Forst (Lausitz)

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!
  • Zwar hatte ich schon früher Bilder von Forst (Lausitz) eingestellt, konnte diese aber nicht mehr auffinden. Nun folgen neue Fotos vom September 2020.


    Hier die Wiedergabe einer Karte mit der Herrschaft Forst und der Herrschaft Pförten unter dem Grafen Heinrich von Brühl im 18. Jahrhundert.




    Zum Ende des 19. Jh. war Forst eine aufstrebende Industriestadt, in erster Linie gab es viele Tuchfabriken. Hier möchte ich eine einstige Fabrikanten Villa aus dieser Zeit vorstellen. Die direkt folgende Villa samt angebauter Fabrik soll 1880 bis 1882 erbaut worden sein. Es handelt sich um eine Stadtvilla, einen Bau des Historismus (Neobarock) mit nur kleinem Garten, der sich rechts an den Wintergarten anschließt:





    Die noch originale Haustüre, deren fein geschmiedete Ziergitter dereinst vergoldet waren, Reste davon sind noch zu erahnen:




    Die elegante Stuckdecke im Eingangsbereich:



    Im Eingangsbereich sind die Treppenstufen und zumindest der untere Wandbereich aus Marmor:



    Oberhalb der Eingangsdifferenztreppe, Tür zur Halle:



    Blick in die Halle. Besonders bei den Lampen über dem Spiegel ist der Einfluss des Jugendstils offensichtlich vorhanden:



    Villa und direkt daran angebautes Fabrikgebäude.

  • Die ev. Stadtkirche St. Nicolai, die nach schweren Kriegszerstörungen zumindest äußerlich wieder so errichtet wurde, wie sie vor dem II. Weltkrieg aussah:



    In der Nähe von St. Nicolai ein gründerzeitliches Wohn- und Geschäftshaus mit Eckerker:



    Dieses Gebäude aus anderer Perspektive:



    Es gibt noch viele Häuser aus der Gründerzeit in Forst:



    Bei dem großen Prachtbau aus der Gründerzeit, der links zu sehen ist, handelt es sich um den "Forster Hof". Er soll auch innen noch schön erhalten sein, allerdings war ich selbst noch nicht drinnen:



    Ein Haus aus dem Jugendstil:



    Eine Reihe von Häusern aus dem späten Klassizismus, die mit einer einheitlichen Fassade versehen sind. Das Baujahr schätze ich zwischen 1840 und 1870:

  • Cottbus, Guben und - wie man hier sehen kann - auch Forst sind immer eine Reise wert !


    Vielen Dank für die eindrucksvollen Bilder !!

  • Fortsetzung der Bilder von Forst (Lausitz).

    Jugendstilhäuser:






    Das Wahrzeichen von Forst ist der 1902/03 errichtete Wasserturm, der bis vor Kurzem noch in Betrieb war:



    Eine Villa aus der Zeit um 1890 in der Waldstraße:






    Diese große Villa, gleichfalls aus der Waldstraße wurde um 1910 erbaut:

  • Frühere Fabriken, die zu Ruinen wurden:



    Lagerhallen beim Bahnhof, vermutlich leer stehend:


    Eine weitere Lagerhalle beim Bahnhof:




    Leer stehende Wohnhäuser in Bahnhofsnähe, vielleicht einstige Dienstwohnungen von Bahnpersonal:



    Zerfallendes Fabrikgebäude in Bahnhofsnähe:



    Leer stehendes Haus beim Bahnhof:



    Lt. Hinweisschild an Gartenzaun: "Verkauf zum Sonderpreis".



    Haustüre aus der Gründerzeit (Neugotik)






    Dieses schöne Jugendstilgebäude in der Sorauer Straße, unweit des Bahnhofs, wurde unlängst verkauft und wird derzeit renoviert. Das Haus ist momentan unter einer Plane verborgen. Hoffentlich fällt die Renovierung hochwertig aus.

  • Der Bahnhof von Forst (Lausitz) in der Sorauer Straße (1872 mit Anbauten um 1900)::






    Ein großes Jugendstilwohnhaus aus dem Jahre 1900, das seit Jahr und Tag leer steht und leider Gottes zunehmend zerfällt. Es steht zum Verkauf.








    Ein vorbildlich renoviertes Gebäude aus der Gründerzeit (erbaut 1882):



    Eine Haustüre (Neorenaissance) mit schön geschnitzten Türfüllungen u. a. mit Satyrmasken:



    Straßenzüge in geschlossener Bebauung:



    Ein Mehrfamilienwohnhaus aus dem Jugendstil in Bahnhofsnähe im Zerfall begriffen:



    Kurz vor dem I. Weltkrieg entstanden in Forst Häuser, die man als geradezu großstädtisch bezeichnen könnte:


  • Eine ruinöse Fabrik:




    Seit wenigen Jahren leer stehende einstige Villa, Baujahr 1895. Das Haus mit zwei Wohnungen mit je 140 m² plus Wintergarten und großem Garten hinter dem Haus. Es war (vor etwa 2 Jahren) für 99.000 Euro angeboten. Leider fand sich aber offenbar kein Käufer.



    Eine alte, inzwischen auch renovierte Fabrikantenvilla:



    Das Hasu bekam kürzlich wieder Fenster mit Sprossen. Hoffentlich wird das geamte Äußere noch schon hergerichtet:



    Eine Jugendstilvilla:



    Auch hier eine alte Villa:



    Fassade zur Straße:



    Eine weitere Gründerzeitvilla:



    Eine herrschaftliche Villa um 1900:



    Eine um 1990 mustergültig renovierte Villa, die im Anschluss daraufhin durch Brandstiftung zur Ruine wurde:

  • Die" Villa Hammer", Rüdigerstraße 10, die der damalige Stadtbaumeister Hammer sich zu eigenen Wohnzwecken im Stil der deutschen Neorenaissance 1893 errichten ließ. Das Haus wurde vor einigen Jahren veräußert und mit der Renovierung begonnen, was man am neuen Schieferdach und den Metallteilen auf dem Dach erkennen kann. Dann plötzlich geschah gar nichts mehr am Haus. Auch habe ich nichts dazu erfahren, weshalb nicht weiter renoviert wurde. Freilich kann man mutmaßen und spekulieren. Letztlich kann man nur hoffen, dass das Haus doch noch gerettet wird. Dass nun verstärkt Vandalismus stattfidet, man ins Gebäude eindringt, nun auch die Fassade verschmiert wird, dies alles stimmt mich recht traurig.





    Die Haustüre der Villa Hammer:



    Eine alte Villa, in welcher ein Kindergarten untergebracht ist. Die moderne Nottreppe mag auf Grund von Brandschutzvorschriften errichtet worden sein. Nur wird das Haus dadurch wirklich nicht schöner:



    Eine an sich schöne Villa um 1890. Leider wirkt sich der verunstaltete und teilweise abgetragene Giebel unvorteilhaft auf das Erscheinungsbild aus.



    Eine Villa um 1920:



    Eine interessante Villa mit Turm, die kurz vor dem I. Weltkrieg erbaut wurde:

  • Ein Ort mit Potenzial. Der Zustand vieler Gebäude aber stimmt mich traurig.

    In einigen Regionen herrscht Enge und Wohnungsnot. In anderen stehen solche erhaltenswerten Bauten leer und verfallen. Falsche Planungen sind die Ursache.

  • Das es nach 30 Jahren Einheit noch so viele unsanierte Gebäude in Forst gibt ist schon erstaunlich.Was mich interessieren würde,wie hat sich das Umfeld hinter und neben der Stadtkirche St. Nicolai in den letzten Jahren städtebaulich entwickelt? Da sollten,wie ich mal vor Jahren gelesen habe,einige Plattenbauten fallen und ein neues Stadtquartier entstehen. Villa 1895 haben Sie Informationen oder sogar aktuelle Fotos davon?

  • @ Herr Herrmann,


    nun, Forst (Lausitz) hat es als Grenzstadt zu Polen schwerer als andere Städte. Die Gegend gilt bei vielen Investoren als zu abgelegen, als dass man dort investieren würde, obwohl Forst (Lausitz) immerhin direkten Autobahnanschluss an die A 15 hat.


    Es wurden bei der ev. Stadtkirche St. Nicolai etliche Riegel- und Plattenbauten abgerissen. Dass dort Neubauten entstanden seien, wüsste ich nicht. Entsprechende Pläne gab es zwar, diese wurden jedoch als unbezahlbar verworfen. Es war ja ferner eine zeitlang vorgesehen, dass ein großes modernes, rechteckiges Bassin mit Fontäne inmitten von Reihen von Obstbäumen entstehen sollte. Diese Pläne wurden inzwischen als nicht finanzierbar ad acta gelegt. Allerdings wurden wie vorgesehen, immerhin einige Reihen von Obstbäumen gepflanzt. So eine blühende Obstbaumwiese hat ja gerade im Frühling ja auch ihren Reiz. Bilder habe ich davon aber nicht aufgenommen.


    Es gibt beides, einerseits den Zerfall, andererseits aber auch immer wieder schön renovierte Gebäude. Es gab großflächige Kriegszerstörungen und großflächige Abrisse von intakten Gründerzeit Gebäuden zur DDR-Zeit um dort Wohnblocks für den neuen, den sozialistisch geformten Menschen zu errichten. Insofern gibt es keine geschlossene Innenstadt mehr, aber immer wieder schöne Ecken, wo man frisch renovierte Gebäude sieht oder welche, die eben gerade saniert werden.


    Es scheint mir so, je nach persönlicher Einstellung ist man eher geneigt, entweder das halb volle oder aber das halb leere Glas zu sehen. Bei mir persönlich überwiegt die Freude über all das Schöne, das es ja auch gibt. Die vielen gelungenen Renovierungen die letzten Jahre geben doch auch Hoffnung, dass sich dieser Trent doch fortsetzen möge.


    Die Stadt Forst (Lausitz) hat aber demographische Probleme mit immer noch sinkenden Einwohnerzahlen. Bei gleichzeitig viel Wohnungsleerstand ist der Neubau von Mietwohnhäusern nicht sinnvoll. Die Stadt ist überaltert, also hat mithin einen sehr hohen Rentneranteil. Es ziehen die letzten Jahre auch vermehrt junge polnische Familien nach Forst, da es hier viele freie Mietwohnungen zu relativ günstiger Miete gibt.


    Als ich 2012 in die Gegend zog, gab es viele Straßen in einem sehr schlechten Zustand, die meisten davon wurden inzwischen Muster gültig instand gesetzt. Will sagen, die Infrastruktur hat sich die letzten Jahre deutlich verbessert, was ich als großen Pluspunkt betrachte.

  • Wie steht es denn allgemein mit der Gebäudeversicherung? Hätte die nicht bei dem durch Brandstiftung ruinierte Haus einspringen müssen? So sehr zerstört sieht es auf dem Bild gar nicht aus. Hätte es nicht repariert werden können?


    Um die Villa Hammer ist es wirklich schade. Das ist ein wunderschönes Haus. Die Schmierereien sind nicht so dramatisch. Das lässt sich entfernen. Aber die offenen Fenster machen mir Sorgen. Da muss es doch möglich sein, den Besitzer ausfindig zu machen, damit er das Haus wetterfest macht. Das Gebäude ist (noch) in einem guten Zustand und sollte nicht einfach dem Verfall preisgegeben werden. Wenn man da nicht bald reagiert, wird eine Sanierung nur immer teurer. Da sollte auch die Stadt aktiv werden.

  • @ Neußer,


    die Frage nach der Gebäudeversicherung ist eine durchaus interessante Frage. Leider habe ich davon keinerlei Kenntnis erlangt.

    Was mich betrifft, so wohne ich ja nicht in Forst, sondern ein ganzes Stück weit weg in Richtung Bad Muskau. Vom Hörensagen kenne ich den Sachverhalt so, dass direkt nach Renovierung Jugendliche die Villa, die als Jugendzentrum hätte dienen sollen, angezündet haben und diese dann abbrannte. Man habe den oder die Brandstifter nicht ermitteln können. Ob dies alles stimmt, weiß ich nicht, könnte mir aber vorstellen, dass es so war. Übrigens gibt es zu der abgebrannten Villa noch riesige Fabrikgebäude aus verschiedenen Epochen. Auch diese sind inzwischen stark gefährdet und durch Vandalismus verheert.


    Was du zur Villa Hammer schreibst, stimmt genau. Leider habe ich da keine Kenntnisse. Habe mir aber vorgenommen, Kontakt zum Forster "Geschichtsstammtisch" aufzunehmen. Vielleicht habe ich ja Glück und kann etwas in Erfahrung bringen.

  • Die Villa Cattien wurde 1875-1877 für den Textilfabrikanten Cattien errichtet. 1895 wurde ein Anbau hinzugefügt, bei dem vor allem im Erdgeschoss damit ein festlicher Saal fürKonzerte etc. gewonnen wurde. Hier sehen wir eine Aufnahme der Rückseite, vom Garten aus gesehen.

    Das Foto und auch die folgenden entstanden im November 2017 vor Abschluss der Sanierungsarbeiten.







    Detailaufnahme der Fenster und der Wandzone im Bereich des I. Stocks:






    Der Haupteingang der Villa Cattien. Vermutlich dürften inzischen die alten schmiedeisernen Ziergitter wieder an der Haustüre angebracht sein.


    Das Foto der Vorderseite, von der Parkstraße aus gesehen. Hier erkennt man, dass die Fassade des "Altbau" völlig symmetrisch gestaltet war. Der Anbau von 1895 rechts erscheint im Bereich des Dachfirsts niedriger, der Stuck im Bereich des Obergeschosses ist beim Anbau sehr viel einfacher ausgeführt. Was den geschmiedeten Zaun betrifft, so ist dieser sehr stark vom Rost zerfressen. Ob man ihn retten kann, ist m. E. zweifelhaft. Die steinernen Pfosten des Zauns sind inzwischen, vermutlich aus Mutwillen, stark geschädigt, teils herausgebrochen. Im Rücken des Fotografen befindet sich übrigens der Stadtpark mit einem schönen Bestand an hohen, alten Bäumen und großen Rhododendronbüschen.


    Ein Bauunternehmer soll dem Vernehmen nach die Absicht gehabt haben, in der Villa Cattien ein Museum für moderne oder zeitgenössische Kunst unterzubringen. Das war dann wohl ins Stocken geraten, darüber, wie es derzeit um die Nutzung der Villa bestellt ist, kann ich nichts mitteilen.



    In der gleichen Straße diese Villa aus der Gründerzeit, die vom DRK genutzt wird. Leider ist der große ehmalige Park fast restlos mit Gebäuden und Garagen zugebaut und der Hof ist betoniert. An der Straßenseite der Villa sind noch die Einschusslöcher vom März 1945 vorhanden:



    Interessant sind diese gedrehten und glasierten Rundstäbe an den Fenstern und Türen des Erdgeschosses. Auch die originale Haustüre ist noch vorhanden. Sie nimmt im mittleren Feld das Motiv der gedrehten Stäbe auf:


    Der Bereich unterhalb der Fensterbrüstung der Rot--Kreuz-Villa zeigt im Erdgeschoss wieder passend schöne grün/türkis glasierte Elemente:



    Die beiden rechts und links des Tores befindlichen Gebäude waren einst die Torhäuser zu einem großen Fabrikgelände. Heute befindet sich auf dem Grundstück, soweit zu erkennen, nur noch wild wuchernder Urwald:

  • Das ehemalige Pförtnerhaus einer Fabrik:





    Das rote Haus hinter dem Pförtnerhaus war die Fabrik. Links davon, das gelbe Haus, dürfte vielleicht das Verwaltungsgebäude oder aber die Villa gewesen sein.



    Die Natur erobert sich in 30 Jahren den Garten zurück, er wird zum Wald:



    Im Vorgarten noch gut zu erkennen, das Bassin eines Springbrunnens, der blau gestrichen war:


















    Das direkt vor einer einstigen Fabrik erbaute und zu dieser gehörige Verwaltungsgebäude:

  • Hier eine Villa, deren Erbauung wohl in den 1920er Jahren erfolgt sein dürfte:



    Da die abgebrannte Villa doch viel Aufmerksamkeit gefunden hatte, möchte ich hiervon noch einige Fotos sowohl mit Details als auch mit den Ruinen der einst dazu gehörigen Fabriken einstellen. Interessant vielleicht, dass zumindest teilweise die senkrechten Innenmauern noch aufrecht stehen, während die Decken zwischen den Etagen verbrannt und die Deckenbalken herunter gebrochen sind.



    Das Haus macht auch als Ruine noch einen sehr noblen Eindruck. Ich finde es jammerschade, dass sich niemand gefunden hat, der dieses Haus wieder aufgebaut hat.




    An dem verrußten Gesims ist zu erkennen, wo die Flammen aus dem Fenster geschlagen haben.



    Fabrikgebäude hinter der Villa:



    Ein Blick durch die Fenster zeigt uns, dass die sehr massiven Innenwände noch immer stehen:










  • Hier ist auf der rechten Fassade im Erdgeschoss auch der Haupteingang zur Villa zu erkennen. Die mächtigen Pfeiler des Hoftores sind noch aus der Erbauungszeit, während die Torflügelein Produkt der DDR sein dürften:












  • Mag ja sein, dass man das halbvolle Glas sehen soll. Mich machen diese Bilder aber nur traurig.

  • Lieber Heimdall,


    auch mir tut es in der Seele weh, dass so viel Schönes untergegangen ist und leider noch untergehen wird. Da fühle und leide ich mit dir. Hier nahe der polnischen Grenze sind wir doch etwas abgelegen. Es fehlen auch große Betriebe, die gute Löhne zahlen. Deshalb ist es schwer, für die oft großen, alten Villen potente Käufer zu finden, die die Gebäude nicht nur kaufen und instandsetzen, sondern diese auch dauerhaft unterhalten können.

    Dennoch wurden auch hier viele Häuser gerettet. Immer wieder entdecke ich Gebäude, die frisch renoviert worden sind oder gerade die Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden. Dies erfüllt mich dann jedesmal mit großer Freude und das ist es, was ich mit dem "halbvollen Glas" meine.