Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft Dresden und Polizeidirektion Dresden (veröffentlicht heute 14:00 Uhr):

  • Nochmal zum Fall Gotha:


    Aus dem Art-Loss-Register wird ein gestohlenes Kunstwerk erst dann gestrichen, wenn man definitiv weiß, dass es zerstört wurde. Ansonsten gelten verlorene Kunstwerke als "verschollen". Sie werden nicht wie Menschen irgendwann für tot erklärt.


    Der MDR befasst sich in einem neuen Bericht mit dem Fall: Klick. Darin werden auch die weiter oben diskutierten Rechtsfragen behandelt. Die beiden Männer, gegen die nun ermittelt wird, wussten, dass die Bilder gestohlen waren. Gutgläubiger Erwerb oder Ersitzung sind damit ausgeschlossen. Die Anwältin der Stiftung Schloss Friedenstein sagt, sie hätten die Bilder der Stiftung für einen "völlig überzogenen Geldbetrag" angeboten. Diese Angabe bestätigt die Interpretation, die ich in meinem vorigen Beitrag gegeben hatte. Die Bilder sind in Sicherheit. Deshalb kann die Staatsanwaltschaft nun offen gegen die "Erben" vorgehen. Die Stiftung ist unbestreitbar Eigentümerin der Werke und hat nun keinerlei Veranlassung, den "Erben" einen "Finderlohn" zu zahlen. Tja, die "Erben" haben den Bogen überspannt. Hätten sie die Bilder gegen einen wirklich niedrigen Betrag und ohne lange Verhandlungen zurückgegeben, wäre die Sache wohl längst erledigt. So aber werden sie froh sein können, wenn sie nur leer ausgehen.


    Man erhofft sich aus den Ermittlungen auch Erkenntnisse zum eigentlichen Diebstahl. Vielleicht tauchen in dem Zusammenhang auch weitere gestohlene Kunstwerke auf. Der Fall bleibt spannend.

  • Welch eine "Überrasschung"...

    In der Tat. Eine DNA-Spur führt ins Berliner Clan-Milieu, das ja dank des doppelrot-grünen Berliner Senats dort nahezu unter Artenschutz steht. Die SED-Nachfolger sprachen sich ja auch neulich explizit gegen Razzien bei den Clans aus und verurteilten scharf den angeblichen "Generalverdacht" seitens der Ermittlungsbehörden (wobei man es natürlich selber nicht so genau mit dem Generalverdacht nimmt, wenn es darum geht kritische Biodeutsche als "Nazis" zu bezeichnen).

  • explizit gegen Razzien

    Ich denke, dass sahen sie ganz anders, als sie an der Macht waren. Aber in der Opposition gilt es wohl erst mal, sich möglichst destruktiv zu verhalten, um die Verhältnisse zu destabilisieren. :zwinkern:

  • Die SED hat mit der heutigen Linkspartei nichts zu tun. In der DDR gab es keine Clankriminalität. Und bei den jüngsten Meldungen zum Ermittlungsstand von "Überraschung" zu sprechen, finde ich reichlich affektiert. Der Verdacht in Richtung Berliner Clans wurde gleich am ersten Tag geäußert, und von Anfang an wurde auch in diese Richtung ermittelt. Offiziell bestätigt wurden die aktuellen Zeitungsmeldungen nicht. Ich frage mich, warum es die Zeitungen für ihre Aufgabe halten, die Clans über den mutmaßlichen Ermittlungsstand zu unterrichten. Erhoffen sie sich neue Leser in der Clanszene?


    Das MDR-Magazin "Exakt - die Story" wird sich am kommenden Mittwoch ebenfalls dem Juwelenraub widmen. Die Sendung wird hinterher auch in der Mediathek zu finden sein.

  • Die SED hat mit der heutigen Linkspartei nichts zu tun.

    Jein. Die SED war eine Mischung aus NSDAP und KPDSU...es wiedersprach sich ja auch nicht so wirklich (bis auf die Feind und Heldenbilder) . Interessanterweise trauern heut noch sowohl Links - als auch Rechtsextremisten der DDR hinterher. Ich hatte mal vor längerer Zeit das "Vergnügen" mich mit einem alten SED Kaderleiter welcher inzwischen ein Amt in der NPD inne hatte zu unterhalten....ich war recht erstaunt als er meinte "Linke und NPD sollten zusammenarbeiten, die Ziele sind doch die selben, wörtlich: "dieses Geschäftskonstrukt namens BRD ist nicht rechtmäßig" :kopfwand:


    Linke so wie auch Rechte sind nicht unbedingt Freunde unserer freiheitlichen Demokratie (wenn es nicht gerade sich mal gegen sie wendet)

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Die SED hat mit der heutigen Linkspartei nichts zu tun.

    Ich will mich nicht mit Dir darüber streiten. Natürlich verändert die Zeit auch Konstellationen, da alte Leute sterben und neue nachwachsen. Aber "nichts" erscheint mir da doch reichlich untertrieben.
    Immerhin ist die Linkspartei direkt aus der SED hervorgegangen. Das "Karl-Liebknecht-Haus" als Bundesgeschäftsstelle war ein zuvor von der SED genutztes Gebäude. 2009 erklärte der Bundesschatzmeister der Partei auch vor Gericht, dass die Linke Rechtsnachfolgerin der SED sei.
    Allerdings sind heute nur noch über 8000 der 62.000 Parteimitglieder auch Mitglieder der SED gewesen.


    @"Henry". Mit der NSDAP hatte die SED indes recht wenig zu tun. Es gab natürlich - wie in jeder größeren deutschen Partei (außer der AfD) - auch ehemalige NS-Mitglieder in ihren Reihen. Aber die SED ist durch die Verschmelzung von KPD und SPD entstanden, der alte Traum der Einheit der Arbeiterklasse. Dass Denkstrukturen von KPD und NSDAP Ähnlichkeiten aufwiesen, ist nicht bestritten. Das lag aber vor allem daran, dass die NS-Strategen viele zuvor von den KPs entwickelte Stilformen übernahmen und abwandelten. (Rote Fahnen, Aufmärsche, Parteiuniformen usw.) Produktpiraterie würde man heute sagen.


    Aber, lasst uns besser nicht ins off-topic abgleiten, sondern bei dem Juwelenraub bleiben.

  • Wollte man die Verluste durch den Dresdner Juwelenraub quantitativ erfassen, so könnte man sagen, dass ein Prozent der im Historischen Grünen Gewölbe ausgestellten Objekte gestohlen wurde. Mutmaßlich geht es wohl um 20 oder 21 Einzelstücke, die zu 14 Inventarnummern gehören.


    Bei jedem Aufruf der Internetseite skd.museum wird am unteren Ende der Seite ein anderer Ausschnitt aus der Online Collection angezeigt. Gestern waren es Stücke aus dem Grünen Gewölbe, die mir angezeigt wurden, darunter die Epaulette mit dem Sächsischen Weißen Diamanten. Der Eintrag in der Online Collection bietet umfangreiche Informationen zu diesem Stück. So wird die Geschichte hinter dem Objekt sichtbar. Der Hinweis auf den Diebstahl wurde in die Datenbank eingearbeitet. Je mehr man über die Objekte weiß, desto trauriger wird man.


    Hier einige der gestohlenen Stücke mit Hintergrundinformationen aus der Online Collection:


    Epaulette mit dem Sächsischen Weißen Diamanten aus der Brillantgarnitur


    Epaulette aus der Diamantrosengarnitur


    Degen aus der Diamantrosengarnitur (Hier wird explizit angegeben, dass die Scheide erhalten ist.)


    Brustschleife aus dem Schmuck der Königinnen


    Kleinod des Polnischen Weißen Adlerordens aus der Diamantrosengarnitur


    Zur Abwechslung eine gute Nachricht: Der bei dem Kleinod des Adlerordens aus der Diamantrosengarnitur erwähnte zugehörige Bruststern des Genfers Pallard ist im Bestand des Grünen Gewölbes vorhanden. Er war bei dem Raub heruntergefallen. Bruststern aus der Diamantrosengarnitur


    Gestohlen wurde aber der Bruststern aus der Brillantgarnitur. Er war das einzige erhaltene Stück aus der 1746-1749 von Pallard geschaffenen Brillantgarnitur.


    Ein Schmuckstück, das anfangs als gestohlen gemeldet wurde, aber glücklicherweise erhalten blieb: Lest, welche Geschichte sich mit dem Schmuckstück in Palmettenform aus der Brillantgarnitur verbindet!


    Ein Rockknopf aus der Diamantrosengarnitur, der gestohlen wurde. Es sind zwar insgesamt zehn Rockknöpfe, die unter einer Inventarnummer zusammengefasst sind, doch ist jeder einzelne Knopf ein Unikat. In der Online Collection sind vier 1753 von Pallard geschaffene Rockknöpfe der Diamantrosengarnitur einzeln erfasst und als gestohlen registriert. Erfasst sind auch vier Westenknöpfe aus derselben Garnitur, die noch vorhanden sind. Hier ein Beispiel. Die Online Collection macht nur einen Teil der Sammlungen der SKD öffentlich zugänglich. Zu den jeweils übrigen sechs Knöpfen gibt es dort keine Angaben.


    Hier noch Informationen zum Degen der Brillantgarnitur. Er wurde ja in den Tagen nach dem Juwelenraub oft mit dem Degen der Diamantrosengarnitur verwechselt. Gestohlen wurde letzterer. Welchen kunsthistorischen Wert der Brillantdegen hat, vermittelt uns der Katalogtext.


    Gestohlen wurden die Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur.


    Hier wieder als kleiner Trost eine Knieschnalle aus der Diamantrosengarnitur, die noch vorhanden ist. Die andere ist auch noch da.


    Hutagraffe aus der Diamantrosengarnitur.


    Reiherstutz aus der Brillantgarnitur.


    Ich habe hier nähere Angaben zu zehn Inventarnummern der gestohlenen Objekte zusammentragen können. Zu den vier anderen Inventarnummern - Brillantcollier der Königin, Aigrette für das Haar in Form einer Sonne, Teilstück eines Muffhakens, Große Diamantrose - gibt es keine Hintergrundinformationen in der Online Collection.


    Der Juwelenraub hat es auch schon in die Wikipedia geschafft: Klick.

  • Schon sehr skuril. Wenn die Täter wirklich aus dem Clan-Milleu stammen sollten werden sie sich über soetwas wohl sehr amüsieren. Viel Feind, viel Ehr.

  • Habe gerade die die Dokumentation zum Raub in der MDR- Sendung "Exakt" gesehen. Einfach unfassbar und traurig !!!
    Und wieder einmal das große Schweigen der Verantwortlichen.


    Link

  • Die Doku hat gezeigt dass das Grüne Gewölbe völlig unzureichend und teilweise sogar regelrecht amateurhaft gesichert war. Das muss leider so in dieser Deutlichkeit sagen, zumal die Verbrecher - auch das wurde klargestellt - eben keine Profis waren!

  • Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft Dresden und Polizeidirektion Dresden (heute veröffentlicht):


    Klingt alles irgendwie nicht nach heißer Spur, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt...

  • Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft Dresden und Polizeidirektion Dresden (heute veröffentlicht):


    Klingt alles irgendwie nicht nach heißer Spur, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt...

    Einen Monat später, wo sich die ersten Zeugen bereits nicht mehr verlässlich erinnern können und dann auch noch ausschließlich in der Kern-Ferienzeit, wo die Menschen, die zu jener Uhrzeit für gewöhnlich unterwegs sind, mit großer Wahrscheinlichkeit den ÖPNV nicht nutzen. Ich will nicht stänkern und auch nicht auf die Polizei einprügeln, aber diesen Versuch der Öffentlichkeitsfahndung hätte man schon klüger angehen können.

  • Ja. Zum Beispiel hätte die Polizei spätestens 24 Stunden nach der Tat gleich mal alle Informationen veröffentlichen können, die sie zu dem Zeitpunkt hatte. Egal wie wenig es ist. Und egal ob es die Ermittlungen befördert oder behindert. Was wissen die schon - wir in unseren gemütlichen Sesseln zuhause sind eh die besseren Kriminalisten, haben uns schließlich wöchentlich beim Tatort fortgebildet.
    Ich will nicht meckern, aber manchmal darf man ruhig erst mal nachdenken und dann schreiben.