Dresden - Neustädter Markt

  • Quote from Manuel Re

    Zunächst muss geklärt werden, ob eine solche Unterschutzstellung (die gegen die Wettbewerbsergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs verstößt und jede Veränderung dort untersagt) überhaupt rechtens ist. Denkmalpflege darf keine Stadtplanung betreiben.

    Solche Beschlüsse kann die Denkmalpflege zwar fassen, aber sie hat in solchen Fragen nicht das letzte Wort. Dafür gibt es einen Präzedenzfall: City Chemnitz, Unterschutzstellung (Denkmalstatus) eines größeren Ensembles DDR-Architektur, in der Mehrheit Plattenbauten.

    Ich zitiere nachfolgend aus einem Artikel, der 1997 in einem Mitteilungsheft des Sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege erschienen ist. Eingebettet in diesen Fachartikel ist ein Abdruck aus einer Chemnitzer Tageszeitung vom 31.08.1994.


    Der genannte Fachartikel im Mitteilungsheft ist sehr lang, kann ich hier nicht alles zitieren. Deshalb nur kurz zum Ergebnis des „Streits“:

    Quote

    Der große Streit zum Karl-Marx-Forum endete schließlich so: Stadthalle mit aller Bildenden und Angewandten Kunst ist Denkmal als Sachgesamtheit. Der Karl-Marx-Kopf mit rückwärtiger Schriftwand und seitlichen horizontalen Fassadenstrukturen, mit allen Kleinarchitekturen wie Stufenanlagen und Pflanzflächen ist Denkmal. Für die übrigen Gebäude des Ensembles wurden Geschoßzahl, Gebäudeaußenlinien und Gebäudehöhen im Bebauungsplan festgeschrieben. Die Linien haben die Stadt Chemnitz und das Landesamt für Denkmalpflege einvernehmlich gezogen.

  • In der Sächsischen Zeitung steht heute, dass der Antrag vom Stadtplanungsamt an die Denkmalpflege herangetragen wurde... Warum überrascht mich das nicht?

    Ich bin mal gespannt, ob das irgendeine Fraktion zum Thema im Stadtrat machen, und z.B. nachfragen wird, wann und durch wen das initiiert wurde. Wenn das nämlich während oder sogar nach der Bürgerbeteiligung passiert ist, dann sind alle angeblichen Bekenntnisse der Stadtverwaltung bzgl. Bürgerbeteiligungen aus meiner Sicht nicht mehr ernst zu nehmen. Es ist, auch nach Sachsenbad und Narrenhäusel, jedenfalls so offensichtlich, dass man dieses "Geschmäckle" öffentlich thematisieren kann und sollte: Die Stadtverwaltung schert sich anscheinend nicht um Bürgermeinungen.


    Die Begründung des Landesamtes für Denkmalschutz klingt nämlich auch fast 1:1 nach dem, was die Bürgerinitiative "Neustädter Freiheit" an Argumenten vorgetragen hat, und zwar einseitig, ohne andere Aspekte zu berücksichtigen (z.B. diejenigen des Gutachtens von Stephan/Magirius/Hertzig). Daher sehe ich die fachliche Grundlage für dieses Denkmalobjekt als ziemlich dünn, zumindest aber äußerst streitbar, an. Wie das Beispiel Chemnitz zeigt, wird das wohl nicht das letzte Wort gewesen sein, ganz sicher aber eine unnötige Verzögerung bei der städtebaulichen Entwicklung des Areals.

  • Das wäre dann ja ein totaler Verstoß gegen demokratische Prinzipien. Sehr interessant.

    Es war nicht das Stadtplanungsamt, sondern das Amt für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden, das dem Geschäftsbereich Kultur und Tourismus untersteht, so schreibt es zumindest das Landesamt in seiner Mitteilung. Deshalb ist auch Frau Klepsch als Kulturbeigeordnete neben dem Bau-Bürgermeister in der PM zu Wort gekommen.


    Ist aber egal, denn es war somit die Verwaltung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das von Amts wegen erfolgte, und wenn, gab es genug Gründe, das bereits eher zu tun, sodass die Position des Landesamtes für Denkmalpflege im demokratischen Prozess klar gewesen wäre.

  • Solche Beschlüsse kann die Denkmalpflege zwar fassen, aber sie hat in solchen Fragen nicht das letzte Wort. Dafür gibt es einen Präzedenzfall: City Chemnitz, Unterschutzstellung (Denkmalstatus) eines größeren Ensembles DDR-Architektur, in der Mehrheit Plattenbauten.

    [...]

    Das waren noch andere Zeiten. Eine einhellige Ablehnung der Unterschutzstellung sehe ich hier nicht. Viele Anwohner werden es wohl sogar begrüßen.

    Wobei ich nach wie vor nicht weiß, was hier zusätzlich zum schon geschützten Teil, schutzwürdig sein soll. Der billige Bodenbelag, WBS-70 Platten, wie sie noch zu hundertttausenden die Republik säumen? Ich verstehs einfach nicht.

  • Quote


    Es war nicht das Stadtplanungsamt, sondern das Amt für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden, das dem Geschäftsbereich Kultur und Tourismus untersteht

    Kultur und Tourismus (sic!)...will man die Touristen auch nach Corona von dort endgültig vertreiben?! Ich verstehe allerdings die Gewerbetreibenden aus der versteckten barocken Inneren Neustadt nicht, dass die hier keinen Aufstand machen. Leider sitzen in der Verwaltung nicht die weitsichtigsten Köpfe und das weiß auch der Stadtrat, wie man am peinlichen Prozedere bei der Genehmigung des Narrenhäusels noch allseits in Erinnerung hat.


    Die Verwaltung hat natürlich ganz große Angst vor der Versetzung des GHND Pavillons auf den Neustädter Markt in Form der Dachkuppel des Neustädter Rathauses. Wer das behirnt, der versteht dieses intrigante Theater 😉...wäre schön, wenn sich zB wieder die BILD hier einschaltet und diese Machenschaften näher unter die Lupe nimmt.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ich verstehe allerdings die Gewerbetreibenden aus der versteckten barocken Inneren Neustadt nicht, dass die hier keinen Aufstand machen.

    Nein, das hast du falsch verstanden: Gerade DIE gehören leider mit zu den Agitatoren der Unterschutzstellung des Staus Quo.

    Verstehe das, wer will!!

    "Ich zerstöre mich selbst und wundere mich dann, dass die Geschäfte den Bauch runtergehen".

    Aber vielleicht will man dort ja jammern.

    Man hat vor Jahren - unsagbar einfallsreich!! - eine große Plane an die Ecke des ehem. Rathauses gehängt: "Hier geht die Stadt weiter". So einfach ist das..... Echt witzisch! Diese Leutchen, die ja nur vom Tourismus leben, kennen sich offensichtlich bestens in den Weltmetropolen aus.......

  • Weil Freund Grimminger ein Stones-Zitat ins Spiel gebracht hat, wie wär's damit:

    What a mess, this town's in tatters

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Aus welchem Land denn erwarten sie mit dieser Betonherrlichkeit die Touristen heranzulocken? Italien? Frankreich?Japan? USA? Vielleicht wollen sie sogar mit den schönsten deutschen Touristenzielen wettkämpfen: etwa mit Kassel, Pforzheim, Duisburg!


    Was für ein weitsichtiges, kluges Touristenamt! Die haben allesamt eine Gehaltserhöhung verdient, weil Touristen jetzt aus aller Welt nach Dresden strömen werden, um den Neustädter Markt zu bewundern.

    Es war nicht das Stadtplanungsamt, sondern das Amt für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden, das dem Geschäftsbereich Kultur und Tourismus untersteht...

  • Behindert oder verhindert das unter Schutz stellen der Plattenriegel die geplante historisierende Bebauung zum Elbufer hin?

  • Das wohl nicht. Aber dieser Nutzen wird demnach entsprechend beschränkt sein.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Was für ein weitsichtiges, kluges Touristenamt! Die haben allesamt eine Gehaltserhöhung verdient, weil Touristen jetzt aus aller Welt nach Dresden strömen werden, um den Neustädter Markt zu bewundern.

    Endlich hat es mal hier jemand erfasst!!! :lachentuerkis:ablachen:)cclap:)

  • Ich würd sagen, die Hauptzumutung besteht gegenüber den Einheimischen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Nein, jetzt stimmt es wieder für die, denn diejenigen am Neustädter Markt, wollen dort unter sich bleiben.

    Altsozialistisches Klientel.

  • des is scho kloar, ich bezog mich mehr auf die Dresdner als Gesamtheit, nicht die paar Privilegierten in einem in jedem Sinne billigen Plattenbau in bester Lage.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Das Megaperverse an dieser fatalen Entscheidung ist, dass nun auch die B 170 (!) und der unverstellte Blick aufs Altstädter Ufer unter Denkmalpschutz gestellt worden sind.


    Das wars dann. Gute Nacht!

  • Ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird. Vergessen wir nicht, was schon gesagt wurde:


    Quote

    Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain schlägt dem Stadtrat nun vor, mit dem Siegerentwurf weiter zu arbeiten: „Der Empfehlung der Jury soll gefolgt werden. Der erste Preis soll die Grundlage bilden für die weitere Bearbeitung des Bebauungsplans. Eine Bebauung des Neustädter Markts stellen wir jedoch zurück“, erläutert Schmidt-Lamontain den planerischen Ansatz. „Die Jury gab uns mit auf den Weg, den Umgang mit dem Neustädter Markt weiter zu untersuchen. Diese Beurteilung teilen viele Dresdnerinnen und Dresdner. Deswegen schlagen wir vor, den Neustädter Markt freiraumplanerisch zu qualifizieren und auf diese Weise sensibler mit dem seinerzeit viel beachteten und prämierten städtebaulichen Ensemble umzugehen. Da die Flächen des Neustädter Marktes städtisches Eigentum sind, drängt uns nichts“, so Schmidt-Lamontain weiter.


    Quelle: https://www.dresden.de/de/stad…fer-neustaedter-markt.php

    Ziel der Unterschutztstellung ist meiner Meinung nach nicht die Bebauung am Königsufer zu verhindern, sondern die Fläche auf dem eigentlichen Platz freizuhalten. Das war der grösste Kritikpunkt der Gegner - eine Ablehnung der Bebauung am Königsufer per se habe ich nicht gesehen - die "Neustädter Freiheit"-initiative setzt sich auch für einen Rückbau der Bundesstrasse ein. Ich bin mir sicher, dass die Stadt hier weitermachen will. Das Narrenhäusl hat wohl auch gerade die letzte Hürde genommen (meine ich gelesen zu haben?).

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Aber wenn diese unsägliche B 170 unter Schutz steht, dann kannst du nichts mehr verschmälern.

    Einfach nur irre und pervers diese Entscheidung.


    Ich bin sehr auf die Veranstaltung am Samstag (die wird jetzt erst richtig interesssant) und auf die Presseerklärung der GHND zu dem allem gespannt.

  • Nein, jetzt stimmt es wieder für die, denn diejenigen am Neustädter Markt, wollen dort unter sich bleiben.

    Altsozialistisches Klientel.

    Eigentlich handelt es sich bei dem Gebiet um die Hauptstrasse um ein funktionierendes Wohnviertel mit en zugehörigen Bewohnern. Dass dort keiner Lust hat wegzugehen, nur weil ein paar Leute sich noch mehr Rekonstruktionsarchitektur wünschen ist doch völlig nachvollziehbar. Warum sollte man an dieser Stelle die Realität durch einen Schein ersetzen? Am Neumarkt ist ja alles neu gebaut worden, da konnte man sich für den Stil entscheiden. Am Neustädter Markt gibt es bereits eine genutzte Bebauung.

  • Die hat auch niemand in Frage gestellt oder abreißen wollen.


    Es geht

    a) um die Bebauung des Elbufers,

    b) den Rückbau der unsäglichen B 170 (die jetzt auch unter Schutz gestellt wurde - Irrsinn!!) und

    c) die seitliche Einfassung des vorderen Platzes mit Neubauten - schönen Neubauten. Drei (!!) Platanen müssten versetzt werden, 20 würden aber neu hinzukommen. Klima??????


    Der jetzige "Platz" ist übrigens völlig bodenversiegelt mit Betonplatten. Die GHND wird darauf dringen, dass diese als Teil des Denkmals nun auch denkmalgerecht instandgesetzt oder rekonstruiert werden. Klima?????


    Schau dir bitte die Visus der GHND an. Das könnte traumhaft schön werden. Aber das will man ja wohl nicht.....


    Warum wird der Goldene Reiter regelmäßig Opfer von Vandalismus????

    Weil an diesem "Platz" (auch bei den Brunnen) niemand ist, niemand sitzt, niemand verweilt. Warum auch? Um sich diese sch... Autobahn mit Lärm und Gestank anzuschauen??? Jeder, der den sog. "Neustädter Markt" betritt, will dort schnellstens wieder weg, entweder in die Hauptstraße oder in die Altstadt. Dieser "Platz" ist nichts, aber auch wirklich gar nichts anderes als eine klassische 70er Jahre Verkehrswüste (übrigens gemessen am Weststandard schon zur Erbauung Ende der 70er Jahre nicht mehr zeitgemäß) .

    Ein "Denkmal von außerordentlichem Rang"??? Zum Totlachen