Seitwann (polnisch: Żytowań)

  • Das Dörfchen mit dem lustigen Namen "Seitwann" (polnisch: Żytowań ) liegt 9 km nördlich von Gubin direkt am östlichen Ufer der Neiße. Der Ort wurde 1370 erstmalig urkundlich erwähnt und trug damals den Namen Sythewin und gehörte seit damals zum Zisterzienserkloster Neuzelle bis zu dessen Auflösung im Jahre 1810. Die hübsche Dorfkirche stammt aus dem Jahre 1748 und war immer katholisch. Sie besaß eine elegante Ausstattung im Rokoko. Es würde mich sehr freuen, wenn diese Ausstattung erhalten geblieben wäre, doch hege ich daran erhebliche Zweifel. Vielleicht kann ich, sofern ich Corone überstehe, mal hin fahren, es ist von uns aus nicht gar so sehr weit entfernt.



    Hier die Kirche von außen, um 1900 aufgenommen:


    Das heitere Innere des Gotteshauses mit eingezogenem Chor, einem schönen Hochaltar und zwei Seitenaltären. Die Kirche scheint gewölbt zu sein. Der Chor zumindest ist es und das Gewölbe ist überdies noch mit Malereien, offenbar aus der Erbauungszeit, versehen Was für eine qualitätvolle Kirche für ein sehr kleines Dorf. Das alles freilich unter dem Vorbehalt, dass die kleine Kirche die Zeitläufte und den Krieg unbeschadet überstanden hat. Der Kirchenpatron war zu deutscher Zeit St. Laurentius:



    Die Orgel der Kirche zu Seitwann mit einem Prospekt, der sehr feine Schnitzereien aufweist. Auch die geschwungene Brüstung der Orgelempore ist mit Schnitzwerk des Rokoko reichlich versehen:

  • Die Kirche in Seitwann wurde 1945 von der SS gesprengt. Das weithin sichtbare Bauwerk sollte der Roten Armee nicht als Orientierungspunkt dienen. So steht es jedenfalls in der polnischen Wikipedia, gestützt auf die polnische Regionalgeschichtsliteratur.


    Die Kirche existiert nicht mehr. In der Liste der Baudenkmale der Wojewodschaft Lebus ist für die Ortschaft Żytowań kein einziges Objekt eingetragen. In dem kleinen Ort leben nur etwa hundert Menschen. Żytowań (Seitwann) gehört zur Landgemeinde Gubin im Kreis Crossen. In der gesamten Landgemeinde (ohne die Stadt) Gubin leben 7.200 Menschen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 19 Einwohnern je Quadratkilometer. Das ist also eine ganz dünn besiedelte Gegend. Es gibt dort drei bis höchstens fünf aktive katholische Pfarrkirchen. In den meisten Ortsteilen, so auch in Seitwann, gibt es keine Kirche.


    1945 sprengten die Deutschen auch die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Neißebrücke von Seitwann. 2013/14 wurde mit EU-Fördermitteln eine neue Brücke gebaut.


    Coschen, Gemeinde Neißemünde, Landkreis Oder-Spree, Brücke über die Neiße nach Żytowań (Seitwann), gmina wiejska Gubin, powiat krośnieński (Foto: Andreas Lippold, Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)


    "Villa1895", du kannst also bequem über Coschen nach Seitwann fahren, aber zu sehen gibt es dort nichts. Nur ein paar unbedeutende Häuser. Die polnische Denkmalliste erfasst in den Dörfern eigentlich alle Gebäude und auch Ruinen, die einigermaßen interessant sind. Wenn Seitwann dort nicht vorkommt, dann ist da auch nichts. Immerhin ist die Landschaft um die wenigen Häuser ganz reizvoll. Ich hätte nicht gedacht, dass die Neiße auch in ihrem Unterlauf so schmal ist. Auf Landkarten wirkt sie viel imposanter.


    Die Neiße bei Coschen (Foto: Andreas Lippold, Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)

  • @ Rastrelli,


    danke für die Information. Dann hat sich damit meine Intuition leider wieder einmal bewahrheitet. Ein solch unnötiger Verlust tut doppelt weh. Und noch dazu ausgerechnet bei einer Kirche mit einer solch schönen und eleganten Ausstattung. Hier wird man sich realistischerweise mit dem Verlust abfinden müssen. Wahrscheinlich lebt kaum noch jemand, der dieses Gotteshaus aus persönlicher Anschauung kennt. Immerhin vermögen die von mir aufgefundenen alten Fotos eine kleine Vorstellung des Interieurs zu geben, leider nur in schwarz-weiß. Bestimmt war die Kirche von einer schönen Farbigkeit, was die heitere Stimmung des Raumes noch verstärkt haben dürfte. Die Altäre könnten sogar aus farbigem Stuckmarmor gefertigt gewesen sein. Jedenfalls hatte das Kloster Neuzelle seinerzeit beim Bau der Kirche offenbar nicht gespart.

  • Also Villa 1895 ,lohnt sich ein Besuch in Zytowan nicht.(wie schon Rastrelli schreibt).Bin schon mit Google Earth über Zytowan gekreist und habe keine Kirche entdecken können.

    Wer diese Kirche noch aus eigenen Augen kennt müsste schon Ende achtzig und älter sein.Das allerdings sind heute bestimmt recht wenige Augenzeugen in dieser Gegend.