Potsdam - Neubauquartier IV am Alten Markt - Bibliotheksquartier

  • Ob sich der Vergabeausschuß aus 50 % Stadtverordneten und 50 % Verwaltung auch daran hält steht dahin.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Nachdem gestern das Auswahlgremium tagte, die offizielle Seite der Potsdamer Mitte in Bezug auf die Sieger nicht aktualisiert wurde, konnte man einem Pressefoto nur die folgenden Sieger von Los 4 entnehmen. Es wäre schön wenn ein Ortsansässiger vielleicht mehr zum Los 3 wüsste.


    Hier die Sieger von Los 4:




    Wenn es jemand kann, dann ist es keine Kunst. Und wenn es jemand nicht kann, dann ist es erst recht keine Kunst!

  • Dank persönlicher Korrespondenz mit Konstantindegeer hier die Sieger von Los 3.




    Wenn es jemand kann, dann ist es keine Kunst. Und wenn es jemand nicht kann, dann ist es erst recht keine Kunst!

  • Entwürfe: Die künftige Erika-Wolf-Straße in der Potsdamer Innenstadt

    https://www.maz-online.de/loka…VQVKF57SAXVLGCWBLZFM.html


    Leider haben nicht die in meinen Augen besten Entwürfe gewonnen. Das wird ein ziemliches Sammelsurium der Stile. Vor allem die Glasfuge als Störelement dürfte manchem Modernisten das Herz höher schlagen lassen.

    Aber zumindest ist gut, dass es weitergeht.

  • Die neuen Entwürfe finde ich etwas nüchtern bis fad, aber durchaus solide. Sie (ver)stören zumindest nicht.
    Mehr als man von den allermeisten innerstädtischen Neubauten heutzutage sagen kann.

    Beim Achteckenhaus wünsche ich mir mehr Detailtiefe und Originaltreue. Da sollte nochmal nachgearbeitet werden.


    Das Metallgedöns neben dem Achteckenhaus lässt sich irgendwie auch verknusen. Es ist wie die "Glasfuge" am Dresdner Neumarkt eine wunderbare Erinnerung daran, wie unbeholfen und unnötig "innovative" modernistische Architektur bis heute im Vergleich mit klassischer Architektursprache ist. Da kann dann jede/r Stadtführer/in mit Seufzer kommentieren: "Und hier musste dem modischen Zeitgeist unbedingt noch ein Denkmal gesetzt werden. Na, wer's mag."

  • wie die "Glasfuge" am Dresdner Neumarkt

    Die "Glasfuge" in Potsdam wird allerdings um einiges expressiver und auffälliger werden als das Dresdner Beispiel, das sich in der Dimension des Neumarkts verliert. Zumal die dekonstruktiv motivierte Fuge direkt neben dem Achtecken-Haus liegt und somit den größtmöglichen Kontrast liefert.

  • Empfinde ich anders. In Dresden ist der Bau auch noch direkt zum Neumarkt und der Frauenkirche gewandt, und wird durch den völlig missratenen Alpina-weißen Standardbau daneben weiter als Kontrast-Gespann betont. In Potsdam wird der Bau dagegen eher in der Straßenabwicklung untergehen. Zum Alten Markt selbst sind alle Bauten von hoher Qualität und Harmonie.

  • Das Glashaus am Neumarkt empfinde ich als extrem störend. Ein hässliches, dunkles, klaffendes Loch im Raum. Es ist tatsächlich pure Ironie, dass darin die 1900 Location untergebracht ist.
    Warum hat man nicht wenigstens eine Glasfassade im Stil um 1900 daraus gemacht?

  • Auch Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) hat sich mit dem Siegerentwurf der Jury in einem Artikel befasst.

    Zwei Stellen in dem Artikel der PNN haben mich stutzen lassen:

    Quote

    Schubert lobte insbesondere, dass die Jury einen Entwurf mit „spannender Fassade“ ausgewählt hat, die diesem Ort ein neues Gesicht geben werde. Dabei bezog er sich auf ein schmales Gebäude, das sich an das Acht-Ecken-Haus anschließt. Die Front ist von senkrechten Glasstäben bedeckt, die durch eine wellenartige Gestaltung aussehen, als seien sie zusammengeschoben worden.

    1. War ja klar, dass MagicMike das Gebäude, was ich am hässlichsten von allen ausgewählten finde (und das hier im Forum am meisten Kritik erfährt) natürlich besonders lobt. stickpoke:)

    Naja, sollen sie diese Glasstäbe-Fuge eben bauen. Wie war das doch gleich: "Auch zukünftige Generationen brauchen Bausünden zum Abreißen."


    Quote

    Einbezogen werden sollten in die Entscheidungsfindung wie berichtet auch die Meinung der Potsdamer Bürger. Im April hatte der Sanierungsträger der kommunalen Bauholding Pro Potsdam dazu aufgerufen, die Entwürfe zu kommentieren. Die Resonanz war äußerst überschaubar: Nur vier Personen schickten ihre Stellungnahmen, wenn auch sehr qualifiziert und detailliert, wie Geschäftsführerin Sigrun Rabbe versicherte.

    2. Sehr schade, dass dort nicht mehr Resonanz war. Ich war einer der vier... Da hätte man doch noch deutlich mehr Feedback geben können - aus dem Forum hier, aber natürlich auch von den Potsdamer Bürgern.

  • Der Auffahrunfall


    Warum die Architektur für die „Fuge“ in der Schwertfegerstraße eine Fehlentscheidung ist


    Der Grundsatzbeschluss der Wiedergewinnung der „Potsdamer Mitte“ (2010), also des Stadtquartiers, das Generationen lang als „Schloßbezirk“ firmierte, sah die unveränderte Wiederherstellung der historischen Parzellengrößen vor, vor allem der Parzellenbreite an der öffentlich erlebbaren Straße. An den jeweiligen Blockecken orientierten sich die Planer mit „Leitfassaden“ an historischen Gebäuden, in den neuen Straßenfluchten zwischen den ausdrucksstarken Eckbauten sollte zeitgenössische Architektur entstehen (unter bewusster Inkaufnahme der Unschärfe des Begriffs), die sich allerdings architektonisch zurückhalten und von den historischen Fassaden bzgl. der Maßstäblichkeit und der Materialität „leiten“ lassen sollten.


    Eine Ausnahme unter den vielen Parzellen der Potsdamer Mitte bilden zwei schmale Grundstücke in der ehem. Schwertfegerstraße, die durch eine Aufweitung der Friedrich-Ebert-Straße für die Straßenbahn (statt wie vor 1945 über den Alten Markt) und der damit verbundenen Stauchung des Blocks entstanden sind. Die Parzellen hat es ergo historisch nie gegeben und es war Konsens in der Stadt, dass bei diesen beiden Parzellen eine größere Gestaltungsfreiheit in den Fassaden zuzulassen wäre.


    Im Block III gab es folgerichtig für die „Fuge“, wie die beiden Parzellen fortan genannt wurden, eine bunte Reihe von Entwürfen. Auf der Südseite der ehem. Schwertfegerstraße setzte sich im Wettbewerb seinerzeit das Zitat der vorgehängten Sternenpaneele des ehem. Instituts für Lehrbildung „Rosa Luxemburg“ (IfL) durch. Die Entscheidung wurde als Hommage an die Architektur des später von der Fachhochschule Potsdam (FHP) genutzten Baus verstanden, der ganz überwiegend aus städtebaulichen und nicht aus architektonischen Gründen 2018 abgerissen wurde. Man kann diese Entscheidung unumwunden als nostalgisch bezeichnen, ist doch mindestens eine, wenn nicht zwei Generationen Potsdamer Bürger mit dem einprägsamen Bau aufgewachsen. Zudem soll mit einem „Haus der Musik“ eine öffentliche und außergewöhnliche Nutzung das Haus prägen.


    Im Block IV stellte sich nun die Frage nach der Gestaltung dieses nur wenige Meter breiten Grundstücks in Nutzung und Architektur erneut. Die interfraktionelle Auswahlkommission entschied sich 2021 für den Privatinvestor Dr. Wolff Immobilien (Brühl/Binz) und eine klassische Mischnutzung des Gebäudes. Das Erdgeschoß soll ein Ladengeschäft aufnehmen, die Obergeschosse je eine Wohnung. Aus der Nutzung ist also eine besonders auffällige Gestaltung der Fassade nicht herzuleiten: weder der Dienstsitz der UNO oder wenigstens der Kulturbeigeordneten der Landeshauptstadt Potsdam rechtfertigt eine expressive Gestaltung, der Bau bleibt ein gewöhnliches Wohn- und Geschäftshaus.


    Deshalb begründen Bauherr und Architekten ihren Vorschlag einer wellenförmig gestauchten Glaslamellenfassade auch einzig mit der „Stauchung“ des gesamten Baublocks, welcher allerdings von künftigen Passanten nicht wahrzunehmen ist, da das menschliche Gesichtsfeld naturgemäß nur einen Ausschnitt des zwölf Parzellen umfassenden Karrees beleuchten kann. Die Aufweitung der Friedrich-Ebert-Straße ist von diesem Ort überhaupt nicht zu erkennen, somit kann der städtebauliche Kniff bei der Neukonzeption des Quartiers auch nicht nachvollzogen werden. Zudem ist eine Glasvorhangfassade in einer Südlage unter den herrschenden Bedingungen der bauphysikalischen und bauenergetischen Gesetzeslage (Gebäudeenergiegesetz (GEG) und deren sich in Arbeit befindlichen Novelle) nur mit ganz erheblichen finanziellen Aufwendungen zu leisten, die jede Wirtschaftlichkeit in Liebhaberei verkehrt. Es steht also zu vermuten, dass keineswegs der Verweis auf die Genese des städtebaulichen Plans die Ursache für den „Auffahrunfall“ in der Fassade ist, sondern der Wunsch des Bauherrn und/oder des Architekten sich selbst mit einer für die Potsdamer Innenstadt einzigartigen Fassade ein Denkmal zu setzen.


    Diese Motivation kann jedoch für die Gestaltung der neuen „Potsdamer Mitte“ nicht entscheidend sein. Diese lebte städtebaulich gerade vom Gegenteil: der Zurückhaltung der Fassaden in der überwiegenden Zahl der Bürgerhäuser und der Heraushebung außergewöhnlicher Nutzungen (Rathaus, Kirche, Schloß, Bürgerhaus) durch Fassaden mit erkennbaren architektonischen Anleihen am europäischen Architekturkanon. An diese Tradition hat selbst die Potsdamer Nachkriegsmoderne angeknüpft: die Seerose, das Interhotel und auch die Fassade des IfL nimmt offen Bezug auf Ikonen der Architektur des „internationalen Stils“. Einfach nur etwas „anders“ zu machen, wie es hier beschlossen wurde, entspringt einzig dem Wunsch nach (vermeidlicher) Originalität, der sich nicht – wie beispielweise beim Zitat des Palazzo Thiene am Neuen Markt – in der gröberen Körnung in die städtebauliche Situation einpasst. Eine selbstbewußte Bürgerschaft sollte sich eine derartige Exaltiertheit für eine so triviale Nutzung nicht bieten lassen.


    Die Ursachen der knappen Entscheidung (um eine Stimme) für den „Auffahrunfall“ lag wohl in einem Effekt, den wir schon mehrfach in ganz Deutschland erlebt haben und den ich Rekonstruktionsreue nenne. Je mehr die sinnstiftende und versöhnende historische Architektur – im Potsdamer Fall am Alten Markt - einen Blick darauf zulässt, warum der Platz Friedrich des Großen einstmals als einer der schönsten Plätze Europas galt, desto übermütiger werden die Verantwortlichen der Stadt Potsdam sich doch wieder von ihrem bewusst konsequenten Regelwerk zu verabschieden. Quasi als Reue für den Griff in den der Schönheit verpflichteten Honigtopf historischer Architekturformen entscheidet sich eine Mehrheit der Stadtpolitik für eine reine Effektarchitektur, die von nach kaum viel mehr als zehn Jahren ihre ästhetische Halbwertszeit erreicht haben und nach einem Vierteljahrhundert, wie der Glasbüroturm von Helmut Jahn am Berliner Potsdamer Platz, wieder abgerissen werden wird. Wir kennen ähnliches vom neuen Markt in Dresden und der neuen Altstadt in Frankfurt/Main.


    Eine knappe Mehrheit hält also diese Form von Architektur, die von ihrer Formensprache in die Zeit der 1990er Jahre fällt, für „modern“ und meint in der Öffentlichkeit mit dem Argument zu überzeugen dass „Modernität […] geschaffen“ werde „ohne die städtische Baugeschichte zu ignorieren“ (Oberbürgermeister Mike Schubert).


    Es ist natürlich völlig maßlos die pragmatische Aufweitung einer Straße für den ÖPNV mit den stadtkompositorischen Leistungen der barocken Baumeister gleichzusetzen. Das werden wir nach der Fertigstellung der Achteckenkreuzung in ihrer aus ähnlichen Gründen erzwungenen Abstraktion bitter bemerken. Durch aus Auseinanderziehen des Achteckenplatzes um etwa die Hälfte seiner Breite geht die Doppelsymmetrie der städtebaulichen Figur genauso verloren wie die Platzsituation selbst und durch Abstraktion der verbindenden Architekturelemente der vier Eckbauten werden diese optisch auseinanderfallen. Die leistungsfähige Straßenbahntrasse ist zwar nachvollziehbar aber städtebaulich teuer erkauft. Umso wichtiger wäre es gewesen die verbindenden Elemente bei den Neubauten konsequent durchzuhalten und auf groben Unfug zu verzichten.


    Letztendlich wird die Potsdamer Innenstadt mit dem Auffahrunfall natürlich genauso leben wie mit dem letzten Versuch der Stadtväter „mal was anderes“ auszuprobieren. Die „Waschmaschine“ in der Friedrich-Ebert-Straße zeugt von einem früheren, misslungenen Anlauf der Architekten sich in geschlossenen, historischen Innenstädten mit etwas „Modernen“ einzufügen. Es wird Aufgabe der nächsten Generation sein, diese Fehler wieder zu beheben und – gottlob – bleibt die Zahl dieser Egomanien in Potsdam überschaubar.




    Der Auffahrunfall





    Friedrich-Ebert-Straße (Nauener Straße) Ecke Gutenberg (Junckerstraße), um 1900




    Die Waschmaschine, Friedrich-Ebert-Straße (Nauener Straße) Ecke Gutenberg (Junckerstraße)

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • unify Bei den Visualisierungen kann man man die Leutbauten getrost außer Acht lassen. Diese werden im Zustand ihrer höchsten Kunsthistorischen Qualität wiedererrichtet. Und dazu gehören beim Palazzo Barbaran auch die Figuren, unabhängig was die Visualisierung zeigt. Ähnlich verhielt es sich im Block III wo das Klingnersche Haus seine Ochsenaugen im Mezzanin zurückbekommt, und beim Plögerschen Gasthof der Historismus-Balkon im Piano Nobile wegfällt.

    Wenn es jemand kann, dann ist es keine Kunst. Und wenn es jemand nicht kann, dann ist es erst recht keine Kunst!

  • unify Bei den Visualisierungen kann man man die Leutbauten getrost außer Acht lassen. Diese werden im Zustand ihrer höchsten Kunsthistorischen Qualität wiedererrichtet. Und dazu gehören beim Palazzo Barbaran auch die Figuren, unabhängig was die Visualisierung zeigt. Ähnlich verhielt es sich im Block III wo das Klingnersches seine Ochsenaugen im Mezzanin zurückbekommt, und beim Plögerschen Gasthof der Historismus-Balkon im Piano Nobile wegfällt.

    Wie sieht es mit dem Haus am Alten Markt 13/14 aus? Auf Visualisierung wirkt es teils stark verändert. Nicht nur dass Relief und Statuen wegfallen, auch in anderen Fassadendetails weicht es vom ursprünglichen Haus ab.

  • Das Haus 13/14 war nicht als Rekonstruktion vorgesehen, sondern als moderner Neubau, der an den historischen Vorgänger erinnern soll. Ähnlich wie bei dem Haus Einsiedler.

  • Es war schon ein Fehler, die Straßennamen zu ändern. Jeder "alte" Potsdamer kennt die Schwertfegerstraße, Schlossstraße oder Kaiserstraße. Mit den neuen Namen kann und werde ich mich nicht anfreunden. Ich werde diese mir wahrscheinlich nicht mal merken können.

  • ^ Das könnte man lösen, indem man unter die aktuell gültigen Straßenschilder anders gestaltete Straßenschilder mit Aufschriften a la "ehemalige Schwertfegerstraße" hängt. Bei der Römerberg Ostzeile in Frankfurt gibt es so etwas zum Beispiel. Es wäre also möglich, "nachzurüsten".