Aussagen von Dichtern und Philosophen über die Altstädte Deutschlands

  • Ich habe gerade in Fichtes "Reden an die deutsche Nation" (die ich für einen Handbuchartikel lesen muss) folgende schöne Stelle über die mittelalterlichen Altstädte Deutschlands gelesen:


    "Es entstanden unter ihnen [den Deutschen des Mittelalters] indessen Städte, die durch Glieder aus dem Volk errichtet wurden. In diesen entwickelte sich schnell jeder Zweig des gebildeten Lebens zur schönsten Blüte, In ihnen entstanden, zwar auf Kleines berechnete, dennoch aber trefflich bürgerliche Verfassungen, und Einrichtungen, und von ihnen aus verbreitete sich ein Bild von Ordnung und eine Liebe derselben erst über das übrige Land. Ihr ausgebreiteter Handel half die Welt entdecken. Ihren Bund fürchteten Könige. Die Denkmäler ihrer Baukunst dauern noch, haben der Zerstörung von Jahrhunderten getrotzt, die Nachwelt steht bewundernd vor ihnen und bekennt ihre eigene Ohnmacht." (J. G. Fichte: Reden an die deutsche Nation, Sechste Rede)


    Vielleicht könnte man in diesem thread vergleichbare Aussagen von Dichtern und Philosophen über die deutschen Altstädte sammeln.

    Das Fichte-Zitat darf übrigens gerne kommentiert und diskutiert werden.

  • Münden zählt zu einer der 8 schönst gelegenen Städte der Welt (Heinrich Heine)

    Ich meinte jetzt eher über deutsche Altstädte und deren Baukunst im allgemeinen. Oder ggf. auch über Städten oder Bauten, die dafür im jeweiligen Zitat als besonders repräsentativ benannt werden, wie z.B. Goethes Reflexionen über die deutsche Architektur des Mittelalters insgesamt am konkreten Beispiel des Straßburger Münsters.


    Zu einzelnen Städten gibt es natürlich jede Menge, das würde den thread komplett sprengen.

  • Ich hatte dies an einer anderen Stelle schon mal zitiert, aber ich fange mal mit den Romantikern an:

    Ludwig Tieck beschreibt das alte Nürnberg recht gut:

    Der Romantiker Ludwig Tieck beschreibt Nürnberg 1796 so:
    „Nürnberg! Du vormals weltberühmte Stadt! Wie gerne durchwanderte ich deine krummen Gassen, mit welcher kindlichen Liebe betrachtete ich deine altväterlichen Häuser und Kirchen, denen die feste Spur von unserer alten vaterländischen Kunst eingedrückt ist. Wie innig liebe ich die Bildungen jener Zeit, die eine so derbe, kräftige und wahre Sprache führen. Wie ziehen sie mich zurück in jenes graue Jahrhundert“

  • Franka und wo liegt jetzt der Unterschied zur meiner Aussage?


    Über große Altstädte gern was sagen aber über die kleinen noch erhalten nicht sprechen?

    Na ja, das Nürnberg-Zitat ist ein Grenzfall, aber ich denke, dass Tieck schon recht deutlich macht, dass er Nürnberg in gewisser Weise für repräsentativ für deutsche Altstädte hält ("die feste Spur von unserer alten vaterländischen Kunst").

    Mir ging es nur darum, dass der thread sich nicht dahin ausweitet, dass jedes beliebige Zitat eines Dichters oder Philosophen über eine Stadt angeführt wird, sonst enden wir mit Aussagen wie "Köln hat schöne Kneipen." Zumindest ein Architekturbezug sollte doch vorhanden sein und das sehe ich bei dem Heine-Zitat eher nicht (überhaupt scheint es mir von Heine doch eher ironisch gemeint zu sein).

  • Quote

    Wahrscheinlich zählten die Dresdner Jahre zu Tonys schönster Zeit (...) Tony zeigte sich von der verloren gebliebenen Fassade des Palais des Saxe begeistert. Diese war noch überladener als jene des Bristish Hotels und trug geradezu protoeklektizistische Züge. Der Mittelteil wurde durch vier Kolossalhalbsäulen gegliedert und von drei ineinander verschlungenen Segmentbögen bekrönt, unter denen nebst allerlei sonstigem Zierat auch das Wappen des ersten Besitzers prangte. Nach außen hin folgten jeweils zwei mit kleinen Dreiecksgiebelchen bekrönte Kolossalpilaster. Zwischen den beiden zentralen Säulen lugte ein zierlicher Rokokoerker hervor, der nach Dresdner Manier wohl aus Holz gearbeitet war, aber denselben Verputz wie die Fassade trug. Sämtliche Fensterverdachungen waren in höchst aufwendig verschnörkelten Formen gehalten, und anstelle der üblichen Spiegel in den Brüstungsfeldern fanden sich schwere Kartuschen und Kaiserbüsten. Dieser ungewöhnliche Formenreichtum schuf ein auf den ersten Blick nur schwer aufzulösendes, bei aller Überladenheit jedoch harmonisches Ganzes. Leider sollte es Tony nicht gelingen, die Rekonstruktion dieses einstigen architektonischen Juwels durchzusetzen.

    (Jurek Haslhofer: Die Tanten des Adjutanten, Neustadt an der Orla 2017, S.117)

    :zwinkern:

  • Jurek Haslhofer? Wer ist das denn für einer?


    eryngium man muss nur die Harzreise von Heinreich Heine lesen (die ich sehr empfehlen kann. Ich fand sie sehr schön).

    Er konnte nämlich recht spöttisch schreiben. Gosslar und Göttingen kommen nicht gerade gut weg...