Ausstellung im Humboldt-Forum Berlin

  • mmmhh...ich glaube die Gemäldegalerie oder zumindest ein Teil der ehemaligen Repräsentationsräume a la Dresdner Stadtschloss oder noch besser - da Totalrekonstruktion - a la rekonstruiertem Warschauer Stadtschloss würden besser dort hinein passen.

    Egal wie man die zukünftige Ausstellung im HuFo findet bzw. welchen Bezug man zur außereuropäischen Kunst hat, das war die einzig sinnvolle Möglichkeit den Riesenbau sinnvoll mit Inhalt zu füllen bzw. den Stein zum Wiederaufbau des Schlosses ins Rollen zu bringen. Die Gemäldegalerie hingegen verfügt bereits über ein sehr gutes Gebäude am Kulturforum, wenngleich derzeit (noch) in der Peripherie jeglicher Touristenströme. Zudem bietet der Bau der Gemäldegalerie am Kulturforum erstklassige Räume mit Oberlicht, die das Berliner Schloss so nicht hat, und dessen viele Fenster sind auch nicht ideal für eine klassische Gemäldehängung.

    Nichtsdestotrotz sollte (und wird) es natürlich möglich bleiben zukünftig einzelne Innenräume zu rekonstruieren, wofür dann natürlich die jeweilige Ausstellung räumlich verlagert werden müsste. Das sollte aber langfristig kein Problem sein, da im HuFo riesige Flächen im 1. OG. für Belangloses bzw. intellektuelle Luftnummern vergeudet werden („Berlin Global“, Humboldt-Akademie).

  • In Dahlem steht sonst auch noch das Museum Europäischer Kulturen. Ich weiß aber nicht, wie umfangreich dessen Ausstellung und Archiv sind. https://www.tagesspiegel.de/ku…-rote-liebe/19314782.html . Im Grunde gehören die europäischen Kulturen zu den Weltkulturen natürlich dazu.

    In diesem werden, wenn man der taz glauben darf https://taz.de/Museum-Europaeischer-Kulturen/!5591225/ , auch Exemplare aus Schlesien ausgestellt, das ja (in Teilen) über mehr als zweihundert Jahre zum preußischen Territorium gehörte.

  • Ich denke schon jetzt rückt das Humboldt-Forum die Ausstellungsstücke außereuropäischer Kulturen ins Rampenlicht. Allerdings anders als seinerzeit gutmenschlich gedacht - es durfte ja keinesfalls etwas deutsches in die Schlosshülle, bloß jein preußisches Identitätstäterätä! Es musste weltoffen sein. Die in Dahlem im renovierungsbedurftigen Museumsbau schmachtenden außereuropäischen Sammlungen kamen gerade recht. Also herbei damit ins Schloss, das Problem schien gelöst.


    Denkste!


    Nicht zuletzt die Tatsache des barocken Gewands des HuFos lässt allerhand KritikerInnen auf den Plan treten. Die Schlosshülle bleibt natürlich reaktionär und alles was darinnen ist kann ja nur von Übel sein. Das befeuert nun eine Restitutionsdebatte, die ohne HuFo sicher nicht in diesem Umfang stattgefunden hätte. Aber das Humboldtforum will ja so gerne ein Forum der Diskussion und Kontroverse sein... nun, das ist es ja jetzt!


    Wie ich uns Deutsche kenne sind wir ja gerne Weltmeister, und ganz besonders im Büßen. Das bedeutet im konkreten Fall, dass wir sicher als erste (Weltmeister!) und viel umfassender als alle anderen europäischen Kolonialisten die Exponate restituieren werden. Dann ist das gerade so bedeutungsvoll gefüllte Schloss auf einmal wieder leer... 😭


    Aberdann ist endlich Platz für die Rekonstruktion der Prunkräume 😂

  • Das Museum Europäischer Kulturen soll langfristig einen Neubau am Kulturforum bekommen (hier eine Visu). Da dieses Museum aber in der Hierarchie der Museen bzw. der ihm zugemessenen Bedeutung ganz weit hinten steht, werden die 'Europäischen Kulturen' vermutlich noch für sehr lange Zeit ihr Schattendasein in der Peripherie Dahlems fristen müssen.

  • Das befeuert nun eine Restitutionsdebatte, die ohne HuFo sicher nicht in diesem Umfang stattgefunden hätte. Aber das Humboldtforum will ja so gerne ein Forum der Diskussion und Kontroverse sein... nun, das ist es ja jetzt!

    Ja, und ich empfinde das durchaus als positiven Aspekt.


    Wie ich uns Deutsche kenne sind wir ja gerne Weltmeister, und ganz besonders im Büßen. Das bedeutet im konkreten Fall, dass wir sicher als erste (Weltmeister!) und viel umfassender als alle anderen europäischen Kolonialisten die Exponate restituieren werden. Dann ist das gerade so bedeutungsvoll gefüllte Schloss auf einmal wieder leer...

    So weit wird es sicher nicht kommen. Es kommt ja darauf an, wie die Exponate erlangt worden sind und ob es überhaupt Ansprüche gibt. Die sichtbaren Exponate machen bei Museen einen verschwindet geringen Anteil der Gesamtobjekte aus. Fast alles lagert in den Magazinen.


    Mit Buße hat das übrigens nichts zu tun, sondern mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Kulturgut. Selbst, wenn das Exponat den Eigentümer wechseln sollte, so wäre an einer Dauerleihgabe zu denken, wenn die Bedingungen für das Exponat hierzulande besser wären.

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    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Wie ich uns Deutsche kenne sind wir ja gerne Weltmeister, und ganz besonders im Büßen. Das bedeutet im konkreten Fall, dass wir sicher als erste (Weltmeister!) und viel umfassender als alle anderen europäischen Kolonialisten die Exponate restituieren werden.

    Frankreich und die Niederlande sind da in der Tat schon um einiges weiter als wir (beispielhafte Quelle).

    Auch typisch deutsch wäre es andererseits, Dinge, die man einmal als richtig erkannt zu haben glaubt, bis in die letzte Konsequenz in der Praxis durchzuziehen. Das gilt ja für die Linke ebenso für für andere politische Strömungen und wird derzeit mit dem grassierenden Moralismus eher noch ausgeprägter. Das Problem bei den Restitutionen ist doch auch die Frage, wo - wenn man einmal damit anfängt - denn die natürliche "juristische" Grenze für Rückgaben liegen soll. Viele zu kolonialen Zeiten nach Deutschland gekommene Artefakte wurden durchaus "erworben", nur waren es eben Kaufverträge zwischen ungleichen und abhängigen Partnern, und damit nach unserem heutigen Verständnis sozusagen sittenwidrig. Aber müssten wir auf der Basis dieser Einschätzung nicht auch so gut wie alle Kunstwerke aus unseren Museen an Ägypten zurückgeben, die vorderasiatischen Museen leeren, auch viele Antiken nach Italien zurückbringen, da sie beispielsweise aus geplünderten Gräbern stammen?

    Nur wäre es auch kein erstrebenswertes Endziel, dass man in jedem Land quasi nur noch Kunst zu sehen bekommt, die innerhalb der eigenen Landesgrenzen hergestellt wurde. Gerade die Ausstellung internationaler Kunstwerke möglichst vieler Kulturen und Epochen in den Museen ist es doch, was den Horizont erweitert und den inspirierenden Vergleich ermöglicht. Ein Dilemma...

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Gibt es denn überhaupt Hergabeforderungen von offiziellen Quellen für die Stücke im HuFo?

  • Die einzige mir bekannte, sehr aktuelle Forderung richtet sich nach den Benin-Bronzen, die hier ja schon erwähnt wurden. 1897 von britischen Kolonialtruppen bei einer "Strafexpedition" gegen das Königreich Benin (im heutigen Nigeria) geraubt, als man dessen Hauptstadt geplündert und verwüstet hat. Der kulturelle Schatz eines ganzen Volkes, teilweise Jahrhunderte alt, innerhalb weniger Tage geraubt und gebrandschatzt. Die meisten der mehreren tausend Stücke blieben in England (British Museum, Pitt Rivers Museum in Oxford), viele wurden aber direkt versteigert, um damit die Kosten des Feldzugs zu begleichen (Quelle: Tagesspiegel).


    Die nigerianische Botschaft hat bereits im August 2019 eine Rückgabeforderung gestellt, wie kürzlich bekannt wurde. 2025 soll ein Museum für Westafrikanische Kunst in Benin-Stadt eröffnet werden, genau dort, woher die Bronzen ursprünglich stammen. Einzelne Rückgaben gab es bereits durch das British Museum zwischen 1950 und 1972 durch die Verkäufe von 30 doppelt vorhandenen Werken an die nigerianische Regierung. Heute werden laut Tagesspiegel 64 Bronzen in Lagos ausgestellt, weitere 12 in Benin-Stadt. Die englische Wikipedia listet auf, in welchen internationalen Sammlungen heute wie viele der Bronzen vorhanden sind. Ein ziemlich großer Anteil gelangte nach Deutschland, auch wenn die Bestände in Hamburg, Dresden, Leipzig und Köln nicht die gleiche Aufmerksamkeit erhalten wie das Humboldt-Forum. Die Leipziger Volkszeitung hat mal über die sächsischen Sammlungen berichtet.


    Es gibt offensichtlich viel mehr Werke in den Sammlungen, als die Museen ausstellen können, Nigeria fordert auch nicht alle zurück, sondern nur die bedeutsamsten Stücke. Davon wiederum will sich wohl kein Museum freiwillig trennen. Außerdem sind die Bronzen auf dem Kunstmarkt einiges wert. Auch das Kapital schenkt man eher ungern her.

  • 1. Wird es natürlich schwierig mit der Rückgabe solcher Kunstwerke. Denn, wenn es nicht nur eine weitere PR-Aktion gegen die weiße Welt sein soll, müsste das Ganze so ausgeweitet werden, dass die ganze Menschheitsgeschichte aufgearbeitet wird. Das heißt dann, die Schweden müssten die Kunstwerke des Prager Kunstraubs aus dem 17. Jahrhundert zurückgeben. Ebenso diejenigen französischen und britischen Sammlungen, die daraus Stücke übernommen haben. Es wäre auch zu forschen, was an germanischstämmigen Raubkunststücken der Römerzeit in italienischen Museen schlummert. Und der Rückgabe der Beutekunst des zweiten Weltkriegs verweigert sich Russland ja bis heute. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

    2. Warum aber wird von Nigeria nur Rückgabe der bedeutsamsten Stücke gefordert? Warum fordern die Nigerianer nicht alles? Solche Rosinenpickerei von Seiten eines Bestohlenen wirkt seltsam.

    3. Müssten die Deutschen, wenn sie die Bronzen zurückgeben ihrerseits das dafür gezahlte Geld von den Briten zurückfordern. Denn nach bundesdeutschem Recht hat der Käufer von gestohlener Ware, die er an den ursprünglichen Eigentümer zurückgeben muss, einen Anspruch, sein Geld von dem Verkäufer zurückzufordern. (Siehe hier) Ich würde das entsprechend der heutigen Kaufkraft berechnen.

    4. Müsste festgestellt werden, ob z.B. in diesem Fall der Staat Nigeria oder ein nigerianisches Museum rechtsidentisch mit der einstigen Königsfamilie in Benin ist, somit also den richtigen Empfänger darstellt.


    Also, diese Rückgaben werden in toto ein Welt-Jahrhundertprojekt, das in allen Einzelheiten einen internationalen Gerichtshof mindestens über Jahrzehnte beschäftigen könnte.

  • Ich möchte bitte jene Marmorskulpturen aus Sanssouci zurück, die Friedrich II im Dresdener Großen Garten eingepackt hat.
    Und die Dresdener Tiepolos, die er widerrechtlich nach Berlin mitgenommen hat...
    ;-)

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    Nur wäre es auch kein erstrebenswertes Endziel, dass man in jedem Land quasi nur noch Kunst zu sehen bekommt, die innerhalb der eigenen Landesgrenzen hergestellt wurde. Gerade die Ausstellung internationaler Kunstwerke möglichst vieler Kulturen und Epochen in den Museen ist es doch, was den Horizont erweitert und den inspirierenden Vergleich ermöglicht. Ein Dilemma...

    Da wäre erst einmal eine Studie von Nöten, die den unterschiedlichen Erlebnis- und Bildungseffekt von Originalen und genauen Kopien herausstellt. Sogar an der Originalität der Nofretete gab es Zweifel.

  • Auch wenn linke Aktivisten noch so laut schreien, die Europäer werden ganz sicher nicht ihre Museen leerräumen. Bei der ethnologischen Sammlung im Humboldtforum wird man selbstverständlich die Spitzenstücke ausstellen (dafür ist das neue Museum doch schließlich gebaut worden!), diese umfassen aber nur rund 3 Prozent der Sammlung. Für die 'restlichen' 97 Prozent der Sammlung gibt es auch zukünftig nicht genug Raum für eine öffentliche Präsentation, obwohl diese Objekte keinesfalls qualitativ alle nur 'zweite Wahl' sind. Seit Jahrzehnten schlummern diese Objekte mehr oder weniger ungepflegt und unbeachtet in den Depots in Dahlem vor sich hin. Davon könnte man sicherlich einiges "restituieren", ohne große Wunden in die Sammlung zu schlagen. Und angesichts der Tatsache dass rund 80 Prozent des afrikanischen Kulturerbes in europäischen Museen (bzw. deren Depots) schlummert wäre das auch angemessen.

  • Quote from Heimdall

    müsste das Ganze so ausgeweitet werden, dass die ganze Menschheitsgeschichte aufgearbeitet wird

    Richtig ist, dass wir nicht alles vergangene Unrecht vollumfänglich aufarbeiten können, sonst bleibt uns keine Zeit mehr für die Zukunft übrig. Für Kriegsbeute aus dem Zweiten Weltkrieg stimme ich dir grundsätzlich zu, Heimdall. Auch dort gäbe es noch einige Dinge zurückzugeben oder wiederzufinden. In meiner Heimatstadt wurden z. B. 1945 etwa 20 Gemälde von Heinrich Bürkel aus der städtischen Sammlung von amerikanischen Soldaten gestohlen. Vor 10 Jahren wurden 4 davon zurückerstattet, die amerikanische Behörden bei privaten Besitzern oder Auktionen aufgestöbert hatten. Es geht aber bei Restitutionen erstens um fallweise und nicht um Pauschalentscheidungen, und zweitens wäre es absurd, alle möglichen Fälle aus der längsten Vergangenheit in die gleiche Reihe zu stellen.


    Die Römer müssen sicher nicht dem Volk der Sabiner ihre Frauen zurückgeben. Auch der Prager Kunstraub ist kein relevanter Vergleich, da niemand hierzu Ansprüche stellt (wer hätte überhaupt die Ansprüche geerbt?) und es sich um ein nach damaligem Kriegsrecht legales Vorgehen handelte. Das war ein Konflikt zwischen gleichberechtigten Parteien, selbst wenn eine Seite ihr zeitweises militärisches Übergewicht ausgenutzt hat, die andere Seite kämpfte nach den gleichen Regeln und konnte sich wehren. Dieser Punkt wird kolonialen Konflikten ja nicht ganz zu Unrecht abgesprochen.

    Quote from Heimdall

    Warum fordern die Nigerianer nicht alles?

    Die Nigerianer werden selbst wissen, dass das unrealistisch ist. Auf dem Rechtsweg könnten sie ihre Ansprüche kaum alle erkämpfen. Es kann hier nur um symbolische Rückgaben gehen. Und verständlicherweise wollen sie selbst mitreden, welche Stücke man ihnen zurückgibt. Der typische "deutsche Kompromiss", der niemanden zufriedenstellt, aber auch niemandem zu sehr wehtut, könnte darin liegen, einzelne Stücke als Leihgabe für das neue Museum in Benin zur Verfügung zu stellen. Das würde auch die Klärung der Frage ersparen, ob im Falle einer Restitution der rechtmäßige Besitzer das immer noch bestehende Königshaus von Benin oder der nigerianische Staat wäre.

  • Es ist der vollkommen falsche Ansatz, bei den Rückgabeprozessen etwas gegen anderes Unrecht aufrechnen zu wollen. Ebenso möchte niemand, vergangenes Unrecht in Gänze gutmachen, weil dies einfach unrealistisch ist. Und das ist den meisten Beteiligten natürlich bewusst. Wie hier von Kurpfalz bereits richtig festgestellt wurde, geht es vor allem um den symbolischen Akt. Dieser darf und wird aber kein Einzelfall bleiben. Bereits jetzt ist die Provenienzforschung in vielen Museen eine der wichtigsten Aufgaben der letzten Jahre. Und ihre Bedeutung wird weiter zunehmen. Die Zeiten, in denen Kulturgut weitgehend national verstanden wird, sind vorbei. Wir haben es hier mit einer Herkulesaufgabe zu tun, unser WELTKULTURERBE zu schützen. und dabei sind politische Scharmützel und nationale Empfindlichkeiten meist nicht hilfreich.

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  • ...Die Zeiten, in denen Kulturgut weitgehend national verstanden wird, sind vorbei. Wir haben es hier mit einer Herkulesaufgabe zu tun, unser WELTKULTURERBE zu schützen. und dabei sind politische Scharmützel und nationale Empfindlichkeiten meist nicht hilfreich.

    Das ist ein schönes Ziel...oder ein schöner Traum.

    Meinst Du wirklich, dass die Verantwortlichen in anderen Ländern, z.B. in Russland, der Türkei und China, dies genauso sehen?


    Und wer hat unser Weltkulturerbe in den vergangenen Jahren z.B. im Irak und in Syrien geschützt?

  • Normalerweise gibt es bei Eigentumsdelikten eine maximal 100jährige Verjährung auf Herausgabeansprüche, auch da Gegebenheiten in weiter Vergangenheit nicht mehr eindeutig geklärt werden können. So wurde es auch mit der Kolonie Hongkong geregelt, welche kürzlich an China zurückging. Wenn man allerdings von der SU die Raubkunst aus dem ZW zurückfordert, sollte man Kunstobjekte, die eindeutig in Kriegen erobert wurden, auch zurückgeben (auch wenn hier die Verjährung bereits kapp eingetreten ist).


    Morgen ab in den UPS-Container und dann in Nigeria vor dem Parlament abladen, mit besten Grüßen. Bisher hat doch niemand von der Existenz dieser Büsten überhaupt gewusst, wo ist da der Verlust? Soll man diese Rückgabedebatte jetzt ewig hinausziehen? Gegenüber den britischen Kunsthändlern kann man Schadensersatz einfordern.


    Das verkümmerte Kunstgewerbemuseum (nur 50.000 Besucher im Jahr) hat eine hervorragende Auswahl an Kunstobjekten (Welfenschatz, Lüneburger Ratssilber, zahlreiche Reliquien, königliches Porzellan etc.), die das HuFo adäquat füllen und aus ihrem Schattendasein befreien.

  • Meinst Du wirklich, dass die Verantwortlichen in anderen Ländern, z.B. in Russland, der Türkei und China, dies genauso sehen?

    Das UNESCO-Weltkulturerbe ist ja nun keine neue Erfindung. Insofern scheint es an vielen entscheidenden Stellen ähnliche Ansätze zu geben, Kultur nicht in nationalstaatlichen Grenzen zu denken. Diese Gedanke hat sich aber noch bei weitem nicht überall durchgesetzt, wie deine folgende Frage aufzeigt.


    Und wer hat unser Weltkulturerbe in den vergangenen Jahren z.B. im Irak und in Syrien geschützt?

    Wer hätte es denn deiner Ansicht nach tun sollen? Allein, dass es nicht geschehen ist, zeigt, dass an anderen Orten die Anstrengungen umso mehr erhöht werden müssen. Es bringt uns nicht weiter, mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn international etwas erreicht werden soll.

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  • Meinst Du wirklich, dass die Verantwortlichen in anderen Ländern, z.B. in Russland, der Türkei und China, dies genauso sehen?

    Im Prinzipz ja. Wobei es überall auch Kritikpunkte und Verbesserungsmöglichkeiten gibt.


    Und wer hat unser Weltkulturerbe in den vergangenen Jahren z.B. im Irak und in Syrien geschützt?

    In Kriegsgebieten gibt es immer Zerstörungen. Akte von gezieltem Vandalismus gab es durch den IS. Alle, die sich am Kampf gegen den IS beteiligen, engagieren sich damit für den Schutz des Weltkulturerbes. In Syrien spielt Russland eine wichtige Rolle. Erinnert sei an die Befreiung Palmyras. Das militärische Engagement wird von Friedensbemühungen und Vermittlungsversuchen begleitet. In Mali wurden durch militärisches Eingreifen der Franzosen Kulturgüter in Timbuktu gerettet. Auch dort hatte es Zerstörungen durch islamistische Extremisten gegeben.


    In Krisengebieten engagiert sich die UNESCO. Hier solltest du nicht übersehen, wer die UNESCO im Wesentlichen finanziert und zum Beispiel auch Forschungskapazitäten und Ähnliches bereithält.


    Die Äußerung von tegula ist auch im Sinne des "Shared-Heritage"-Ansatzes zu verstehen, der insbesondere für die ethnologischen Museen Bedeutung hat.