Bremen - geplantes Bauprojekt Faulenstrasse 9

  • Hallo zusammen,
    weiss jemand etwas über die Aktivitäten in der Faulenstrasse 9 / Ecke Ölmühlenstrasse?

  • Findorffer ist hier zuzustimmen, angesichts der Zumutungen, die in letzter Zeit so in dem Gebiet gebaut wurden, sollte man sich auf keinen Fall freuen. Das Haus ist übrigens auf Pagentorns Foto oben in alter Pracht zu sehen (schmaleres Geschäftshaus direkt links neben dem mit dem roten Pfeil markierten, dunkleren Haus):



    Heute (oder besser 2008, aber unverändert) präsentiert es sich in GoogleStreetview so:



    Traurig, sowohl der Jetztzustand als auch die Abrissplanung.

  • Man kann nur hoffen, daß nicht auch das benachbarte Haus Nr. 5-7 (die ehemalige 'Bauern-Schänke') Begehrlichkeiten weckt, vielleicht gleich gar bei demjenigen, dessen 'Name hier nicht mehr ausgesprochen werden soll' und der in der Steffensstadt sein Büro hat... :evil:

  • Alle Jahre wieder, saust der Presslufthammer nieder..


    Es geht voran auf besagtem Grundstück. Der Bagger, für die einen ein Symbol des Schreckens, für die anderen das Sinnbild für den Fortschritt, steht bereit, um seine Arbeit zu vollenden.



    Und weg ist das Haus






    Das Motto lautet: Schöner Wohnen



    Zwei Dinge noch:


    Ich habe hier von dieser Ecke schon Mal Fotos eingestellt. Ich finde sie aber nicht wieder. Kann mir da jemand auf die Sprünge helfen, oder sind sie, wie schon öfter gelesen, plötzlich verschwunden.


    Im Weser-Kurier waren Fotos der Neubauten abgebildet. Natürlich Flachdach, rote Ziegel habe ich noch in Erinnerung, etwa 5 Etagen. Kann noch jemand auf diese Bilder zurückgreifen und sie hier einstellen.

  • Moin findorffer, das mit den Fotos geht mir ähnlich, ich habe auch manchmal den Eindruck, dass Beiträge von mir verschwunden sind.


    Bzgl. des Neubauprojekts an der Faulenstraße habe ich hier nur den Weserkurier-Artikel (allerdings hinter Bezahlschranke):


    Am Bremer Brill entstehen zwei Bürogebäude - Weserkurier


    In diesem Artikel ist auch eine Visualisierung enthalten, ziemlich generischer Klinkerstil, wie er heute gebaut wird und ohne besonderen Pfiff.



    (Quelle: Weserkurier/Dawedeit Immobilien)


    Sieht ein bisschen aus wie die Erweiterung des Atlantic-Hotels zur Martinistraße, nur in rot. Entwickler soll Dawedeit sein, auf dessen Homepage man aber nichts weiter zum Projekt findet. Immerhin kommt mal diese unwürdige Schotterparkplatzsituation da weg, die ich sonst nur von Fotos aus den 50er Jahren von Kriegsbrachen kenne.

  • Heinzers Beitrag zu den verschwundenen Fotos bestärkt meinen Verdacht: Es gibt im Forum Stadtbild Deutschland eine Art Bermudadreieck. So wie Schiffe auf Nimmerwiedersehen verschwinden, so verschwinden hier auch Fotos, die einst eingestellt wurden. Ist es der Tücke des Internets (mit dem ich sowieso auf Kriegsfuß stehe) geschuldet, oder gibt es andere, nachvollziehbare Erklärungen?


    Die Neubebauung erinnert mich zuerst an das Parkhaus Martinistraße, aber natürlich bezüglich der Unsensibilität gegenüber der historischen Bebauung links - es handelt sich um das letzte und einzige historische Gebäude in der Faulenstraße - auch an das Atlantic-Hotel, das brutal überhöht neben die Böttgerstraße gesetzt wurde und von der Form in keinster Weise mit dieser korrespondiert. Die auf Moderne getrimmte Baubehörde würde im einen oder anderen Fall feststellen: wir haben hier ganz bewusst einen Kontrapunkt setzen wollen.

  • Hier zum Vergleich mit der neu geplanten Bebauung, das Parkhochhaus: gleiche Farbe, wie Faulenstraßenbebauung ohne Fenster.


  • Heinzers Beitrag zu den verschwundenen Fotos bestärkt meinen Verdacht: Es gibt im Forum Stadtbild Deutschland eine Art Bermudadreieck. So wie Schiffe auf Nimmerwiedersehen verschwinden, so verschwinden hier auch Fotos, die einst eingestellt wurden. Ist es der Tücke des Internets (mit dem ich sowieso auf Kriegsfuß stehe) geschuldet, oder gibt es andere, nachvollziehbare Erklärungen?

    Fotos verschwinden dann, wenn sie über externe Filehoster hochgeladen werden, die die Fotos nur begrenzte Zeit vorhalten. Deshalb sollte das vor einiger Zeit einmal konsequent unterbunden werden, um zu vermeiden, dass die Fotos aus älteren Beiträgen einfach verschwinden. War dann einigen aber auch wieder nicht recht.

  • gleiche Farbe, wie Faulenstraßenbebauung ohne Fenster.

    Die Farbe geht, aber die Sichtbeton-Wände an der Seite sind gruselig. Da wäre dringend Nachbesserungsbedarf geboten, und wenn es mittels Riemchen ist.


  • Was mich in Bremen immer wieder ärgert, ist die Tatsache, dass die Planungsbehörde offensichtlich seit Jahrzehnten über kein Konzept verfügt, wie die Innenstadt aussehen soll. Das Stadtbild wird als permanenter Wandel angesehen. Was fehlt, ist ein Hinweis auf die zukünftige ästhetische Gestaltung. Warum gibt es beispielsweise keine Vorgaben bezüglich der Fassadengestaltung für die beiden Neubauten in der Faulenstraße - oder ist das, was hier geliefert wird, bereits das Ergebnis von Vorgaben? Man hätte neben der altehrwürdigen Zinke-Drogerie ein giebelständiges Gebäude setzen müssen, die traditionelle Architektursprache, von mir aus auch modern interpretiert, fortschreiben müssen. Ok, Ok, für den Investor ist das ein Verlustgeschäft - aber für die Stadt und die Bürger ist das ein Gewinn. Und Attraktivitätssteigerung nützt doch auch einem Investor. Ich könnte neidisch werden auf Lübeck, das, wie hier im Forum zusehen war, bei Neubauten im Innenstadtbereich auf traditionelle, giebelständige Gestaltung setzt. Oder auf Dresden, das am Neumarkt Gebäuden mit traditioneller Anmutung Raum gibt, allerdingst durchgesetzt durch eine starke Bürgerbeteiligung - gegen Denkmalschutzbehörde, Architektenschaft und Politik.


    Da sich nun im Strang "Essighaus" niemand für meine Fragestellung: "Warum gibt es keine Lobby für das Stadtbild im Parlament", will sagen, warum interessiert sich kein Abgeordneter für das Aussehen unserer Stadt, interessiert hat, will ich in Anknüpfung an die Dresdener noch auf einen anderen Aspekt hinweisen: DIE BÜRGERBETEILIGUNG!, die ja schon bei der Aufzählung der Bürgerinitiativen angesprochen wurde. Findet die Stadtplanung in den Bürozimmern statt, entsteht ein anderes Stadtbild, als bei Beteiligung der Bürger am Geschehen.


    Zum Thema Bürgerbeteiligung, das ja auch immer wieder unsere Stadtbildinhalte berührt, möchte ich auf das Modell von Penny Walker (und Prof. Klaus Selle) hinweisen, das als Grundlage für angemessene Bürgerbeteiligung gilt.


    In der jüngeren Planungsgeschichte war es nicht die Größe, die Projekte brisant und zum Gegenstand öffentlicher Empörung werden ließ. Entscheidend dafür waren und sind vielmehr bestimmte prozessuale Aspekte. Diese lassen sich zwei Grundtypen zuordnen – dem DAD- oder dem EDD-Modell:


    DAD - "Decide – Announce – Defend“ - bedeutet: In einem e n g e n K r e i s v o n E i n g e w e i h t e n w i r d d a s

    W e s e n t l i c h e b e s c h l o s s e n , d a n n v e r k ü n d e t und in der Folgezeit gegen alle Widerstände verteidigt und durchgesetzt. Das führt zu den immergleichen Konflikten in Bremen (und anderswo) mit dem immer wieder frustrierenden Ausgang für die beteiligten Bürger. Dabei könnte man - z. B. bei den vielen Abrissprojekten, auch anders vorgehen. Das positive Gegenmodell EDD steht für „Engage – Deliberate – Decide“. Hier gilt es zunächst, alle wichtigen Akteure und Gesichtspunkte zusammenzubringen, um dann auszuhandeln, was gemeinsam als möglich angesehen wird, und erst dann, gestützt auf einen Konsens oder doch eine deutliche Mehrheitsmeinung, Entscheidungen zu treffen. Die Bürger werden bei diesem Modell als gleichberechtigte Partner angesehen, werden von vorherein mit einbezogen und sind an Lösungen beteiligt.


    Das DAD-Modell steht für Zentralisierung und hierarchische Koordinierung, das EDD eher für Dezentralisierung und horizontale Kooperation.
    Man stelle sich das mal bei den vielen Projekten vor.


    Beim Teilabbruch der Schrödervilla im Bremer Norden, um ein Beispiel zu nennen, verhandeln die Bausenatorin, die Senatsbaudirektorin, der Landesdenkmalschützer und der am Abbruch interessierte Investor miteinander, die Bürger bleiben außen vor. Das DAD-Modell! So war es beim Medienhaus und bei vielen anderen, inzwischen verlorenen Gebäuden. Die Bürger werden - vorher - nicht in die Stadtplanung miteinbezogen. Das EDD-Modell ist besser geeignet, befriedigende Lösungen zuerzeugen. Letztendlich für alle Beteiligten.


    Auch beim Thema Rekonstruktionen wäre das EDD-Modell richtungsweisend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass, hätte es von Anfang an eine Bürgerbeteiligung gegeben, Jacobs beim Essighaus mit sage und schreibe 8 Etagen in dieser engen und historisch gewachsenen Straße durchgekommen wäre. 5, vielleicht 6 Etagen wären dann genehmigt worden und die rekonstruierte Essighausfassade hätte nicht mehr diesen, entsprechend den früheren Planungen, künstlichen, angepappten potemkinschen Charakter bekommen. Und bei der Neubebauung in der Faulenstraße wäre es vielleicht auch zu einer anderen Fassadengestaltung gekommen. Wohl auch beim Atlantic-Hotel.
    Die Politik will Investoren, die Investoren wollen Rendite, aber die Bürger wollen ein schönes Stadtbild, auf das sie stolz sein können und das sie Besuchern gerne zeigen. Eigentlich drückt doch jede Neubebauung in Bremen diesen Interessenkonflikt aus. Unter Demokratiegesichtspunkten darf man das Gekungel zwischen Politik und Investoren wohl nicht betrachten.



    Meine Thesen dazu wären:


    • Mit dem EDD-Modell werden sich die Städte zu ihrem Vorteil verändern, die Stadtbilder werden ansprechender gestaltet.
    • Ästhetik bekommt wieder einen höheren Stellenwert - wie wir es seit Jahrhunderten kennen.
    • Das wird Auswirkungen auf die Architektenschaft und das Handwerk haben. Architekten, die ihre computererzeugten Baucontainer in die Städte stellen, werden die Verlierer sein. Sie werden sich wandeln müssen und mehr Zeit in die Fassadengestaltung investieren. Sonst sind sie weg vom Fenster. Und wenn sie es aufgrund von Talentfreiheit nicht können.............
    • Die übliche Wettbewerbskultur, bei der modern ausgerichtete Architekten die Arbeiten von modern ausgerichteten Architekten beurteilen, wird sich dem Ende zuneigen. Die Bürger werden bei der Bewertung der Gebäude eine größere Rolle spielen. Sie werden andere Ansprüche formulieren als die Architekten.
    • Das EDD-Modell bringt mehr Zufriedenheit und verhindert jahrlangen Streit, die Bürger fühlen sich mehr mit einbezogen und tragen die Lösungen mit.

    Nachdem ich dies hier bei Stadtbild eingestellt habe, fallen mir bestimmt noch eine Reihe weiterer Punkte ein - wie sicherlich auch den Forumsteilnehmern.

  • Das Modell klingt immer sehr gut, mehr Beteiligung, mehr Mitbestimmung, Basisdemokratie, usw. Nur sollte man dann sich die Praxis anschauen. Da bietet sich zum Beispiel das Beteiligungsverfahren der Deutschen Bahn an, die hier in Süddeutschland die Magistrale Paris-Budapest/Bratislava vervollständigen will. Es ist ein gutes Beispiel, weil europäischer Schienenverkehr für ein mögliches höheres Ziel eines schönes Stadtbildes steht, während lokale Interessen, denen von direkten Anwohnern des städtebaulichen Projektes entsprechen. Es zeigt sich, dass sich bei der Bahn, bevor überhaupt eine Neubautrasse als zu Untersuchen ausgesucht wurde, mehrere Bürgervereine sich gründeten, Proteste sich in Zeitung und in einzelnen Orten breit machten und sogleich gefordert wurde, doch die alte Trasse weiter auszulasten, statt neu zu bauen. Gleiches passiert in der Stadt, wo Anwohner sich durchgängig z.B. gegen Verdichtung einsetzen, egal unter welchen Umständen. Auf persönlicher Ebene ist das alles nachvollziehbar, die einen verlieren womöglich ihre unberührte ruhige Landschaft zum Sonntagsspaziergang, die anderen einen Baum vor ihrem Fenster und bekommen womöglich mehr Verkehr. Das zeigt aber schon, dass gute Entscheidungen selten von denjenigen getroffen werden, welche betroffen sind von den Maßnahmen. Das sind aber gerade diejenigen, die sich dann bei Beteiligungsprozessen einbringen, wohingegen Befürworter mindestens weniger Energie einsetzen, bzw. z.B. im Fall der Nachverdichtung noch gar nicht vorhanden sind. Insofern ist eine Stellvertreterentscheidung zu bevorzugen, sofern diese - und das ist natürlich entscheidend - die Mehrheitsinteressen verfolgt. Das ist der eigentliche Kern Deiner Kritik, dass es nicht dem Mehrheitsinteresse entsprechen kann, dass Investoren und Architekten ihr business model möglichst uneingeschränkt ermöglicht wird.

  • Das zeigt aber schon, dass gute Entscheidungen selten von denjenigen getroffen werden, welche betroffen sind von den Maßnahmen.

    Ach so? Also sind gute Entscheidungen diejenigen, die von denen getroffen werden, die von den Maßnahmen selbst nicht betroffen sind?


    Das haben wir aber ständig bei ganz vielen Themen. Es klatschen die ihr "welcome" für Schutzsuchende, die mit diesen in ihrer Nachbarschaft garantiert nicht konfrontiert werden. Es fordern diejenigen teurere Spritpreise und autofreie Innenstädte, die selbst nur täglich 10 Minuten zur Arbeit oder Uni radeln, also gar nicht auf das Auto angewiesen sind. Es bauen diejenigen die hässlichsten Rendite-Kisten auf die Bauflächen, die garantiert dort gar nicht wohnen. Für Kernkraft mag der ein oder andere noch sein, aber neben einem Atomkraftwerk ein Häuschen kaufen, mag er vielleicht doch wieder weniger... usw.usf... Lauter scheinbar gute Entscheidungen?...


    Natürlich kann es sein, dass Anwohnerproteste gewisse Entwicklungen behindern. Auf der anderen Seite sind diese Menschen auch direkt betroffen. Sie spüren also hautnah, direkt, unmittelbar, was für den Menschen gut oder schlecht ist. Gegen eine Verdichtung, wenn z.B. ein Wohnhaus an der Stelle von brach liegenden Schuppen, bei denen sich Müll und Ratten tummeln, gebaut wird, werden nur wenige Anwohner etwas haben. Gegen eine Verdichtung, die eine Grünanlage beseitigt, um den Leuten einen Betonklotz vor das Wohnzimmerfenster zu setzen, werden sie - nicht zu Unrecht - protestieren.


    Deshalb also gilt es genau auf die Anwohner zu hören, um einen Kompromiss zu finden, der für beide Seiten tragbar ist. Einen Kompromiss, der also beiden Seiten, den Interessen der Gemeinschaft und den Interessen der betroffenen Menschen gerecht wird.

  • Naja, es gibt bei manchen Themen durch Absolutpositonen keinen Kompromiss weder für die direkt Betroffenen, noch z.B. für die Stadt. Wo liegt denn der Kompromiss, wenn mehr Wohnraum her muss, aber in grüneren Reichenvierteln nicht verdichtet werden darf? Da kann man dann nur im Sinne der Mehrheit entscheiden, die momentan in die Großstädte strömt und irgendwo wohnen möchte. Ansonsten kommt ein fauler Kompromiss heraus, wo diejenigen belastet werden, die sich schwerer wehren können, z.B. weil sie drei Beschäftigungsverhältnisse gleichzeitig haben oder der Sprache nicht fähig. Das wäre genauso unfair, wie einfach sich über direkte Anwohner bei der Frage des 'obs' hinwegzusetzen. Über das 'Wie' sage ich ja gar nicht, dass man da nicht wieder mit den Anwohnern sprechen kann. Mein Beispiel mit der Bahn oder der Nachverdichtung entzündet sich ja gerade an der Komplettverweigerung der Gegner.