Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!
  • Am 31.Mai 2020 unternahmen wir einen Ausflug nach Meißen, der "Wiege Sachsens". Die Wahrzeichen Meißens, die Albrechtsburg und der Dom thronen über der Stadt und dem Fluß Elbe:



    Schöne Häuser aus der Gründerzeit auf dem Weg in die Altstadt:








    Das Haus mit dem originellen Erker aus der frühen Gründerzeit. Schön auch, dass das Erdgeschoss weitgehnd im Originalzustand erhalten geblieben ist, also die alten Schaufenster zwischen dem Natursteinmauerwerk aufweist
















    Eine wunderbare Renaissancefassade mit Giebel und Sitznischenportal. Auf solche Portale trifft man in Meißen oft.

  • Ein Gründerzeitler, der jedoch das Renaissanceportal des Vorgängerbaues übernommen hat:















    Das Rathaus mit den für Mitteldeutschland so typischen hohen Zwerchgiebeln und, da es sich um ein Rathaus handelt, mit einer Verkündigungskanzel an der Fassade:




    Am Marktplatz von Meißen:




    Am Marktplatz ein Haus aus der Gründerzeit, das ebenfalls das prachtvolle Portal des Vorgängerbaues übernommen hat:



    Die ev. Stadtkirche St. Marien:






    Das Weinhaus Vincenz Richter bei der Stadtkirche St. Marien:




    Ein beeindruckendes Haus der Renaissance:




    Und wiederum ein schönes Sitznischenportal:

  • Dieses wunderschöne Portal zeigt im Relief dem Kampf Samsons mit dem Löwen. Die Haustüre scheint überdies noch die urspüngliche zu sein:



    Das Rathaus von Meißen mit der Traufseite und den drei Zwerchgiebeln zum Marktplatz hin:


    Vom vorhin schon gezeigten Haus aus der Gründerzeit am Markt. Hier nun das vom Vorgängerbau stammende prächtige Portal aus der Renaissance in Nahaufnahme:







    Hinter der Stadtkirche befindet sich dieses wunderschöne Portal der Renaissance, das einst zum Kirchhof führte:




    Die südliche Seitenfassade von St. Marien:




    Ein wunderschönes Sitznischenportal am Marktplatz zu Meißen:



    Ein wesentlich einfacher gestaltetes Sitznischenportal in Meißen von 1597 (datiert am Oberlicht). Dafürbesitzt dieses Portal eine ganz urige zweigeteilte Haustüre. Ob diese wohl tatsächlich noch aus der Renaissance stammt, oder etwa doch erst aus dem Historismus? Jedenfalls gab es solche zweigeteilten Haustüren. In Tangermünde habe ich an einem prachtvollen Renaissancefachwerkhaus (ich meine in der dortigen Kirchstraße) eine solche Türe in Erinnerung.




    Beim Aufstieg hinauf zur Albrechtsburg und zum Dom entdeckt man diese interessanten Türen. Vermutlich vom Hause eines Kanonikers des Doms:



    Einvermutlich romantischer Garten hinter einer Mauer. Ein gotisches Pförtchen mit Inschrift und Wappen:

  • Das Portal der Kirche der Fürstenschule St. Afra. Allerdings war, als wir dort waren, die Kirche verschlossen. Leider wurde das Foto unscharf. Das große Wappen ist das des Kurfürstentums Sachsen mit dem "Kurhut" darüber:


    Blick vom Kirchhof von St. Afra hinüber zum Dom:







    Die alte Domkurie St. Afra, im Kern aus der frühen Gotik. Der Eckerker aber aus der Renaissance:




    Der Eckerker in Nahaufnahme:



    Gleich daneben dieses interessante und lebendige Bild eines Konglomerats eines Fachwerkgebäudes mit einem deutlich später errichteten Haus :



    Ein in der Barockzeit erbeutes Haus, davor ein großes Beet mit Kakteen:



    Blick über Giebel und Dächer der Altstadt:



    Vielleicht das edelste Portal aus der Renaissance in Meißen, das mit Roll- und Beschlagwerk sogar die Wandflächen der Umfassungsmauern mit einbezieht:

  • Vielleicht das edelste Portal aus der Renaissance in Meißen, das mit Roll- und Beschlagwerk sogar die Wandflächen der Umfassungsmauern mit einbezieht:

    Sehr schöne Fotos von Meißen. Wir waren auch von Dresden aus dort und fanden die Stadt unglaublich gemütlich. Da wohnt man sicher sehr glücklich.

    Was mich wundert sind immer diese Pseudositzsockel. Das sieht man an zahlreichen Portalen in vielen Städten. Standen da früher mal Figuren? Denn zum Sitzen sind die Sockel ja nicht geeignet. Warum soll man auch immer an den Portalen sitzen. Außerdem sind einige viel zu niedrig und andere viel zu hoch um da sitzen zu können.

  • Danke. Es freut mich, wenn euch die Bilder gefallen. Diese Portale, die hauptsächlich in der Renaissance errichtet wurden, nennt man Sitznischenportale. Nomen est Omen. Man darf dabei nicht übersehen, dass vor rund 400 Jahren die Menschen durchschnittlich erheblich kleiner waren, als heute. Deshalb passte man seinerzeit auch besser auf diesen steinernen Sitz drauf. Oft musste man auch warten bis man eingelassen wurde. Wer wollte, konnte dann solange auf dem steinernen Sitz Platz nehmen, bis er aufgefordert wurde, ins Haus einzutreten. In der schlechten Jahreszeit, namentlich im Winter, wird sich aber wohl kaum jemand dort hingesetzt haben, im Sommer hingegen kann man sich das gut vorstellen.

  • Vielen Dank für die Erklärung. Stimmt, das ist ein guter Hinweis. Früher war es ja nicht so wie heute, dass man klopft oder klingelt und dann wird man schon reingelassen. Familien die solche Portale in der Renaissance hatten, waren sehr wohlhabend und hatten auch sicher die typischen Vorzimmer und Bedienstete, bevor man an den Hausherren heran kam:-)

  • Lieber Kaiser Karl,


    genauso, wie du dies beschrieben hast, muss man sich das vorstellen.

  • Diese Sitznischenportale gibt es in vielen sächs. Städten. Die finden sich auch auf ehemals sächs. Boden in BRB und TH. Sicherlich auch in S-Anhalt

    "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

  • Diese Sitznischenportale gibt es in vielen sächs. Städten. Die finden sich auch auf ehemals sächs. Boden in BRB und TH. Sicherlich auch in S-Anhalt


    Es gibt vermutlich in ganz Deutschland Sitznischenportale .Aus meiner alten Heimat, dem Taubertal, kenne ich auch welche. Auf dem folgenden Link kann man sich an Sitznischenportalen kaum satt sehen. Wenngleich sie alle Gemeinsamkeiten aufweisen, so ist doch jedes Sitznischenportal individuell vom Baumeister und Steinmetzen geformt. Damals war halt noch nichts genormt:


    Bilder zum Thema Sitznischenportal

  • Oben angekommen, das Tor, welches zum Burghof der Albrechtsburg und zum Meißner Dom führt:. Die rechts zu erkennenden Zinnen gehören zu der Mauer, die die hohe Brücke über den Halsgraben rechts und links schützt. Der obere Teil wurde wohl nach 1871 im Historismus erneuert. Auf dem linken, größeren Bild kann ich St. Georg, den Patron der Ritter erkennen.





    Ein Neugotischer Zwischenbau als Anbau an die Albrechtsburg. Diese ist rechts angeschnitten zu sehen. Ganz rechts ist der Dom angeschnitten:






    Tor und Tür zu einer einstigen Domkurie, errichtet in der Gotik. Ob das nun schon Sitznischen sind, darüber nin ich mir nicht im Klaren.



    Hier ein Blick in den Innenhof des vorigen Hauses (der Zugang war gesperrt):



    Die Tür zum "Burglehen" ist wieder ein Sitznischenportal :



    Hier endlich die Albrechtsburg, die in der Spätgotik nach Plänen des genialen Arnold von Westphalen erbaut wurde. Besonders interessant, der große und der kleine Wendelstein:



    Detail der reliefs an der brüstung des großen Wendelstein:



    Hier noch einPortal im Hof, das wohl am Übergang von der Spätgotik zurRenaissance entstanden sein dürfte:



    Eines der Portale des Domes. Oben im Wimperg befindet sich eine Statue der Muttergottes mit dem Jesuskind auf den Armen:

  • Durch ein Nebenportal des rechten Seitenschiffs konnten wir den Meißner Dom betreten. Die Bündelpfeiler wirkten wie die Saiten einer Harfe.









    Die aus der Renaissance stammende Kanzel:





    Der Lettner mit dem Altar, darüber ein gotischer Jesus am Kreuz. Hinter dem Lettner sehem wir das Chorgestühl des Chores:




    Die einzelnen Gebiete unter der Herrschaft der Wettiner sind unterhalb der Lettnerbrüstung zu sehen. Hier der rote Ochse des Markgrafent(h)ums der Niederlausitz:




    Blick vom Lettner bis zur Kapelle der Grablege der Kurfürsten, die im westen angebaut wurde:



    Das herrliche Gewölbe der Grabkapelle:



    Johannes der Täufer verweist auf Christus, das Lamm Gottes:





  • Kapitelle mit Fabelwesen und ein Blattkapitell:



    Nochmals der Lettner vom Kirchenschiff aus geshen. Links angeschnitten ein Flügel des Lettneraltars:














    Die sehr schön gearbeiteten Grabplatten der Mitglieder des Hauses Sachsen sind zumindest teilweise Arbeiten der berühmten Vischerschen Erzgießerei zu Nürnberg:









    Hier ein Blick in den romantischen Kreuzgang des Meißner Domes:

  • Herzog "Georg der Bärtige" ist der letzte der Herzöge der albertinischen Linie, der im Dom zu Meißen beigesetzt wurde. Er war auch nicht bereit den alten katholischen Glauben aufzugeben und blieb diesem treu.








    Die linke Grabplatte zeigt Herzog Georg den Bärtigen:




    Vermutlich ein Gemälde von Kranach. Links knieend Herzog Georg, rechts seine Gemahlin Barbara:







    Aus der Renaissance ein Relief mit der Grablegung Christi:



    Dieses herrliche Portal mit den Engeln auf den Fialentürmchen stellte einst das Außenportal/westliches Hauptportal dar, bis die Grabkapelle weslich angebaut wurde. Dadurch wurde das Außenportal zu einer Art Schauwand innerhalb der Grabkapelle:




    Im Chorraum östlich hinter dem Lettner. Das mittlere Fenster mit alten Glasmalereien, links angeschnitten das gotische Sakramensthaus. Der Flügelaltar dürfte schon mehr der Renaissance zuzurechnen sein:









  • Manche können es nicht lassen und müssen natürlich die Buchstabensticker von der Beschreibungsplatte abknibbeln.... :augenrollengruen:

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  • Nun besichtigen wir die Albrechtsburg, ein spätgotisches Werk des Baumeisters Albrecht von Westphalen. Die Albrechtsburg beherbergte sehr lange die Dresdner Porzellanmaufaktur. Böttger hatte dort sogar das europäische Porzellan entdeckt. Nach dem Krieg von 1870/71 musste Frankreich an Deutschland 5 Millionen Goldfranken (Napolén d'or) bezahlen. Das Geld wurde auf die deutschen "Bundesstaaten" aufgeteilt. Der König von Sachsen ließ von dem auf Sachsen entfallenden Anteil die Albrechtsburg in Meißen renovieren und durch Historienmaler im Stil der Neugotik mit Themen der sächsichen Geschichte ausmalen. Auch wurden Statuen der Markgrafen vom Meißen und deren Nachkommen, der Herzöge und Kurfürsten von Sachsen aufgestellt:





















    Auf dem folgenden Bild erkennt man gut, wie das Zellengewölbe scharfkantig aufsteigt:













  • Vorhangbogenfenster und Zellengewölbe:





    Ein neugotisches, wandfestes Buffet:




    Säulen, die ohne Kapitelle, gleich Palmen aufsteigen:










    Heinrich der Erlauchte, Markgraf zu Meißen und im Osterland, Landgraf in Thüringen, 1220-1288:








    Friedrich der Streitbare, 1380-1428:

  • Kleine Korrektur: das Geheimnis des (europäischen) Hartporzellan wurde in Dresden (Jungfernbastei unweit des Belvedere) entdeckt. Die Manufaktur wurde dann wenig später in Meißen auf der Burg eingerichtet, weil man hier das Geheimnis sicher glaubte.





    Die Albrechtsburg gilt als erster Schlossbau in Deutschland.


    Wikipedia weiß: "Im Jahr 1423 wurde Friedrich IV., der Streitbare zum Kurfürsten von Sachsen ernannt. Seine Enkel, Ernst und Albrecht, herrschten 1464 bis 1485 gemeinsam über Sachsen und Thüringen und beauftragten 1471 den Baumeister Arnold von Westfalen, an der Stelle der alten Markgrafenburg das erste deutsche Schloss zu errichten. Auch wenn das Schloss eigentlich als Residenz für die beiden Fürsten angelegt worden war, wurde es nie als solche benutzt. 1485 wurde die Regierung der beiden Brüder aufgehoben und das Land zweigeteilt. Albrecht (der Albertiner) erhielt im Wesentlichen die meißnischen Gebiete mit dem neu erbauten Schloss und den späteren Thüringer Kreis, sein Bruder Ernst die übrigen thüringischen Gebiete und das Herzogtum Sachsen mit Wittenberg, an das die Kurwürde gebunden war. Das Schloss wurde 1676 nach seinem ersten Herrn und Erbauer auf den Namen „Albrechtsburg“ getauft. Doch erst sein Sohn, Georg der Bärtige, nahm die Albrechtsburg als Residenz in Anspruch. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Schloss stark beschädigt. Seitdem stand es leer."


    Das ehemalige kurfürstliche Schloss erhebt sich über hakenförmigem Grundriss auf einem zur Elbe hin steil abfallenden Felsplateau nördlich des Meißener Domes. Alle Geschosse unter der Trauflinie sind gewölbt, eine große Besonderheit im deutschen Schlossbau, die einen immensen finanziellen und entwerferischen Aufwand bedeutete. Über den hohen Substruktionen des Kernbaus folgen ein niedriges Erdgeschoss und zwei mit ungewöhnlich großen sogenannten Vorhangbogenfenstern geöffnete Hauptgeschosse. Ein weiteres herrschaftlich genutztes Geschoss liegt bereits innerhalb der Dachzone und wird durch die Fenster der Lukarnenreihe belichtet.

    Der von allen Seiten noch heute so ins Auge springende, turmartige Charakter des Meißener Schlosses dürfte ein wohlkalkuliertes Bild mit politischer Bedeutung darstellen. Die Albrechtsburg sollte nicht nur ein besonders komfortabel zu bewohnendes Residenzschloss werden, sondern auch ein unübersehbares Zeichen für die sich immer mehr konsolidierende und an reichspolitischer, administrativer und wirtschaftlicher Bedeutung gewinnende Territorialherrschaft der Wettiner setzen. Zu diesem Zweck wurde wohl von Arnold von Westfalen die Formulierung einer neuen Architektursprache erwartet. Während der Bauschmuck der Spätgotik angehört, wie etwa auch auf der Sachsenburg, die zur gleichen Zeit aus einer älteren Anlage entstand, leitet die Gliederung der Bauformen bereits zur Sächsischen Renaissance über. Durch die Grundrissgestaltung wurde der an sich bereits turmartig proportionierte Baukörper der Albrechtsburg noch einmal in einzelne Turmfiguren aufgegliedert; alle Fassadenstreifen tendieren zu hochrechteckigem Format; in der Licht- und Schattenwirkung präsentiert sich der Kernbau wie ein Kristall mit vielfach gefalteter Oberfläche. Neben den Treppentürmen der Hofseite entwickelt sich jedoch nur ein in der Mittelzone der Elbseite angeordneter Baukörper zu einem echten Turm, alle andern Baukörper werden durch das mächtige Dach wieder zusammengebunden. In der Dachzone bilden jedoch die Lukarnen, hochrechteckige, auf der Trauflinie aufsitzende Dacherker einen den Bau umziehenden Kranz von Turmfiguren. Die Lukarne in ihrer typischen Ausbildung als Fenstererker stammt aus Frankreich; um 1470 war sie aber erst in Einzelfällen (z. B in den Schlössern von Baugé und Le Rivau) in solcher Systematik und Konsequenz verwendet worden.

    Eine weitere folgenreiche Adaption französischer Baukultur in Meißen war die Verwendung des Schautreppenturmes, wie er 1365 mit der – später abgetragenen – Großen Wendeltreppe im Hof des Louvre als Typ formuliert worden war. Die große Haupttreppe im Süden, über die der Zugang zu den herrschaftlich genutzten Obergeschossen führt, ist ein Meisterwerk der Steinmetzkunst mit aufwendig geschwungenen Stufen, die sich um ein offenes Auge in der Mitte hinaufwinden. Ihre Fenster waren ursprünglich offen und ermöglichten vielfältige Blickbeziehungen zwischen den auf der Treppe Schreitenden und Zuschauern im Hof. Die Gesamtgestalt der dem Meißener Treppenturm und dem benachbarten Fassadenabschnitt vorgelagerten Altane besitzt jedoch kein direktes französisches Vorbild. Ein kleinerer Treppenturm befindet sich ebenfalls an der Hoffassade in der Ecke zwischen Nord- und Ostflügel.


    Im Innern der Albrechtsburg hatte der Baumeister ein hochkomplexes Raumprogramm umzusetzen. Große Bereiche des ersten Obergeschosses werden durch zwei Säle eingenommen. Beide sind großzügig auf mehreren Seiten befenstert, zweischiffig angelegt und wie die übrigen Räume des Geschosses gewölbt. Der zentral gelegene Saal, auf den der Hauptaufgang des Großen Treppenturms führt, war der fallweise zu nutzende große Festsaal des Schlosses. Er war nicht heizbar und erfüllte im Alltagsleben die Funktion eines Kommunikationsbereichs zwischen den umgebenden Treppen und Räumen, zu denen auch ein Kapellenraum gehört.

    Im Gegensatz dazu war der Nordsaal die durch einen ehemals an der Nordostecke platzierten großen Kachelofen geheizte Hofstube, in der sich zweimal täglich der gesamte männliche Hofstaat unter Einschluss der Fürsten zu den Hauptmahlzeiten versammeln sollte. Zwischen beiden Saalräumen liegt über der Verbindungstür eine Musikantenempore, die je nach Bedarf beide Räume bedienen konnte.

    Um diese beiden Großräume gruppieren sich drei voneinander unabhängige Appartements als Wohn- und Amtsbereiche, die jeweils aus einer ofenbeheizten Stube als Hauptraum und einer oder mehreren nachgeordneten Kammern als Schlaf- und Aufbewahrungsräume gebildet werden.


    Die außerordentlich aufwendige Bauaufgabe der Albrechtsburg erforderte die Einrichtung und den konstanten Betrieb einer großen Bauhütte, die unter Meister Arnold und seinen engsten Schülern zu einem Zentrum der Architekturentwicklung und -ausbildung mit überregionaler Ausstrahlungskraft wurde, wie sie vorher nur für die großen Kirchenbauhütten typisch war. Das in der Albrechtsburg entwickelte Zellengewölbe und die vorhangartigen oberen Abschlüsse der Hauptfenster wurden in weitem Umkreis kopiert; teilweise wurden die zunächst für den Profanbereich geschaffenen Formen anschließend sogar im Sakralbau eingeführt.


    Die Albrechtsburg ist tatsächlich nie zu einem Zentrum wettinischer Hofhaltung geworden. Noch während des Baufortgangs vereinbarten die Bauherren 1485 eine Aufteilung ihres Territoriums, der zufolge Meißen an die nun entstehende albertinische Linie der Wettiner fiel. Zwischen 1495 und 1500 wurden die Bauarbeiten während des Innenausbaus in den oberen Nordteilen eingestellt. Erst 1521 ließ der nun in Dresden residierende Sohn Herzog Albrechts, Herzog Georg der Bärtige (1500–1539), diese Bereiche durch Jakob Heilmann fertigstellen. Aus dieser Zeit stammen das Schlingrippengewölbe nach Art des in Prag tätigen Benedikt Ried im zweiten Obergeschoss des Nordostbaus und ein Kamin im darüber liegenden Raum. Damals wurde auch der Bildhauer Christoph Walther I mit der Anfertigung von figürlichen Reliefs für die Brüstungen des Großen Treppenturmes beauftragt, deren Rahmen typische Frührenaissanceformen zeigen.

  • Zu den herrlichen Sitznischenportalen:


    Ich bekomme das Bild einfach nicht aufrecht. Vielleicht schafft es ja einer der Moderatoren.


    Diese Sitznische um 1625 bildet die Nordostecke des Hornmoldhauses in Bietigheim in Baden-Württemberg und ist als einzelne Nische nicht Teil eines Sitznischenportales wie alle Sitznischen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, die ich bis jetzt gefunden habe.


    Kennt jemand weitere einzelne Sitznischen? Weiß jemand weitere Sitznischen in Süd- und Südwestdeutschland? Von welchen im Taubertal weiß ich nichts - wäre überaus interessant.


    Ich bin immer davon ausgegangen, dass hier Einfluss aus Wittenberg vorliegt, da Samuel Hornmold, einer der Söhne des Erbauers des Hornmoldhauses, Hausgenosse von Philipp Melanchthon in Wittenberg war und im Osten diese Zierform kennengelernt haben muss.


    Ich habe diese Einzelnische immer nur als Zierde, nicht als Sitzgelegenheit betrachtet, dazu ist sie auch nicht geeignet. Früher wurde sie als Teil eines Prangers gesehen, was die Aussagen des Stadtarchivs völlig klar widerlegen.

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin