Weilheim in Oberbayern

  • aber ich mochte das Haus trotzdem

    Das kann ich verstehen. Der Neubau dürfte kaum schöner werden...


    Quote

    vierstöckiger Neubau mit Zahnklinik, kleiner Kita, Tagescafé und Wohnungen entstehen

  • Ich werde demnächst mal ein paar Fotos der Umgebung machen. Die wird sich durch den Abriss nicht grad verbessern.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Kann jemand einschätzen wie alt das Gebäude ist anhand des einen Fotos? Ich hätte jetzt auf Ende 19. Jahrhundert oder so getippt. Ich finde es auch sehr hart, dass der Besitzer überhaupt nicht an seinem Geburtshaus hängt. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Das Alter ist für mich schwer zu schätzen. Es kann auch aus den 1920er oder 30er Jahren stammen. Allerspätestens 1953 muss es gestanden haben, denn da ist der Abreißer geboren.

  • Nach langer Zeit geht es mal wieder mit den Fensterläden weiter. Wie bereits angekündigt in der Admiral-Hipperstraße, die mach dem in Weilheim geborenen Admiral der kaiserlichen Flotte Franz Ritter von Hipper benannt worden ist und zuvor Herrengasse hieß, da sch hier das erste Rathaus und der Pfarrhof befanden bzw. befinden. Verlässt man also den Marienplatz nach Osten am Stadtmuseum links vorbei, so bat sich einem wohl um 1910/20 dieses Bild:

    Heute sieht es dort so aus:


    Bis auf ein Haus stehen die die Häuser also noch, dafür verfügt aber nur noch das Haus Admiral-Hipperstraße 5 über Fensterläden (ich würde es als mittelalterlich einschätzen, es ist aber kein Einzeldenkmal, da das Denkmalschutzamt hier wohl ausgewürfelt hat was unter Schutz gestellt wird).


    Über die von mir schon mal vorgestellte Bausünde brauchen wir gar nicht reden, aber auch um die beiden Giebelbauten rechts ist es sehr schade, denn ohne Sprossen und Schmuck wirken sie leer und abweisend, wie ein entstuckter Gründerzeitler.


    Wenn wir bis an die Stelle an der die Straße breiter wird gehen, sehen wir das Hipper oder Neuchingerhaus Admiral-Hipperstraße 11 (Einzeldenkmal), an dessen Stelle das erste Weilheimer Rathaus stand. Das wurde aber 1867 bis auf das Erdgeschoss abgebrochen und in den 80ern dann auch noch weiter zu einer Passage verunstaltet, wobei auch das mittelalterliche Gewölbe entfernt wurde! Die Fensterläden im Erdgeschoss sind ebenfalls verschwunden.


    1935


    Und 2021


    Direkt daneben befindet sich das Pfarrhaus Admiral-Hipperstraße 13 (19. Jahrhundert, Einzeldenkmal), das sich seine Fensterläden erhalten hat, aber trotzdem etwas vereinfacht wurde.


    1935


    Und immer noch schön im Jahr 2020


    Für einen besseren Überblick gehen wir jetzt bis an das Ende der Straße und drehen uns um. 1912 sah es hier so aus:


    Auf der linken Seite befindet sich das Haus Admiral-Hipperstraße 18 (Alter kann ich nicht einschätzen) mit dem Restaurant Torrito, der frühere Schildbürger und davor Luckerbräu. Hier findet man noch heute, also 2021, Fensterläden im Erdgeschoss.


    Sein rechtes Nachbarhaus Admiral-Hipperstraße 16 (1612 und 1862, Einzeldenkmal) hat seine Fensterläden im Erdgeschoss wiederum völlig verloren.


    Zu dem Haus in der Bildmitte komme ich gleich noch.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Diese "Vereinfachungen" bzw. Enstuckungen tun dem Ortsbild überhaupt nicht gut. Bleibt nur zu hoffen, dass Eigentümer das erkennen und entsprechend den früheren Zustand wieder herstellen.

  • Ich finde es auch sehr hart, dass der Besitzer überhaupt nicht an seinem Geburtshaus hängt. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

    Das ist scheinbar eine Eigenheit dieser Generation (meiner Elterngeneration). Die meisten Menschen in meinem Umfeld, die in den 1950er und 1960er Jahren geboren sind, sehen nur alte Häuser aber nicht den Charakter darin. Wenn Rendite winkt, ist Abriss und Neubau nicht weit, außerdem ist dann alles so schön neu.

    Meine Frau und ich suchen gerade ein älteres Einfamilienhaus und treffen auf viele Verkäufer, die nicht verstehen, warum wir ihr Haus aus den 70er, 80er, 90er Jahren nicht haben wollen, es sei doch alt und hätte ein großes Grundstück. Bei den echten Altbauten, also bis späte 50er, konkurriert man dagegen mit Investoren, die es plattmachen wollen, weil ja der Bebauungsplan auch ein großes Mehrfamilienhaus ermöglicht. Oder aber die Häuser kommen gar nicht erst auf den Markt.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Ein weiterer Abriss in Weilheim:

    https://www.merkur.de/lokales/…fe-und-mehr-90504388.html


    Die Gegend ist zwar ohnehin mit normalen Einfamilienhäusern und Wohnblöcken bebaut, aber ich mochte das Haus trotzdem, denn es war in dieser Gegend noch eines der interessanteren.

    Hier noch ein paar Bilder zu dem Haus Ammerstraße 2.


    Von der Ammerstraße aus.


    Von der Zieglerstraße gesehen.


    Die Rückseite.


    Der nicht grad ansehnliche Garten. Bin mal gespannt wie weit der zugebaut wird.


    Das Innere des Raumes mit Schaufenster an der Seite. Ebenfalls nicht gerade ansehnlich.



    Dieses ältere Gebäude steht noch in der Nachbarschaft, aber mir gefällt der Abrisskanditat weitaus besser.


    Die restliche Umgebung.


    Ich denke man kann verstehen, warum ich traurig bin, dass ein eigentlich so gewöhnliches Haus verschwindet, aber in dieser Gegend war es eben etwas besonderes. Sonst findet man hier sowas:

  • Nicht weit weg befindet sich übrigens der hässlichste Teil der ganzen Stadt, der Frischanger.

    Die Schönheit der Nachkriegsarchitektur in voller Pracht und Herrlichkeit, man könnte es klein Chorweiler nennen.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Mich hat es heut mal in den Weiheimer Landkreis Steingarden zur Wieskirche verschlagen.


    Fotos habe ich jetzt natürlich keine groß gemacht (außer die üblichen Familienfotos) aber es brauchts ja auch nicht, da es über diese hübsche alte Rokoko Kirche genug im Internet zu berichten gibt.


    Daher gebe ich mal einfach diese schöne Video hier ein:


    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Ich muss zugeben, dass ich kein so großer Fan der Wieskirche bin, warum auch immer. Mir haben Polling, Dießen, Steingaden, Rottenbuch oder Fürstenfeld schon immer besser gefallen. Aber sie bleibt natürlich trotzdem schön und unsere bekannteste Sehenswürdigkeit. Aber den Besuch der genannten Klöster würde ich noch mehr empfehlen.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland