Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • Das ist ja nun auch Quatsch und auch durchaus eine Verzerrung dessen, was ich gesagt habe. Die Belastbarkeit von Zeugen nimmt mit fortschreitender Zeit ab. Das ist Fakt und ein Grund, warum vor Gericht Zeugenaussagen weniger stark als andere Beweise gewichtet werden. Der Zeitraum, in dem der Clip gezeigt wird, beträgt acht Tage. Davon sind vier Feier- oder Sonntage. Die Sinnhaftigkeit genau dieses Unterfangens kann man schon mal hinterfragen.

  • Habe gerade die die Dokumentation zum Raub in der MDR- Sendung "Exakt" gesehen. Einfach unfassbar und traurig !!!
    Und wieder einmal das große Schweigen der Verantwortlichen.

    Sie dürfen und können sich nicht öffentlich äußern. Zum einen, weil die Polizei in der Sache ermittelt. Zum anderen, weil sie auch weiterhin die Sicherheit der Museen gewährleisten müssen - so gut es eben geht.


    Den Zeugenaufruf würde ich nicht überbewerten. Die Straßenbahn fährt zur Zeit nicht am Schloss vorbei. Und auf anderen Strecken: Was sollte den Straßenbahnkunden aufgefallen sein? Ein Auto auf der Straße?


    Die Polizei weiß viel mehr, als uns mitgeteilt wird. Bemerkenswert finde ich, wie sehr sich die Medien am Thema Vitrinenglas abarbeiten. Da sieht man mal wieder die Macht der Bilder. Im Bode-Museum war das Vitrinenglas auch nicht besser. Aber da wurde kein Filmchen vom Einbruch veröffentlicht. In beiden Fällen haben die Vitrinen nicht standgehalten und wurde zuvor ein Fenster aufgehebelt oder herausgestemmt, aber nicht eingeschlagen. Eigentlich werten die Museen solche Fälle aus, haben auch die SKD gesagt. Warum meinte man in Dresden, dass die eigenen Vorkehrungen gegen einen Angriff wie in Berlin schützen würden?


    Die eigentlich spannende Frage ist, wie die Täter durch das Fenster reingekommen sind. Dort, an der Außenhaut des Gebäudes muss die Hauptverteidigungslinie sein. Aber dazu sind alle Erkenntnisse vorläufig geheim. Wir können nur hoffen, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit ergriffen werden.


    Ob die Täter nun Profis waren oder nicht? Sie waren nicht perfekt, aber leider auch nicht unfähig. Sonst wären sie nicht reingekommen und dann entkommen.

  • Sehe ich auch so, die Täter hätten gar nicht so "einfach" in das Gebäude eindringen können. Wenn sie erstmal drin sind könnten sie in jedem Falle riesigen Schaden anrichten, egal ob da gute oder unknackbare Vitrinen stehen. Da kann man auch anderweitig Schaden anrichten, auch wenn man nicht entkommen wäre.


    Der Fall ist nur besonders traurig, weil zwar immer sugeriert wird die Diebe seien waghalsig und an der Grenze zur Dummheit unterwegs gewesen, ich persönlich glaube die wussten ganz genau was und wie sie es tun müssen. Der kleine Hammer - klar kann man sich das Video ansehen und meinen der hätte besser nen größeren nehmen können. Schwachsinniger Kommentar. Und wären die nur 30 Sekunden oder eine Minute langsamer gewesen, man hätte sie wohl geschnappt und wir würden nur über ein kaputtes Fenster und eine zerstörte Vitrine sprechen. Man mus einfach anerkennen dass die Räuber wohl exakt wussten was sie wann und wie tun müssen. Professioneller gehts ja wohl kaum. Ich kann da nur staunen.

  • Hallo Rastrelli,
    ich persönlich glaube, wenn dieser Einbruch in das Grüne Gewölbe jemanden wirklich sehr getroffen hat, so ist es Prof. Syndram. Ich habe ihn schon wiederholt erleben können, u.a. bei einer Führung durch die Rüstkammer. Ich habe auch Verständnis für die Zwänge einer Ermittlung nach Diebstahl und wegen einer künftigen neuen Sicherung des Grünen Gewölbes. Aber da ich in DD geboren wurde und mein Vater am 13. Februar in Klotzsche in einem Nachtjäger durch Zufall nicht abheben konnte (zum Glück), hadere ich extrem mit dem Schicksal dieser Stadt, besonders jetzt. Ich habe mich auch viel mit Beutekunst und Verlusten deutscher Museen beschäftigt und mich gefreut, wenn etwas wieder aufgetaucht ist, z.B. neuerdings ein Silberbecher aus dem Dresdner Ratsschatz. Als Jugendlicher habe ich die bewaffnete Wache im Grünen Gewölbe (Albertinum) gesehen.
    Deswegen hätte es in dieser Zeit gut getan, irgend ein Wort der vielen Verantwortlichen zu hören und nicht nur von der Presse. Es würde reichen, zu sagen, was die Ziele der neuen Sicherung sind ohne gleich Geheimnisse zu verraten oder Visionen im Fall eines dauerhaften Verlustes, z.B. Rekonstruktion. Auch wenn es illusorisch ist, die Ergänzung dieser Garnituren ist für mich vergleichbar wie die Rekonstruktion der Schloßräume oder der Ergänzung eines teilweise zerstörten Kunstwerkes. Den Wiederaufbau von historischen Gebäuden in deutschen Städten sehe ich ähnlich.
    VG
    Freibuerger

  • Heute habe ich den Artikel bei Wikipedia über das sogenannten "Goldenen Rössl" gelesen.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Goldenes_R%C3%B6ssl


    Zitat: "1921 versuchten zwei Berliner Einbrecher das Kunstwerk zu stehlen. Sie brachen in die Sakristei ein und feilten das Ross und den Stalldiener ab. Als sie den Alarm auslösten, kam die Polizei, beim anschließenden Schusswechsel wurden beide Einbrecher verwundet, einer erlag seinen Verletzungen."


    Mehr sog i ned.

  • Deswegen hätte es in dieser Zeit gut getan, irgend ein Wort der vielen Verantwortlichen zu hören und nicht nur von der Presse.

    Aber sie haben sich doch geäußert. Der Einbruch wurde Montag gegen 5 Uhr bekannt. Am Vormittag besuchte Ministerpräsident Kretschmer das Schloss und verurteilte die Tat vor laufenden Kameras, ebenso Innenminister Wöller. Bereits um 13 Uhr gab es eine gemeinsame Pressekonferenz von Polizei, Staatsanwaltschaft und SKD im Hans-Nadler-Saal des Schlosses. Die SKD wurden vertreten durch Dirk Syndram und Marion Ackermann. Am Dienstag gab es um 16 Uhr eine improvisierte Pressekonferenz der SKD im Kleinen Schlosshof. Neben Syndram und Ackermann äußerten sich dort auch der Technikchef Michael John und der Kaufmännische Direktor der SKD Dirk Burghardt. Diese PK fand ich besonders interessant. Das Video des MDR ist wohl nicht mehr verfügbar. Ich habe aber damals alle wichtigen Informationen hier im Strang schriftlich festgehalten. Am Abend war Frau Ackermann dann im "MDR Sachsenspiegel" im Studio. Darüber hinaus gab es ein MDR-Radiointerview mit Syndram. Und es gab noch weitere Medientermine. Für die Ermittlungsbehörden trat in den ersten Tagen Polizeisprecher Thomas Geithner mehrmals vor die Kameras. Du findest das alles hier im Strang dokumentiert. Es reicht dazu im Wesentlichen, meine Beiträge durchzusehen.


    Ich finde, dass sie eine gute Öffentlichkeitsarbeit gemacht haben. Bei der PK am Dienstag wurde deutlich, dass sie eben nicht wirklich viel sagen können und dürfen - wegen der Ermittlungen und weil die Museen weiterhin gesichert werden müssen. Auch die Polizei blockte sehr schnell ab. Bei manchen Medienvertretern hat man den Eindruck, dass sie sich als Informationsdienst für Kriminelle sehen. Für die Ermittlungsbehörden und Museumsleute gilt das aber nicht. Deshalb äußern sich die SKD nicht mehr öffentlich in der Sache, sondern machen ihre Arbeit.


    Es würde reichen, zu sagen, was die Ziele der neuen Sicherung sind ohne gleich Geheimnisse zu verraten

    Die Ziele sind die gleichen wie bisher. Die SKD werden sich frühestens bei der Wiedereröffnung des Historischen Grünen Gewölbes zur Verbesserung der Sicherheit äußern. Ich vermute aber, dass sie fast nichts sagen werden.


    oder Visionen im Fall eines dauerhaften Verlustes, z.B. Rekonstruktion. Auch wenn es illusorisch ist, die Ergänzung dieser Garnituren ist für mich vergleichbar wie die Rekonstruktion der Schloßräume oder der Ergänzung eines teilweise zerstörten Kunstwerkes. Den Wiederaufbau von historischen Gebäuden in deutschen Städten sehe ich ähnlich.

    Der Einbruch ist erst vier Wochen her. So früh äußert man sich grundsätzlich nicht in dieser Richtung.


    Die Idee, Nachbildungen der gestohlenen Stücke anzufertigen, geistert ja durch die Beiträge einiger Foristen. Ich bin eigentlich sicher, dass man das nicht machen wird. Was weg ist, ist eben nicht mehr da. Du findest hier im Strang mehrere Beiträge mit näheren Infos zu den gestohlenen Stücken und ihrem Kontext in den Juwelengarnituren. Der Wert der Stücke bestand darin, dass es Originale waren, die eine besondere Geschichte hatten. Das lässt sich nicht rekonstruieren.

  • Die Idee, Nachbildungen der gestohlenen Stücke anzufertigen, geistert ja durch die Beiträge einiger Foristen. Ich bin eigentlich sicher, dass man das nicht machen wird. Was weg ist, ist eben nicht mehr da. Du findest hier im Strang mehrere Beiträge mit näheren Infos zu den gestohlenen Stücken und ihrem Kontext in den Juwelengarnituren. Der Wert der Stücke bestand darin, dass es Originale waren, die eine besondere Geschichte hatten. Das lässt sich nicht rekonstruieren.

    Hier muss ich widersprechen. Natürlich ziehen Originale mehr, als Nachbildungen. Aber der optische Eindruck solcher Meisterwerke lässt sich weder durch Fotos noch durch Bildschirmdarstellungen ersetzen. Zudem könnte man bei Nachbildungen auf dickes Glas und großem Abstand zum Betrachter verzichten. Wenn es sich, im Vergleich mit dem Gesamtbestand der Ausstellung, nur um wenige Stücke handelt, so wird sich die Besucherzahl nur unwesentlich verringern.

  • Meldung des MDR vom 23. Dezember:


    Das Museum bleibt nach wie vor "bis auf Weiteres" geschlossen, wie ein Sprecher der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) sagt. Abstimmungen zum Sicherheitskonzept und daraus resultierende Maßnahmen mit staatlicher Baubehörde und Landeskriminalamt liefen noch. Außerdem müssen die von den Tätern zurückgelassenen Stücke in der betroffenen Vitrine aufwendig restauriert werden.

    Weiter heißt es darin, dass die Soko eng mit Berliner Kollegen zusammenarbeitet.


    In einer früheren Meldung war angegeben worden, dass sich die Objekte so restaurieren lassen, dass sie wieder tadellos aussehen.


    Ich war am Sonntag vor Ort. Die eisernen Fensterläden vor den hofseitigen Fenstern des Historischen Grünen Gewölbes (HGG) waren alle geschlossen. An der Straßenseite gibt es auch Fensterläden. Ob sie geschlossen waren, als der Einbruch geschah, hat merkwürdigerweise kein Journalist gefragt. Beim Einstiegsfenster des Einbruchs - es ist das Fenster ganz links am Bärengarten - sind seit Abschluss der Spurensicherung die eisernen Fensterläden geschlossen. Am Sonntag war im Pretiosensaal, im Silbervergoldeten Zimmer und im Weißsilberzimmer den ganzen Tag das Licht an, auch am Abend. Beim anschließenden Elfenbeinzimmer waren die Fensterläden geschlossen. Für mich deutet das darauf hin, dass in den Räumen gearbeitet wurde. Im Bärengarten stand ein Wachmann, der die Aufgabe hatte, Besucher davon abzuhalten, sich der Wand des HGG zu nähern. Abends habe ich Sicherheitspersonal im angrenzenden Straßenbereich gesehen. Auf dem Theaterplatz stand demonstrativ ein Fahrzeug einer Sicherheitsfirma, dessen Fahrer die Außenseite des Grünen Gewölbes gut im Blick hatte.


    Obwohl der Einbruch schon vier Wochen her war, sah ich immer wieder Leute, die vor dem Absperrband der Polizei, das dort immer noch um die Ecke führt, stehen blieben und sich offenkundig für den Einbruch interessierten.


    Der MDR widmet einen Filmbeitrag dem Brand des Fluchtfahrzeugs in der Tiefgarage eines Wohnhauses: Klick. Das brennende Auto habe direkt unter einer Gasleitung gestanden, sagen die Bewohner. Möglicherweise hätten die Täter eine Explosion in Kauf genommen. Zudem wurden Autos von Hausbewohnern zerstört. Das zeugt von der Skrupellosigkeit der Täter.

  • Ich bin immer sehr dafür, alle Argumente sachlich zu betrachten und abzuwägen. Aber mit Rastrelli's Satz "Was weg ist, ist eben nicht mehr da" bin ich nicht so recht einverstanden. Demnach wäre eines der Hauptanliegen dieses Forums (trotz der "Charta von Venedig") hinfällig.
    In der Vergangenheit hat es immer Rekonstruktionen, Kopien, teilweise Wiederherstellungen von bedeutenden Kunstobjekten oder Bauten gegeben. Beispiele, schon ab der Römerzeit, fallen mir genügend ein.
    Nicht wenige halten das "Grüne Gewölbe" für ein Weltkulturerbe, was es definitiv ist. So sollten unseren Nachfahren in 300 Jahren nicht nur anhand von Bildbänden der Gesamteindruck dieser Garnituren und den Leistungen unserer Vorfahren vor 300 Jahren gezeigt werden. Wie schon einmal geschrieben, "vermasselt" unsere Generation immer mehr (Anna Amalia, Kölner Stadtarchiv, Bibliothek Donaueschingen usw. usw.). Und wenn es hundert Jahre dauert, bei ausbleibendem Fahndungserfolg sollte dieser Verlust rekonstruiert werden (ein im 2. Weltkrieg zerschossenes hochwertiges Gemälde wurde auch nicht so belassen).


    Ich habe jetzt schon ein ungutes Gefühl, eines Tages das "Grüne Gewölbe" zu besuchen und an den Stellen der gestohlenen Stücke leere Plätze oder 1:1 Photographien vorzufinden.

  • Der Eindruck, unsere Generation "vermassele" immer mehr, ist verständlich, aber dennoch falsch. Viele mittelalterliche Handschriften sind nur noch bekannt, weil sie rechtzeitig abgeschrieben oder fotografiert wurden, bevor die sie beherbergende Bibliothek abbrannte (z.B. die einzige Handschrift des Pilgerberichts der Egeria, eine der frühesten Beschreibungen des Heiligen Landes aus dem 4. Jahrhundert, oder auch Meisterwerke der frühniederländischen Buchillumination, vernichtet 1905 beim Brand der Bibliothek in Turin). Viele wertvolle mittelalterliche Kirchen wurden durch historistische Bauherrn und Architekten "verschlimmbessert" oder gleich abgebrochen und ersetzt. Man schaue sich mal in rheinischen Dörfern an (oder generell dort, wo im 19. Jahrhundert Geld war) - kaum eine Kirche ist älter als 150 Jahre. Welche romanischen Kostbarkeiten sind da abgeräumt worden für neogotische Dutzendware...

  • Zum einen ging ich von den heutigen technischen Möglichkeiten aus, die Brände und Einbrüche verhindern sollten. Zum anderen hat sich die Sichtweise auf vergangene Epochen grundlegend verändert. Die Mehrheit schätzt sie mehr als vor 150 Jahren (siehe Tourismusziele). Dennoch gibt es handelnde Personen, die lieber abreißen oder verkaufen oder Geld für moderne Technik sparen. Und dies sind nur die "Reste" nach Kriegen und den Intentionen unserer Vorfahren.

  • Der MDR widmet einen Filmbeitrag dem Brand des Fluchtfahrzeugs in der Tiefgarage eines Wohnhauses (...) Das zeugt von der Skrupellosigkeit der Täter.

    Nicht nur das. Die Frage stellt sich nach dem Bezug der Täter zu der Wohnanlage. Am Ende des Beitrags wird es ja angesprochen. Woher hatten die Täter einen Schlüssel für diese Tiefgarage? Gab es mal einen Komplizen, der dort gewohnt hat? Es könnte ein Mosaiksteinchen zur Aufklärung des Verbrechens sein.

  • Quote from MoPo

    Vor diesem Hintergrund bitten Staatsanwaltschaft und Polizei auch um Bild- oder Videoaufnahmen, die zwischen dem 1. Oktober und dem 25. November 2019 in der Nähe des Historischen Grünen Gewölbes entstanden sind.

    https://www.morgenpost.de/berl…Berliner-Clan-Milieu.html


    Tourifotos bitte teilen ;)


    Eigentlich brauchen sie ja nur die Ticketverkäufe der letzten Monate durchzusehen. Heute bezahlen ja alle mit Karte.

  • Ich habe nachgezählt, bezogen auf die zur Tatzeit tatsächlich in der Vitrine befindlichen Objekte:


    Schmuck der Königinnen, 12 Inventarnummern, davon 4 Inventarnummern ganz oder teilweise gestohlen


    Brillantgarnitur, 12 Inventarnummern, davon 3 Inventarnummern gestohlen


    Diamantrosengarnitur, 11 Inventarnummern, davon 7 Inventarnummern ganz oder teilweise gestohlen


    Insgesamt waren 35 Inventarnummern in der Vitrine, davon wurden 14 Inventarnummern ganz oder teilweise gestohlen.


    Zählung nach Einzelstücken:


    Schmuck der Königinnen, 22 Einzelstücke, davon 4 Einzelstücke ganz oder teilweise gestohlen


    Brillantgarnitur, 42 Einzelstücke, davon 3 Einzelstücke gestohlen


    Diamantrosengarnitur, 34 Einzelstücke, davon 13 bis 14 Einzelstücke gestohlen. (Da nicht angegeben wurde, wie viele Rockknöpfe noch vorhanden sind, kann ich die Zahl der gestohlenen Einzelstücke nur schätzen.)


    Insgesamt waren 98 Einzelstücke in der Vitrine, davon wurden 20 oder 21 Einzelstücke gestohlen.


    Viele Leute überschätzen die Zahl der gestohlenen Stücke. Das ist auch eine Folge der Medienberichterstattung. Im Fernsehen wurde immer wieder eine Kamerafahrt eintlang der Vitrine mit der Smaragdgarnitur gezeigt. Dabei wurde aber nicht gesagt, dass alles, was auf diesen alten Filmbildern zu sehen ist, noch da ist. Als ich kürzlich im Museumsladen des Schlosses war, echauffierte sich ein Mann darüber, dass eine Postkarte vom Schmuck der Königinnen noch verkauft wurde. Das sei doch alles weg, meinte er. Dabei ist der Schmuck der Königinnen zu zwei Dritteln ja noch vorhanden.


    Auch die Äußerung von Freibuerger ist überzogen:


    Ich habe jetzt schon ein ungutes Gefühl, eines Tages das "Grüne Gewölbe" zu besuchen und an den Stellen der gestohlenen Stücke leere Plätze oder 1:1 Photographien vorzufinden.

    Im Historischen Grünen Gewölbe gibt es nicht wenige Konsolen, die leer sind. "Freie Plätze" sind nichts Neues. Der Bestand in den Vitrinen des Juwelenzimmers wurde im Laufe der Zeiten immer wieder verändert. Vor dem Krieg waren die Vitrinen anders bestückt als seit der Neueröffnung des HGG im Jahr 2006. Es ist auch Alltag in den Museen, dass einzelne Objekte aus Vitrinen entnommen werden und der Besucher nur einen Zettel vorfindet: "als Leihgabe in der Sonderausstellung da und da" oder "zur Restaurierung entnommen".


    Fotos wird man bei der Wiedereröffnung des HGG ganz sicher nicht in die Vitrine legen. Es wäre kein Problem, die Plätze der verlorenen Stücke erstmal frei zu lassen. Der Gesamteindruck des Juwelenzimmers wird dann immer noch überwältigend sein, und die verbliebenen Stücke in der betroffenen Vitrine werden uns umso kostbarer erscheinen. Denkbar wäre aber auch eine veränderte Bestückung der Vitrine.

  • Hier noch einmal die kürzliche MDR-Doku zum Juwelenraub:



    Wie gesagt: Ein Bündel von vermeidbaren, verhängnisvollen Fehlern, die dazu führen, dass wir die geraubten Schätze vermutlich nie wieder sehen werden. :kopfwand:

  • Quote from MZ


    ...
    Das berichtet die „Bild“ unter Berufung auf Ermittlungen der privaten Sicherheitsfirma CGI aus Israel. Die durchleuchte aktuell sämtliche Mitarbeiter des Dresdner Museumskomplexes und habe Verbindungen eines Mitarbeiters zu einem Verdächtigen gefunden. Der Mitarbeiter habe sicherheitsrelevante Infos an einen Verdächtigen weitergegeben.
    ...

    Verbrechen lohnt sich nicht und man darf feststellen, dass am Ende des Tages die Ermittler so gut wie immer die berühmtberüchtigte Nadel im Heuhaufen finden, sofern man den Ermittlern die zeitlichen und personellen Ressourcen dafür zur Verfügung stellt, was hier der Fall sein dürfte! Man kann jetzt nur hoffen, dass die geraubten Kunstwerke auch noch möglichst unverschliffen bei den Verdächtigen aufgespürt werden können...


    Jedenfalls habe ich Respekt vor der Leistung unserer Polizei und der fachlichen Unterstützer aus Israel! Ich drücke die Daumen, dass man nun die Verbrecher erwischen und natürlich auch noch deren Raubkunst rückführen kann!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Die Museen sollten in Zukunft bei der Personalauswahl besser darauf achten welche Läuse sie sich da in den Pelz holen. Beim Bodemuseum war es auch ein Mitarbeiter der Museumsaufsicht, der enge Verflechtungen ins Clan-Milieu hatte und der seinen "Kumpels" die entscheidenen Tipps gegeben hat. Die Parallelen sind offenkundig.

  • Es ist schon interessant. Zuerst wird wochenlang auf die Polizei geschimpft, die - nach hiesiger Expertenmeinung - alles falsch macht. Dann ergibt sich ein erster Fahndungserfolg - aber anstatt die Anschuldigungen zurückzunehmen und die Polizei mal zu loben, wird weiter ausgeteilt - diesmal auf die SKD. Ich bin so froh, dass wir hier so tolle Experten im Forum haben, die jederzeit sagen können, wer was falsch gemacht hat...

  • ^ Sowohl die Polizei als aber vor allem auch die SKD haben z.T. schwerwiegende Fehler begangen, das muss wohl nach 359 Beiträgen hier im Forum und den allseits bekannten Tatsachen nicht mehr ernsthaft diskutiert werden. Und wenn du das Bedürfnis hast die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt überschwänglich zu loben dann wird dich keiner daran hindern.