Binz auf Rügen

  • Auf dem Grundstück der vor rund 2 Jahren in der Elisenstraße in Binz unter unter skandalösen Umständen abgerissenen Villa Merlin wurde dieser Tage ein Bauschild aufgestellt:


    Binz, Elisenstraße


    Binz, Elisenstraße


    Sicherlich wurde hier eine Bezugnahme auf den Bäderstil versucht, und ich würde nicht einmal sagen, dass es völlig missglückt ist. Dennoch lehrt einen die vergleichende Betrachtung alter und neuerer Bauten im Bäderstil, dass es bei den originalen Häusern praktisch nie Störungen in den Proportionen gibt. Die damaligen Baumeister hatten die Gesetze von Harmonie und Schönheit einfach noch von Grund auf gelernt, ja vollkommen verinnerlicht, während man sich heutzutage schon über einzelne nicht verunglückte Teile bei Bäderstil-Neubauten freuen muss. Alleine so etwas wie der völlig überhöhte schmiedeeiserne Balkon links im obersten Geschoss der "Villa Chloe" wäre einem Baumeister des 19. Jahrhunderts nicht unterlaufen.


    Mag manchen von Euch dies auch als Jammern auf hohem Niveau erscheinen, so muss man doch feststellen: gäbe es in diesen Orten nicht die nach wie vor das Bild bestimmende alte Bäder-Baukunst, sondern nur noch "Neubauten im Bäderstil", so wäre der Zauber des Ortsbilds verloren. Man würde vielleicht noch wegen des Strandes herkommen oder der Landschaft, so wie in die weitgehend verhunzten, als mahnende Beispiele geeigneten Schleswig-Holsteinischen Seebäder (z.B. Westerland auf Sylt, Timmendorfer Strand), nicht mehr jedoch wegen der besonderen Baukultur.

    Es wäre zu wünschen, dass es in den hiesigen Ostseebädern zu keinen weiteren Abrissen kommt. Ich sehe es inzwischen auch so, dass ein übergeordneter Schutz der Bäderstil-Architektur notwendig ist, beispielsweise als UNESCO-Weltkulturerbe. Die lokalen Kräfte in Politik und Verwaltung sind erkennbar nicht stark genug, um ihre wertvollen Ensembles ausreichend zu schützen. Wenn es so weitergeht, werden diese Orte, die noch über viele Bäderstil-Bauten in der 1. und 2. Reihe verfügen, nach und nach ihren Charakter verlieren, und spätere Generationen werden uns übelnehmen, auch dieses Kulturerbe nicht ausreichend geschützt zu haben.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Ich sehe es inzwischen auch so, dass ein übergeordneter Schutz der Bäderstil-Architektur notwendig ist, beispielsweise als UNESCO-Weltkulturerbe.

    Das sehe ich auch so. Auch wenn ich aus der Region komme, sehe ich das als "gesamtdeutsche Aufgabe", denn halb Deutschland macht dort Urlaub und Einheimische haben oft nicht so viel zu sagen in den Ostseebädern.

    Es gilt nur, wirkungsvolle Mitstreiter in dieser Sache zu finde!

  • Einige Ansichten aus dem letzten August vom Prora-Komplex, beginnend mit der Nordseite, wo die Bauarbeiten sich wohl noch einige Zeit hinziehen werden.





    Direkten Blick auf die Ostsee (ca. 100m entfernt) dürfte man wegen der dazwischen liegenden Vegetation höchstens aus den obersten Geschossen - oder im Winter - haben.




    Kraft durch Freude 2.0.



    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ergänzend noch ein paar Einblicke aus der Vogelperspektive:


    External Content www.youtube.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.


    Schade dass die geplante Marina nicht mehr realisiert wird.

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Einige Ansichten aus dem letzten August vom Prora-Komplex, beginnend mit der Nordseite, wo die Bauarbeiten sich wohl noch einige Zeit hinziehen werden.

    Welch ein Zynismus, dass die Gegenwartsmoderne uns ausgerechnet mit Verweis auf die Nazizeit Schnörkel verwehren will.


    Das reale Baugeschehen des 3. Reichs war durch zeittypische Architektur in weitgehender Entsprechung zur übrigen westlichen Welt geprägt.

  • Hat jemand einen Fotowunsch?

    Wenn Du länger auf Rügen bist und viel Lust und Zeit hast...


    - Park der Sinne, Binz

    - Schloss Granitz

    - Putbus mit Leerstelle des Schlosses

    - Schlossruine Dwasieden und Nebengebäude...


    Kein Muss, nur bei viel Muße... :zwinkern:

  • In der Putbuser Straße 26 + 28 wird derzeit ein Doppel-Neubau errichtet, die (Doppel-) Villa Beatrice. Der Entwurf bedient sich zwar typischer Gestaltungselemente der Binzer Bäderarchitektur und bemüht sich erkennbar um eine gewisse Einpassung in den durchaus heterogenen Baubestand der näheren Umgebung. Ich würde ihn aber dennoch als etwas grobschlächtig bezeichnen, die Stilzitate wirken wie hilflos zusammengeschustert. Diese Tendenz zur nicht überzeugenden Gesamtkomposition, trotz redlichem Bemühen um Einordnung in den Bäderstil, ist leider ein chronisches Problem der Neubauten in den MV-Ostseebädern seit Jahrzehnten. Es ist nun einmal schwer, das Können der gründerzeitlichen Baumeister zu reproduzieren, ohne zugleich auch deren fundierte baukünstlerische Ausbildung und die daraus resultierende Stilsicherheit erhalten zu haben.


    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • War eigentlich absehbar, dass das kleine Haus (N°25) am Hang in Bestlage mal weichen mu$$, aber offenbar ist der linke Nachbar auch gleich mit abgerissen worden (muss ich mir mal in den nächsten Tagen anschauen).

    Der Neubau scheint ganz annehmbar, aber - wie Du zutreffend schreibst - ist eine ständige Aufweichung der Bäderarchitektur damit verbunden. Schwarze Fenster und z. T. stark auskragende Stahlbalkone, keinerlei Holzkonstruktionen und Schnitzwerk mehr - na ja, wir sind da wohl total "altmodisch"...


    EDIT:

    Gleich um die Ecke am Klünderberg "muss" die Kirche ja auch hässlich-modern neu bauen:

    https://www.heiliger-bernhard.de/blog/83638

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • In der Marien- Ecke Margaretenstraße, nur ca. 30 m von der Strandpromenade entfernt, entsteht laut (hinter Bäumen verstecktem) Bauschild dieser Neubau:



    Sieht ganz ordentlich aus, finde ich. Allerdings weiß ich nicht, was dort vorher stand. Bei Google Maps ist kein Bebauungsgrundriss abgebildet.

    Das Türmchen bezieht sich eventuell auf das folgende, nur 100 m entfernt an der Ecke Schillerstraße in Sichtweite befindliche Gründerzeithaus:



    Baugrube:



    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir