Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • Meine dystopischen Gedanken gründen zu einem nicht geringen Teil in der schmerzlichen Erkenntnis, daß die Annahme, nach der alle Kunstwerke, die es vermochten, die Irrungen des 20. Jahrhunderts bis in unsere Gegenwart zu überleben, nun dauerhaft für die Menschheit gesichert seien, eine naive Illusion war.

    Ja man könnte meinen, dass man den kleinen Rest wie einen Augapfel hegt und pflegt.
    Würde man ein einer Zeit leben, wo ein Übermaß an Produktion von Kunst und Kultur herrschen, dann schmerzte mich auch kein Verlust. Nichts ist für die Ewigkeit. Aber es kommt nichts Besseres nach. Wir haben keinen König mehr, keine schönen Symbole, unsere Welt ist entmystifiziert.

  • Ich finde diese Feststellung und andeutungweise Spekulation von Rastrelli über Zusammenhänge und Bedeutung/Aussage des Kunstraubes von Dresden sehr bemerkenswert! Damit die Anmerkung nicht verloren geht, möchte ich sie hier nochmals zitieren. Der Herr Rastrelli beteiligt sich also auch an Spekulationen, schön, das freut mich.
    Solche Zusammenhänge sind sicher nicht zufällig. Die Sonderkommission wird sich da schon die Köpfe darüber heiß denken.
    Wäre nicht auch eine geheimdienstliche Aktion in Betracht zu ziehen!? Von welchem Dienst auch immer. Die Synchronizitäten der EREIGNISSE, die Rastrelli oben in Zusammenhang bringt, könnten Hinweise geben!?

  • Lieber nothor,


    wenn man ihre beachtenswerten Überlegungen weiterdenkt, dannn könnten Sich die Dresdner Sammlungen keine bessere- und auch noch kostenlose - ‚PR-Kampage’ wünschen. Denn die Ungewissheit, ob die Museumsstücke noch dauerhaft in der bisher vertraute Weise der Öffentlichkeit präsentiert werden können,wäre ja durchaus als Stimulanz zu betrachten, jetzt noch schnell die Gelegenheit zu nutzten, um die verbliebenen Kostbarkeiten noch ein letztes Mal aus der Nähe zu betrachten, bevor von der Museumsleitung angefangen wird, die Besucher auf Distanz zu den Vitrinen zu halten oder ihnen beim Betrachten zumindest mit der Mündung eines MGs unter der Nase herumzuwedeln. Die Eintrittszahlen und folglich die Einnahmen könnten dann kurzfristig sprunghaft ansteigen. Den Fiskus würde das sicherlich nicht ärgern. Die sich bei mir in diesen Zusammenhang einstellenden, noch ganz anderen – weiterführenden, schwärzeren – Gedanken, behalte ich besser für mich. Es reicht darauf hinzuweisen, daß man in den letzten Jahren gelernt hat, reihenweise Pferde vor den Apotheken….


    Wenn man aber von der Belastbarkeit des offiziellen ‚Narrativs’ ausgeht – was ich doch sehr tue (!) – so bleibt festzuhalten, daß der Freistaat Sachsen, es nicht vermocht hat, zu verhindern, daß die Diamantgarnituren – egal ob aufgebrochen und umgeschliffen oder nicht – letztendlich spurlos in den Tresoren irgendwelcher Oligarchen, Mafiosi oder Scheichs dauerhaft verschwinden werden.


    Und auch wenn jetzt diverse HB-Männchen sicherlich in die Luft gehen dürften: Vor diesem Hintergrund ist der seinerzeitige Verkauf des Beau Sancy durch S.K.H. Prinz Georg Friedrich geradezu eine Wohltat. Denn bei diesem Verkauf blieb der weitere Werdegang des Edelsteins dokumentierbar (wenn auch nicht für die breitere Öffentlichkeit, so doch für die Kulturverwaltungen). Vor die Alternative Sothebys oder brutale Einbrecher gestellt, dürfte meine Präferenz deshalb wohl klar sein.


    Eventuell treten wir nun in eine – hoffentlich nur vorübergehende - Phase ein, in der deutsches Kulturgut im Auslande womöglich tatsächlich sicherer ist, als innerhalb unserer Landesgrenzen (welche es ja gerüchteweise noch geben soll… ;) ).

  • Naja ich mache mir halt so meine eigenen Gedanken. Der Unterschied im haptischen Kunsterlebnis ist schon in einem Vatikanischen Museum ein ganz anderes als z.B. im Lindenaumuseum in Altenburg/Thüringen. Letzteres ist mir tausendmal lieber, weil es mir Kunstgenuss ermöglicht. Wir waren 2016 in den vatikanischen Museen - da werde ich wohl nie wieder reingehen, denn von Kunstgenuss war das dortige Handeln und Wandeln weit entfernt. Es war einfach übervoll, manches bekam man nur per Zufall oder mit viel Geduld zu Gesicht, die sixtinische Kapelle hat mehr mit dem Berliner Hauptbahnhof gemein als mit einem Kunsttempel. Ein Höllenlärm durch die Touristenmassen, brüllende Wachleute "No Photo!!"- hat eh niemand befolgt - wo bin ich hier gelandet, bloß weg da. Das eine ist das bloße Vorhandensein von Substanz, das andere ist ihre Zugänglichkeit und Erfahrbarkeit. Ich habe von Freunden schon gehört, dass sie extrem enttäuscht waren von der Präsentation der Mona Lisa im Louvre. Was ich damit sagen will, ich habe Verständnis dafür, dass Museumsleitungen einen Spagat schaffen müssen zwischen der Nahbarkeit ihrer Kunst und der Sicherheit vor ihren Bewunderern. Im Grünen Gewölbe habe ich mich z.B. sehr wohl gefühlt. Ich bin froh dass ich diesen Spagat nicht entscheiden muss, aber wenn es absolut sicher sein und trotzdem begeisternd erfahrbar sein soll müsste man wohl immer weiter auf Replikate oder Simulationen ausweichen.


    Ich persönlich möchte nicht das Kunstschätze in Magazinen oder Tresoren verschwinden, sondern sie sollen erlebbar bleiben. Dafür wurden sie geschaffen.

  • ^@"East_Clintwood"
    Ja, geschmacklos. Aber was will man anderes von diesem mit Zwangsgeld bezahlten TV-Narren erwarten?

    Narren waren an den Höfen oft geistreiche Personen, die auch unangenehme Wahrheiten aussprachen. In diesem Fall assoziiere ich eher Kasper oder Hampelmann.

  • Die sich bei mir in diesen Zusammenhang einstellenden, noch ganz anderen – weiterführenden, schwärzeren – Gedanken, behalte ich besser für mich. Es reicht darauf hinzuweisen, daß man in den letzten Jahren gelernt hat, reihenweise Pferde vor den Apotheken….

    Ach ich bitte dich... und die Notre-Dame wurde vom Pariser Fremdenverkehrsamt angezündet, um die Übernachtungszahlen zu steigern.

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

  • Vor die Alternative Sothebys oder brutale Einbrecher gestellt, dürfte meine Präferenz deshalb wohl klar sein.



    Eventuell treten wir nun in eine – hoffentlich nur vorübergehende - Phase ein, in der deutsches Kulturgut im Auslande womöglich tatsächlich sicherer ist, als innerhalb unserer Landesgrenzen.

    Als Gegenbeispiel, dass natürlich auch das Humbug ist, seien nur zwei Worte genannt: Salvator Mundi!

  • Leider wird hier seit einiger Zeit teilweise ein Stil gepflogen, der das apodiktische und umfassende Abkanzeln von Beiträgen Anderer beinhaltet. Ich werde mich auch zukünftig an derartigen Abqualifizierungen von Mitforisten nicht beteiligen, denn ich finde, daß das für das Klima hier im Forum nicht sonderlich förderlich ist.

  • Leider wird hier seit einiger Zeit teilweise ein Stil gepflogen, der das apodiktische und umfassende Abkanzeln von Beiträgen Anderer beinhaltet. Ich werde mich auch zukünftig an derartigen Abqualifizierungen von Mitforisten nicht beteiligen, denn ich finde, daß das für das Klima hier im Forum nicht sonderlich förderlich ist.

    Die einfachste Möglichkeit, wie man das verhindern kann, ist natürlich einfach grundsätzlich weniger Zweifelhaftes zu schreiben.


    Wenn die Behauptung aufgestellt wird, die Zeiten würden schlimmer, mit faktischen Argumenten widerlegt wird, man aber partout an seiner Weltsicht festhält, dass alles immer schlimmer wird und behauptet, (deutsche) Kunst werde im Ausland mehr geschätzt, während in Wahrheit eines der zentralen Meisterwerke europäischer Kunst vielleicht oder vielleicht auch nicht auf der Yacht eines Scheichs vermodert und - ich weiß, das Beispiel ist ein bisschen grenzwertig - libanesische Geschäftsmänner Objekte der deutschen Zeitgeschichte ersteigern und zunächst verbrennen wollen, damit sie nie wieder in falsche Hände geraten, dann darf man sich über ein bisschen Gegenwind nicht wundern.


    Das mag man persönlich als Abqualifizierung verstehen, ich möchte es als differenzierte Auseinandersetzung mit gefühlten Wahrheiten verstanden wissen.

  • Natürlich ist ein Einsatz von projektilverschießenden Waffen hier völlig ausgeschlossen. Aber es gibt auch chemische Waffen, die bei geringen Schäden an der Ausstellungssubstanz die Täter außer Gefecht setzen würden. Und es gibt scharfe Wachhunde, die hier schnell das Problem gelöst hätten. Nun sage aber niemand, dass dadurch unverhältnismäßig reagiert würde, falls die Täter sich nur verirrt hätten oder unzurechnungsfähig gewesen wären.

  • wenn man ihre beachtenswerten Überlegungen weiterdenkt, dannn könnten Sich die Dresdner Sammlungen keine bessere- und auch noch kostenlose - ‚PR-Kampage’ wünschen. Denn die Ungewissheit, ob die Museumsstücke noch dauerhaft in der bisher vertraute Weise der Öffentlichkeit präsentiert werden können,wäre ja durchaus als Stimulanz zu betrachten, jetzt noch schnell die Gelegenheit zu nutzten, um die verbliebenen Kostbarkeiten noch ein letztes Mal aus der Nähe zu betrachten, bevor von der Museumsleitung angefangen wird, die Besucher auf Distanz zu den Vitrinen zu halten oder ihnen beim Betrachten zumindest mit der Mündung eines MGs unter der Nase herumzuwedeln. Die Eintrittszahlen und folglich die Einnahmen könnten dann kurzfristig sprunghaft ansteigen. Den Fiskus würde das sicherlich nicht ärgern.

    Von "kostenlos" kann keine Rede sein. Es sind Restaurierungsarbeiten an Objekten und Raumausstattungen im Historischen Grünen Gewölbe erforderlich. Das Einstiegsfenster braucht in jedem Falle ein neues kunstvoll geschmiedetes Gitter. Es wurde - am Mittwoch oder Donnerstag - nur provisorisch durch Stahlstreben ergänzt. Auch diese provisorische erste Sicherung wurde von der Firma nicht kostenlos ausgeführt. Ebenso wurde das Fenster erstmal provisorisch geschlossen. Es wird Investitionen in die Sicherheit geben, wozu möglicherweise Baumaßnahmen erforderlich sind, die in die Gebäudesubstanz eingreifen. Neue, noch stärkere Fenster müssten im Mauerwerk verankert werden. Wenn man die Vitrinen aufrüstet, dann ist das auch nicht mit dem Austausch von ein paar Glasscheiben getan. Die Vitrinen sind nämlich komplexe Hightech-Anlagen, wo sich dann verschiedene Parameter ändern. Alles kostet Geld. Der bevorzugte Vitrinenbauer der SKD ist Artex Museum Services aus Wien, Topspezialisten. Meint da irgendjemand, deren Arbeit sei "kostenlos"?


    Hier eine empfehlenswerte Bilderstrecke des MDR zur Sicherung des Einstiegsfensters - übrigens durch Spezialisten von Ostmann und Hempel, die schon viele Metallarbeiten im Residenzschloss ausgeführt haben. Die Bilder 5 und 6 zeigen die geschlossenen bzw. halbgeschlossenen Tresortüren zum Historischen Grünen Gewölbe (dahinter ist der Foyerbereich des HGG, der Fotograf steht im allgemeinen Foyer nahe der Garderobe). Auf Bild 6 auch Handwerker zu sehen: "Sehner. Museumseinrichtungen. Vitrinenbau").


    Das Historische Grüne Gewölbe ist auf unabsehbare Zeit geschlossen. Schnell noch mal gucken, bevor es weg ist, geht gar nicht. Es ist zu! Damit haben die SKD eine Attraktion weniger anzubieten. Für das Historische Grüne Gewölbe waren Zeitkarten erforderlich. Diese können nicht mehr verkauft werden. Bereits ausgegebene Zeitkarten mussten storniert werden. Ich denke da auch an Reisegruppen. Wenn eine andere Abteilung im Residenzschloss geschlossen wird, ändert sich der Eintrittspreis nicht. Für das Historische Grüne Gewölbe betrug der reguläre Eintrittspreis 12 Euro, also genauso viel wie für die übrigen Bereiche des Residenzschlosses. Es gab ein Kombiticket für beides, das kostete 21 Euro. Und es gab ein VIP-Ticket für den Eintritt ins Historische Grüne Gewölbe (HGG), ohne an eine feste Einlasszeit gebunden zu sein. Das war ziemlich teuer, ich glaube 20 Euro. All diese Tickets für das HGG werden auf der Internetseite der SKD nun nicht mehr angeboten. Hinzu kommt: das HGG wurde in stärkerem Maße von Touristen ohne Jahreskarten oder Ermäßigungen frequentiert als die übrigen Bereiche des Residenzschlosses. Der Ausfall des Historischen Grünen Gewölbes wird dem Kaufmännischen Direktor die Jahresbilanz vermasseln. Die SKD sind zwar, wie alle Museen, auf Zuschüsse zum laufenden Betrieb angewiesen. Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern machen aber einen wichtigen Teil des SKD-Haushalts aus. Im Zuge der Diskussion um kostenlosen Eintritt ins Humboldt Forum wurde seitens der Museen wie des Kunstministeriums umgehend betont, dass sich der Freistaat Sachsen kostenlose Museen nicht leisten kann. (Nebenbei: Das Humboldt Forum kostenlos zu machen ist unsolidarisch gegenüber den anderen Museen in Deutschland.) Und das Historische Grüne Gewölbe war gewissermaßen ein Umsatzbringer im Portfolio der SKD, der nun erstmal wegfällt.


    Das Thema "Juwelenraub" ist nach wenigen Tagen aus den Schlagzeilen raus. Dieser Punkt ist jetzt bereits erreicht. Und es braucht nur einige weitere Tage, bis alle Menschen, die nicht mit der Thematik befasst sind oder nicht vorher schon eine Beziehung zum Grünen Gewölbe hatten (Stichwort: Identität der Sachsen) das Ganze vergessen haben. Die Aufmerksamkeit wendet sich dann neuen Katastrophen zu, von denen es dann wieder heißen wird, das sei noch nie dagewesen. Die Aufmerksamkeitsspanne der Öffentlichkeit wird doch immer kürzer. Ratz fatz ist ein Thema durch und vergessen.


    Ist schon makaber, auf was für Gedanken manche Leute im Zusammenhang mit Katastrophen kommen.


  • Wenn die Behauptung aufgestellt wird, die Zeiten würden schlimmer, mit faktischen Argumenten widerlegt wird, man aber partout an seiner Weltsicht festhält, dass alles immer schlimmer wird und behauptet, (deutsche) Kunst werde im Ausland mehr geschätzt, während in Wahrheit eines der zentralen Meisterwerke europäischer Kunst vielleicht oder vielleicht auch nicht auf der Yacht eines Scheichs vermodert und - ich weiß, das Beispiel ist ein bisschen grenzwertig - libanesische Geschäftsmänner Objekte der deutschen Zeitgeschichte ersteigern und zunächst verbrennen wollen, damit sie nie wieder in falsche Hände geraten, dann darf man sich über ein bisschen Gegenwind nicht wundern.


    Das mag man persönlich als Abqualifizierung verstehen, ich möchte es als differenzierte Auseinandersetzung mit gefühlten Wahrheiten verstanden wissen.

    Die Zeiten werden nicht schlimmer, sondern nur hoch technisierter. Und leider bietet der Markt auch für Jedermann Einbruchswerkzeug aller Art und unentbehrliche Kommunikationstechnik an. In der DDR gab es kaum solche Fälle, weil erstens jede Kommunikation über Funk für Privat verboten war und zweitens gestohlene Ware nicht abgesetzt werden konnte. Die damaligen Sicherungen z.B. in Museen und Gemäldegalerien waren lächerlich.

  • Man gehe mal in einen Baumarkt und schaue sich das Angebot an leistungsfähigen, kompakten Akku-Geräten an. Und was aktuelle Messeneuheiten mit sich bringen, mittlerweile gibt es sogar mit Akku betriebene elektrische Kettensägen. Und das sind nur ganz normale Handwerkergeräte. Da mit zu halten und stets hoch zu rüsten in der "Verteidigung" sensibler Kunstschätze ist eine ständige und fast unlösbare Aufgabe.


    Das das Dresdner Residenzschloss seine Hauptattraktion verloren hat finde ich fast noch tragischer als den Verlust an sich, denn das schmälert die Attraktivität im Ganzen. Ich hoffe dass, sollten die Stücke nicht bald wieder auftauchen, ein geeignetes Substitut gefunden wird, z.B. eine perfekte Replik.


    Über das Salvator Mundi habe ich auch nachgedacht. Vor wenigen Jahren für sensationelle 400 Mio Dollar versteigert gilt es aktuell als verschwunden. Es ist an seinem Bestimmungsort, dem Louvre in Abu Dhabi nie aufgetaucht. Bei Ebay bietet einer eine perfekte Kopie davon für ein paar Hunderttausend an. Jetzt kann man trefflich darüber streiten, was das Wesen der Kunst ist, oder sein sollte. Ob das öffentliche Ausstellen für schmales Geld (20,- EUR Eintritt im HGG empfand ich als Freundschaftspreis) mit der latenten Verlustgefahr besser ist als das Versteigern für Abermillionen, ohne das man weiß oder auch das Recht dazu hat zu erfahren, was damit geschieht. Ich gehe auch regelmäßig auf Kunst- und Antiquitätenauktionen und bin immer wieder überrascht, wie freimütig da mit den Stücken umgegangen wird. Ich darf als Kunde natürlich alles in meine Fettfinger nehmen, selbst wenn es 1000 Jahre alt ist. Niemand stellt Fragen, niemand interessiert sich dafür wer es kauft und was damit passiert. Das ist eben das krasse Gegenstück zum Museumsprinzip.

  • Dafür hat der Staat dann selber gestohlen und gehehlt, siehe KomeKo und Schloß Wernigerode...

    Er hatte dafür alle Möglichkeiten und Freiheiten. Ich wundere mich sowieso, weshalb er nicht viel öfters vom Ersatz der Pretiosen durch gute Kopien Gebrauch machte, um die Originale zu verhökern. Das Schweigen der Museumsmitarbeiter wäre ihm damals sicher gewesen.

  • [...] Ersatz der Pretiosen durch gute Kopien [...]"

    Ohne die Hoffnung auf einen Ermittlungserfolg zu früh aufgeben zu wollen, wird es dennoch auf absehbare Zeit interessant sein zu beobachten, wie - für den Fall, daß die Originale tatsächlich nicht mehr sichergestellt werden können - Museumsleitung und Freistaat Sachen planen, zukünftig an die gestohlenen Diamant-Garnituren zu erinnern. Durch gute Kopien, durch bloße Fotos oder durch schmerzende Leerstellen (womöglich noch mit Abdruck und Schatten der verlorenen Pretiosen) in den Vitrinen ?


    In deutlicher Weise ähnelt diese Thematik damit dem grundlegenden Gegenstand unseres Forums:
    Rekonstruieren - ja oder nein...

  • Ich halte Kopien für die beste Lösung, weil diese den Gesamteindruck am besten wiedergeben. Allerdings darf man sich dabei nicht so dumm anstellen, wie in der DDR. Dort sollten die Teile des berühmten Goldschmucks von Hiddensee kopiert werden. Man wollte zunächst ein Negativ aus Silikon erstellen, vergaß aber, ein wirksames Trennmittel aufzubringen. Ergebnis: das ausgehärtete Silikon löste sich nicht wieder vom Original. Es blieb in allen Vertiefungen und Durchbrüchen hängen. Noch bis vor kurzem fand man keine Lösung. Der Schmuck konnte nicht wieder ausgestellt werden.
    Nachtrag: Angeblich ist er doch ab 2015 wieder im Original (?) ausgestellt.

  • Er hatte dafür alle Möglichkeiten und Freiheiten. Ich wundere mich sowieso, weshalb er nicht viel öfters vom Ersatz der Pretiosen durch gute Kopien Gebrauch machte, um die Originale zu verhökern.

    Womöglich weil auch die Anfertigung von wirklich guten Kopien sehr viel Geld kostet? Können sich es die Museen leisten, von jedem halbwegs wertvollen Exponat Repliken herzustellen? Und sollen die Originale nur noch in irgendwelchen Kellern liegen? Dann könnten sie theoretisch auch einem Scheich verkauft werden, was noch Geld in die Kasse spült und Kosten der Aufbewahrung senkt.


    Ich gehe auch regelmäßig auf Kunst- und Antiquitätenauktionen und bin immer wieder überrascht, wie freimütig da mit den Stücken umgegangen wird. Ich darf als Kunde natürlich alles in meine Fettfinger nehmen, selbst wenn es 1000 Jahre alt ist. Niemand stellt Fragen, niemand interessiert sich dafür wer es kauft und was damit passiert.

    Erstens stellt sich die Frage, wer das auch noch regeln soll. Soll der Kunstmarkt stärker staatlich überwacht werden? (Wer zahlt das?)
    Zweitens. Soll Kunst- und Antiquitätenbesitz staatlich registriert werden? (Wo fängt man an? Bereits bei der Biedermeier-Kommode? Bei Omas historistischem Kleiderschrank? Wer zahlt den bürokratischen Aufwand?)
    Drittens. Soll privater Kunst- und Antiquitätenbesitz verboten werden? Soll der Staat aus Sicherheitsgründen sämtliche Kunstgegenstände und Antiquitäten in seine Obhut nehmen? (Wo will er die ganzen Exponate lagern? Und das auch in einer Weise, dass diese keinen Schaden nehmen. Soll der Steuerzahler die Kosten für Pflege und Bewachung riesiger Kunst- und Antiquitätenbestände zahlen, die dann in irgendwelchen Bergwerksstollen liegen, weil eine Ausstellung schon aus logistischen und finanziellen Gründen nicht machbar ist?)
    Ich denke, es liegt im Interesse eines Verkäufers, dass mit den von ihm angeborenen Waren gut umgegangen wird. Und im Interesse des Käufers, dass die Ware in einem guten Zustand ist. Ob Finger einem Objekt schaden oder nicht, müssen zuerst die Eigentümer entscheiden.