Auskragende Fenster bei Wiener Biedermeier-Häusern

  • Immer wieder fällt mir bei Wiener Wohnbauten, die etwa aus der Zeit des Biedermeier stammen dürften, jeweils ein auskragendes Fenster auf, zumeist im ersten Stock, links oder rechts oberhalb der Eingangstür.


    Siehe zB hier: https://goo.gl/maps/MahSXCxmKichCszd9


    Kann mir jemand sagen, welche Funktion diese Fenster hatten? Eine wettergeschützte Möglichkeit zu schauen, wer vor der Tür stand? Ein praktischer Weinkühlschrank für die feinen Herrschaften aus der Beletage? Gibt es einen eigenen Begriff für diese Fenster?


    Bei den Zinshäusern der Gründerzeit findet man sie nicht mehr.

  • Irgendwo las ich einmal. dass diese auskragenden Fenster dazu dienten, dass man zum Eingangstor herunter schaunen konnte, wer dort anklopft. Zumindest die asymmetrische Anordnung dieses Fensters an Deinem Beispiel könnte das untermauern. Ich kenne eine Menge solcher Häuser in Wien und ich werde der Sache einmal nachgehen...


    Dass es solche Fenster bei Gründerzeithäusern nicht mehr gab, liegt eventuell daran, dass es a) bei diesen bereits zumeist einen Hausmeister gab, der kontrollierte und jemanden dann anmelden konnte.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Das klingt nach einer logischen Erklärung. Hier noch ein paar Häuser mit entsprechenden Fenstern. Zum Teil befinden sie sich auch direkt über der Eingangstür, haben aber ein Loch im Fensterbrett oder eine verglaste Unterseite:


    Burggasse 116

    https://goo.gl/maps/oRujy8HQymzUc6pw8


    Halbgasse 23

    https://goo.gl/maps/nBqWP5SRXY3Unc2L7


    Mechitaristengasse 7

    https://goo.gl/maps/7vCidintSJVuheXj9


    Mir sind auch Häuser aufgefallen, an denen zwei solche Fenster symmetrisch über der Eingangstür angebracht wurden. Möglicherweise hat sich der praktische Nutzen mit dem dekorativen Effekt vermischt.


    Lange Gasse 37

    https://goo.gl/maps/ETbaXmgQPHwhc6iS9


    Man findet allerdings auch viele Biedermeierhäuser ohne solche Fenster. Möglicherweise gingen sie in manchen Fällen auch beim Tausch der Fenster verloren. Wahrscheinlich ist so ein Fenster relativ teuer in der Anfertigung, da es sich ja meist um Einzelstücke handelt.


    Die Idee mit dem Hausbesorger finde ich gut. Mein erster Gedanke zum Verschwinden der Fenster in den Gründerzeit-Zinshäusern war, dass die kleineren Biedermeierhäuser noch eher für eine Familie mit Anhang erbaut wurden, während die Zinshäuser für eine Vielzahl von unabhängigen Parteien errichtet wurden oder aber dass die schon nach innen öffnende Fenster hatten.