Lehre für historische Architektur

  • Eine Liste der gesamten Literatur wäre sehr zu empfehlen.

    Könnte diese hier nicht als Tabelle angelegt und regelmäßig erweitert werden?

  • Eine Liste der gesamten Literatur wäre sehr zu empfehlen.

    Könnte diese hier nicht als Tabelle angelegt und regelmäßig erweitert werden?

    Eine prima Idee! Wüsste jedoch nicht, wie man das konkret machen könnte. Würde das vllt. jemand übernehmen können? Wäre dafür sehr dankbar.


    Gerne würde ich nun zu den vier der bisher genannten Bücher, welche mich in meinem Selbststudium sehr weiter gebracht haben, in wenigen Bildern vorstellen. Leider ist die Fülle und der umfangreiche Inhalt auf den wenigen Fotos kaum darstellbar. Hoffentlich sprenge ich hier nicht den Post. :biggrin:


    „Praktische Unterrichtsbücher für Bautechniker VII.1 - Die Säulenordnungen“, H. Diesener, 1899

       


      


    „Praktische Unterrichtsbücher für Bautechniker VIII - Das Entwerfen der Fassaden und Grundrisse“, H. Diesener, 1893

       


      

    Historische Architektur

    mit Schwerpunkt des 19. Jahrhunderts - Klassizismus + Neorenaissance


    Berliner Architekturbüro Kyllmann & Heyden

  • „Das Bauformenbuch, Teil I“, A. Brausewetter 1898
       

      

      


    „Proportionen in der Architektur“, Karl Freckmann, 1965

      


      


    Der Liste historischer Literatur möchte ich gerne noch folgendes Buch ergänzen:

    „Das Einfamilienhaus und seine Bauformen“, Meyer, Franz Sales & Krauth, Theodor, 1900


    Man erkennt schon gut, dass diese Architektur gewissen Regeln, Mustern und Verhältnissen folgt. Vieles ist geregelt, wie welche Geschosse behandelt werden müssen, welche Alternativen es gibt und was dringend zu unterlassen ist. Sehr interessante und vor allem wichtige historische Literatur, um die historische Architektur verstehen und lernen zu können.

    Historische Architektur

    mit Schwerpunkt des 19. Jahrhunderts - Klassizismus + Neorenaissance


    Berliner Architekturbüro Kyllmann & Heyden

  • Da muss ich doch direkt mal im örtlichen Antiquariat nachschauen ob , die das eine oder andere der vorgestellten Bücher im Bestand haben.

  • Vor einem Jahr fand zum Thema "Nueva Arquitectura Vernácula" an der Escuela Técnica Superior de Arquitectura de la Universidad Politécnica de Madrid ein Symposium statt. Einige Vorträge wurden auch auf youtube hochgeladen und als Playlist zur Verfügung gestellt:



    Die Vorträge sind leider überwiegend nur auf spanisch gehalten. Dennoch gibt es auch einige, bei denen auch eine Englische Übersetzung dabei ist oder gänzlich in Englisch gehalten werden.


    Im englischsprachigen Raum, aber eben auch im spanischsprachigen wird - wenn es um das traditionelle Bauen geht - zwischen zwei Hauptströmen unterschieden: Einmal der classical architecture, also Bauen, das sich überwiegend an klassische Architektur (inkl Abkömmlinge wie Barock und Klassizismus), und deren Formalien anlehnt (Säulenordnung etc) und dann die vernacular architecture. "Vernácula" oder im englischen "vernacular", beschreibt die "einheimische" - im Deutschen würde man sagen die regionale Architektur. Beide Strömungen können sich ergänzen, mischen oder auch abgegrenzt nebeneinander existieren.

    Da gab und gibt es ja auch in Deutschland seit Ende des 19. Jh. immer wieder Bestrebungen regionale Besonderheiten auch bei Neubauten wieder zu integrieren und somit die visuelle Identität der Regionen zu stärken (Heimatschutzstil o.Ä.).


    (Hier, auf dem Kanal der Notre Dame School of Architecture gibts noch eine ganze Reihe weiterer Vorträge/Vorlesungen (auf Englisch).)

  • Wie wird man ein 'klassischer' Architekt? Ein Gespräch vom 23.09.2020 mit George Saumarez Smith und Diana Yu (die an der Notre Dame School of Architecture studiert hat) beide von Adam Architecture.


    Quote

    'The Road to Becoming a Classical Architect'


    Professional member, George Saumarez Smith, in conversation with young practitioner, Diana Yu for INTBAU's Summer Series.



    Was immer wieder von den Koryphäen der klassischen Architektur gesagt wird und auch in diesem Video zum Ausdruck kommt: Einer der absolut notwendigen und lange eingeübten Grundvoraussetzungen für das Entwerfen: Zeichnen, Zeichnen und nochmals Zeichnen. Saumarez-Smith sagt er hat ein Jahr fast ausschließlich mit der Übung von Zeichnen von Architektur und ihrer Details verbracht und auch Fr Yu sagt: in den ersten drei Jahren ihrer Ausbildung an der Uni war der Fokus auf das händische Zeichnen. Bei den einen gehts schneller, bei anderen dauert es etwas. Die gute Nachricht ist aber: das kann man lernen, dazu braucht man kein außergewöhnliches Talent, sondern Geduld, Fleiß und Disziplin.

    Ein interessanter Aspekt auch noch: Fräulein Yu erzählt, wie sie an der Universität sehr viel über formale klassische Architektur gelernt hat, dann aber in der Arbeitswelt bei Adam Architects angekommen, nun doch sehr viel oder gar überwiegend mit 'vernacular architecture' - sprich regionaler, eher ruraler Architektur - zu tun hat, was auch nicht weiter verwunderlich ist, da der repräsentative Bau ja auch generell eher seltener als Bauaufgabe vorkommt.

  • thommystyle™ besten Dank für deine beiden Beiträge! Diese ergänzen den Verlauf des Themas sehr gut.


    Das Gespräch der INTBAU Serie habe ich live mitverfolgt und es war sehr interessant. Saumarez Smith sagte auch, dass er überaus viele Bücher zur klassischen Architektur besitzt und gelesen hat, um diese umfangreiche Materie zu lernen. Zum zeichnen hat er empfohlen „measured drawing“ also Zeichnungen nach Maß zu erstellen, um ein Gefühl für Verhältnisse und Maße zu gewinnen.


    Was ich auch sehr empfehlen kann, sind die vielen Videos von „The Institute of Classical Architecture & Art (ICAA)„ auf classicist.org. Da habe ich mir zuletzt die vierteilige Serie über die Proportion angesehen und war begeistert.


    Leider habe ich mich in letzter Zeit hier wenig gemeldet, da ich noch sehr mit meinem Selbststudium beschäftigt bin (Geduld, Fleiß und Disziplin :smile:).

    Nachdem ich die relevanten Vokabeln skizziert und Teile der Säulenordnungen gezeichnet habe, beschäftige ich mich aktuell mit der Proportionslehre, um damit die Grundlagen der klassischen Architektur zu lernen.

    Anschließend möchte ich die Inhalte der u.a. oben gezeigten Bücher, bzgl. des Entwurfs historischer Fassaden, verarbeiten und lernen.

    Historische Architektur

    mit Schwerpunkt des 19. Jahrhunderts - Klassizismus + Neorenaissance


    Berliner Architekturbüro Kyllmann & Heyden

  • Um den Entwurfs- und Proportionengeheimnissen der alten Meister näher zu kommen, braucht es intensive Kenntnisse des Goldenen Schnitts und seiner Anwendungen. Hilfreich ist auch die Erkenntnis, daß die Natur in Pflanzen und Tierkörperformen den Goldenen Schnitt konsequent anwendet. Letztlich sind gute Proportionen reine Mathematik, doch in der lebendigen Anwendung gibt es Abweichungen. Die Naturformen nähern sich dem Goldenen Schnitt an, erreichen ihn aber nicht. Das drückt sich in der Fibonacci-Zahlenreihe aus: 1, 2,3,5,8,13,21,34,55, ... usw. . Also eine Addition mit der jeweils vorhergehenden Zahl. Teilt man nun die Zahlen durch die jeweils vorhergehende erhalten wir Werte um 1,6. Mit fortschreitender Reihe werden die Werte immer exakter dem Ideal von 1,618 angenähert. Doch sie erreichen diesen Zahlenwert nie. Das ist das Geheimnis der Abweichung vom Ideal, das die alten Meister aus dem FF beherrschten. Man muß es ins Gefühl bringen. Aus der reinen mathematischen Berechnung ins Proportionengefühl. Deshalb wird angeraten viel händisch zu zeichnen und seinen Blick zu schulen. Mit Erfahrung sieht man in den Gebäuden dann den Goldenen Schnitt.


    Eine Grundlagenliteratur, die viele Naturformen analysiert bis hin zu Alltagsgegenständen antiker Zeiten und zu Architekturen und Fassaden ist:

    " Die Kraft der Grenzen" - Harmonische Proportionen in Natur, Kunst und Architektur von György Doczi.


    Die Entwurfsraster für Grundrisse und Fassade waren für die Alten die Triangulatur und die Quadratur.


    Adolf Kottmann hat in den 70iger und 80iger Jahren etliche Bücher mit seinen Analysen mittelalterlicher Architektur verfaßt.

    Die zwei wichtigsten davon wären:

    Adolf Kottmann, "Das Geheimnis romanischer Bauten" und "Vom Geheimnis der alten Meister"

    Darin zeigt der die konsequente Anwendung von Triangulatur und Quadratur auf !


    Auf den Spuren der alten Meister wandeln kann man auch in diesem Buch:

    Adolf Wangart, " Das Münster zu Freiburg im Breisgau im Rechten Maß", 1972


    Der Autor findet das Eichmaß, das die Proportionen des Baus bestimmt. Daraus wird die Triangulatur entwickelt. In Aufriß und Grundriß erscheint überall der GOLDENE SCHNITT.


    Habe mich hier im Forum und im Nachbarforum über die Jahre immer mal wieder mit dem GS beschäftigt.


    Potsdamer Stadtschloß:


    Hier: Re: Potsdamer Stadtschloss


    und die Fortsetzuung: Re: Potsdamer Stadtschloss


    Einen der Risalite im Schlüterhof des Berliner Stadtschlosses habe ich auch einmal analysiert. Das kann hier angeschaut werden:

    https://baukultur-forum.bz/forum/index.php?thread/8137-berliner-schloss-geometrie-zahl-maß-und-goldener-schnitt-proportionsstudien-zur/


    Die Studien zu den Proportionen finden hier mit weiteren Analysebeispielen ihre Fortsetzung:


    https://baukultur-forum.bz/forum/index.php?thread/8452-maß-zahl-und-goldener-schnitt-proportionen-in-der-klassischen-architektur/

    (wird fortgesetzt)

    Selbst in der Anlage von Stadtgrundrissen und der Verteilung der Kirchenstandorte, hier am Beispiel Köln, lassen sich interessante Bezüge und Verhältnisse erkunden:

    https://baukultur-forum.bz/forum/index.php?thread/8149-geometrische-muster-und-proportionale-beziehungen-zwischen-den-standorten-der-kö/


    Hoffe Dir hiermit und Deinem Anliegen weitere lehrreiche Impulse gegeben zu haben. Viel Erfolg Dir und mach weiter so!!! :daumenoben:

  • Hoffe Dir hiermit und Deinem Anliegen weitere lehrreiche Impulse gegeben zu haben. Viel Erfolg Dir und mach weiter so!!! :daumenoben:


    Dankeschön, das freut mich! :smile:

    Vielen Dank für deinen umfangreichen und interessanten Beitrag, wie auch den Buchtipps!

    Ich finde die Proportionslehre sehr spannend und ist unbedingt ein Muss auch für die heutige Architektur.


    Auch wenn es grundsätzlich mit den Mitteln der Geometrie angewandt wird, so ist es doch recht kniffelig und mit gewissen Geschick bzw. gestalterischem Können verbunden, die richtigen Schnittpunkte und Verhältnisse zu finden.


    Die Triangulatur und die Quadratur sind hervorragende Werkzeuge für die Proportion in der Architektur.

    Ich versuche mir aktuell die Quintur, anhand des von mir weiter oben gezeigten Buches „Proportionen in der Architektur“ von Karl Freckmann, beizubringen. Leider fällt es mir noch schwer, da praktisch hinterzukommen, um diese Technik anzuwenden, da die Anwendung im Buch m.E. nur angeschnitten wird.

    Die Quintur ist quasi das Goldene Dreieck (verschiedene Erscheinungs- und Anwendungsformen des Goldenen Schnitts). Die Weiterführung davon ist das Goldene Fünfeck - alle Diagonalen in diesem Fünfeck schneiden sich im goldenen Schnitt. Filippo Brunelleschi hat es wohl als einer der ersten in der Renaissance sehr erfolgreich angewandt. Bei solchen Fassaden erscheint alles logisch, nachvollziehbar und richtig. Anbei zwei Fotos dieser Technik, eines aus dem Buch, eines meiner eigenen Analysen. Bei letzterem sind Fehler nicht auszuschließen :biggrin:


        


    Hat jemand damit schonmal Erfahrungen gesammelt?

    Historische Architektur

    mit Schwerpunkt des 19. Jahrhunderts - Klassizismus + Neorenaissance


    Berliner Architekturbüro Kyllmann & Heyden

  • Hier noch ein Fund:

    The Builder's Jewel

    ein kleines Kompendium mit vielen Detail-Proportions-/Maßangaben zu Säulen, Schäften, Konsolen, Panelen, Fenstern, Wandgiebel etc etc . Erschienen zuerst 1731 und nach mehreren Auflagen zuletzt 1808 in London/Edinburg (und dementsprechend mit imperialen Maßeinheiten).

    In der Ausgabe von 1808 ist die Schrift aus meiner Sicht deutlich besser lesbar, in den früheren Ausgaben dafür die Abbildungen etwas schärfer. Die Abbildungen sind weiter hinten im Buch zu finden. Das Buch setzt sicherlich an der Schnittstelle zwischen Architekt und Bauhandwerk an. Für viele Architekturentwürfe wird es unerheblich sein, ob die Konsole 15 cm oder 17 cm breit sein soll, da erstmal der Fassadenentwurf wichtig zur Beurteilung ist. Erst wenn es dann tatsächlich an die Detailumsetzung von Bildhauer/Stukkaturarbeiten kommt, stellt sich die Frage wie breit soll denn z.B. die Konsole des Fenstergiebels im Verhältnis zum Fenster tatsächlich sein? In welchem Verhältnis stehen die ganzen 'Absätze' an der Basis einer Säule zueinander? Solche und weitere Fragen werden hier beantwortet.


    In dem Zusammenhang evtl auch noch interessant (ohne das ich es gelesen hätte): Hans-Joachim Vollrat: Nikolaus Goldmann 1611-1665: Architektur als Mathematische Wissenschaft

    Nikolaus Goldmann ist der Verfasser von diesem Buch: Vollständige Anweisung zu der Civil-Bau-Kunst)


    Weitere interessante Seiten: zu Nikolaus Goldmann, und Balthasar Neumann (und wie er seine Säulen konstruierte)

  • thommystyle™ super, besten Dank für die interessante Literatur! Ich finde es sehr spannend, wenn gezeigt wird, wie einzelne Bauteile und Details konstruiert werden.


    Sicherlich ähneln sich die Techniken alle sehr, z.B. zwischen Palladio, Vignola und diesen.


    Schinkel war ja der Baumeister des Klassizismus in Deutschland. Wisst ihr vllt., ob er auch mal eine Art Lehrbuch herausgebracht hat? Bei so vielen umfangreichen und unterschiedlichen Bauwerken der Epoche wäre dies sicherlich für die Nachwelt wertvoll!

    Historische Architektur

    mit Schwerpunkt des 19. Jahrhunderts - Klassizismus + Neorenaissance


    Berliner Architekturbüro Kyllmann & Heyden

  • Das in den USA aktive „Institute of Classical Architecture & Art“ bietet Kurse für historische Architektur an. Zudem gibt es viele Artikel und Videos, die man sich kostenlos anschauen kann! Auf YouTube sind sie unter „ClassicistORG“ zu finden!

  • Durch meine eigene Erfahrung habe ich herausgefunden, dass der beste Weg, Architektur zu lernen, darin besteht, sie zu zeichnen. Viele Dinge können aus historischen Nachschlagewerken oder aus alten Abhandlungen gelernt werden, aber nichts ist vergleichbar mit Zeichnen. Zeichnen, was Sie sehen. Ein Gebäude als Ganzes, ein bestimmtes Element. Wenn Sie zeichnen - Ihr Auge ist gerichtet, versucht Ihr Gehirn, das Bild zu erstellen, wie eine Komponente mit einer anderen in Beziehung steht. Es ist eine Art Offenbarung, etwas, das sich intuitiv als offensichtlich öffnet. Sie müssen nicht wirklich wissen, wie man gut zeichnet (obwohl das hilft), Sie müssen nur Ihre Hände und Augen arbeiten lassen. Ich denke, dass man nur mit einem Maß an räumlicher und visueller Meisterschaft entwerfen kann, wenn man mindestens ein Dutzend verschiedener Gebäude in diesem speziellen Stil zeichnet. Nur dann können Sie sich improvisieren lassen.

  • Ich würde einen Schritt weitergehen: man kann nur verstehen, was man zeichnet, wenn man versteht, wie es gebaut wird und wie es funktioniert. In einem diesbezüglichen Kurs mussten wir ein Fahrrad aus dem Kopf zeichnen - also ohne zu spicken (es gab noch kein Internet...). Plötzlich wird einem bewusst, dass man nichts zeichnen kann, das man nicht versteht. Die Präraffaeliten haben gut beobachtet, aber Leonardo wollte den Menschen auch in seiner Funktion verstehen. Nur die Oberfläche abkopieren reichte ihm nicht. Bei Anatomie ist also der Weg des Durchdringens von Form, Raum und Funktion ebensk wichtig (Gottfried Bammes) - und ebenso sind bei der Architektur denn auch die Dinge, die man NICHT sieht, entscheidend. Zusammenhänge, die man nicht versteht, werden gerne "geschummelt" (ach, der Balken liegt "irgendwie" da drüber... ich lass das jetzt mal weg). Man braucht sich nur mal hinzustellen und einen Baum oder eine Dampflok abzuzeichnen. Ganz automatisch ist man gezwungen, tiefer in die Materie einzutauchen. Aber das Zeichnen ist gewiss der Anfang des "Wahrnehmens" und schult unmittelbar, welche Fragen man zu stellen hat. Da bin ich ganz bei Oststaatler.


    PS Frohes Weihnachtsfest!

  • Weiß jemand, wo ich Grundrisszeichnungen verschiedener Häuser aus der Gotik und Renaissance finden kann? Jede Art von Artikeln zum Thema Raumplanung wäre ebenfalls sehr hilfreich.

    Danke im Voraus!

  • Bezeichnung der historisierenden Architektur heute 12

    1. Historische Architektur (0) 0%
    2. Klassische Architektur (12) 100%

    Allen wünsche ich ein frohes und gesundes neues Jahr!

    Besten Dank für die informativen und wichtigen Beiträgen!

    Dass man die historische Architektur zeichnen sollte, um sie zu begreifen und irgendwann auch selber (ohne zu lünkern) aufs Papier bringen kann, sehe ich auch so. Bisher habe ich selber auch immer wieder gemerkt, dass man durch betrachten und skizzieren, die Formen, Details, wie etwas miteinander funktioniert oder aufgebaut ist, am besten versteht.

    Vielen Dank für die Erfahrungen und Bestätigung, dass dieser praktischer Teil des Selbststudiums von großer Wichtigkeit ist! Nicht ohne Grund sind die Architekten im 19. Jahrhundert nach Italien und Frankreich gereist und haben dort die Werke der alten Meister studiert und skizziert.


    Falls ich hier auf mein Instagram Profil hinweisen darf!? Da habe ich mein bisheriges Selbststudium mehr oder weniger in verschiedenen Beiträgen dargestellt. Link


    Oststaatler Grundrisse der Gotik oder Renaissance kann ich leider nicht beisteuern. Doch in einem Buch, welches ich früher mal vorgestellt habe (Das Entwerfen der Fassaden und Grundrisse), werden die unterschiedlichen Grundrisstypen erklärt, wie sie in der Gründerzeit entworfen und gebaut wurden. Ich denke das Buch lässt sich noch bei diversen Antiquariaten erwerben.


    Habe zum Schluss noch eine allgemeine Frage: Wenn man heute die Architektur des Klassizismus oder der NeoRenaissance (19. Jahrhundert) anwenden möchte, spricht man dann von historischer Architektur oder klassischer Architektur? Setzt man vllt. alternativ noch ein „neu“ davor, wie neuhistorische Architektur oder neuklassische Architektur? Bitte nimmt dazu an der Umfrage teil.

    Historische Architektur

    mit Schwerpunkt des 19. Jahrhunderts - Klassizismus + Neorenaissance


    Berliner Architekturbüro Kyllmann & Heyden

  • Lieber Martin,


    zu den von dir aufgeworfenen Fragen:


    Bei den Gebäuden des Klassizismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts spricht man noch nicht von Historismus, sondern von Klassizismus.


    Ab etwa der Mitte des 19. Jh. spricht man bei Gebäuden, z. B. im Stil der Neorenaissance oder der Neugotik oder des Neobarock oder Neorokoko von Bauten des Historismus. Der Klassizismus aus dem Beginn des 19. Jh. allerdings strahlte noch sehr lange aus bis in die 1860 er Jahre hinein und zeilweise noch darüber hinaus. Deshalb wurden parallel zu den Bauten des Historismus zeitgleich auch Häuser des Klassizismus erbaut


    Bei der Innenausstattung und den Möbeln, etwa ab 1840, die die historischen Stile wieder aufnahmen, spricht man allerdings nicht von Möbeln des Historismus, sondern von Möbeln der Gründerzeit, wobei aber mit Möbeln der Gründerzeit zumeist Möbel ab etwa 1870 gemeint sind.


    In Übrigen sind deine eingestellten Bilder auf Instagramm super. Leider werde ich, als nicht angemeldete Person, dort nach kurzer Zeit raus geschmissen und kann die restlichen, von dir eingestellten Bilder und Pläne leider nicht anschauen.


    Lieber Martin, auch dir wünsche ich ein gutes und vor allem ein gesundes Neues Jahr 2021. Möge dein Einsatz für Gebäude im Stil des Klassizismus und des Historismus reiche Früchte tragen und der Funke auf andre Architekten überspringen. Die Zeit ist längst überreif für einen Neuanfang.

  • Villa1895 vielen Dank für deine schnelle Rückmeldung. Dankeschön! Es freut mich, dass dir meine Beiträge gefallen. Ich finde auch, dass die Zeit für mehr historisierende Architektur sehr reif ist.


    Die einzelnen Stile des 19. Jahrhunderts sind mir soweit bekannt. Der Klassizismus hat mit dem Historismus wenig gemeinsam, sie sind jeweils eigenständige Stile.

    Damals vergab man den Stilen, welche man als Neuauflage entwickelte und gebaut hat, ein „neu“ oder „neu“ davor.

    Wenn man nun heute die Architektur des Klassizismus oder Historismus (in meinem Fall hauptsächlich die NeoRenaissance) erneut als Neuauflage anwenden möchte, kann man beiden heute schlecht wieder ein „neo“ davor setzen - Neoklassizismus und NeoRenaissance gab es ja schon.

    Laut Wikipedia gibt es den Begriff Neohistorismus, welcher heutzutage historisierende Architektur beschreibt.

    Ich persönlich finde den Begriff „klassische Architektur“ allgemeiner und eleganter, doch denkt man dabei m.E. schnell an die antike Architektur, mit Tempeln und Säulen.

    Irgendwie tue ich mich schwer dabei, den für mich passenden Begriff zu finden. Ich hoffe es war verständlich formuliert.

    Historische Architektur

    mit Schwerpunkt des 19. Jahrhunderts - Klassizismus + Neorenaissance


    Berliner Architekturbüro Kyllmann & Heyden

  • Hallo Martin89,


    es ist mir nun klar geworden, was du meinst.


    Wenn ein Baustil nach langer Zeit, sagen wir nach hundert Jahren, wieder entdeckt wird und zu Ehren kommt, dann bräuchte es eine Bezeichnung, die eine Unterscheidung von der ersten Neorenaissance möglich macht. So gab es um 1860 ein Neobarock, das man rückblickend als "zweites Barock", oder Barock, zweite Zeit" bezeichnete.


    So könnte man analog vielleicht bei einer neuen Neorenaissance den Begriff "neue Neorenaissance" oder aber "zweite Neorenaissance" oder etwas kürzer und vielleicht weniger sperrig in der Aussprache: "Neorenaissance II" bezeichnen. Dadurch wäre immerhin eine Unterscheidung zur Neorenaissance der zweiten Hälfte des 19. Jh. möglich. Vielleicht fällt jemandem eine bessere Bezeichnung ein.