Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • es gehört hier zwar nicht ganz hin, aber in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag wurde in das Stasimuseum in der Berliner Normannenstraße eingebrochen. Die Täter haben Vitrinen zerschlagen und Orden und Schmuck gestohlen. Zufall oder einige Nachahmer ? Noch keine genauen Meldungen was gestohlen wurde. Informationslage noch unklar !

    Steht in 276.

  • Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Dresden und der Polizeidirektion Dresden von heute:


    Nicht nur dieser Punkt, aber dieser mit ganz vorn, ist erschütternd - die "Qualität" des Überwachungsvideos. Sehr geheimnisvoll formuliert, die PM, klingt für mich aber in Summe wie: Nichts Genaues weiß man nicht.

  • Ergänzend zu der Meldung von @BautzenFan:


    Der MDR fasst sämtliche für die Öffentlichkeit zugänglichen Erkenntnisse - Stand gestern - übersichtlich zusammen: Klick


    Darin auch der Beitrag aus der Sendung "Kripo live". Von Sendeminute 1:03 bis 1:09 sieht man Fotos, die zeigen, wie die Objekte in der Vitrine platziert waren. Die Anordnung ist umgekehrt: 1. Foto: Diamantrosengarnitur, die in der Vitrine die beiden Kompartimente ganz rechts einnahm. 2. Foto: Brillantgarnitur, in der Vitrine die beiden mittleren Kompartimente. 3. Foto: Schmuck der Königinnen, die beiden linken Kompartimente der Vitrine (mit einem schwarzen Kreuz durchgestrichen die Haarnadel der Maria Josepha, die sich zum Tatzeitpunkt nicht in der Vitrine befand). Aus der Verlustbilanz schließe ich, dass Löcher in die Glasscheiben 2, 4 und 6 der Vitrine geschlagen wurden. Wieder ein Zeichen für das systematische und planvolle Vorgehen der Täter.


    Die SKD haben die Informationen zu den Verlusten und Schäden in ihrem Internetauftritt seit vergangenem Mittwoch, 16 Uhr, nicht aktualisiert. Der MDR bringt heute aber eine gute Neuigkeit:


    Die von Einbrechern mit einem Feuerlöscher besprühten Schmückstücke im Dresdner Grünen Gewölbe können offenbar gerettet werden. Wie die Staatlichen Kunstsammlungen mitteilten, können die Schmückstücke rückstandslos gereinigt werden. Damit seien die Restauratoren derzeit beschäftigt.

    Es liegt in der Natur solcher Ermittlungen, dass sich die Staatsanwaltschaft jetzt bedeckt hält. Auch über die Überprüfung der Sicherheitssysteme wird nichts nach außen gegeben. Klar ist aber, dass die Staatsanwaltschaft wesentlich mehr weiß als wir hier. Die SKD hatten bereits vergangenen Dienstag bestätigt, dass es im Gebäudeinnern dreimal hintereinander Alarm gegeben habe (in den drei Räumen des Historischen Grünen Gewölbes). Wie die Annäherung an die Fassade und die Überwindung des Fensters und des dortigen Alarms erfolgen konnte - dazu eisiges Schweigen.


    Mitgeteilt wurde jetzt, dass mindestens 12 Axthiebe die Vitrine zerstörten. Da aber, wie vergangene Woche mitgeteilt wurde, 3 Löcher geschlagen wurden, wären das nur etwa 4 Axthiebe pro Loch. Das ist schon etwas wenig.


    Es wurde auch schon festgestellt, dass der Anruf bei der Polizei offenbar recht spät getätigt wurde. Sofort beim ersten Alarm im Gebäudeinnern hätte der Wachmann doch zum Hörer greifen müssen. Denn dort darf sich nachts niemand aufhalten. Es hätte also beim ersten Alarmsignal klar sein müssen, was zu tun ist. Hier verstrichen offenbar zwei wertvolle Minuten.

  • Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Dresden und der Polizeidirektion Dresden von heute:



    Sehr geheimnisvoll formuliert, die PM, klingt für mich aber in Summe wie: Nichts Genaues weiß man nicht.

    Genau so ist es!
    Wenn man bei der ersten PK die Vertreter der Polizei hat stammeln hören, weiß man ganz genau, die Sachen sehen wir nie wieder. Da können die den Tathergang rekonstruieren, wie sie wollen.

  • Das Leben geht weiter. Im Neuen Grünen Gewölbe eröffnet heute eine - schon seit längerer Zeit angekündigte - kleine Sonderschau mit Arbeiten des Hofjuweliers Johann Heinrich Köhler aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dazu Infos der SKD und ein sehr sehenswerter Fernsehbericht des MDR.


    Bei Sendeminute 0:09 bis 0:12 ist ein Kleinod des Polnischen Weißen Adlerordens zu sehen. Die Sprecherin sagt nicht ganz korrekt "Stern". Das Kleinod ist zwar sternförmig, aber als Stern wird üblicherweise der Bruststern des Adlerordens bezeichnet (vgl. meinen Beitrag zum Adlerorden weiter oben). Das hier gezeigte Kleinod ist nur sparsam mit Diamanten besetzt und wurde deshalb nicht den Juwelengarnituren zugeordnet. Das Hauptmaterial ist hier Silber, der Adler ist weiß emailliert, und das Rote könnte Glasemail (?) sein. Jedenfalls eine exquisite Arbeit.


    In dem Filmbericht wird gesagt, dass Köhler nicht selten ältere Objekte neu kombinierte, neu fasste oder ergänzte. Dieses Vorgehen ist auch charakteristisch für den Umgang mit der Brillantgarnitur und der Diamantrosengarnitur des Königs. Beide Garnituren gingen auf August den Starken zurück, wurden aber im Laufe der Zeiten immer wieder verändert und den modischen Bedürfnissen angepasst. Keines der beim Juwelenraub gestohlenen Objekte hat August der Starke je gesehen, geschweige denn getragen. In vielen Medienberichten wurde das falsch dargestellt.


    Das hier gezeigte Kleinod des Adlerordens war mir bislang unbekannt. Es ist für die Geschichte des Polnischen Weißen Adlerordens von großer Bedeutung, denn in ähnlicher Ausführung wurde und wird das Kleinod bis heute verliehen. Die Ausführungen aus den Juwelengarnituren trug nur der König und nur zu besonderen Anlässen.


    Neben einigen kaum bekannten Stücken aus dem Grünen Gewölbe zeigt die Ausstellung auch eine kostbare Leihgabe aus Köhlers Heimatstadt Langensalza. Dieses Kruzifix kann man zum Anlass nehmen, sich die Kruzifixe des Grünen Gewölbes näher anzusehen. Ein besonders schönes Kreuz ( aus dem 16. Jahrhundert, mit Perlen) steht im "Kirchenraum" (so nenne ich ihn) der Dauerausstellung "Weltsicht und Wissen um 1600". Leider wissen nur wenige, dass man auch dort, im "Renaissanceflügel", einzelne Kostbarkeiten aus dem Grünen Gewölbe finden kann. Übrigens fand ich, dass die Halskette von Frau Weinhold gut zum Grünen Gewölbe passt.


    Nachtrag: Die Pressemitteilung der SKD zur Köhler-Ausstellung ist auch interessant.

  • Im Zusammenhang mit dem Dresdner Juwelenraub war auch an frühere Kunstdiebstähle erinnert worden. Der spektakulärste Fall der DDR war der Diebstahl von fünf Altmeistergemälden aus Schloss Friedenstein in Gotha in der Nacht zum 14. Dezember 1979. Die Diebe waren damals durch ein Fenster im zweiten Stock eingestiegen und hatten die Bilder gezielt ausgewählt. Es gab umfangreiche Ermittlungen. Sie führten zu keinem Ergebnis.


    Heute wurde bekannt, dass alle fünf Gemälde wieder aufgetaucht sind und nach längeren Verhandlungen Ende September an die Stiftung Schloss Friedenstein übergeben wurden. Sie befinden sich derzeit in Berlin und werden dort auf ihre Echtheit und mögliche Schäden untersucht. Gestern gab es mehrere Hausdurchsuchungen in dem Fall.


    Bericht des MDR (mit Abbildungen der fünf Werke)


    Bericht der FAZ

  • Interessant, dass jetzt noch Hausdurchsuchungen stattfinden. Mit welchem Zweck, wenn die Gemälde zurückgegeben wurden? Diebstahl und Einbruch sind nach 40 Jahren längst verjährt.

  • Interessant, dass jetzt noch Hausdurchsuchungen stattfinden. Mit welchem Zweck, wenn die Gemälde zurückgegeben wurden? Diebstahl und Einbruch sind nach 40 Jahren längst verjährt.

    Diebstahl und Einbruch sind verjährt. Aber der Tatbestand der Unterschlagung des Diebesguts dauerte offenbar bis zur Rückgabe an.

  • Diebstahl und Einbruch sind nach 40 Jahren längst verjährt.

    Diebstahl und Einbruch sind verjährt. Aber der Tatbestand der Unterschlagung des Diebesguts dauerte offenbar bis zur Rückgabe an.


    Hinsichtlich des (wahrscheinlich besonders schweren) Diebstahls (Einbruch ist kein Delikt / Was mit Unterschlagung des Diebesgutes gemeint sein soll erschließt sich mir nicht) ist in der Tat Verfolgungsverjährung eingetreten. Die gestohlenen Kunstwerke wurden aber den Museen angeboten. Dies erfüllt den Tatbestand der Hehlerei. Da 2019 die Straftat begangen wurde, ist hier nichts verjährt.


    Zivilrechtlich sind ohnehin die Museen bzw. deren Träger immer noch Eigentümer. Nur der Herausgabeanspruch war verjährt. Aber da die Gemälde übergeben wurden, spielt dies keine Rolle.

  • Zivilrechtlich sind ohnehin die Museen bzw. deren Träger immer noch Eigentümer. Nur der Herausgabeanspruch war verjährt.

    Wie bitte? Die Museen sind noch Eigentümer der gestohlenen Bilder, hätten aber an die Diebe keinen Anspruch auf die Herausgabe des Diebesgutes???
    Sorry, aber das ist wirklich völlig schräg und führt den Eigentumsbegriff komplett ad absurdum (Eigentum = Recht der ausschließlichen Verfügung über eine Sache). Ist das allen Ernstes geltendes Recht. Wenn ja, dann kann man sich da eigentlich nur an den Kopf fassen und fragen, was für ein Wahnsinniger sich das ausgedacht hat.

  • Das ist geltendes Recht seit 2500 Jahren. Traurig, dass das nicht allgemein bekannt ist...

    Wie, seit 2500 Jahren. 500 v. Chr. gab es ja nicht einmal den zeitgenössischen Eigentumsbegriff. Und selbst wenn, dann ändert das Alter nichts an der Blödsinnigkeit und logischen Widersprüchlichkeit der Regel.


    Logisch widersprüchlich ist ein solches Gesetz deshalb, weil der Staat damit de facto einen Eigentumsübergang (wenn nicht mehr der Bestohlene, sondern der Dieb die ausschließende Verfügungsgewalt hat, dann ist das Diebesgut faktisch Eigentum des Diebes geworden) durch Diebstahl anerkennt. Damit setzt er den Diebstahl zugleich als Recht und als Unrecht und das ist logisch widersprüchlich.
    Wie kann man so einen Schwachsinn als Gesetzgeber verzapfen?

  • Das Recht erscheint manchmal seltsam. Aber nur im Immobilienrecht (Grundbuch) verjähren Ansprüche nicht. Ein etwas anderes Beispiel: wer einen historischen Schatz sucht und findet, wird nur bestraft, wenn er diesen unterschlägt und nicht unverzüglich anmeldet. Der Staat pfeift übrigens auf das BGB. Er fordert staatliches Eigentum, welches sich in Privatbesitz befindet, auch nach mehr als 30 Jahren noch zurück.

  • Der Umgang mit Kulturgut in Deutschland ist unerträglich: Grünes Gewölbe, Anna- Amalia- Bibliothek, Stadtarchiv Köln, Gymnasialbibliothek Stralsund, Waldseemüller- Karte, Bibliothek Donaueschingen, Auktionen Haus Hohenzollern, Wettin, Baden, Thurn und Taxis usw. usw.
    Wie wäre es wenn Gotha, die 5 Gemäde klauen läßt und 30 Jahre wartet? keine Kosten und sie sind für unsere nachfolgenden Gnerationen in öffentlichem Besitz gerettet.
    Der Verjährungsparagraph gehört abgeschafft!

  • Der Eigentümer muss natürlich innerhalb der Verjährungszeit aktiv werden, dadurch wird die Verjährung gehemmt. Rührt er sich nicht, so tritt nach zehn Jahren der Ersitzungsparagraf in Kraft. Nach diesem wird dann der jeweilige Besitzer eines Gegenstandes zum rechtmäßigen Eigentümer. Er hat ihn "ersessen". Ist natürlich dieser Besitzer unbekannt, hat der Eigentümer keine Chance.

  • Da 2029 die Straftat begangen wurde, ist hier nichts verjährt.

    Hast Du eine Glaskugel, in der Du siehst, welche Dinge in 10 Jahren passieren? Dann hätte ich gerne die Lottozahlen... :lachentuerkis:

    Die gestohlenen Kunstwerke wurden aber den Museen angeboten. Dies erfüllt den Tatbestand der Hehlerei. (...)
    Zivilrechtlich sind ohnehin die Museen bzw. deren Träger immer noch Eigentümer. Nur der Herausgabeanspruch war verjährt. Aber da die Gemälde übergeben wurden, spielt dies keine Rolle.

    Das bedeutet also, wenn ich das richtig verstanden habe: Hätten die Diebe die Werke dem Museum nicht angeboten, sondern behalten, könnte man ihnen gar nichts anhängen? Es war also nur ihr Fehler, mit dem Museum in Kontakt zu treten, statt sich die Bilder über die eigene Wohnzimmercouch zu hängen?...

  • Die reine Straftat verjährt, aber der Eigentumsanspruch des Museums grundsätzlich nicht. Ersitzung ist hier ausgeschlossen selbst wenn ein anderer gutgläubiger Käufer es später erwirbt.


    Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
    § 935 Kein gutgläubiger Erwerb von abhanden gekommenen Sachen

    (1) Der Erwerb des Eigentums auf Grund der §§ 932 bis 934 tritt nicht ein, wenn die Sache dem Eigentümer gestohlen worden, verloren gegangen oder sonst abhanden gekommen war...


    § 937 Voraussetzungen, Ausschluss bei Kenntnis
    (1) Wer eine bewegliche Sache zehn Jahre im Eigenbesitz hat, erwirbt das Eigentum (Ersitzung).
    (2) Die Ersitzung ist ausgeschlossen, wenn der Erwerber bei dem Erwerb des Eigenbesitzes nicht in gutem Glauben ist oder wenn er später erfährt, dass ihm das Eigentum nicht zusteht.


    Die einzige Frage ist, ob der Herausgabeanspruch nach 30 Jahren erlöschen kann und welche Konsequenzen sich daraus ergeben können.


    § 985 Herausgabeanspruch
    Der Eigentümer kann von dem Besitzer die Herausgabe der Sache verlangen.


    In diesen seltenen Fällen macht die Justiz dann was sie will oder der Gesetzgeber ändert die Paragraphen. Die Fälle Cornelius Gurlitt, Causa Kirchner zeigen dies. Falls die Waren im Ausland sind, wird es noch komplizierter.

  • Warum lest ihr denn nicht einfach den verlinkten MDR-Bericht dazu?


    Gegen zwei Männer im Alter von 46 und 54 Jahren ermittelt das Landeskriminalamt Berlin wegen des Verdachts der Erpressung und Kunsthehlerei. Es soll sich laut Spiegel um den Anwalt und den Einlieferer der Bilder handeln. Am Donnerstag gab es laut LKA Durchsuchungen.

    Inzwischen gibt es auch einen Filmbericht aus dem "MDR Thüringen Journal". Darin sind zwar die Originalbilder nicht zu sehen, aber Oberbürgermeister Knut Kreuch erklärt die Rechtslage.


    Informativ auch diese MDR-Seite: Klick. Darin auch ein Radiointerview mit Herrn Kreuch. Es ist ein gutes Zeichen, dass der Fall nun öffentlich geworden ist und sich die Bilder in der Obhut der Staatlichen Museen zu Berlin befinden. Eine Herausgabe der Werke an die "Erbengemeinschaft" halte ich nun für undenkbar. Es sieht so aus, dass die bisherigen Besitzer die Bilder zu Geld machen wollen. Auf dem Kunstmarkt können sie sie aber nicht verkaufen, deshalb bleibt ihnen nur die Möglichkeit, die Bilder gegen eine (kleine) "Entschädigung" zurückzugeben.


    Ich hoffe, dass die Werke bald wieder in Gotha präsentiert werden können. Sie sind wunderbare Ergänzungen der Altmeistersammlung der Stiftung Schloss Friedenstein.

  • Die Angelegenheit ist äußerst undurchsichtig. Steigeisen aus einem Material, welches hier in der DDR nicht verfügbar war. Selektiver Diebstahl wohl auf Bestellung. Und eine ominöse Erbengemeinschaft, die ja nachweisen muss, von wem sie geerbt hat. Man muss die Untersuchungen abwarten. Zumindest die Hausdurchsuchungen bei dem Anwalt durften rechtswidrig gewesen sein.