Bremerhaven-Lehe

Die Wahl des Gebäudes des Jahres 2020 findet statt. Bis 28.02. habt ihr Gelegenheit abzustimmen. Vereinsmitglieder schauen mal in ihrem Email-Postfach nach, Forenmitglieder können hier im Forum auf Abstimmung des Gebäudes 2020 abstimmen.
  • Ich möchte die Bremerhaven-Stränge nochmal neu aufstellen. Dieser hier soll den höchst erfreulichen Entwicklungen im Bremerhavener Stadtteil Lehe gewidmet sein. Zunächst eine Darstellung des Sanierungsgebiets bei GoogleMaps:



    Wir sehen die vertikal von Nord nach Süd durch das Viertel ziehende Goethestraße, die dem Quartier ihren Namen gibt. Nachdem jahrzehntelang nur Negativnachrichten aus dem Viertel kamen, das sozioökonomisch auf einer Stufe mit den nicht minder schwierig beleumundeten ehemaligen gründerzeitlich geprägten Arbeitervierteln wie Duisburg-Marxloh oder Dortmund-Nordstadt stand, hat sich hier in den letzten 10 Jahren zunächst schleichend, nun immer breiter werdend eine beeindruckende Entwicklung vollzogen, über die ich berichten möchte in den nächsten Beiträgen.


    Um das Jahr 2010 herum war die Leerstands- und Verwahrlosungsquote so katastrophal geworden, dass die Stadt mittels einer Art Vorkaufsgesetzes sogenannte "Schrottimmobilien" aufkaufte, ursprünglich, um sie abzureißen, aber im Verlauf immer mehr, um sie zu zumindest notdürftig zu sichern und/oder sie im Verlauf an die Städtische Wohnungsgesellschaft STÄWOG abzugeben.


    Die positive Entwicklung, die ich im Folgenden skizziere, kommt maßgeblich durch das Zusammenwirken von 4 positiven Faktoren, die sich auch gegenseitig befruchtet haben, zu Stande und war wie so oft auch durch glückliche Zufälle bedingt:


    1. eine engagierte Stadtverwaltung, die auch früher immer wieder Geld in das Viertel investiert hat und durch eine frühe Unterschutzstellung ganzer Straßenzüge zumindest Flächenabrisse erschwert hat. Auch jetzt spielt die Stadt trotz sehr begrenzter finanzieller Spielräume eine wichtige Rolle u.a. durch ein engagiertes Quartiersmanagement und eine an ihre finanziellen Grenzen gehende Wohnungsbaugesellschaft in kommunaler Trägerschaft


    2. der ab ca. 2010 zum erliegen kommende Schrumpfungsprozess der Stadt, im Gefolge war dann nach Jahrzehnten des Schrumpfend sogar wieder ein leichtes Einwohnerplus zu verzeichnen


    3. die "Entdeckung" des Viertels durch einen potenten Investor und Altbauliebhaber


    4. die parallele Entdeckung des Viertels durch Künstler und Studenten der wachsenden Hochschule, also ein beginnender Gentrifizierungsprozess


    Kern des Gebiets ist die Goethestraße, in deren nördlicher Hälfte sich in den letzten 10 Jahren, verstärkt seit etwa 4 Jahren, das Zentrum des Sanierungsgebiets etabliert hat (die Karte ist quer dargestellt, Norden ist rechts):



    Die bereits in der Vergangenheit gezeigten beiden "ersten" Projekte waren die Goethestraße 43 und 45, beide durch die STÄWOG erworbene und sanierte Immobilien, zuerst die Goethestraße 43, bereits um 2010 herum als Mehrgenerationenhaus saniert:



    Die Goethestraße 45 ist 2016-2018 ebenfalls von der STÄWOG als Künstlerhaus umgebaut worden und ein weiterer Baustein des Wandels mit engagierten und auch im und mit dem Bewohnern des Quartiers arbeitenden Akteuren:



    Fertig:



    Die Sanierungsqualität ist bei diesen beiden Projekten in Ordnung, insbesondere für eine westdeutsche Stadt, bleibt aber erkennbar hinter den nun folgenden Sanierungen zurück, bei denen Rolf Thörner als "Entdecker" des Viertels entweder als Besitzer oder Projektsteuerer sein enormes Knowhow einbringen konnte.


    Als erstes erwarb er das Haus Goethestraße 50A, hier mit einem Screenshot von der Homepage http://meta-ag.de im Vorzustand:



    Nun:



    Fortsetzung folgt.

  • Für die restlichen Projekte und Pläne gehe ich die Goethestraße nun von Norden nach Süden ab. Bereits vom findorffer gezeigt zunächst die Goethestraße 60, liebevoll "die Mutter aller Schrottimmobilien" genannt, jahrzehntelanger Zustand bis 2019:


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    aktuell:


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    Hier hat sich allerdings visuell seit ca. einem halben Jahr nichts mehr getan, ich hoffe, dass die Bauarbeiter nur an andere Baustellen in der Straße abgezogen wurden. Visualisierung am Haus:


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    Einen Block weiter südlich an der Ecke Eupener Straße wurde dieses Gebäude mit der Hausnummer 54 von der STÄWOG zur Notsicherung erworben:


    img_7409rxk6w.jpeg


    Gegenüber der Goethestraße 52A (dem oben gezeigten, fertiggestellten Projekt von Thörner) steht dieses Haus (Adresse Uhlandstraße 18):


    dsc_0204mpqzx.jpg


    Es wird nun ebenfalls hochwertig saniert, das ehemalige Eckgeschäft ist zur Werkstatt umfunktioniert worden, man erkennt auf den Werkbänken Stuckelemente:


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    Der betriebene Aufwand ist erheblich:


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    Aber das Ergebnis wird sich sehen lassen können, wie hier schon durchscheint:


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    Interessanterweise scheinen die Fensterrahmen grün lackiert zu sein.


    Visualisierung (leider nur rausvergrößert, ich habe das Plakat nicht gesehen):


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    Alle diese Projekte werden mit Städtebauhilfe des Bundes und dem enormen Knowhow von Rolf Thörner, aber verschiedenen Eigentümern, durchgeführt. Ein echter Dominoeffekt, wie man ihn sich wünscht.

  • Wiederum gegenüber diesem Haus und direkt um die Ecke des Künstlerhauses Goethe 45 wird dieses Haus saniert:



    Vorzustand leider nur als "Beifang" aus einem anderen Foto herausgeschnitten.


    Wird aber auch gut gemacht:



    Visualisierung:



    Wieder in der Goethestraße geht es nun weiter nach Süden, Hausnummer 48 an der Ecke Heinrichstraße. Dieses Haus ist ebenfalls von der STÄWOG erworben worden und wird bis zu einer Renovierung zunächst notgesichert:


  • Vorläufiges Finale ist die Sanierung des Hauses Goethestraße 32-34. Vorzustand:



    Baustellenfoto:



    Und wieder ein anderer Bauherr bei gleichem Projektsteuerer:



    Auch so kann man natürlich Kosten sparen, in dem man die Firmen mit dem entsprechenden Knowhow gleich vor Ort hält und sie von Baustelle zu Baustelle schickt, "Clusterbildung" würde man da wohl auf neudeutsch nennen. Kalkuliert wird hier weiterhin mit Nettokaltmieten zwischen 5,50 und 7 Euro - auch ein Beleg, dass qualitativ gute Sanierungen nicht zwingend sehr viel teurer sein müssen als das hier leider übliche Plastefenster einbauen und das WDVS neonorange anmalen.


    Weiter südlich harrt noch die Goethestraße 30 auf ihren "Erlöser", an diesem Haus war unser Mitforist "Retro79" im Jahr 2017 interessiert gewesen, war aber anscheinend nicht zum Zuge gekommen:


    Quote from Retro 79

    Ich bin immer noch an Bremerhaven dran.......derzeit verhandel ich über dieses Haus:


    https://de.wikipedia.org/wiki/…File:BHV_Goethestr_30.jpg