ÖV und auch das Einzugsgebiet ist eher nicht urban und damit mehrheitlich individual-motorisiert (siehe mein Link weiter oben vom Handelsverband). D.h. für diese Städte ist es tatsächlich relevant, ob Autos in ihre Zentren dürfen. Bei allen anderen kann man auf Autos im Zentrum verzichten und gewinnt an Aufenthalts- und Lebensqualität in der Innenstadt.


    Ich weiß nicht wie realistisch das ist, aber man könnte durch den Internethandel natürlich auch in sehr abgelegenen Regionen wieder Leben rein bringen. Schließlich kann man heute doch selbst Lebensmittel liefern lassen und im Home Office arbeiten. Hab gelesen, dass es für manche eine Option ist jetzt mit den neuen Bedinungen wieder aufs Land zu ziehen.

  • ^ Irgendwie kommt mir da das berühmte Zitat von Franz Josef Strauß über die Grünen in den Sinn: „Melonenpartei – außen grün, aber innen rot.“ :/

  • Außerdem fehlt, auf ganz Deutschland umgerechnet, schlichtweg das Platzproblem, zu dem hier die passende Lösung geliefert wird.

    Wer sich mit Flächennutzung beschäftigt wird feststellen, dass Wir sehr ernsthafte Platzprobleme haben. Fast alle Flächen werden heute zu einem Zweck genutzt, und sei es nur als Luftschneise zwischen zwei Siedlungen. Gleichzeitig macht der Klimawandel gehörig Druck der Natur nicht Flächen wegzunehmen, die Moore, Flussauen und Korridore für Tiere brauchen wahrscheinlich eher mehr Platz. Dazu noch Trinkwasserschutzgebiete, Ausgleichsflächen und freigehaltene Flächen für Infrastruktur. Du wärst überrascht, wenn Du solche Karten mal anschauen würdest, wieviele Flächen nur so aussehen, als wären sie als Bauland bereit.

    Ich hoffe die Grünen werden nicht offiziell zu Hochhausfreunden, wäre eine weitere Partei an diese Bauform verloren. Diese Gebäude sind bei allem technischen Fortschritt immer noch katastrophal in vielerlei Hinsicht. Aber lokale Parteifunktionäre herausgreifen sagt eh nicht viel aus, in den Medien werden regelmäßig irgendwelche kruden Lokalpositionen aus allen Parteien aufgezeigt.


    Edit: Wow, Potsdam muss wirklich noch viel Stadtsanierung betreiben, sieht ja übel aus :(

  • Ich weiß nicht wie realistisch das ist, aber man könnte durch den Internethandel natürlich auch in sehr abgelegenen Regionen wieder Leben rein bringen. Schließlich kann man heute doch selbst Lebensmittel liefern lassen und im Home Office arbeiten. Hab gelesen, dass es für manche eine Option ist jetzt mit den neuen Bedinungen wieder aufs Land zu ziehen.

    Das ist schon richtig, und deshalb ist der Widerstand gegen eine solche "Internetversand-Abgabe" auf dem flachen Land wahrscheinlich auch am größten.

    Aber gerade dort wäre es auch wichtig, kleine Läden zu halten bzw. zu fördern, ggf. könnte ein (dann steuerbegünstigter) Internethandel auf dem Land auch über diese laufen.

    Früher waren so Konsums auch Orte, in denen man sich traf und austauschte, war gut für die Dorfgemeinschaft und wirkte der Anonymität entgegen.

  • M. E. ist die Überschrift dieses Stranges eigentlich falsch. Zersiedelung gibt es in Deutschland dank der guten alten Raumordnung nicht. Zersiedelung meint nämlich eigentlich die Errichtung von Gebäuden außerhalb von geschlossenen Ortschaften und zwar ungeregelt. Das ist nicht nur in Dritt-Welt-Ländern üblich, sondern teilweise auch in Europa, man schaue nur in die Türkei, nach Irland oder Spanien. In Deutschland ist das zum Glück nicht gestattet, niemand darf einfach ein Haus irgendwo auf einem Acker errichten, von Bauernhöfen einmal abgesehen.


    Das Problem, das wir hier beklagen, nennt sich Flächenverbrauch oder Flächenfraß und das ist tatsächlich ein großes Problem auch hierzulande. Täglich (!) kommen in der Republik ca. 60 ha oder 100 Fußballfelder neue Verkehrs- und Siedlungsflächen hinzu und das in einem Land, das praktisch kein Bevölkerungswachstum hat bzw. dessen Bevölkerung auf absehbare Zeit eher noch deutlich sinken wird. Das liegt natürlich an der immer weiter steigenden Wohnfläche pro Einwohner, vor allem auch an der wachsenden Zahl von Single-Haushalten.

    Die Frage ist, wie man dieser Entwicklung entgegentreten will. Immerhin hat die Bundesregierung ja das Ziel ausgegeben, den Flächenfraß bis 2030 auf 30 ha pro Tag zu verringern (siehe hier). Ob das unter den gegenwärtigen Umständen realistisch ist, darf bezweifelt werden.


    M. E. liegt der Hauptgrund des Flächenverbrauchs in Deutschland in der Gemeindefinanzierung. Die deutschen Kommunen erzielen etwa 2/3 ihrer Einnahmen aus der Grund- und Gewerbesteuer (alleine letztere macht fast 50 % der Einnahmen aus). Das letzte Drittel besteht hauptsächlich aus der Beteiligung an der Einkommenssteuer, aus Länderzuschüssen und aus dem kommunalen Finanzausgleich. Auf diese letztgenannten Einnahmen haben die Kommunen aber praktisch keinen Einfluss.


    Da die meisten deutschen Kommunen nun aber ziemlich klamm sind (u. a. weil die Sozialausgaben seit Jahren steigen, sodass immer weniger für Investitionen übrig bleibt) sind sie gezwungen, irgendwie neue Einnahmen zu generieren. Dazu haben sie eigentlich nur 2 Möglichkeiten: Erstens können sie die Hebesätze der Grund- und Gewerbesteuer erhöhen. Das ist aber ein zweischneidiges Schwert, da zu hohe Hebesätze dazu führen können, dass Unternehmen (oder Einwohner) in Nachbargemeinden abwandern. Deshalb werden die meisten Kommunen davor zurückschrecken und stattdessen auf Mittel Nr. 2 zurückgreifen: die Ausweisung neuer Gewerbe- und Wohngebiete! Das führt dazu, dass praktisch jede Gemeinde - und sei sie noch so verkehrsungünstig gelegen - neue Gewerbegebiete ausweist und praktisch jede Gemeinde ein Neubaugebiet hat, obwohl der Bedarf an neuem Wohnraum gar nicht gegeben ist. Zur Not ziehen dann eben Leute aus den alten Dorfkernen in diese neuen Wohngebiete, die Einnahmen der Kommunen steigen (durch die größeren Grundstücke) und die alten Dorfkerne verfallen.


    Darum ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Handlungsfelder gegen den Flächenfraß eine Reform der Gemeindefinanzierung. Und in Gegenden, in denen Wohnungsknappheit herrscht, muss zunehmend auf Verdichtung in den vorhandenen Siedlungsgebieten gesetzt werden, auch damit die vorhandenen Erholungsräume erhalten werden können.


    Immerhin hat uns die Pandemie ja eines gezeigt: Dass nämlich die Landflucht - also raus aus der ländlichen Fläche rein in die wenigen großen Ballungsräume - nicht mehr unbedingt das einzig Erstrebenswerte ist.. Dank Homeoffice ist die Nähe zum Arbeitsplatz nicht mehr unbedingt erforderlich und zu viele Nachbarn auf zu engem Raum können - wie wir alle gerade erleben - auch unangenehme Nebenwirkungen haben.

  • Ob es Zersiedelung so bei Uns nicht gibt, ist für mich noch nicht ganz klar, schau mal auf Hallbergmoos am Flughafen München zum Beispiel:

    Quelle: Google Maps

  • Da die meisten deutschen Kommunen nun aber ziemlich klamm sind (u. a. weil die Sozialausgaben seit Jahren steigen, sodass immer weniger für Investitionen übrig bleibt) sind sie gezwungen, irgendwie neue Einnahmen zu generieren. [...]


    Deshalb werden die meisten Kommunen davor zurückschrecken und stattdessen auf Mittel Nr. 2 zurückgreifen: die Ausweisung neuer Gewerbe- und Wohngebiete! Das führt dazu, dass praktisch jede Gemeinde - und sei sie noch so verkehrsungünstig gelegen - neue Gewerbegebiete ausweist und praktisch jede Gemeinde ein Neubaugebiet hat, obwohl der Bedarf an neuem Wohnraum gar nicht gegeben ist. [...].


    Darum ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Handlungsfelder gegen den Flächenfraß eine Reform der Gemeindefinanzierung.

    Eine sehr interessante Stellungnahme.


    Anders gelagert aber dennoch interessant ist ein Blick auf die Situation in Übersee.


    Vor kurzem stiess ich auf ein YouTube-Video, in welchem die Gründe für die prekäre finanzielle Situation vieler Städte in den USA, sowie die seit Ende des 2. WK ausgreifende Suburbanisierung in falschen staatlichen Anreizen festgemacht wird:



    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • - Kumulierende Wassersammlung, die statt dem Grundwasser den Oberflächengewässern zugeführt wird und deren Hochwasserspitzen verschärft

    In Neubaugebieten wird meines Wissens nach das anfallende Regenwasser nur noch auf den Grundstücken zum versickern gebracht. Nur das Brauchwasser fließt über die Kanalisation ab.


    In ökologischer Hinsicht sind Neubaugebiete den Bestandsgebäuden oftmals überlegen. Viel weniger Emissionen, durch die ENEV bzw. GEG. Viele Neuanpflanzungen ( heimische Hecken und Bäume), Gründächer. Der Bebauungsplan hat hier auch sehr viele Werkzeuge, die aber nicht immer zur Anwendung kommen.

  • In Neubaugebieten wird meines Wissens nach das anfallende Regenwasser nur noch auf den Grundstücken zum versickern gebracht. Nur das Brauchwasser fließt über die Kanalisation ab.


    In ökologischer Hinsicht sind Neubaugebiete den Bestandsgebäuden oftmals überlegen.

    Moment mal... die Neubauten auf diesen Gebieten müssen erstmal errichtet werden. Da dürfte sich der vermeintliche ökologische Aspekt gegenüber Bestandsgebäude mit ihrer grauen Energie relativ schnell erledigt haben. Eine Nachrüstung von Umfeld und Erschließung des Bestandes scheint mir aus Umweltschutzgründen auch sinnvoller, solange sie mit Augenmaß und Vernunft geschieht.

  • In Neubaugebieten wird meines Wissens nach das anfallende Regenwasser nur noch auf den Grundstücken zum versickern gebracht. Nur das Brauchwasser fließt über die Kanalisation ab.


    In ökologischer Hinsicht sind Neubaugebiete den Bestandsgebäuden oftmals überlegen. Viel weniger Emissionen, durch die ENEV bzw. GEG. Viele Neuanpflanzungen ( heimische Hecken und Bäume), Gründächer. Der Bebauungsplan hat hier auch sehr viele Werkzeuge, die aber nicht immer zur Anwendung kommen.

    Ich kenne solche Neubaugebiete, sind in meinen Augen jedoch nicht sehr verbeitet, eher noch in kleineren Gemeinden und sind eine billige Lösung, weil dann oft die Anliegerstraße an den Rändern nicht befestigt wird, kein Gehweg angelegt wird und das Wasser seitlich in einen etwa 3 Meter breiten trockenen Graben entlang der Straße abgeführt wird, der mit kleinen Röhren unter den Einfahrten verbunden ist und schnell verstopft und verwildert. Ich gebe Dir aber recht, dort ist das Wasserthema zumindest angegangen. Andere Lösungen, die systematisch nur noch Versickern in Neubaugebieten zulassen, wären mir bisher nicht bekannt.

    Der ökologische Ansatz ist schön und gut, jedoch muss klar sein - und das hat zeitlos schon angesprochen - neues Material herzustellen ist immer erstmal schmutziger. Kann ich ein Haus gebraucht umnutzen, spare ich immer und nur bei sehr hohen Ineffizienzen lohnt sich ein Austausch, weil der Verbrauch in wenigen Jahren die Herstellung überkompensiert. Dazu kommt beim Flächenfraß aber, dass man nicht in luftleeren Raum baut, man wandelt Hochleistungsäcker, Grünland oder sogar moorige Fläche in vielleicht 30% Gartenfläche um. Die dann künstlich bewässert wird, und nochmal meist 50% und mehr tote Wüste ist, weil Fußballrasen oder aber verzüchtete Blühpflanzen, die keine Nahrung bieten für Tiere. Gärten sind also keineswegs automatisch Biotope, die den Flächenverlust kompensieren können.