Bremerhaven-Lehe

  • Das von Löbenichter genannte Haus ist jetzt voll eingerüstet:



    (Schnappschuss aus fahrendem Auto). Das wird aber gut. Bei der Hafenstraße 199, das von einem russischen Investor zur Sanierung übernommen wurde vor einigen Jahren, ist leider nichts passiert:



    Zustand in der Nachkriegszeit:


    (Denkmalpflege Bremerhaven)


    Das ist auch eine echte Perle, momentan leider nur notgesichert mit Gerüst, aber ohne erkennbare Aktivität.

  • Im Sanierungsgebiet Goethestraße gibt es folgenden Sachstand. Das Haus Uhlandstraße 25, ohnehin schon sehr schön renoviert und weiter oben schon als "fertiggestellt" gekennzeichnet, hat noch gusseiserne Blumenkästen bekommen:



    Das ist einfach das Thörner-Niveau. Kein Mensch hätte gemerkt, dass die fehlen, aber er lässt sie trotzdem anfertigen und anbringen. Wirklich doll.


    Gegenüber ist die Uhlandstraße 18 nun wirklich fast fertig:



    Fassadendetail:




    Und ein Bonusbild, das zeigt, wie weich der Untergrund in Lehe ist - man achte darauf, wie schief das Haus im Vergleich zu seinem Nachbarn steht:



    Statische Folgen hat das anscheinend kaum, aber es sieht schon krass aus.

  • Die Goethestraße 60 nähert sich auch allmählich ihrer Vollendung, man achte auf Details wie die kleinen "Spitzen", die auf dem Dach wieder angebracht wurden:




    Das wird Rolf Thörners (vorläufiges) Meisterstück.


    Weiter südlich hat die Goethestraße 32-24 ihre ersten neuen Fenster bekommen:



    Blick entlang der EG-Fassade hinterm Gerüst:



  • Aber es bleibt sehr viel zu tun. Der allermeiste Bestand im Gebiet ist weiterhin in mäßigem bis schlechtem Zustand:



    Das obige Gebäude ist immerhin von der Städtischen Wohngesellschaft erworben und notgesichert worden.


    Zwischendurch wird der Blockrand auch etwas unmotiviert durch kleine Villen unterbrochen, auch diese hier in einem sehr schlechten Zustand:



    Ein Block weiter südlich eine typische Szene für Lehe:



    Es bleibt extrem viel zu tun.

  • Heute nur kleine Stippvisite in Lehe. Die Goethestraße 60 (ehemalige "Mutter aller Schrottimmobilien") nimmt immer weiter Gestalt an, allerdings leider noch nicht abgerüstet, worauf ich spekuliert hatte:



    In der Hafenstraße wird ein weiteres, großes gründerzeitliches Wohn- und Geschäftshaus saniert (auch schon Thema gewesen weiter oben):



    wirkt auch recht gründlich gemacht:




    Hafenstraße mit dem Sanierungsobjekt rechts im Bild:



    Umgebung mit reichlich weiteren Sanierungskandidaten, dies hier wirkt allerdings eher wie die Lehe-Light-Sanierung:



    hier mal der typische Zustand nach "Lehe Light" (allerdings noch vor der Gestaltungssatzung, die farblich unpassende Anstriche nun verhindern müsste):



    Kleine, etwas morbide Eingangsszene:



    Typischer Straßenzug - wie gesagt handelt es sich um den "ärmsten Stadtteil Deutschlands" (Bild):



    Wie immer bleibt: viel zu tun.

  • Ich war heute auch in Lehe - scheint ein neuer Geheimtip hier zu sein - und kann nur bestätigen, dass es jeden Besuch Wert ist. Vor allem die Goethestraße mit ihren maigrünen Alleebäumen in der Sonne und den beiden bereits auf das Schönste sanierten Häusern. Die Mutter aller Schrottimmobilien dauert noch ein wenig - und das auch deshalb so lange, weil eben so viel zu tun ist, sonst wäre sie nicht die Schrottimmobilie schlechthin gewesen. Aber das was sich heute schon sichtbar zeigt, zeugt von hoher Qualität und vermag nur zu begeistern. Die Knospen werden bald aufgehen und dann erstrahlt dort eine traumhaft schöne Blüte. Es ist ein wenig wie Leipzig oder Görlitz zu Beginn der Sanierungswelle. Man wird überrascht, was diese wunderbaren Gebäude für Perlen, ja Diamanten sind. Und man bedenke, so schön wie man heute sanieren kann, waren diese Gebäude niemals zuvor. Insofern ist es eine hoch interessante Zeit, in der wir leben.

  • Und man bedenke, so schön wie man heute sanieren kann, waren diese Gebäude niemals zuvor. Insofern ist es eine hoch interessante Zeit, in der wir leben.

    Auch das ist in der Tat ein interessanter Aspekt. Auf alten Bildern, aber schon noch in der Kaiserzeit, wirken viele gründerzeitliche Stadtteile in der Tat oft recht grau und fast vernachlässigt, insofern hast Du wohl Recht, dass diese Häuser noch nie so schön waren wie wenn man sie heute gut saniert. Die Segnungen der modernen Bauindustrie. Auch der Wohnkomfort ist um ein Vielfaches besser durch bessere Fenster. Früher müssen die wirklich schwer zu heizen gewesen sein. Man kann sogar das Gefühl verstehen, warum diese Häuser ab den 1920er Jahren so schnell an Popularität verloren. Umso schöner, wenn sie nun wiederauferstehen.


    Ich wünsche dem Stadtteil auch wirklich alles Gute, denn er kann es trotz der ganzen Bemühungen gebrauchen. Ich hoffe, Bremerhaven kann überhaupt genug Leute finden, die ihn nach oben ziehen. Das werden wie überall Studenten, Künstler und andere "mutige" Entdeckertypen sein müssen wie dieses Mehrgenerationenwohnprojekt in der Goethestraße, also Gentrifizierer. Anders wird es nicht gehen.


    Wenn es gelingt, kann es in der Tat ein Beispiel für gelungenen westdeutschen Stadtumbau unter widrigsten Bedingungen werden. Bremerhaven in der Hitparade der am härtesten vom Strukturwandel getroffenen Städten in Westdeutschland einen der Spitzenplätze ein. Das Niveau der Sanierungen ist wirklich einmalig in Westdeutschland. Und wie so oft sind es am Ende nur eine Handvoll fähiger, engagierter Leute in einer fast zufälligen Idealkonstellation, die das ganze ausgelöst haben (Investor Thörner, eine sehr motivierte städtische Wohnbaugesellschaft, ein gutes Stadtteilmanagement/fehlende Schnarchnasen in der öffentlichen Verwaltung und die Leute um das Künstlerhaus "Goethe45").

  • Wirklich spannende Entwicklung. Erinnert fast an ein westdeutsches Pendant zu Leipzig im Kleinformat. Leipzig war vor 15-20 Jahren auch noch nahezu abgeschrieben, galt häufig als Schlusslicht und man fand jeden "mutig", der dort investierte.


    Wieder zeigt sich: erhaltene Altbausubstanz ist einer der besten Garanten für künftige Prosperität. Darum ist es auch so wichtig, dass auch verzweifelte Städte alles unternehmen, diese Substanz, diesen Goldschatz zu wahren und nicht einfach dem "schnellen Taler" zu opfern. 🏆

  • Neue Rutsche Bilder aus Lehe, leider ist mein "Lieblingshaus" Goethestraße 60 immer noch nicht abgerüstet, aber nochmal besser zu sehen als vorher:



    Unglaublich, mit wieviel Liebe die Fassade wiederhergestellt wird:





    Nochmal von der Goethestraße aus gesehen:



  • Und nochmal die Uhlandstraße 18:



    Tolle Fassade:



    Neue Haustür, weiß nicht, als Neukonstruktion ob dem längst verschwundenen Original nachempfunden, oder transloziert aus einem anderen Haus. In jedem Falle richtig schick:



    Neben dem Haus befindet sich zur Goethestraße eine Lücke im Blockrand (Bombenlücke? Nie bebaut? Nachkriegsabriss? - egal), hier entsteht eine kleine Terrasse, weiß nicht, was für eine konkrete Nutzung hier geplant ist, kann auch einfach privat sein:



    Gegenüber (auch schon gezeigt, ist aber einfach so schön):



    In der Uhlandstraße der erhoffte Dominoeffekt, allerdings qualitativ nicht besonders vielversprechend:


  • Der Knüller aber war eine Zufallsbegegnung mit Rolf Thörner. Er hatte mich fotografieren sehen und angesprochen. Richtig sympathischer Mann, dem wirklich etwas am Stadtteil liegt und der fast als "Altbauextremist" zu bezeichnen ist. So besteht er gegenüber den Handwerkern darauf, dass die Fassaden mit dem Quast gestrichen werden und nicht mit der Rolle. Es wird wirklich alles erhalten, die ganzen Geschichten mit "die Dielen waren nicht zu retten", "den Terrazzoboden mussten wir leider überkleben", "die Türen waren rott" - typisch für westdeutsche Altbausanierungen sind mit ihm nicht zu machen.


    Auch berichtete er darüber, dass ein Problem in Bremerhaven sei, dass die Laibungen der Fenster innen wie außen das gleiche Maß haben, während es in Bremen z.B. üblich sei, dass die Innenlaibung größer als die äußere ist, so dass man beim Fensterwechsel einfach das alte Fenster nach innen ausbauen kann, und das neue "reinschieben". In Bremerhaven aber muss man beim Fensterwechsel entweder ein kleineres Fenster einbauen und dann innen und außen mit Leisten "pfuschen", oder eben wirklich ans Mauerwerk und die Öffnung innen aufstemmen. Vor diesem Schritt schrecken viele Besitzer zurück, so dass fast alle Altbauten in Bremerhaven "zu kleine" Fenster haben, die alten werden einfach rausgebrochen und die neuen dann eben passend eingebaut.


    Der Mann meint es wirklich ernst.


    Und als absolutes Bonbon bestätigte er mir noch, dass als nächstes diese beiden Häuser auf dem gleichen Niveau saniert würden, sie waren letztes Jahr von der STÄWOG zur Notsicherung erworben worden:




    Ich hatte genau darauf weiter oben schon spekuliert, aber wusste natürlich nix. Die Planungen laufen bereits und die Arbeiten sollen bald beginnen. Unfassbar, was dort in dieser geschundenen Straße alles passiert. Und keine Spur von Müdigkeit.

  • Das ist ja phantastisch!

    Zur Einweihung der Goethestraße 60 wäre ein Treffen mit Herrn Thörner dort doch genial.

    Wer kommt mit?

  • Zur Uhlandstraße 16:


    Ich hätte die Jugendstilschmuckelemente von der Fassadenfarbe in weiß abgesetzt. Das hätte einen ästhetischen Zusatzgewinn ergeben.. Es sieht jetzt so aus, als wäre der Maler einfach mal mit dem Pinsel über alles rübergefahren. Ich weiß wohl, je mehr Farben, desto teurer die Renovierung, aber ob es daran lag, dass nur eine Farbe genommen wurde.......

  • Ja, er macht alles unifarben. Ich schätze aber, dass er das nicht aus Preisgründen macht, sondern weil die Häuser original so aussahen. Auch in Leipzig wird ja sehr viel einfarbig saniert, und fast immer in diesen Creme- und Eierschalenfarben. Muss aber gestehen, dass ich über die Originalanstriche nicht viel weiß. Viele Häuser waren auch einfach ungestrichen/putzfarben, wenn man sich alte Bilder aus Gründerzeitgebieten anschaut. Das war oft eine ziemlich graue Angelegenheit, muss man so sagen.

  • Ich habe noch ein Heinzer-Foto in der Galerie gefunden, dass die farbliche Absetzung von Schmuckelementen vom Fassadenuntergrund gut zeigt, ich meine das linke Gebäude:


    38511-4d65bb66-3d1f-4fdb-89e4-339b62c0d01d-1-201-a-autoscaled-jpg


    PS: Ich hatte mal eine Reihe von Fotos über die Bebauung an Neuen Hafen eingestellt. Ich find´s nicht mehr wieder, kann da jemand helfen....oder haben wir es hier wieder mal mit dem öfter schon bedauerten Verschwinden von Fotos zu tun?