Raumstationen, Mond und Mars - Konzepte für den dauerhaften Aufenthalt außerhalb der Erde

  • Ja. Am Anfang zumindest wird es nur um Zweckmäßigkeit im weiteren Sinne gehen. Insofern "im weiteren Sinne", als das sich wohlfühlen zu können als elementar notwendiger Bestandteil der Konzeption von Gebäuden begriffen wird, um der extremen Isolation in den Anfangsjahren begegnen zu können.


    Die Entfernung zur Erde ist so groß, dass wegen des Zeitbedarfs für die Übermittlung von Daten noch nicht einmal ein Telefonat mit Angehörigen auf der Erde möglich sein wird.

  • Was ist denn das jetzt für ein Strang?? Raumstationen ,Mars und Mond??:kopfschuetteln:Ich dachte wir sind ein Forum mit den Themen Architektur und Städtebau?Was für ein Strang kommt als nächstes im Forum? Vielleicht Wissenschaft, Medizin und Forschung??^^Ich finde,das Forum weitet sich Thematisch inzwischen etwas stark aus.

  • Schlösser, die im Monde liegen. Operette von Laul Linke, Sänger Richard Tauber:


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  • Hier stellt sich eher die Frage, ob Menschen in komplett funktionaler Architektur leben möchten. Oder, anders, ob rein funktionale Architektur etwas mit den Menschen macht. Ob nicht der „überflüssige“ Schmuck, der zum Wohnen ja nicht zwingend notwendig ist, sogar ein menschliches Bedürfnis ist, das schon mit dem Körperschmuck in der Steinzeit beginnt? Denn um nichts anderes geht es ja: alle die „schönen“ Gebäude sind im Grunde nicht notwendig. Eine Fassade muss nicht mit Säulen und Friesen verziert sein, um eine Fassade zu sein.


    Dieser Gedanke des reinen Zwecks und die Reduktion auf nur den Zweck schwirrt immer schon in der Architektur herum: warum sollte ein Gebrauchsgegenstand „schön“ sein? Reicht es nicht, wenn er zweckmäßig ist? Die Frage nach Stuck auf dem Mars ist deshalb nicht abwegig, weil sie darüber entscheidet, WANN der Moment kommen wird, ab dem die neuen Marsbewohner ihre Häuser verzieren werden. Und das wird passieren, vielleicht nicht in den ersten Jahrzehnten, aber spätestens dann, wenn die Sachzwänge so weit zurückgedrängt worden sind, dass Zeit für „Unnützes“ entsteht. Die Faszination des zweckmäßigen Bauens, das die Funktion offenbart, verdeutlicht in Stahlkonstruktionen wie dem Eiffelturm oder einer Brücke über die Bucht von San Francisco , verselbständigt sich sofort in einer Art von „Steampunk“-Schönheit, die unmittelbar über den Zweck hinausgeht. Selbst im Schaffen des zutiefst Nützlichen gelingt es nicht, eine reine Zweckarchitektur zu erfinden.


    Jeder Schmuck ist immer auch Ausdruck, und ich befürchte, dass die sogenannten neuen Architekten nicht begreifen, dass ein komplett funktionales, reduziertes Leben nicht existiert. Ich vermute, dass dem Menschen als einziges Lebewesen ein imaginäres Weltmodell mitgegeben worden ist (Tiere fabrizieren zwar auch schöne Dinge, sind sich deren aber nicht bewusst. Sie tun es, weil die Evolution ihnen damit bessere Möglichkeiten zur Fortpflanzung gegeben hat). Ohne Imagination können wir nicht leben, denn unser komplettes Leben ist Einbildung. Wir vertrauen auf Steuern, Geld, Philosophie, Religion... imaginäre Konstrukte, die wahrscheinlich unser „kollektives Unbewusstes“ sind. Der Mensch ist ein künstlerisches Wesen, weil die Kunst imaginär ist. Wir stellen das Imaginäre sogar über die Realität, denn wir richten unser Leben nach Vorstellungen aus, die wir uns selbst erdacht haben (übrigens habe ich Schopenhauer nicht gelesen... das kommt jetzt von mir).


    Die neuen Anforderungen, wie Energieeinsparung, Luftumwälzung, Klimaneutralität, Wiederverwendbarkeit werden sicherlich in die Architektur Einzug halten. Erst wenn Form und Funktion wieder eine Symbiose eingehen, kann moderne Architektur auch ästhetisch sein - sowohl auf der Erde als auch auf dem Mars. Und die Architektur wird immer eine Komponente des Unnützen haben müssen, um zu gefallen. Schmucklose Fensterklötze, wie sie jetzt allerorten entstehen, ist eine Fehlinterpretation von dem, was „Zweck“ bedeutet. Sie verleugnen das menschliche Wesen.


    Meine völlig persönliche Theorie ist die Theorie der „Zeit“, die in Werke einfließt. Der Mensch als „Nutzer“ von Häusern und Gegenständen spürt die Zeit, die in diese Dinge eingeflossen sind. Schmuck bedeutet Lebenszeit, die den Dingen innewohnt. Bei Kathedralen sogar Jahrhunderte, weshalb wir diese Ehrfurcht vor ihnen haben. Nicht so sehr, weil sie im eigentlichen Sinne „schön“ sind, sondern weil sie die Imagination tausender Menschen sind, die ihr Leben dafür verwendet haben. Irgendjemand hat „sich“ eingebracht. Die Ästhetik entsteht durch das Konglomerat von Vorstellung und Funktion, weil Funktion in gewissem Sinne göttlich ist. Erschaffen ist gewissermaßen ein göttlicher Akt. Da Kathedralen sowieso nur für die imaginäre Welt gebaut werden (sie sind komplett überflüssig), entsteht hier die Verkörperung des menschlichen Willens und der Phantasie, um etwas komplett Nutzloses zu schaffen. Diesen Anspruch wenden Menschen früher oder später auf alle Dinge an, die sie umgeben - oder warum sollte ein Löffel für die Suppe verziert werden oder warum möchte man ein Hintergrundbild für den Bildschirm? Wofür gibt es Blümchentapeten? Warum braucht mein Handy ein Klavierlackoutfit? Diese sogenannte Nutzlosigkeit ist der Kern der menschlichen Existenz. Die meisten Menschen hängen zuallererst einen persönlichen, „überflüssigen“ Gegenstand im Büro auf (gleich nach den Topfpflanzen), um ihr Territorium zu markieren und um sich mit imaginären Welten zu umgeben...

  • Hier stellt sich eher die Frage, ob Menschen in komplett funktionaler Architektur leben möchtent .... Die Frage nach Stuck auf dem Mars ist deshalb nicht abwegig, weil sie darüber entscheidet, WANN der Moment kommen wird, ab dem die neuen Marsbewohner ihre Häuser verzieren werden

    Ich denke, Du bringst es auf den Punkt!


    Ich habe mal nach historischen Beispielen für "Pionierarchitektur" gesucht:


    - die Bauten der ersten Wikinger auf Island, Grönland und Neufundland (hier: Grafarkirkja in Nord-Island - Original ca. 1000 n. Chr, teilw. rekonstruiert im 17. Jahrhundert - Creative Commons)



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    - die ersten Kirchen der Spanier in der Neuen Welt (hier: San Miguel, Santa Fe - 1610 - Wikipedia)


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    - die ersten Kibuzze in Israel (hier: Das erste Gebäude von Degania Alef, 1910 - Wikipedia)


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    Äußerlich haben die 3 Beispiele gemeinsam, (fast) reine Zweckbauten zu sein.


    Fast, den am Frontsparren der Wikingerkirche befinden sich bereits Verzierungen, im Inneren gab es im Origialzustand auch Balken mit Ornamenten.. Die spanische Kirche ist im Inneren bereits vielfach verziert. Einzig das Haus in Degania Alef ist wirklich ein reiner Zweckbau - offenbar ging es hier zunächst nur darum, ein Dach über dem Kopf zu haben, da Leib und Leben noch unmittelbar bedroht waren. Bereits die darauf folgenden Bauten in Degania hatten jedoch wieder zeittypisches Dekor.


    Hier das Innere der Kirche in Santa Fe:


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    Zu beobachten ist also bei den historischen Beispielen, das - sobald das unmittelbare Überleben auch nur annähernd gesichert war - der Wunsch nach Ornamentik zum Tragen kam. Die Siedler haben frühestmöglich versucht, ihrem jeweiligen kulturellen Hintergrund entsprechend jenseits des Zwecks im engeren Sinne eine Umgebung zu schaffen, in der sie sich wohlfühlen.


    Die Moderne lehnt zwar vordergründig Ornamentik ab, aber es es ist dennoch relativ einfach nachzuweisen, das "Form follows function" praktisch nie in reiner Form umgesetzt wird, sondern auch hier ästhetische Aspekte eine erhebliche Rolle spielen.


    Ich gehe davon aus, dass die Phase der reinen Zweckmäßigkeit auf dem Mars sich ebenfalls auf die allerersten Schritte beschränken wird. Psychisches Wohlbefinden ist einfach viel zu wichtig, um es zu ignorieren - gerade in einer isolierten, extrem lebensfeindlichen Umgebung.

  • Für futuristische Raumfahrtprojekte sehe ich eher dunkel. Wer soll diese durchführen?

    Ich glaube, Du irrst Dich.


    Es findet vielmehr momentan wieder ein Wettrennen statt, ähnlich wie in der 1950ern und 1960ern. China, Russland und - mit Abstrichen - selbst die Europäer, sind nicht gewillt, das Sonnensystem Herrn Musk zu überlassen.

    So lange Raumfahrt rein von staatlichen Initiativen abhängig war, gab es immer das Problem, dass eine wirtschaftliche Krise mit Steuermindereinnahmen die Aktivitäten zum Erliegen bringen konnte. Durch die private Initiative ist jetzt eine Dynamik entstanden, die nur noch durch einen weltweiten wirtschaftlichen Kollaps (- der momentan nicht in Sicht ist) gefährdet wäre. Es ist spacex gelungen, durch Wiederverwendbarkeit aller wesentlichen Komponenten die Transportkosten deutlich zu senken - das setzt die Konkurrenten unter Druck, nachzuziehen.

  • Das Thema überschneidet sich auch mit futuristischer Architektur Vergangenheit als die Zukunftsvision von Kolonien auf fremden Planeten im 20 Jh. noch erreichbar schien.


    Das Raumschiff ICC in Westberlin, geplant in den frühen 70er Jahren ist ein Beispiel für diese Space-Architektur.


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    Die neue U5 Station Rotes Rathaus hat auch etwas vom Futurismus der 80er Jahre. Goldene Schrift auf schwarzem Hintergrund mit hartem Kontrast zu weißen Flächen und den geschwungenen Formen der Trageteile. Könnte gut aus einem Sciencefiction Film der 80er Jahre stammen.


  • Corona hat auch positive Auswirkungen, nämlich dass unseren Staaten das Geld für unsinnige (die dieses, allerdings weniger wichtig) oder aber auch richtig schä(n)dliche Projekte ausgeht. Was letzteres betrifft: bei uns wurde soeben das Wahnsinnsprojekt einer Waldviertelautobahn zu Grabe getragen. Das ist wohl die erste positive Politmeldung seit unvordenklichen Zeiten. Corona macht's möglich!


    Auffallend ist, dass keiner nach dem Sinn von solchen Marsabenteuern fragt... Welchen Wert hätte, wenn überhaupt möglich, ein Leben unter den dortigen äußerst widrigen Rahmenbedingungen?

    Wenn ich so jung wäre wie dieses Mädchen … würde ich vielleicht auf allerlei Ideen gemeinsamer Unternehmungen kommen, aber nicht auf einen Ausflug zum Mars. Aber ich bin es nicht mehr. Für mich ist beides fast gleich unwahrscheinlich.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • (...)


    Auffallend ist, dass keiner nach dem Sinn von solchen Marsabenteuern fragt... Welchen Wert hätte, wenn überhaupt möglich, ein Leben unter den dortigen äußerst widrigen Rahmenbedingungen?


    (...)

    Diese Frage stellt sich niemand, wenn es um Orchideen auf der Fensterbank, Steuererklärungen, Weihnachtsritualen, Quizduelle in Vorabendsendungen, übermenschliche Strapazen auf dem K2 oder um sinnloses Herumkurven auf dem Nürburgring geht. Auch auf dem Mond haben wir nichts verloren. Aber wir haben auch auf Südseeinseln, in der Wüste oder auf der Zugspitze nichts verloren. Und dennoch wollen wir da hin. Diese Frage ist die grundlegende Frage nach dem menschlichen Streben. Und eine Kosten-Nutzen-Rechnung negiert auch sämtliche Bemühungen, irgendein Gebäude zu erhalten oder überhaupt schöne Gebäude zu erschaffen, denn wie ich in meinem vorherigen Beitrag geschrieben habe: das Sinnfreie ist Teil der menschlichen Natur. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung würde für die Architektur schlecht ausgehen - und das Ergebnis einer solchen Überlegung wird jetzt Tag für Tag gebaut. Natürlich ist ein Marsurlaub völlig sinnlos. Auch Gesteinsproben oder andere wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich besser von Robotern gewinnen. Aber diese würden wir ja bauen, eben WEIL wir es wissen wollen. Wir hätten kein Interesse an Marsrobotern, wenn wir nicht selbst hinfliegen möchten - denn sie verschlingen Unmengen an Geld, das man besser anlegen könnte. Es ist also müßig, den „Nutzen“ von etwas zu hinterfragen - haben Kriege oder die Mona Lisa irgendeinen Nutzen..?

  • @ Ursus: Selbstverständlich wird nach dem Sinn von Raumfahrt gefragt, insbesondere in Europa. Bei uns kommt man meist zu negativen Antworten - des halb spielen wir auch nur eine Nebenrolle im Geschehen.

    Die Zeiten, in denen Deutschland in Naturwissenschaft und Technik allgemein vornean mitgespielt hat, liegen weit zurück. Nicht weil wir es nicht anders könnten, sondern weil wir eine stark alternde Gesellschaft sind, die auf das Bewahren des Status Quo ausgerichtet ist.


    Der Sinn liegt darin, das menschliche Leben interplanetar werden zu lassen - es auf eine breitere Basis zu stellen. Falls die Erde scheitern sollte - was leider durchaus mögliche Variante ist, kann es anderswo weitergehen.


    Wenn man in Deutschland diese Sicht äußert, erntet man gewöhnlich wütende Ablehnung. So nach dem Motto, wie kann man nur Geld ins All schießen, statt es in KiTas oder in die Krebsforschung zu stecken.


    Übersehen wird, dass die Mittel zu 100% in qualifizierte irdische Arbeitsplätze fließen, die sich selber durch Steuereinnahmen refinanzieren. Arbeitsplätze, die es ansonsten schlicht nicht gäbe.


    Ich bin notorischer Optimist. Ich glaube, dass es trotz Corona mit voller Kraft weitergehen wird. Die Menschheit wird bald Außenposten bekommen. Der Blick zurück auf die Erde als kleine und verletzliche Einheit wird auch die Selbstwahrnehmung auf der Erde positiv verändern. Wir sind eine Gemeinschaft, gleich ob wir in China, Russland, Amerika oder hierzulande leben.

  • Wenn die Erde unbewohnbar wird, wird es eine verschwindende Minderheit sein, die sich irgend wo hin retten kann. Eine außerirdische Architektur hätte dann nicht nur die Funktion des geschützten Wohnens, sondern ebenso der Produktion von Nahrungsmitteln. Gewächshäuser herkömmlicher Art könnten durch Lichttransformation (Solarzellen auf dem Dach, schützende Zwischenschicht, Beleuchtungskörper unter dem Dach)realisiert werden. Da dies auf extrem großen Flächen angelegt werden müsste, ist eine neue Art von Archtektur erforderlich.

  • Diese Aussage...

    ine Dynamik entstanden, die nur noch durch einen weltweiten wirtschaftlichen Kollaps (- der momentan nicht in Sicht ist) gefährdet wäre

    ...sticht sich mit dieser....

    Corona hat auch positive Auswirkungen, nämlich dass unseren Staaten das Geld für unsinnige (die dieses, allerdings weniger wichtig) oder aber auch richtig schä(n)dliche Projekte ausgeht.

    Ich denke auch, dass die Staaten derzeit nicht mehr in der Lage sein werden, das wirklich zu stemmen. Auf sie kommen nun andere Probleme zu. Aber durch die Kapitalakkumulation bei einer kleinen globalen Kaste von Milliardären (zu denen Leute wie Musk, Bezos, Gates gehören) entsteht dort auch die Möglichkeit nach "spinnerten Ideen", die sich Superreiche als eine Art Hobby zu leisten wünschen.

    Die Zeiten, in denen Deutschland in Naturwissenschaft und Technik allgemein vornean mitgespielt hat, liegen weit zurück. Nicht weil wir es nicht anders könnten, sondern weil wir eine stark alternde Gesellschaft sind, die auf das Bewahren des Status Quo ausgerichtet ist.

    Das ist weniger die Ursache. Auch die USA sind z.B., wenn auch weniger deutlich, eine "alternde Gesellschaft". Die Entwicklung hin zum Mars wird ja auch weniger von der Masse der Rentner getragen, als vom Kapital der Multimilliardäre. Musk wird 50, Gates ist 65, Bezos ist 56. Wenn Jugend und Weltraumflüge miteinander in Verbindung ständen, müssten die Flüge z.B. in Nigeria verwirklicht werden.

    Dass Deutschland in naturwissenschaftlicher Forschung hinsichtlich Raketentechnologie keine Rolle mehr spielt, hat viel mit der Niederlage von 1945 zu tun. Damals wurden die Wissenschaftler-Elite in die USA gebracht, um fortan für die Amis zu arbeiten. Stichwort Wernher von Braun. Dass nun auch die technische Entwicklung und Produktion in anderen Bereichen unter die Räder kommt, ist Folge der herrschenden Politik. Wir haben jedes Jahr eine deutliche Abwanderung gut ausgebildeter Deutscher in Ländern mit besseren beruflichen und steuerlichen Bedingungen. Das Reservoir wird zu einem nicht unerheblichen Teil durch Billiglöhner und Analphabethen von außerhalb aufgefüllt. Zudem ist Technik im Zuge der Klimapolitik nicht mehr gerne gesehen. Die freitags auf der Straße schreienden und von der Presse ermunterten Kids wünschen sich eine Welt ohne Autos, Flugzeuge, Fabriken und Handys... äh... letzteres streichen wir vielleicht doch. Es kommen weitere Eingriffe in die freie Wirtschaft hinzu: Allerlei Quoten, die erfüllt werden sollen, es aber kaum können, nicht nur nach Frauen (sowie zukünftig diversen Minderheiten), sondern z.B. nach CO2-Ausstoß... Dass da Ängste vor dem Verlust des Status Quo aufkommen, ist verständlich, denn die Fallhöhe ist gegeben...

    Das Raumschiff ICC in Westberlin, geplant in den frühen 70er Jahren ist ein Beispiel für diese Space-Architektur.

    Man könnte es doch abbauen und aufdem Mars wieder aufbauen. Dann wäre die Architektur denkmalgerecht erhalten und es bedarf gar keiner weiteren, alles doch nur zeitlich verzögernden Wettbewerbe zur Weltraumarchitektur... :zwinkern:

  • Wenn ich so jung wäre wie dieses Mädchen … würde ich vielleicht auf allerlei Ideen gemeinsamer Unternehmungen kommen, aber nicht auf einen Ausflug zum Mars. Aber ich bin es nicht mehr. Für mich ist beides fast gleich unwahrscheinlich.

    Die junge Dame möchte keinen "Ausflug machen", sondern aufbrechen, um zu bleiben - was ich in mehrfacher Hinsicht nachvollziehbar finde.

  • Es geht derzeit - trotz Pandemie - alles weitgehend plangemäß flott voran.

    • Auf dem Mars ist mit Perseverance ("Ausdauer") ein weiterer Rover gelandet. Mit an Bord befindet sich neben einem Helikopter auch erstmals ein Experiment, das direkten Bezug zu künftigen bemannten Landungen hat - ein Gerät, dass aus der Atmosphäre den fürs menschliche Atmen unabdingbaren Sauerstoff gewinnt. Sauerstoff wird auch benötigt werden, um auf dem Mars gelandete Raumschiffe für den Rückflug auf die Erde wieder aufzutanken. Die Landung des Gefährts mit der Masse eine Mittelklassewagens war technisch extrem anspruchsvoll. Die Atmosphäre des Mars ist viel zu dünn, um sanft an einem Fallschirm auf dem Boden aufsetzen zu können. Ein Fallschirm wurde zwar zum Abbremsen eingesetzt, aber das letzte Stück des Weges kamen Bremsraketen zum Einsatz, deren vollautomatischen Steuerung sehr anspruchsvoll ist. Anbei ein Video mit den entscheidenden Szenen der Landung: *klick *. Die Kommunikation mit der Erde lief über einen Satelliten im Marsorbit, dem nebenbei ein Schnappschuss des im Landeanflug befindlichen Rovers gelungen ist: 40698854kr.jpg
    • SpaceX entwickelt bereits das Raumschiff, das - wenn alles läuft - erstmals Menschen zum Mars transportieren wird. Alle paar Wochen finden praktische Tests statt. Das Konzept ist ein völlig anderes als seinerzeit bei den Apollo-Missionen zum Mond. Damals stieg eine gigantische Rakete in den Himmel, und ein paar Tage später kehrte nichts weiter als eine winzige Kapsel mit eben genug Platz für die Besatzung darin zur Erde zurück. Sämtliche Komponenten konnten nur ein einziges Mal verwendet werden. Die meisten Bestandteile verglühten entweder plangemäß in der Atmosphäre oder endeten als Weltraumschrott. Das Vorgehen war mit den damaligen technischen Möglichkeiten alternativlos, aber auch extrem teuer. SpaceX' Konzept beruht darauf, alle Komponenten mehrfach zu verwenden. Das spart nicht nur viel Geld, sondern minimiert auch den technischen Aufwand. Ein Raumschiff, das zum Mars fliegt, muss nicht entsprechend den Apollo-Flügen ein weiteres kleineres Raumschiff plus Treibstoff für den Rückflug mitnehmen, sondern kann vor Ort aufgetankt werden und selbst wieder zurückfliegen. Tatsächlich wird unterwegs sogar 2x aufgetankt - ein erstes mal bereits kurz nach dem Start in einem niedrigen Erdorbit. Diese Woche ist es erstmals gelungen, das "Starship" zu starten, einen Flug bis auf 10km Höhe durchzuführen und wieder heil zu landen. Starship ist im engeren Sinne die obere Stufe des Konstrukts, das später bei den Marsflügen von der Erde abheben wird. Die untere Stufe heißt "Falcon Heavy",wird parallel entwickelt und ist sogar bereits produktiv im Einsatz für andere Aufgaben. Anbei ein Video des aktuellen Testflugs: * klick*40698998fb.png
    • Ebenfalls am Mars eingetroffen sind eine arabische und eine chinesische Raumsonde. Die chinesische Sonde hat auch einen eigenen Rover an Bord, der im Juli diesen Jahres landen soll. Artikel dazu auf Heise und Wikipedia.
  • Das Space Shuttle sollte auch mehrfach verwendet werden. Dennoch brauchte es Einmal-Booster mit Einmal-Booster-Tank und musste nach jeder Landung radikal renoviert werden. Und am Ende hatte es eine ziemlich schlechte Bilanz, was Nutzlast, Nutzungsdauer und Überlebenssicherheit anging.


    Ich finde die Idee sehr gut, Dinge mehrfach zu verwenden, allerdings endete die letzte Landung von SpaceX schon wieder in einer Explosion. Und ich befürchte, dass die Aufbereitung einer zurückgekommenen Rakete teurer ist als der Neubau. Weswegen Roskosmos am Ende billiger ist als die NASA, die Russen bauen einfache Dinge, die funktionieren, zum Wegwerfen....


    Es ist ja auch der Grund, weshalb es so viele Plastikflaschen und Plastikverpackungen gibt...


    Wir werden es nicht mehr erleben, aber marsianische Architektur dürfte sich in den ersten Jahrhunderten wohl vorrangig im Untergrund abspielen. Da ist der Schwarzenegger-Film nicht mal weit entfernt...

  • Ohjeh! Auf was für seltsame außereuropäische Kulturen man in den Untiefen des APH so treffen kann!


    Die Idee, den Mars zu erobern, ist nicht neu. Bereits vor einer Million Jahrhunderten hatten die Bewohner des Planeten Katain entsprechende Pläne. Aber auf dem Mars lebte bereits ein Volk. Das war böse und hatte Kampfraumschiffe . . .


    Zwei Folgen "Captain Future" von 1978:

    Folge 4

    Folge 5

    (Die Fortsetzung Folge 6 fehlt dann leider.)


    Für mich ist "Captain Future" der Höhepunkt der bemannten Raumfahrt und der interplanetaren Zivilisation. Sehenswert auch mit Blick auf Architektur und Design.