Zum Tod von Sir Roger Scruton

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!
  • Bye Bye Beautiful.

    Roger Scruton ist gestern gestorben. Bekannt aus

    Aus der BBC-Reihe Why Beauty Matters?

    und der

    Building Better Building Beautiful Commission


    R.I.P.


    Hier ein Interview



    Er hat erkannt, dass zwar Architekten, Bauträger, Planer Interessen haben und man muss mit ihnen reden, aber ihre Meinung ist nicht endgültig. Viel wichtiger ist es doch mit den Menschen zu reden, wie sie leben wollen. Klar, Menschen können auch Fehlentscheidungen treffen, aber eine demokratische Gesellschaft darf nicht auschließen, was die Menschen bewegt und was sie möchten.


    Obwohl es Wohnungsnot gibt und viele andere Probleme , dürfen ästhetischen Fragen nicht isoliert werden! Muss man sich die Frage stellen, wie wir die Schönheit in den Mittelpunkt der Plannung stellen können. (How can we settle the beauty at the heart of planning)

  • Statt eines Nachrufs:
    Wie Franka bereits geschrieben hat, ist am 12. Januar der Philosoph Sir Roger Scruton verstorben. Sir Roger war einer der ganz Großen der konservativen Architekturtheorie. Sein Werk "The Aesthetics of Architecture" von 1979 ist der vielleicht wichtigste theoretische Beitrag zur "traditionellen Architektur" überhaupt.


    Besonders traurig ist, dass er als Vorsitzender der "Building Better, Building Beautiful Commission" für 2019 eine Reise nach Deutschland geplant hatte, um sich die Rekonstruktionsprojekte in Frankfurt und Dresden anzusehen. In diesem Zusammenhang sollte auch ein Treffen mit Vertretern von Stadtbild Deutschland stattfinden.

    Dazu ist es nicht mehr gekommen, weil er im April 2019 zunächst das Opfer der Verleumdungskampagne eines Journalisten wurde und dann kurz nach seiner Rehabilitation schwer erkrankte. Wir hätten ihm gewünscht, dass er noch hätte sehen können, was in Dresden und Frankfurt entstanden ist.


    Wir werden ihn als einen unserer Vordenker in Erinnerung behalten. Wer seine Gedanken zur Architektur nachlesen will, findet sie hier:

    https://portalconservador.com/…etics-of-Architecture.pdf

  • Bei Roger Scruton lernt man auch, was ein genuiner Konservatismus jenseits der bundesdeutschen Schwundstufe (Wirtschaftsliberalismus plus ein bißchen Familenwerte) bedeuten kann und muss:


    - Antitotalitarismus

    - Kritisch gegenüber den ästhetischen und gesellschaftlichen Verirrungen der Moderne

    - Verteidigung des Rechtsstaats

    - Verteidigung und Bewahrung der nationalen Identität, der überlieferten Kultur und der Gemeinschaft

    - Bewahrung der Schöpfung

    - Skepsis gegenüber Marktradikalismus
    (https://en.wikipedia.org/wiki/Roger_Scruton)

  • Und noch einmal ein wunderbares Interview mit Roger Scruton aus dem Jahr 2017:


    Um Architektur geht es im Mittelteil des Interviews, aber der Rest ist auch hörenswert. Insbesondere der Teil über Meinungsfreiheit und neulinken Moralismus.

  • Philon,verständlich und interessant ist dieses Interview nur für jene Foristen die der Englischen Spache mächtig sind,alle anderen ohne Englischkenntnisse haben leider nichts von diesem Interview.

  • Philon


    Wunderbarer Mensch! Vielen Dank für dieses Video! Genial der Part als er von seiner Studienzeit in Paris 1968 spricht..."über die verrückten Studenten, die nur wussten wogegen sie sind, aber nicht wofür und die vermeintlich für die unterdrückte Arbeiterklasse kämpften...die einzigen aus der Arbeiterklasse waren aber dort die armen Polizisten, die noch nie Steine geworfen haben...":biggrin::thumbsup:


    Ad Moderne Architektur: "Das größte Verbrechen gegenüber der menschlichen Seele"...wie wahr! Dieses Video sollte man auch an den deutschen Graduierungsfabriken einmal vorspielen und wenn es nur jeder 20ste dort versteht!


    Schade um jeden solchen konservativen Menschen, der uns verlässt, aber durch sein Wirken als auch durch dieses Video lebt er weiter und erreicht hoffentlich viele junge Leute! Vor allem auf den deutschen Schulen sollte man dieses Video den Schülern vorspielen...vielleicht im Englischunterricht :koenig:! Mögen möglichst viele lernen wieder selbst zu denken!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Philon,verständlich und interessant ist dieses Interview nur für jene Foristen die der Englischen Spache mächtig sind,alle anderen ohne Englischkenntnisse haben leider nichts von diesem Interview.

    Das ist natürlich bedauerlich. Aber soll ich einen interessanten, für unser Anliegen relevanten Beitrag , den viele Leute verstehen können, nicht einstellen, weil einige ihn (leider) nicht verstehen?

  • Philon,verständlich und interessant ist dieses Interview nur für jene Foristen die der Englischen Spache mächtig sind,alle anderen ohne Englischkenntnisse haben leider nichts von diesem Interview.

    Das dürfte wohl die überwiegende Mehrheit der Foristen sein. Für die anderen tut es mir leid - aber sie werden es sicher überleben.

  • Naja, "überwiegende Mehrheit"? Da wäre ich vorsichtig. Es ist keineswegs so, dass alle Deutschen perfekt Englisch können. Darauf wollte Herr Herrmann einfach mal hinweisen. Ein bisschen Schulenglisch reicht nicht aus, um dem halbstündigen Gespräch mit Sir Scruton folgen zu können. Dazu muss man die Sprache wirklich gut beherrschen. Es gibt viele Menschen, die aus den verschiedensten Gründen nicht gut Englisch können. Sie haben andere Qualifikationen, Interessenschwerpunkte, Begabungen.


    Das Englische ist in einer privilegierten Position. Von meinen Sprachen bin ich es gewohnt, dass ich das Material aufbereiten muss.


    Ich würde das Video niemandem empfehlen, der größere Schwierigkeiten hat, den Inhalt zu verstehen. Von der inhaltlichen Substanz her fand ich es nicht so interessant. Es war mehr ein nettes Gespräch zur Selbstvergewisserung zweier Konservativer. Das Wichtigste sagte Scruton gleich zu Anfang: Grundlage einer konservativen Haltung ist die Wertschätzung für das Ererbte. So wie Kinder ihre Eltern lieben. Das, was da ist, soll man annehmen. Dann kann man es in kleinen Schritten weiterentwickeln und verbessern. Von Revolutionen hält Scruton nichts. Der totale Bruch mit der Tradition, die Umsetzung eines großen Plans für die Gesellschaft - das kann nicht funktionieren. Da zeigt sich ein Punkt, der sich als roter Faden durch das Gespräch zieht. Scruton rät zu Demut und warnt vor Hybris. Alles was in dem Interview gesagt wird, lässt sich im Grunde auf diese Punkte zurückführen: Wertschätzung für das Überlieferte, Weiterentwicklung in maßvollen Schritten und Warnung vor Selbstüberschätzung und Selbstüberhöhung der eigenen Generation und der Gegenwart. So zeigt sich in dem Interview ein sympathischer Konservatismus.


    Ich bin dafür, dass hier im Forum auch weiterhin Interessante Links zu englischsprachigen Videos oder Texten gepostet werden. Die Zahl derer, die damit etwas anfangen können, ist schließlich hinreichend groß.

  • @ Rastrelli: Na ja, das Interview ist an vielen Stellen schon substantieller, z.B. in der Kritik des Poststrukturalismus oder der Analyse des linken Moralismus

    Außerdem übergehst du die ganzen Ausführungen zu Architektur und Städtebau im Mittelteil.