Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • Im konkreten Fall würde §32 StGB als Rechtsgrundlage ausreichen:§32 Notwehr
    (1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.
    (2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen (also z.B. den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden) abzuwenden.


    Paradoxerweise dürfte eine Privatperson, also etwa der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, in einem solchen Fall sogar robuster vorgehen als ein Polizist, da er nicht wie ein Polizist an ein Verhältnismäßigkeitsgebot gebunden wäre.

    Die genannten Paragraphen beziehen sich auf den Schutz von Menschen, nicht von Gegenständen.


    Der Wachmann darf zwar unter bestimmten Vorrausetzungen eine Waffe tragen, zum Töten einsetzen darf er diese aber nur, um unmittelbar bedrohte Menschen inkl. seiner selbst zu schützen, nicht um die Entfernung eines Gegenstandes zu verhindern.

  • Die genannten Paragraphen beziehen sich auf den Schutz von Menschen, nicht von Gegenständen.


    Der Wachmann darf zwar unter bestimmten Vorrausetzungen eine Waffe tragen, zum Töten einsetzen darf er diese aber nur, um unmittelbar bedrohte Menschen inkl. seiner selbst zu schützen, nicht um die Entfernung eines Gegenstandes zu verhindern.

    Diese Behauptungen sind in praktisch jeder Hinsicht schlicht falsch:


    1.) §32 StGB bezieht sich selbstverständlich auf jeden rechtswidrigen Angriff, also auch auf Eigentumsdelikte.


    2.) §32 StGB deckt daher auch tödliche Gewalt ab, wenn sie erforderlich ist, um einen rechtswidrigen Angriff auf das eigene Eigentum oder das Eigentum eines anderen abzuwenden. Es gibt im deutschen Notwehrrecht explizit keine Verhältnismäßigkeitsabwägung, da es - im Anschluß an die Rechtsphilosophie Kants - auf dem Grundsatz "Das Recht muss dem Unrecht nicht weichen" beruht (andernfalls würde das Recht eine Pflicht des Bürgers postulieren, rechtswidrige Angriffe hinzunehmen, was in sich widersprüchlich wäre).


    3.) Die einzige Einschränkung liegt (neben einigen marginalen sozialethischen Einschränkungen) in der "Erforderlichkeit", d.h. tödliche Gewalt darf nur eingesetzt werden, wenn es kein anderes gleichwirksames, aber milderes Mittel zur Abwehr des rechtswidrigen Angriffs gibt. Anders gesagt: Wenn der Diebstahl z.B. eines Autos auch durch ein anderes Mittel als die Tötung des Diebes mit gleicher Erfolgsaussicht abgewandt werden kann, dann ist die Tötung nicht durch §32 StGB gedeckt. Wenn die Fallkonstellation aber so beschaffen ist, dass die Tötung des Diebs das einzige wirksame Mittel zur Abwehr des rechtswidrigen Eigentumsdelikts ist, ist eine solche Tötung nach §32 StGB auch zulässig.


    Das kann dir jeder Jurist bestätigen (auch wenn die unteren Instanzen da immer wieder Fehlurteile fällen, weil sie immer wieder versuchen, doch irgendwie wieder Verhältnismäßigkeitsabwägungen reinzuschmuggeln; die entsprechenden Urteile werden aber von höheren Instanzen regelmäßig kassiert).

  • Kant sagt übrigens an einer Stelle in seinen späten Vorlesungen zur Moralphilosophie, dass jede Einschränkung des Notwehrrechts aufgrund von Verhältnismäßigkeitserwägungen, einen grundlegenden Verstoß gegen die Menschenrechte darstellen würde. Denn der Staat würde damit dem Bürger die Pflicht auferlegen, Verletzungen seiner Rechte hinzunehmen und so das objektive Recht, wie die subjektiven Rechte seiner Bürger überhaupt aushebeln.


    Auf dieser simplen Überlegung basiert das gesamte deutsche Notwehrrecht. Das Allgemeine Preußische Landrecht wurde nicht umsonst im Wesentlichen von Schülern Kants geschrieben und dogmatisch ausgestaltet.

  • Ich verstehe nicht viel von Juristerei, aber eins weiß ich, dass sich höchst selten alle Juristen einig sind.

    Das kann dir jeder Jurist bestätigen (auch wenn die unteren Instanzen da immer wieder Fehlurteile fällen, weil sie immer wieder versuchen, doch irgendwie wieder Verhältnismäßigkeitsabwägungen reinzuschmuggeln; die entsprechenden Urteile werden aber von höheren Instanzen regelmäßig kassiert).

    Du widersprichst dir in dem Satz selbst, Philon. Die "unteren Instanzen" sind auch Juristen.


    Noch eine Meldung zum Thema: Kulturstaatsministerin Grütters will demnächst eine Konferenz zur Sicherheit in Museen abhalten, auf der überlegt werden soll, wie man auf die neuen Herausforderungen reagieren kann.

  • Du widersprichst dir in dem Satz selbst, Philon. Die "unteren Instanzen" sind auch Juristen.

    Nein, das ist kein Widerspruch: In der Dogmatik, wie ich sie dargestellt habe, sind sich alle einig. Einige untere Instanzen versuchen nur immer wieder, das Erforderlichkeitskriterium so sehr auszuweiten, dass es in die Nähe eines Verhältnismäßigkeitskriteriums rückt. Sie verstecken gewissermaßen die Verhältnismäßigkeit in der Erforderlichkeit, weil sie direkt keine Verhältnismäßigkeitsprüfung vornehmen dürfen.


    Ein Richter einer unteren Instanz hat das mir gegenüber mal so formuliert: "Klar, ich weiß ja, dass es bei der Notwehr keine Verhältnismäßigkeitsabwägung gibt, aber ich finde das so unplausibel und intuitiv so falsch. Wenn ich einen Notwehrfall habe, deute ich deshalb das Erforderlichkeitskriterium so aus, dass es faktisch auf Verhältnismäßigkeit hinausläuft."
    Und genau diese Urteile werden dann von den höheren Instanzen regelmäßig kassiert, wenn der Angeklagte den Schneid und das Geld hat, den Instanzenweg zu gehen.

  • In unserer Kultur gilt materielles Gut stets als ersetzbar. Soweit ich in meiner halbjuristischen Ausbildung gelernt habe ist der Schusswaffengebrauch absolut ungerechtfertigt, wenn man damit nur beabsichtigt einen Diebstahl, Vandalismus oder sonst etwas zu verhindern. Das allein folgt schon aus der Logik heraus, dass das Menschenleben immer höher wiegt als materielles Gut. Auch das Leben eines Räubers. Das Wachleute auf Diebe schießen ist eher ein Märchen aus Kinofilmen. Das mag in patriarchalischen Strukturen oder beim Militär so sein, aber nicht in einer aufgeklärten Zivilgesellschaft.


    Unabhängig davon stimme ich natürlich zu, dass der Sachverhalt in Dresden einen üblen Beigeschmack hat, nämlich sieht es tatsächlich so aus als wären unsere Kunsttempel Selbstbedienungsläden für jene, die einfach dreist genug sind.


    Gestern äußerte sich bei Maischberger die Kunstsachverständige Heide Rezepa-Zabel zu dem Raub und sagte nicht nur, dass sie optimistisch sei dass die geraubten Stücke wieder auftauchen würden, sondern auch, dass z.B. der große Altschliffdiamant bei einem Neuschliff nach modernen Maßstäben um die 80 % an Substanz einbüßen würde, und somit an sich schon mächtig an Wert verlieren würde. Das scheint auch dagegen zu sprechen, die ganzen Steine umzuschleifen.

  • Soweit ich in meiner halbjuristischen Ausbildung gelernt habe ist der Schusswaffengebrauch absolut ungerechtfertigt, wenn man damit nur beabsichtigt einen Diebstahl, Vandalismus oder sonst etwas zu verhindern.

    Dann hat man dir da was komplett Falsches erzählt. Ich nehme an, dass das in der Ausbildung von Nicht-Juristen im Staatsdienst teilweise bewusst gemacht wird, um zu verhindern, dass sie vorschnell von der Schusswaffe Gebrauch machen oder ähnliches.


    In meiner Waffensachkunde-Prüfung als Sportschütze war das nämlich aus eben diesem Grund auch falsch dargestellt. Ich habe das damals einem renommierten Strafrechtsprofessor gezeigt und der hat nur den Kopf geschüttelt. Wir haben daraufhin dann bei der zuständigen Behörde nachgefragt und die Auskunft bekommen, man wisse schon, dass das eigentlich nicht so ganz stimme, was da in den Prüfungsunterlagen steht, aber man wolle halt verhindern, dass Sportschützen in Notwehrsituationen leichtfertig von der Schusswaffe Gebrauch machen.


    Das allein folgt schon aus der Logik heraus, dass das Menschenleben immer höher wiegt als materielles Gut. Auch das Leben eines Räubers.

    Das wäre so, wenn unser Rechtssystem utilitaristisch orientiert wäre. Im utilitaristischen Rahmen könnte man aus einer Güterabwägung eine staatlich verordnete Pflicht des Bürgers herleiten, unter Umständen Verletzungen seiner Rechte hinzunehmen.


    Wir haben aber - zum Glück, wie ich meine - im Anschluß an Kant (siehe Beitrag 231) ein grundsätzlich deontologisch orientiertes Strafrecht, das die Aufhebung von Rechten zugunsten von Gütern seiner inneren Logik nach weitgehend ausschließt.

  • Das scheint auch dagegen zu sprechen, die ganzen Steine umzuschleifen.

    Na ja, wenn sie die Steine anders nicht losbekommen (und wie sollten sie das, da jeder Händler auf der Welt die Stücke kennt) werden sie den Wertverlust wohl in Kauf nehmen.

  • Zum Wertverlust: Ja, das sollte man aber vorher schon wissen, wenn man eh schon am recherchieren ist welche Vitrine, was liegt da drin, wann und wo kann man am Besten welches Fenster einschlagen. Das finde ich nicht überzeugend, das sich Diebe genau darüber informieren wie sie an das Diebesgut rankommen, aber nicht darüber, woraus das Diebesgut eigentlich besteht, was es wert ist und wie man es los bekommt. Es spricht vieles für einen Auftrag.


    Zum juristischen Thema: Ich bin da kein Experte, aber ich glaube wir haben hier noch nicht definiert, was Notwehr eigentlich ist. Und ob ein Angestellter überhaupt einem Notwehrtatbestand ausgesetzt sein kann, wenn sein Leib und Leben gar nicht bedroht ist, sondern "nur" irgend ein Wertgegenstand. Ich glaube du nimmst hier einfach an, dass der Wachmann den Alarm wahrnimmt, den Tatort aufsucht und dort dann in eine Situation gerät, die eine Notwehrhandlung erforderlich macht, z.B. weil die Täter noch dort sind und ihn bedrohen. Ich glaube aber so einfach ist das nicht. Etwas anderes wäre es wenn die Täter im Rahmen der Tatdurchführung die Wachleute festsetzen und direkt bedrohen. Aber selbst dann ist es m.E. fragwürdig zu erwarten, dass diese sich automatisch mit Waffengewalt verteidigen wenn der wahrscheinlichere Ausgang der ist, dass man sie unversehrt lässt.


    Deine Herleitung aus der Kant'schen Lehre teile ich natürlich, wenn es um eine direkte Gefahr für Leib und Leben geht, der man unbeabsichtigt geraten ist. Aber wer sich in Gefahr begibt kommt darin um. Ich muss auch arg überlegen was ich täte, wenn in meinem Haus eingebrochen wird und mich das aus dem Schlaf reisst. Hingehen und den Helden spielen? Die Polizei rät davon dringend ab. Faktisch aber geht man den Geräuschen doch nach. Aber das ist eben nur stark eingeschränkt vergleichbar mit dem Szenario im Grünen Gewölbe.

  • Und ob ein Angestellter überhaupt einem Notwehrtatbestand ausgesetzt sein kann, wenn sein Leben und Leben gar nicht bedroht ist, sondern "nur" irgend ein Wertgegenstand.

    Das habe ich doch schon erläutert: Notwehr setzt einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff auf ein beliebiges Rechtsgut bei einem selbst oder bei einem Dritten voraus. Dazu gehört das Eigentumsrecht ebenso, wie das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.


    Wir hatten also einen rechtswidrigen Angriff auf ein Rechtsgut (Eigentum) eines Dritten, dieser rechtswidrige Angriff war gegenwärtig und die Wachleute hatten davon Kenntnis. Also waren alle Voraussetzungen des §32 StGB für die Wachleute erfüllt: sie befanden sich auch ohne in dem betreffenden Raum zu sein in einer Notwehrsituation und hätten dementsprechend den rechtswidrigen Angriff auch mit Gewalt beenden bzw. verhindern dürfen.


    Ich glaube, dein Problem ist einfach, dass du nicht akzeptieren willst, dass Notwehr auch gegen Angriffe auf andere Rechtsgüter als Leib und Leben gerechtfertigt ist. Da ist das deutsche Recht aber völlig klar und eindeutig.

  • Ich glaube, dein Problem ist einfach, dass du nicht akzeptieren willst, dass Notwehr auch gegen Angriffe auf andere Rechtsgüter als Leib und Leben gerechtfertigt ist. Da ist das deutsche Recht aber völlig klar und eindeutig.

    Da könntest du Recht haben, denn deine Auslegung erscheint mir recht archaisch. Das würde ja auch auf Diebe zutreffen, die einen Apfel aus dem Garten klauen, oder jemanden, der unberechtigt auf deinem Anwohnerparkplatz steht. Einen Notwehrtatbestand aus jeder denkbaren Rechtsverletzung zu konstruieren erscheint mir praxisfern. Aber ich unterhalte mich darüber mal mit Juristen, das finde ich spannend.

  • Das würde ja auch auf Diebe zutreffen, die einen Apfel aus dem Garten klauen, oder jemanden, der unberechtigt auf deinem Anwohnerparkplatz steht.

    Bei den beiden Fällen greift die sogenannte "sozialethische Einschränkung der Notwehr", die die Anwendung von Gewalt bei extrem geringfügigen Rechtsgütern untersagt. In der Literatur wird da je nach Autor ein Grenzwert von zwischen 20 und 50 € angesetzt.


    D.h. den Apfeldieb dürfte ich nicht erschießen, weil ein Apfel unter 20 oder 50 € wert ist, wohl z.B. aber einen Auto- oder Juwelendieb. Aber wie gesagt: immer vorausgesetzt, mir steht kein milderes Mittel zur Verhinderung des Diebstahls zur Verfügung als das Erschießen, was i.d.R. natürlich nicht der Fall sein dürfte, d.h. es wird mir höchstwahrscheinlich in beiden Fällen irgendein milderes Mittel zur Verfügung stehen, so dass die Erforderlichkeit eines tödlichen Schusses zur Abwehr des rechtswidrigen Angriffs nicht gegeben ist. Erforderlichkeit hat aber nichts mit Güterabwägung zu tun (was oft falsch verstanden wird).


    Beim Schusswaffengebrauch hat sich in ständiger Rechtsprechung die Auffassung durchgesetzt, dass jemandem, der im Besitz einer Schusswaffe ist, bei Eigentumsdelikten grundsätzlich immer der Warnschuss als gleichwirksames, aber milderes Mittel zur Verfügung steht. Auf die Weise versucht man, den Schusswaffengebrauch im Rahmen des Notwehrrechts sozusagen "durch die Hintertür" über das Erforderlichkeitskriterium einzudämmen.
    Ob das mit dem Warnschuss als "gleichwirksames" Mittel wirklich so grundsätzlich stimmt, ist natürlich fraglich und eigentlich von den empirischen Umständen abhängig.
    Ungeachtet dessen zeigt diese Argumentationsfigur aber gerade, dass es eben nicht um Verhältnismäßigkeiten oder Güterabwägungen geht, sondern einzig um die Frage der Erforderlichkeit. Sonst müssten die Gerichte ja eben nicht diesen merkwürdigen Umweg über die Möglichkeit des Warnschusses gehen.


    P.S.: Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass nach ständiger Rechtsprechung das Erschießen des Auto- oder Juwelendiebes als Notwehrmaßnahme gegen den rechtswidrigen Angriff auf das Rechtsgut des Eigentums zulässig ist, wenn der Warnschuss ohne Erfolg bleibt und auch kein sonstiges milderes Mittel zur Abwehr des rechtswidrigen Angriffs zur Verfügung steht.

  • Das MDR-Magazin "exakt" brachte einen interessanten Bericht zu polizeilichen Erkenntnissen, Sicherheitsfragen usw. Klick


    Die Polizei hat eine halbe Million Euro für Hinweise zur Ergreifung der Täter ausgelobt. Die Soko wurde auf 40 Mann verdoppelt. Drei Staatsanwälte sind schwerpunktmäßig mit dem Fall befasst (Abteilung Organisierte Kriminalität).


    In Zusammenarbeit mit den SKD hat der MDR ein Vitrinenfoto bearbeitet, sodass ein Vorher-Nachher-Vergleich möglich ist. Klick. Das ist viel besser als wir das hier (theoretisch) mit den Karpinski-Fotos hätten machen können.


    Ich sehe da Abweichungen zu den Verlustmeldungen von gestern. Demnach ist der Degen mit Scheide aus der Diamantrosengarnitur vorhanden und der Degen mit Scheide aus der Brillantgarnitur fehlt. Gemeldet war bisher der Degen ohne Scheide aus der Diamantrosengarnitur als Verlust. Es würde aber eher einleuchten, dass der Degen der Brillantgarnitur fehlt, weil der Diamantrosendegen ja ganz rechts am Rande der Vitrine liegt.


    Vom Brillantkollier der Königin ist demnach das untere Teilstück verloren, der obere Hauptteil der Kette aber da. Bei den Rockknöpfen der Diamantrosengarnitur fehlen nach dieser Grafik fünf von zehn Stück. Hier waren bislang Teilverluste gemeldet (ohne nähere Spezifikation). Das gilt auch für die Achselschleife der Diamantrosengarnitur. Diese wurde hier nun als Komplettverlust markiert. Möglicherweise liegt das aber auch nur daran, dass sie teilweise durch den Steg verdeckt ist.


    Edit: Auf der Seite der SKD gibt es aber keine neuen Angaben zu den Verlusten. Da gilt weiter Stand gestern 16 Uhr. Möglicherweise hat der MDR-Grafiker die beiden Degen verwechselt und die Teilverluste vereinfacht markiert. Andererseits müsste aber ein Experte der SKD bei der Grafik geholfen haben, da ein Laie auf dem Vitrinenfoto nicht erkennt, welche Garnitur an welcher Stelle in der Vitrine liegt.


    Von den ursprünglich mit Bild gemeldeten 10 verlorenen Stücken sind drei vorhanden. Syndram sprach bei der Pressekonferenz am Dienstag 16 Uhr noch von zwei Stücken, die doch da seien (vergleiche meine Beiträge weiter oben). Wir sehen, es geht im Moment nocht etwas drunter und drüber hinsichtlich der Verlustbilanz.

  • Die Dresdner und alle Kunstliebhaber werden wohl die ganz bittere Pille schlucken müssen dass es mit den gestohlenen Schätzen kein Wiedersehen mehr geben wird.

    Für die aus dem Grünen Gewölbe Dresden gestohlenen Kunstwerke aus Brillanten und Diamanten gibt es aus Expertensicht wenig Hoffnung. Die Chance, dass sie auf dem Kunstmarkt auftauchen und das Museum sie unversehrt zurückbekommt, sind nach Einschätzung des Kunstdiebstahlexperten Willi Korte eher gering. „Meine große Befürchtung ist, dass die Steine herausgebrochen und individuell verkauft werden“, sagte er. „Diamanten haben schon immer als Zahlungsmittel gegolten.“ Sie würden meist in Südamerika, Osteuropa oder Asien weitergereicht.
    Korte hält auch die Beute aus dem Grünen Gewölbe für verkäuflich, im Unterschied zu den Museumsleuten. „Selbst wenn sie nur einen Bruchteil ihres realen Marktwerts erbringen von zehn bis 20 Prozent, rentiert sich das gemessen am Aufwand immer noch“, sagte er.

    Die Verbrecher werden die Steine wahrscheinlich rücksichtslos umschleifen, auch wenn 50 Prozent der Masse verloren geht (so gestern Abend ein Experte im ZDF). Ein gutes Geschäft haben sie damit immer noch gemacht. :kopfwand:


    Ich hoffe dass die Museumswelt jetzt endlich aus dieser Tragödie lernt und unsere Museen deutlich besser schützt und sichert. Denn die Verbrecher haben längst aufgerüstet und gehen auch immer brachialer vor:

    Selbst im Grünen Gewölbe war es zu leicht, sagte Korte mit Verweis auf Gitter, die durchgesägt werden können, Fenster, die sich öffnen lassen, Videoaufzeichnungen ohne Beleuchtung und Wachpersonal, das trotz Bewaffnung nicht sofort eingreift. „Im Zweifelsfall ist ein hochpreisiger Juwelier besser gesichert.“ Und bei diesen Händlern in den großen Städten seien die Schaufenster in der Nacht leer und die Auslagen weggeschlossen.

  • Nachtrag: Der MDR-Grafiker hat nach meiner Einschätzung die beiden Garnituren durcheinander gebracht. Die im dritten Feld der Vitrine (Kompartiment) von links markierten Verluste (Degen und Schuhschnallen) hätten im letzten Feld (Kompartiment, ganz rechts) markiert werden müssen. Diamantrosengarnitur (die beiden Kompartimente ganz rechts) und Brillantgarnitur (die beiden Kompartimente in der Mitte) hat er vermischt. Die Grafik ist daher irreführend.


    Offenbar hat kein SKD-Experte bei der Grafik mitgewirkt. Dann kommt sowas raus. Irreführender Mischmasch. Die markierten Teilverluste stellen dann zweifellos auch nur grafische Vereinfachungen dar und keine neuen Erkenntnisse.


    @Maecenas
    Im MDR-Video (siehe mein voriger Beitrag) sagt die ehemalige Chefrestauratorin des Grünen Gewölbes, Christine Engemann, dass sich die Diamanten schlecht verwerten ließen. Es fällt auf, dass Leute, die sich mit dem historischen Diamantenschatz auskennen, zu einer anderen Einschätzung gelangen als Leute, die nur allgemein etwas über Schmuck und Juwelen wissen, aber kein Spezialwissen zu diesen alten Diamantengarnituren haben.


    Nach heutigen Juweliergesichtspunkten sind diese großen Steine wertlos. Weil sie alle viele Einschlüsse haben und auch Spannungsrisse und, würde man so einen großen Stein zerschneiden, wäre das eigentlich ein absolutes Risiko, weil man nicht weiß, in wie viel Stücke der Stein zerspringen kann.

  • Die Diebe waren offensichtlich nicht an Kunst interessiert, denn diese wurde rechts und links liegengelassen, man ging zielgerichtet zu der Vitrine, in der sich die vom reinen Material (Diamanten) wertvollsten Stücke befanden. Es ging ihnen auch nicht darum, die Stücke in intakter Form zu stehlen, sondern man riss sie so rabiat vom Untergrund, dass sie teilweise zerbrachen oder zerissen.
    Es erscheint daher auch mir sehr wahrscheinlich, dass sie die Zerstörung jetzt fortsetzen, dass sie die Schmuckstücke in ihre Einzelteile zerlegen und die Diamanten umschleifen, um sie verkaufen zu können.
    Unglaublich wie dreist, rabiat und kaltblütig man sein kann...und blöd, denn wenn es ihnen ums reine Material ging, dann wären sie besser nicht in ein Museum eingebrochen sondern bei einem Großjuwelier. Aber in einem Artikel habe ich gelesen, dass Großjuweliere wahrscheinlich besser geschützt sind. Also vielleicht doch nicht so blöd. :/
    Damit müssen deutsche Museen aber nun langsam rechnen und sie müssen sicherheitstechnisch nachziehen.

  • Im MDR-Video (siehe mein voriger Beitrag) sagt die ehemalige Chefrestauratorin des Grünen Gewölbes, Christine Engemann, dass sich die Diamanten schlecht verwerten ließen.

    Dann frage ich mich aber, wenn die Verbrecher "Profis" sind, warum sie ausgerechnet diese Stücke geklaut haben und nicht bei einem x-beliebigen Juwelier zugeschlagen haben ?? huh:)

  • Bin ja selbst daran beteiligt, aber dass wir jetzt seit 11 Seiten diskutieren, wie hoch die Chance ist, irgendwas davon wiederzusehen, zeigt ja nur eines: man ist erst dann klüger, wenn die Stücke wieder da sind - oder auch nicht.


    Vielleicht macht es angesichts der momentan Faktenlage keinen Sinn, sich weiter darüber den Kopf zu zerbrechen? ;-)

  • .

    Quote from nothor

    Soweit ich in meiner halbjuristischen Ausbildung gelernt habe ist der Schusswaffengebrauch absolut ungerechtfertigt,

    Hier ist nur ein Wort maßgeblich: HALBJURISTISCH.
    das heutige Deutschland ist ja bekanntlich zu vielem instande, wie auch einige Kommentare hier belegen.
    Über das Vorliegen von Notwehrrecht in einem derartigen Fall kann indes nicht einmal bei den heutigen von Philon angedeuteten Verwerfungen ein Zweifel bestehen.



    Vgl folgende Wikipedia-Ausführungen:

    Quote from wiki

    Die Gebotenheit der Notwehr kann entfallen, wenn zwischen dem angegriffenen und dem verletzten Gut ein deutliches Missverhältnis besteht. Dies folgt daraus, dass eine deutlich unverhältnismäßige Reaktion den grundlegenden Geboten der Rechtsordnung widerspricht, insbesondere dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit und dem Verbot des Rechtsmissbrauchs.


    Ein extremes Missverhältnis kann beispielsweise bei der Drohung mit dem Tod zum Schutz eines Wegerechts vorliegen.[74] Es liegt ebenfalls vor, wenn der Täter eine geringwertige Sache stiehlt (§ 242 StGB) und dies mit tödlichem Schusswaffengebrauch vereitelt wird.[75] Die Schwelle zur Geringwertigkeit ist in der Rechtswissenschaft umstritten, einige Stimmen gehen in Anlehnung an § 243 Absatz 2, § 248a StGB von 50 € aus,[76] andere von 100 € bis 200 €.[77] Bereits der Diebstahl mittelwertiger Gegenstände darf nach herrschender Meinung jedoch auch mit einer tödlichen Abwehrhandlung vereitelt werden, sollten mildere Mittel nicht zur Verfügung stehen.[60][61] Das generelle Verbot zur Tötung von Menschen zum Schutz von Sachwerten, das in Art. 2 Absatz 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention normiert ist, setzt der Gebotenheit der Notwehr nach vorherrschender Auffassung in der Rechtswissenschaft keine Grenzen, da sich die Vorschrift lediglich an Hoheitsträger richtet

    Das dürfte doch für entsprechende Klarheit schaffen.
    an und für sich sollte man von bewaffnetem Security-Personal erwarten, dass es zu Notwehr- bzw Nothilfemaßnahmen verpflichtet ist.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Was kommt als Nächstes dran ?


    Stellt man den Diebstahl im Grünen Gewölbe in den Zusammenhang der anderen Schicksalsschläge, die das europäische Kulturerbe in den letzten Jahren zu erdulden hatte, so kommt man bei aller Unterschiedlichkeit der diversen Konstellationen, doch zu einem gemeinsamen Nenner: Ob es die religiös motivierte Zerstörung von Heiligen-Statuen in Süddeutschland, Österreich und Italien ist, ob es die – wohl – auf Nachlässigkeit beruhende Brandkatastrophe von Notre Dame ist und ob es nun der – wahrscheinlich aus materieller Gier geborene - Juwelenraub von Dresden ist, das verbindende Element ist immer der heute nicht mehr vorhandene Respekt und die mangelnde Ehrfurcht vor den künstlerischen Leistungen unserer Ahnen. Ein Respekt, der früher - selbst für die ausgekochtesten Ganoven - eine unüberwindliche Hemmschwelle, eine sichere Schutzwehr für das ‚von den Vätern Ererbte’ und ‚treuhänderisch von uns für unsere Nachkommen Verwaltete’ darstellte. Aber diese Ehrfurcht wird den immer spärlicher nachwachsenden Autochthonen (Thomas Mann Zitat aus den Buddenbrooks... !) offenbar nicht mehr im ausreichenden Maße vermittelt und von den gänzlich anders gepolten ‚Zugängen’ des letzten halben Jahrzehnts können wir eine solche schon mal rein gar nicht erwarten !


    Nach dem Drama von Dresden kommen einem somit schon recht dystopische Gedanken nach der Art, was wohl als nächstes betroffen sein könnte ? Man möchte sich nicht vorstellen, daß z.B. das Original der heiligen Reichskrone aus der Hofburg entwendet, in seine Einzelteile zerlegt und eingeschmolzen werden könnte. Noch vor wenigen Jahren undenkbar, aber heute angesichts der seltsamen Prioritätensetzung in unserer Gesellschaft durchaus im Bereich des Möglichen…


    Finis Culturae !