Sachsenhagen - Mittelstraße 10

  • Schaumburger Nachrichten vom 28.02.2021:


    Sanierung des Gebäudes an der Mittelstraße 10 in Sachsenhagen geht voran


    Es ist das wohl älteste Haus der Stadt Sachsenhagen und das sieht man auch. Das Fachwerkgebäude an der Mittelstraße 10 wird derzeit aus seinem langen Schlaf erweckt und fachkundig saniert. Die SN haben sich auf der Baustelle umgeschaut.



    Hammerschläge und Sägenkreischen prägen aktuell das Bild im Herzen Sachsenhagens. Die Arbeiten am Fachwerkhaus an der Mittelstraße 10 – laut Torbalken-Inschrift im Juli 1621 fertiggestellt und damit wohl das älteste Haus der Stadt – sind in vollem Gange, die Fortschritte sichtbar. „Wir arbeiten uns von einer Ecke zur anderen und sind sehr zufrieden, es geht gut voran“, sagt Björn Trittel, der sich das Sanierungsprojekt vorgenommen hat. „Wir sind nicht mehr nur am Kaputtmachen – sondern am Wiederaufbau.“ Aktuell haben sich Fachmänner von der Zimmerei Weihmann aus Ahnsen die Balken und Schwellen des Fachwerks vorgenommen. Das Holz, das sie verwenden, ist aber kein neues Holz. „Das sähe hier nicht gut aus – darum haben wir fleißig Altholz rangeholt“, sagt Trittel. Hier trifft traditionelle Hausbauweise auf moderne Technik: Die massiven Eichenbalken stammen von einem – mittlerweile abgerissenen – Hof in Steyerberg, Kreis Nienburg. „Ich bin bei eBay-Kleinanzeigen darauf aufmerksam geworden, dass dort jemand Hausabrisse anbietet – und habe einfach mal gefragt, ob die zufällig Fachwerk im Angebot haben“, so Trittel.


    Neben der schon arbeitenden Zimmerei, stehen auch die Maurer in den Startlöchern, und auch bei (Lehm-) Steinen und Lehmputz gilt: Was aus der alten Substanz wiederverwendbar ist, wird auch genutzt. Das hilft dabei, die Kosten für das ambitionierte Projekt

    nicht ausufern zu lassen. „Fertiges“ Altholz etwa wäre nämlich sehr teuer. Und noch steht die endgültige Zusage für Fördergelder aus. Über das ZILE-Programm (mit Mitteln der EU, des Bundes und der Länder) sollen knapp 40 Prozent der Kosten für die Grundinstandsetzung,
    insgesamt mit gut 175000 Euro kalkuliert, gedeckt werden. Damit das klappt, müssten die Mittel aus dem Programm aber aus 2020 nach 2021 übertragen werden (vier Monate Antragsfrist im vergangenen Jahr waren für die Sanierer aus Sachsenhagen einfach utopisch) – eine Entscheidung,die zeitnah fallen soll. „Wir sind zuversichtlich“, sagt Trittel. Doch das Vorhaben stehe und falle nicht mit der Förderung – so ärgerlich es wäre, gäbe es sie nicht. Zur Kostenreduzierung trägt auch bei, dass Trittel seit dem Sanierungsstart in der ersten Hälfte 2020
    viele Stunden, mittlerweile eher Tage, selbst vor Ort geackert hat.


    Ganz alleine ist er dabei aber nicht. Neben seiner Familie sind weiterhin auch Manfred Röver aus Soldorf (Ingenieur mit Planungsbüro für Altbausanierung und Baudenkmalpflege, dazu Verantwortlicher der Interessengemeinschaft Bauernhaus) und Ylva Cohrs-Müller (mittlerweile mit Bachelorabschluss im Bauingenieurwesen, Fachrichtung „Bauen im Bestand“, selbstständig) dabei. Zweitgenannte hatte im Mai auch die Schadenskartierung übernommen. „Vieles hier stand nur noch aus Gewohnheit“, fasst sie zusammen. Und Röver ergänzt: „Durch die gute Bestandsaufnahme wissen wir, was heile und was kaputt ist. Darauf können wir aufbauen.“ Dennoch bleibt der Planungsprozess eine Herausforderung. Mittlerweile sind aber die Grundrisse und Ansichten fertig, das Leistungsverzeichnis für Fenster und Dach wird erstellt, alles in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde – die Planung auf dem Papier steht also. Und damit geht es weiter dem Ziel entgegen. „Der Originalität wieder näherkommen“, beschreibt es Trittel. Wann genau es so weit sein
    wird, kann er noch nicht sagen. Sicher ist: Es ist schon gut was geschafft – aber es gibt auch immer noch eine Menge zu tun.