St. Petersburg - die Galerie

  • Eine der schönsten Städte der Welt ist Sankt Petersburg. Man nennt es "Venedig des Nordens" - ein Vergleich, der hinsichtlich der besonderen Lage wie auch der kunsthistorischen Bedeutung dieser Stadt vollkommen berechtigt ist.


    Sankt Petersburg liegt im Mündungsdelta der Newa. Der historische Mittelpunkt der Stadt ist kein Platz, sondern eine Wasserfläche. Es ist die Newa vor ihrer Teilung in die beiden Hauptmündungsarme Große Newa und Kleine Newa. Hier gruppiert sich eines der schönsten städtebaulichen Ensembles der Welt, über das wir uns zunächst einen Überblick aus der Luft verschaffen wollen.


    Luftaufnahme der Peter-Pauls-Festung auf der Haseninsel von Süden (Foto: Andrew Shiva, Juli 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Die nördliche Begrenzung bildet die Peter-Pauls-Festung. Mit ihrer Anlage begann im Jahre 1703 die Geschichte Petersburgs. Ihr gegenüber liegt am Südufer der Newa der Winterpalast.


    Luftaufnahme von Winterpalast und Schlossplatz von Norden (Foto: Andrew Shiva, Juli 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Der französische Name dieses Schlosses ist "Palais d'Hiver", und man kann es im Deutschen auch "Winterpalais" nennen. Im Russischen gibt es keine Unterscheidung zwischen "Palais" und "Palast". Nach deutscher Gewohnheit nenne ich den Platz vor dem Palais "Schlossplatz" und die nahegelegene Brücke (hier nicht im Bild) "Schlossbrücke", die zugehörige Uferstraße (am unteren Bildrand) jedoch "Palastufer". Typologisch entspricht der Winterpalast einem deutschen "Stadtschloss" oder "Residenzschloss", aber die Benennung "Winterschloss" ist für die Petersburger Residenz bei uns nicht üblich, obwohl sie hier möglich wäre. Der Winterpalast ist übrigens von mir - von dem Architekten Bartolomeo Rastrelli. Auf dem Luftbild ist oben Süden und rechts Westen. Als südliche Begrenzung des Schlossplatzes sehen wir den großen Gebäudekomplex des Generalstabs. Östlich vom Winterpalast (im Bild also links) liegt - schmal und in langer Nord-Süd-Erstreckung - die Kleine Ermitage. An diese schließt sich östlich der Komplex aus Alter und Neuer Ermitage an. In der oberen linken Ecke des Bildes ist ein Flüsschen zu erkennen. Das ist die Mojka. Ich nenne diesen Namen schon mal, weil er noch öfter auftauchen wird. Besonders malerisch ist Petersburg nämlich entlang seiner kleinen Wasserläufe. Rechts im Bild, also westlich vom Winterpalais sehen wir - gelb und mit rotem Dach - die Admiralität. Die Straße zwischen Admiralität und Winterpalast führt auf die Schlossbrücke, die auf dem folgenden Luftbild zu sehen ist.


    Luftaufnahme der Spitze (Strelka) der Wassiljewski-Insel von Süden (Foto: A. Savin, Juni 2017, FAL)


    Die Schlossbrücke führt auf die Wassiljewski-Insel. Die Uferstraße links heißt Universitätsufer. Hier liegen einige der schönsten historischen Bauwerke Petersburgs.


    Luftaufnahme der Wassiljewski-Insel von Osten (Foto: A. Savin, Juni 2017, FAL)


    Die Wassiljewski-Insel ist die größte unter den vielen Inseln der Stadt und zugleich diejenige, die man am deutlichsten als Insel wahrnimmt, da sie durch relativ breite Wasserflächen von der übrigen Stadt getrennt ist. Das östliche Ende der Insel wird - ungeachtet seiner schönen Rundung - "Spitze der Wassiljewski-Insel" genannt. Die Bezeichnung ist ein Eigenname und ich verwende hier lieber das russische Wort "Strelka" (Стрелка), weil "Spitze" im Deutschen doch sehr unspezifisch klingt. Hier an der Strelka teilt sich die Newa. Der südliche Arm (im Bild links) heißt Große Newa, der nördliche Arm Kleine Newa. Über die Große Newa führen zwei bedeutende Brücken - die Schlossbrücke und dahinter (weiter westlich) die Blagoweschtschenski-Brücke (die früher mal Leutnant-Schmidt-Brücke hieß). Über die Kleine Newa führen ebenfalls zwei Brücken. Interessant für uns ist davon nur die Börsenbrücke im Osten. Ganz hinten im Bild ist das Meer zu sehen. Bis dahin sind es vom Betrachter aus etwa 7 Kilometer. Die ältesten und wertvollsten Bauten der Wassiljewski-Insel befinden sich an der Spitze (Strelka) im Osten und am Universitätsufer. Die Seefront im Westen ist modern. Wir wollen uns in dieser Galerie vorrangig mit den besonders alten und schönen Teilen der Stadt beschäftigen.


    Der von der Peter-Pauls-Festung, der Strelka der Wassiljewski-Insel und den Ermitage-Bauten am Palastufer an drei Seiten begrenzte Abschnitt der Newa wird nach Osten, also flussaufwärts von der Dreifaltigkeitsbrücke (Troizki-Brücke) begrenzt.


    Die Dreifaltigkeitsbrücke (Troizki-Brücke / Троицкий мост) von der Peter-Pauls-Festung aus

    (Foto: Екатерина Борисова, August 2015, CC-BY-SA-4.0)


    Die Troizki-Brücke aus der Zeit um 1900 ist vielleicht die schönste unter den großen Newabrücken. Dahinter ist die Altstadt noch lange nicht zu Ende. Das historische Zentrum Sankt Petersburgs ist riesig. Ich habe hier bei dem Ensemble zwischen Strelka und Troizki-Brücke, zwischen Ermitage und Peter-Pauls-Festung einen Anfang gemacht.


    Palastufer (Дворцовая набережная), von links nach rechts (Ost nach West): Alte Ermitage, Kleine Ermitage, Winterpalast, Kuppel der Isaakskathedrale, Spitze der Admiralität (Foto: Даша Жданова, Juli 2010, CC-BY-SA-3.0)


    Blick über die Newa zur Peter-Pauls-Festung (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, Juli 2012, FAL)


    Strelka (Spitze) der Wassiljewski-Insel, in der Mitte die Börse, links und rechts von ihr Packhäuser, vor ihnen die roten Rostralsäulen, angeschnitten am linken Bildrand die Kunstkammer, am rechten Bildrand eine Bastion der Peter-Pauls-Festung

    (Foto: Bin im Garten, August 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Hier an der Strelka befand sich seit etwa 1730 der Hafen Petersburgs.


    Blick von Norden auf Winterpalast und Strelka mit Rostralsäulen und Börse, im Hintergrund rechts die Spitze der Admiralität

    (Foto: Grigorius m, Mai 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Blick von der Strelka zur Peter-Pauls-Festung (Foto: deror_avi, Oktober 2009, CC-BY-SA-3.0)

  • Das älteste Haus der Stadt


    Petersburg wurde mitten im Nordischen Krieg auf besetztem schwedischem Territorium gegründet. Peter der Große ließ deshalb als erstes eine Festung anlegen. Sie erhielt offiziell den Namen Sankt Petersburg. Inoffiziell setzte sich schon bald die Benennung nach der auf dem Festungsgelände befindlichen Kathedrale durch: Peter-Pauls-Festung. Im Schutze dieser Festung entwickelte sich das erste Stadtzentrum. Die der Festung benachbarte Insel wurde deshalb Stadtinsel genannt. Heute heißt sie Petrogradski.


    Luftaufnahme der Peter-Pauls-Festung auf der Haseninsel und des angrenzenden Teils der Petrogradski-Insel

    (Foto: Monoklon, November 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Das Gründungsdatum ist - nach damaligem julianischem Kalender - der 16. Mai 1703. In den ersten Tagen musste man improvisieren. Peter I. wünschte sich eigentlich eine steinerne Stadt. Doch anfangs waren nur Erde und Holz verfügbar. Die Festung bekam Erdwälle und Palisaden. Die ersten Bauten wurden aus Holz errichtet. Davon blieb auf der Haseninsel nichts erhalten. Das älteste Haus der Stadt befindet sich nicht auf der Festung, sondern dahinter, ein Stück östlich davon (außerhalb des rechten Randes der Luftaufnahme). Es ist aus Holz und war das erste Wohnhaus des Zaren.


    Eine Burg mit einer Kathedrale als Ausgangspunkt und Zentrum einer Stadt - das erinnerte doch stark an einen Kreml. Fehlte nur noch der Fürstensitz. Also durfte Peter nicht auf dem Festungsgelände wohnen, denn er wollte ja eine moderne europäische Stadt gründen, keine russische. Zimmerleute der Armee bauten ihm vom 24. bis zum 26. Mai 1703 ein "Häuschen" am Newaufer. Peter bewohnte es während seiner Sommeraufenthalte in Petersburg. Als 1708 sein erstes richtiges Schloss fertig wurde, zog er aus. 15 Jahre später erinnerte sich der Zar seines Häuschens wieder und stellte es unter Denkmalschutz. Um es vor weiterem Verfall zu bewahren, wurde ein erster Schutzbau errichtet. 1784 wurde er auf Anweisung von Katharina II. durch einen verbesserten Schutzbau ersetzt. 1844 dann wurde das heute noch bestehende Haus ums Häuschen gebaut. Es wird im Russischen "Futljar" genannt und schmiegt sich in der Tat wie ein "Etui" recht eng um das kostbare Holzhaus. Deshalb gibt es kein Foto, auf dem das petrinische Häuschen ganz zu sehen ist.


    Das "Häuschen Peters I." (Домик Петра I), Eingangsseite mit der Tür (Foto: deror_avi, Oktober 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Das Häuschen Peters I., Eingangsseite (Foto: Grigorius m, November 2018, CC-BY-SA-4.0)


    Das Häuschen ist so kostbar, dass man es nicht betreten und nicht berühren darf. Baulich handelt es sich im Grunde um ein traditionelles russisches Blockhaus aus Kiefernstämmen. Peter ließ aber die Balken so behauen, dass eine einigermaßen glatte Außenwand entstand, die er mit einem "Tarnanstrich" versehen ließ, der einen roten Ziegelbau vortäuschte. Der Anstrich hat sich leider nicht erhalten. Die großen Fenster passen nicht zu einem russischen Holzhaus, sondern spiegeln Peters Vorliebe für die holländische Wohnkultur wider. Das Dach ist mit Holzschindeln gedeckt. Die Firsthöhe beträgt 5,70 Meter.


    Das Häuschen Peters I., Rückseite (Foto: Ninara, April 2007, CC-BY-2.0)


    An der Fassade lässt sich die Gliederung der 60 Quadratmeter großen Wohnung gut ablesen. Es gibt zwei große Stuben, das Kabinett (hier im Vordergrund) und das Speisezimmer. Zwischen ihnen befindet sich ein Flur (die Haustür ist auf den beiden ersten Bildern) und eine Schlafkammer (hier das mittlere Fenster).


    Das Häuschen Peters I., Fenster zum Kabinett (Foto: Aniacra, August 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Wände und Decken der Räume sind in holländischer Manier mit Leinentuch ausgeschlagen. Die Einrichtung ist original.


    Das Kabinett, die Tür führt in den Flur (Foto: Aniacra, August 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Das Speisezimmer, links die Tür zur Schlafkammer, rechts die Tür zum Flur (Foto: Aniacra, August 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Das Speisezimmer mit Blick in den Flur (Foto: deror_avi, Oktober 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Das Speisezimmer (Foto: deror_avi, Oktober 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Soweit das früheste Zeugnis Petersburger Wohnkultur. Im Schutzbau wird noch ein Boot gezeigt, das Zar Peter selbst gezimmert hat.


    Das Boot Peters I. (Foto: Ninara, April 2007, CC-BY-2.0)


    Das Haus ums Haus ist von außen auch recht hübsch. Das sehen wir uns dann im nächsten Beitrag an.

  • geht's hier irgendwann weiter oder war das alles?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • @u.c.: Falls nichts mehr kommt, könnte ich mir auch vorstellen, die Galerie weiterzuführen. Das wird dann aber kein künstlerisch wertvoller Blick, von oben herab, aus dem akademischen Lehrsessel, sondern was für‘s Herz.

    Die Stadt St. Petersburg ist wichtig, sie muss in diesem Forum präsent sein!

  • Das "Futljar" (футляр), also das Haus ums Häuschen, ist ein unverputzter Ziegelbau, dessen Wandflächen weitgehend in Fenster aufgelöst sind. Das eigentliche "Etui" für das kostbare petrinische Häuschen wurde 1844 von Roman Kusmin (Роман Кузьмин) erbaut. Es steht in einem kleinen Garten, der von einem weiteren Garten umgeben ist.


    Der Schutzbau ("Futljar") für das Häuschen Peters I., Ostseite des Gebäudes mit Blick nach Süden. Hinter dem Zaun liegt der zweite Garten zum Petersufer (Petrowskaja-Ufer, Petrowskaja nabereschnaja, Петровская набережная) hin. In der Ferne sind die Bäume des Sommergartens am gegenüberliegenden Ufer der Newa zu erahnen (Foto: deror_avi, Oktober 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Die Westseite des "Futljars" mit Blick nach Süden (Foto: deror_avi, Oktober 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Man sieht an den Seitenfassaden die für Petersburg typischen Fallrohre mit großem Trichter am oberen Ende und einem Anstrich in der Fassadenfarbe. Von 1844 stammen nur die drei mittleren Fensterachsen der Ost- und der Westseite. An der Nord- und an der Südseite befinden sich Anbauten. Diese Eingangsbereiche wurden 1889/90 angefügt. Für Russland eher selten ist die echte Ziegelsichtigkeit der Wände. Meist werden unverputzte Ziegelfassaden gestrichen. Hier ist das nicht der Fall. Es dürfte sich um eine Reminiszenz an die holländische Baukunst handeln, die Peter der Große über alles liebte. Die Anstückungen von 1889/90 im Norden und Süden sind am Außenbau durch kleine Unterschiede in der Ziegelfassade zu erkennen. Es fehlen die weißen Zierstreifen des Kernbaus. Man vergleiche auf dem Foto oben die Wände hinter den Fallrohren links und in der Mitte.


    Die Westseite des "Futlars" (Foto: Alexxx1979, August 2010, CC-BY-SA-3.0)


    Das Dach des Gebäudes ist ein typisches Blechdach. In der Dachlandschaft hebt sich der 1844 über rechteckigem Grundriss errichtete Kernbau recht deutlich ab. Das Foto wurde vom zweiten Garten aus aufgenommen. Die schönen Grünanlagen und kunstvoll gestalteten Zäune aus Gusseisen gehören zu den Dingen, die für mich den besonderen Reiz Sankt Petersburgs ausmachen. Die Journalistin Jekaterina Borissowa hat ein besonders gutes Auge für die Parks ihrer Heimatstadt. Auf dem folgenden luftig zarten Frühlingsbild fängt sie die beiden hintereinander liegenden Zäune und die Westseite des "Futljars" ein.


    Blick von Westen auf das "Futljar" (Foto: Екатерина Борисова, 6. Mai 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Die Südseite des "Futljars" (Foto: Тулип, 1. Mai 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Das Foto zeigt die drei Fensterachsen der Erweiterung von 1889/90 an der Südseite. Die Weggestaltung, der Giebel und das blaue Schild mit der Hausnummer links deuten auf einen Eingang hin. Er ist aber verschlossen. Der wahre, im Zuge der Erweiterung prächtig gestaltete Eingang befindet sich an der Nordseite.


    Die Nordseite mit dem Haupteingang zum Häuschen Peters I. (Foto: Yanachka, 29. September 2007, public domain)


    Obwohl das Newaufer auf der Südseite liegt, heißt auch diese Straßenseite Petersufer. Die Eingänge stellen die gestalterischen Höhepunkte des prachtvollen Zauns dar, der in den Jahren 1871 bis 1875 um die ganze Anlage gezogen wurde. Über dem Hauptportal sehen wir eine Ikone und ein Kreuz. Sie zeugen davon, dass sich in dem Häuschen Peters I. lange Zeit eine Kapelle befand. Dafür hatte man die Schlafkammer des Holzhauses umgewidmet. Nach der Oktoberrevolution wurde die Kapelle geschlossen. Seit 1930 ist das "erste Haus der Stadt" als Museum öffentlich zugänglich.


    Der Haupteingang an der Nordseite (Foto: Perfektangelll, Juni 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Der Haupteingang an der Nordseite (Foto: Александр Гирёв, Juni 2011, CC-BY-SA-3.0)


    Die Nordseite (Foto: Yanachka, 29. September 2007, public domain)


    Meist werden solche Bilder mit "Häuschen Peters I." beschriftet. Zu sehen ist das Museum "Häuschen Peters I.", das als Filiale des Staatlichen Russischen Museums geführt wird. Das Häuschen selbst befindet sich - dem neugierigen Blick von außen entzogen - gut geschützt im Inneren des Ziegelbaus.


    Der Zaun an der Nordseite (Foto: Yanachka, 29. September 2007, public domain)


    Fortsetzung folgt.

  • Luxemburger

    Mach doch einfach einen eigenen Galeriestrang zu Petersburg auf! Es kann viele verschiedene Herangehensweisen an dieses Thema geben. Unterschiedliche persönliche Stile, Sichtweisen, Schwerpunkte. Das kann sehr interessant sein, hier mehrere Zugänge in verschiedenen Galeriesträngen nebeneinander zu haben.


    Da sich unsere Galerien und persönlichen Stile so stark voneinander unterscheiden, ist es besser getrennte Stränge zu haben.

  • Als besonderer Schmuck des südlichen Gartenbereichs am Häuschen Peters I. wurde 1875 eine Büste des Zaren aufgestellt. Der Bildhauer Parmen Sabello (Пармен Забелло) schuf sie unter Verwendung einer Kopfvorlage aus dem 18. Jahrhundert.


    Büste Peters I. vor dem Häuschen des Zaren, Petrowskaja nabereschnaja 6 (Foto: Тулип, 1. Mai 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Das Denkmal ist durch ein schönes Gitter eingefasst, dessen Ecken mit dem Zarenadler geschmückt sind.


    Die Büste Peters I. vor dem "Futljar" (Foto: A. Sdobnikov, Juli 2008, CC-BY-3.0)


    Der doppelköpfige Adler ziert auch die Torpfosten und die Eckpfosten des Gartenzauns. Hinter dem kleinen Häuschen des Zaren steht als Kontrastprogramm ein gigantischer Wohnblock aus der Nachkriegszeit.


    Die Büste Peters I. vor dem Häuschen des Zaren (Foto: angelius1979, 22. Dezember 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Das mittlere südliche Gartentor, dahinter Büste und Häuschen Peters I. (Foto: Екатерина Борисова, 6. Mai 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Das westliche Tor im südlichen Gartenzaun (Foto: 13243546A, 28. September 2010, CC-BY-3.0)


    Die Südwestecke des Gartenzauns (Foto: Irishka-01, Juli 2011, CC-BY-SA-3.0)


    Der westliche Gartenzaun von Süden (Foto: Екатерина Борисова, 6. Mai 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Hinter diesem äußeren Zaun liegt der innere Zaun von gleicher Gestaltung, der den engeren Gartenbereich um das Häuschen Peters I. umschließt.


    Fortsetzung folgt.

  • Jetzt war schon so viel vom Petersufer die Rede. Nun wollen wir endlich ans Wasser. Ein paar Schritte von der Büste Peters I. entfernt erwarten uns hier zwei knuddelige chinesische Löwen, die "Schi-tsa".


    Petrowskaja-Ufer (Petrowskaja nabereschnaja), der westliche Löwe "Schi-tsa" (Ши-цза), im Hintergrund Troizki-Brücke und Isaakskathedrale

    (Foto: angelius1979, 22. Dezember 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Petrowskaja-Ufer, der östliche Löwe "Schi-tsa", im Hintergrund der Garten um das Häuschen Peters I.

    (Foto: Климентьев Александр, Juli 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Die Ufermauer am Petersufer (Petrowskaja-Ufer) wurde im Vorfeld des Stadtjubiläums von 1903 mit Granit verkleidet. Die chinesischen Löwen aus mandschurischem Granit wurden 1907 beiderseits der Anlegestelle postiert. Sie waren um 1903 in der mandschurischen Stadt Jilin hergestellt worden. Der eigentlich vorgesehene Abnehmer verstarb 1904 plötzlich und unerwartet und gerade noch rechtzeitig vor dem Ausbruch des Russisch-Japanischen Krieges. Zu der Zeit war die Mandschurei noch in russischer Hand und auch die "Schi-tsa" gelangten in den Besitz der russischen Obrigkeit. Doch was mit den beiden Tieren anfangen? Ein General entschied sich, die Löwen Petersburg zu schenken und bezahlte die aufwendige Reise. Erst mit der Eisenbahn bis Wladiwostok und von dort mit dem Dampfschiff in die Hauptstadt. 1907 trafen sie ein. Der Russisch-Japanische Krieg war verloren und mit ihm die Mandschurei, aber die beiden Löwen waren für Russland gerettet. Die Inschrift am Sockel lautet:


    "Schi-tsa, aus der Stadt Jilin in der Mandschurei im Jahre 1907 nach Sankt Petersburg überführt. Ein Geschenk des Generals der Infanterie Nikolaj Iwanowitsch Grodekow"


    Der östliche "Schi-tsa", im Hintergrund der Garten beim Häuschen Peters I. (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, Juli 2013, FAL)


    Die grimmig dreinblickenden Löwen dienen in China als Wächterfiguren.


    Der westliche "Schi-tsa", im Hintergrund der Garten beim Häuschen Peters I. (Foto: Тулип, 1. Mai 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Blick über die Newa zum Petrowskaja-Ufer mit der Anlegestelle und den chinesischen Löwen "Schi-tsa"

    (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, 12. September 2015, FAL)


    Die Bäume gehören zum Park um das Häuschen Peters I. Dahinter erhebt sich das "Zweite Haus des Lensowjets", ein 1964 errichtetes Wohnhaus für verdiente Pateikader und Kulturschaffende. Bekannter ist der Riesenbau mit 48 Fensterachsen unter seinem inoffiziellen Namen "Adelsnest" (Дворянское гнездо). Scheinbar eine subtile Anspielung auf das Luxusdomizil der sowjetischen Nomenklatura. Der Name geht aber auf einen kleinen Laden zurück, den es dort zu Zarenzeiten gab. Links angeschnitten ein Palast in feinstem Neobarock, erbaut erst 1910 bis 1913 für Großfürst Nikolaj Nikolajewitsch den Jüngeren von dem Architekten Alexandr Chrenow (Александр Хренов).


    Blick über die Newa zum Palast des Großfürsten Nikolaj Nikolajewitsch d. J., rechts das Zweite Haus des Lensowjets (Adelsnest), links das Haus der Politischen Gefangenen (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, Juli 2012, FAL)


    Heute residiert in dem Palast der Vertreter des russischen Präsidenten im nordwestlichen Föderationskreis.


    Haus der Politischen Gefangenen (Дом Политкаторжан), Troizkaja-Platz 1, Ecke Petrowskaja-Ufer
    (Foto: Екатерина Борисова, 6. Mai 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Das Haus der Politischen Gefangenen an der Ecke vom Petrowskaja-Ufer zum Platz vor der Troizki-Brücke wurde 1931-1933 erbaut. Es diente als Wohnhaus für ehemalige politische Gefangene der Zarenzeit, Veteranen des politischen Kampfes also. Sie lebten dort in einer Kommune zusammen. Der stalinistische Terror bereitete dem 1937 ein jähes Ende. Eine traurige Geschichte. Das Haus gilt als bedeutendes Denkmal des Funktionalismus in Russland.


    Blick über die Newa zum Haus der Baltischen Flotte (Дом Балтфлота), dahinter der Fernsehturm

    (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, 12. September 2015, FAL)


    Östlich vom Häuschen Peters I. erhebt sich ein weiterer Großbau mit Wohnungen für die sowjetische Elite. Im Haus der Baltischen Flotte waren Marineangehörige untergebracht. Erbaut wurde es in den Jahren 1938 bis 1941 in einer frühen Form des Stalin-Empire (bitte französisch aussprechen). Zu dem Riesenbau gehören auch die Seitenflügel und ein großer Hof, in den man durch einen seltsam hohen, schmalen Durchgang gelangt. Auf dem Dach die Figuren eines Seemanns und eines Arbeiters, zwischen ihnen ein Schiffsrumpf.


    Haus der Baltischen Flotte, Mitteltrakt am Petrowskaja-Ufer (Foto: MultiNatus, Mai 2013, CC-BY-3.0)


    Petrowskaja-Ufer, Haus der Baltischen Flotte (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, Juli 2013, FAL)


    Fortsetzung folgt.

  • Gehen wir jetzt an das westliche Ende des Petrowskaja-Ufers.


    Troizkaja-Kapelle (часовня Троицы Живоначальной) und Grünanlage auf dem Troizkaja-Platz der Petrograder Seite

    (Foto: Наталья Филатова, Juni 2010, CC-BY-3.0)


    Der Dreifaltigkeitsplatz (Troizkaja-Platz) war im frühen 18. Jahrhundert das Zentrum der Stadt. Er liegt direkt östlich der Peter-Pauls-Festung. Der Name rührt von der ersten Kirche Petersburgs außerhalb des Festungsgeländes her. Das war die Troize-Petrowski-Kathedrale. Ich kann sie hier nicht zeigen, weil die Kommunisten sie 1933 abgerissen haben. Der Platz verlor nach der Oktoberrevolution seinen religiös begründeten Namen. Ab 1923 hieß er Platz der Revolution. 1991 erhielt er seinen alten Namen zurück. Zum Stadtjubiläum 2003 wurde die kleine Troizkaja-Kapelle errichtet. Sie erinnert an die zerstörte Kathedrale, hat aber keinerlei Ähnlichkeit mit dieser. Es handelt sich hier nicht um eine Rekonstruktion, sondern um einen eigenständigen Entwurf von 2002, der gewisse Anleihen an der Isaakskathedrale nimmt. Die Platzgestaltung mit der Grünanlage stammt von 1948 und steht unter Denkmalschutz.


    Blick von der Troizki-Brücke auf den Troizkaja-Platz mit der Troizkaja-Kapelle. Rechts geht das Petrowskaja-Ufer ab

    (Foto: Екатерина Борисова, 6. Mai 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Westseite der Troizkaja-Kapelle (Foto: MultiNatus, Mai 2013, CC-BY-3.0)


    Russische Kirchen sind zwar häufig turmartige Zentralbauten, sie sind aber immer geostet. Der Eingang für die Gläubigen ist im Westen. Diese Kapelle hat nach allen vier Himmelsrichtungen gleichartig gestaltete Portale. Links im Hintergrund das Haus der Politischen Gefangenen und der Palast des Großfürsten Nikolaj Nikolajewitsch am Petrowskaja-Ufer. Die Kapelle ist übrigens das Geschenk eines Bauunternehmens an die Stadt.


    Blick auf die Ostseite der Troizkaja-Kapelle, im Hintergrund die roten Mauern der Peter-Pauls-Festung (Foto: Тулип, 1. Mai 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Troizkaja-Platz, Westseite des Solowezki-Steins (Соловецкий камень) mit der Inschrift "Den Kämpfern für die Freiheit", im Hintergrund das Haus der Politischen Gefangenen (Foto: Lilotel, 21. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Auf dem Platz gibt es ein Denkmal für die Opfer des kommunistischen Terrors. Die untere Platte wurde 1990 hier platziert, um ein kleines Erinnerungszeichen für die Opfer politischer Verfolgung in der Sowjetzeit zu haben. Diese Granitplatte wurde allein durch bürgerschaftliches Engagement, ohne Unterstützung durch die Behörden platziert. Gedacht war sie als Grundstein für ein größeres Denkmal, das mit Unterstützung durch die Stadt errichtet werden sollte. Die Politiker verloren aber schnell das Interesse. Schließlich nahmen Bürgerrechtler und Opfergruppen die Sache selbst in die Hand. Sie fuhren im August 2002 auf die Solowezki-Inseln. Der Klosterkomplex im Weißen Meer gilt als Synonym für den Gulag. Sie suchten dort nach einem geeigneten Granitfindling, brachten den 10,4 Tonnen schweren Stein nach Petersburg und setzten ihn eigenmächtig auf die Bodenplatte. Die Genehmigung für das Denkmal wurde erst nachträglich von der Stadt erteilt.


    Die Südseite des Solowezki-Steins mit der Inschrift "Ich wünschte, ich könnte sie alle mit Namen nennen", von Anna Achmatowa

    (Foto: Lilotel, 21. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Die Ostseite des Solowezki-Steins mit der Inschrift "Den Opfern des kommunistischen Terrors", im Hintergrund die Peter-Pauls-Festung

    (Foto: Lilotel, 21. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Die Nordseite des Solowezki-Steins mit der Inschrift "Den Insassen des Gulag" (Foto: Visem, 3. August 2013, CC-BY-SA-3.0)


    Die Bebauung der Ostseite des Troizkaja-Platzes, hinten das Haus der Politischen Gefangenen, Troizkaja-Platz 1, dann die beiden durch einen Übergang verbundenen Häuser Troizkaja-Platz 3 und 5 von 1956 (Foto: vgivanov, 31. Januar 2008, CC-BY-SA-3.0)


    Zuletzt die beiden Prachtbauten von 1956 neun Jahre später und mit erneuertem Anstrich:


    Die Häuser Troizkaja-Platz 3 (rechts) und 5 (Foto: Ninaras, 27. Februar 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Fortsetzung folgt.